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Wie dem Hund wieder vertrauen?

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Ich bin einfach nur frustriert.

Unsere Nachbarin, die schwer psychisch erkrankt ist, hatte wieder eine Krise und musste erneut ins Krankenhaus. Leider passiert das zwei- bis dreimal im Monat.

Mein Partner und ich kümmern uns seit etwa elf Monaten um ihren Hund. Jeden einzelnen Tag gehen wir unentgeltlich mit ihm spazieren und sorgen dafür, dass er genügend Bewegung bekommt – einfach, weil wir den Hund mögen. Und weil mir die Besitzerin leidtut und ich ihr helfen möchte.

Heute hatten wir keine Pläne und haben den Hund deshalb wieder zu uns genommen, während seine Besitzerin im Krankenhaus war.

Das Problem war, dass der Hund sich heute viel merkwürdiger verhalten hat als sonst. Wir kennen ihn inzwischen sehr gut. Immer wenn es seiner Besitzerin schlecht geht, verändert sich auch sein Verhalten. Er zieht stärker an der Leine, wird beim Spazierengehen ängstlicher, versteckt sich häufiger, bellt mehr als sonst oder wirkt einfach emotional völlig abgeschaltet.

Heute war es aber noch einmal ganz anders.

Wir hatten den Hund gerade in unsere Wohnung gebracht und mein Partner ging noch einmal kurz hinaus, um den Müll wegzubringen. Als er zurückkam, klopfte er an die Tür, damit ich ihm öffne. Der Hund stand direkt neben mir und bellte extrem laut.

Ich sagte ihm bestimmt, dass er aufhören soll zu bellen. Außerdem schob ich ihn vorsichtig mit der Hand etwas zur Seite, weil er sonst direkt zur Tür hinausgelaufen wäre – entweder meinem Partner entgegen oder vielleicht sogar in den Hausflur. Das wollte ich verhindern.

Er hat mich nicht richtig gebissen, aber er schnappte heftig nach meiner Hand und das mehrfach. Er knurrte, zog die Lefzen hoch und wirkte wirklich aggressiv. Ich bekam Angst, hob meine Stimme und schob ihn vorsichtig mit dem Fuß etwas weg, weil ich befürchtete, dass er in meine Hand beißen würde. Daraufhin schnappte er auch nach meinem Fuß. Er hatte ihn im Maul und hat daran gerissen. Es hat nicht geblutet, war aber extrem agressiv. Er hat heftig geknurrt und die Leftzen hoch gezogen.

Später passierte etwas Ähnliches mit meinem Partner. Der Hund entwickelte plötzlich starken Futterneid wegen eines Leckerlis, das mein Partner ihm gegeben hatte. Mein Partner gibt ihm schon seit Monaten regelmäßig Leckerlis, aber diesmal war alles anders. Der Hund begann zu knurren, die Zähne zu zeigen, nach ihm zu schnappen und ihn anzuspringen. Mein Partner versuchte, ihn vorsichtig wegzuschieben, doch der Hund knurrte, fletschte die Zähne, das etwa 30 Sekunden lang aggressiv weiter und sprang erneut nach ihm. Er hat seine Hand mit dem Maul gepackt und daran gerissen. Es hat nicht geblutet. Aber es war mehrfach. Das hat mir ehrlich gesagt Angst gemacht, weil ich ihn so noch nie erlebt hatte.

Wir kümmern uns nun seit fast elf Monaten um diesen Hund, und so etwas ist noch nie passiert. Heute hat er sich wie ein völlig anderer Hund verhalten.

Es war beängstigend.

Einerseits bin ich ein rationaler Mensch. Ich weiß, dass der Hund nicht „böse“ ist, und ich weiß auch, dass er uns eigentlich sehr gern hat. Meinen Partner liebt er regelrecht. Immer wenn er ihn sieht, freut er sich riesig, springt an ihm hoch, wedelt mit dem Schwanz und sucht seine Nähe. Rational betrachtet weiß ich, dass heute wahrscheinlich eine extrem belastende Situation für den Hund war und dass er emotional unter Stress stand, weil seine Besitzerin plötzlich weg war.

Andererseits bin ich einfach unglaublich enttäuscht.

Wir haben fast ein Jahr unseres Lebens investiert, um diesem Hund zu helfen – jeden Tag mehrere Stunden. Wir gehen täglich lange mit ihm spazieren, damit er genügend Bewegung bekommt. Wir versuchen, ihm grundlegende Erziehung beizubringen, weil seine Besitzerin ihn kaum erzogen hat. Wir sehen, wie schwierig sein Leben durch die psychische Erkrankung seiner Besitzerin ist, und wir haben wirklich versucht, ihm etwas Stabilität zu geben.

Und dann hat er uns heute plötzlich behandelt, als wären wir eine Bedrohung.

Ich weiß, dass er wahrscheinlich nicht aus Bosheit gehandelt hat.

Trotzdem kann ich emotional nicht anders, als mich verletzt und enttäuscht zu fühlen. Es fühlte sich ehrlich so an, als hätte ich es mit einem völlig anderen Hund zu tun.

Nach allem, was passiert war, rief ich die Hundebesitzerin im Krankenhaus an und fragte, ob alles in Ordnung sei und wann sie nach Hause kommen würde. Ich erzählte ihr, was passiert war, und erklärte, dass ich kein gutes Gefühl mehr bei der Situation habe und erst einmal Abstand brauche, weil mir das alles zu viel geworden ist. Ich bin darüber sehr traurig.

Sie verließ das Krankenhaus dann relativ schnell, weil sie sich Sorgen um ihren Hund machte. Zum Glück hatten die Ärzte keine ernsthafte Erkrankung festgestellt.

Was mich zusätzlich enttäuscht hat, war, dass sie uns nicht ein einziges Mal fragte, wie es uns geht. Sie fragte nicht, ob wir in Ordnung sind, und sie entschuldigte sich auch nicht für das Verhalten ihres Hundes.

Fairerweise glaube ich allerdings, dass sie selbst von der ganzen Situation überfordert war.

Das Einzige, was sie zu meinem Partner sagte, war: „Dann war es das wohl?“ Und er antwortete einfach nur: „Ja.“

Es fühlt sich wie ein Kampf an, den man nicht gewinnen kann. Egal, wie viel Zeit, Liebe und Mühe wir in diesen Hund investieren – wahrscheinlich wird er die Folgen seines Traumas immer mit sich tragen.

Und ich möchte mich nicht in Gefahr bringen. Mein Partner sagt, es gibt einen Unterschied zwischen schnappen. Bei dem es nicht blutet und beißen. Aber was ist, wenn er mal richtig beißt?

Es bricht mir ehrlich das Herz.

Wie soll ich diesem Hund wieder vertrauen?

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