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Früher Tod des Vaters

Ich weiß nicht, ob das hier der richtige Sub dafür ist. Mein Vater ist vor 6 Jahren gestorben und ich wollte das einfach mal irgendwo teilen. Habe dafür extra einen Wegwerfaccount gemacht.

Es ist bis heute eine seltsame Mischung aus sehr tiefer Trauer und gleichzeitig auch Erleichterung. Er hat immer gesagt, dass er sich einen schnellen Tod wünscht. Manchmal frage ich mich, ob er vielleicht in irgendeiner Form nachgeholfen hat, aber ich werde es wohl nie wissen.

Ich habe mein ganzes Leben Sorge um ihn gehabt. Er war schwer alkohol- und drogenabhängig. Gewaltätig war er nie, eher das Gegenteil – er ist oft in Selbstmitleid versunken und kam aus seinen Problemen nicht heraus.

Trotzdem bin ich bei ihm aufgewachsen und gerade in meiner Jugend waren wir fast wie gute Freunde. Er war sehr jung, als er mich bekam, und hatte viele wirklich wundervolle Seiten an sich. Ich will ihn damit nicht glorifizieren, denn vieles war schwer und belastend. Aber er war eben nicht nur seine Sucht.

Er war auch ein toller alleinerziehender Vater und hat immer hart gearbeitet. Wir hatten eine sehr tiefe Verbindung zueinander, manchmal fast schon telepathisch. Ein halbes Jahr vor seinem Tod hat er mich plötzlich gefragt, was ich eigentlich mal mit seinen ganzen CDs machen werde, wenn er nicht mehr da ist. Damals fand ich solche Fragen seltsam. Heute wirken sie für mich fast wie eine Vorahnung.

Kurz bevor er gestorben ist, war ich für ein paar Tage verreist. Den Mittwoch und Donnerstag davor haben wir telefoniert. Er sagte, dass es ihm nicht so gut gehe, aber ich solle trotzdem fahren, es sei alles okay. Ich habe ihn gefragt, ob ich etwas bringen soll oder ob er mich braucht, aber er hat abgelehnt.

Ich weiß noch, dass ich fragte, ob er Suppe möchte und ich sie vorbeibringen könnte. Das waren quasi unsere letzten Worte. Er sagte nur: „Ach, du mit deiner Suppe.“ Aber liebevoll, nicht abwertend. Heute fühlt sich das fast so an, als wäre für ihn schon alles Irdische nicht mehr so wichtig gewesen.

Die letzten Tage denke ich wieder extrem viel an ihn. Ich war heute im Michael-Jackson-Film im Kino und habe später David Bowie gehört – das sind starke Verbindungen zu ihm. Seitdem laufen einfach die Tränen und ich denke sehr viel an ihn. Ich liebe ihn.

Ich bin inzwischen auch in psychologischer Behandlung seit 3 Jahren und eigentlich ist vieles irgendwie gut und stabil in meinem Leben ( hatte schon immer auch mit mittel schweren Depressionen zu kämpfen).Aber manchmal ist dieses Gefühl einfach unglaublich schwer. Manchmal kickt es eben krass.

Danke Papa.

Und danke an alle, die das hier gelesen haben. Vielleicht gibt es hier einfach Menschen, die etwas Ähnliches erlebt haben und Ratschläge haben oder Rituale. Vielleicht tut ein Austausch irgendwie gut.....wie geht man mit Trauer wirklich um? Gibt es eine Zeit die heilt? Ich glaube nein...

Ach ja, ich bin heute etwas wirr. Ich habe ihn am Sonntag nach meiner Reise leblos in seiner Wohnung gefunden. Das war das Schlimmste an der ganzen Sache und hat mich traumatisiert. Diesen Anblick vergisst man nicht.

Alles Liebe euch......

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u/Few-Structure-1134 — 5 days ago