Fahrlässiger Mitarbeiter vom Landeseinwohneramt zeigt mir Daten von anderer Kundin
Hier mein Rant.
An einem Donnerstag nachmittag sitze ich im Warteraum. Als ich dran bin, drücke ich dem Sachbearbeiter meine Papiere in die Hand. Er schaut rein, tippt auf seine Tastatur und fragt mich, wie lange ich in Berlin wohne. Über dreißig Jahre, sage ich.
Er schaut kurz auf den Bildschirm. „Nee, stimmt nicht. 2011 waren Sie zum Beispiel ein Jahr im Ausland.“
Ich bin verwirrt. 2011 war ich nicht mal auf Urlaub im Ausland und wohne seit den 90ern durchgehend in Deutschland. Zum Glück habe ich meine Original-Meldebescheinigung dabei und zeige sie auch vor.
Er schaut kurz auf das Papier, dann wieder auf den Bildschirm. Dann erklärt er streng, dass er nichts machen kann. Seine Daten sagen auch, dass ich seit 2018 sogar gar nicht mehr in Deutschland lebe. Ich soll zum Bürgeramt gehen und das klären.
Ich werde wirklich nervös. Laut System existiere ich seit acht Jahren nicht mehr. Aus Verzweiflung frage ich, wie er bitteschön drauf kommt.
Er lacht und erklärt mir, dass er alles über mich sieht. Sogar, wie meine Kinder heißen. Ein bisschen stolz druckt er zwei Seiten aus und schiebt sie mir zum Abschied rüber. Soll er eigentlich nicht machen, sagt er. Ich überfliege die Seiten. Ja, da ist tatsächlich alles drauf. Alter, Geburtsort, Kinder, Ehepartner, Wohnadressen uvm...aber das sind nicht meine Daten.
„Ähm... wer soll Linda Marlene Schmidt sein?“, frage ich.
Er starrt mich an. „Wie heißen Sie denn?“
„Steht auf meinem Pass. Und auf dem alten Aufenthaltstitel. Und auf der Anmeldung. Lea Marie Schmidt.“
Kurze Stille.
Er reißt mir die Papiere aus der Hand. Plötzlich wirkt er engagiert, tippt fleißig auf die Tastatur, bittet mich um Fingerabdrücke, Unterschrift, Infos zu Körpergröße und Augenfarbe. Dann löscht er gleich wieder alles aus Versehen, also nochmal von vorn. Auf einmal klappt's.
Er hat sich nicht entschuldigt. Aber zumindest hat er auch nicht weiter versucht, mich vom Land zu verweisen oder Privatdaten von mir unbekannten Personen mit mir zu teilen. Ich kriege den neuen Aufenthaltstitel, hoffentlich auf den richtigen Namen.
Ich will den Fall melden. Linda Marlene würde es bestimmt nicht so lustig finden, wenn sie Bescheid wusste, wie dieser Clowncar mit ihren Daten umgegangen ist. Fühlt soch auch nicht so geil an, dass er Zugang zu meinen Daten hat. Ich bin immer noch sauer.
P.S. "Schmidt" ist nicht der echte Nachname, kommt aber mehr oder weniger genau so häufig in Deutschland vor wie mein Name.