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Vorsichtshalber: TW sterben, Ängste und Unfälle

Tl:dr
Ich mache mir ständig Sorgen, die mich und vermutlich auch mein direktes Umfeld einschränken und weiß nicht wie ich damit umgehen soll.

Hallo liebe Redditer, habe mir aus Gründen für den Beitrag nen neuen Account gemacht, nicht wundern, ich hoffe der Text wird nicht zu Lang und entschuldigung für mögliche Rechtschreibfehler:
ich habe ein Problem, das ich selbst nicht ganz einordnen kann, und würde dazu gerne mal die Meinung von unbeteiligten hören.

Kurz zu mir: Ich bin 23 Jahre alt und habe ADHS mit starken Symptomen (wird noch wichtig).

Seit ich denken kann mache ich mir immer extreme Sorgen, immer im zusammenhang mit meiner, in der Zeit, wichtigsten Beszugsperson. Wenn mein Vater (damals meine wichtigste Bezugsperson) irgendwo ohne mich hingefahren ist (schon im Kindergartenalter), habe ich geweint und geschrien, weil ich konkret Angst hatte, dass er stirbt. In meiner Familie gab es damals keine Todesfälle oder ähnliche Situationen.
Das Thema Tod wurde weder vermieden noch besonders behandelt, es gab einfach keinen konkreten Anlass. Deshalb verstehe ich bis heute nicht, warum diese Angst schon damals so spezifisch war.

Ich bin in einem sehr unruhigen und chaotischen Haushalt aufgewachsen, mit vielen Geschwistern und sehr viel Streit zwischen den Kindern. Mein Vater hat ebenfalls ADHS und war oft ziemlich durcheinander/verpeilt. Dadurch waren wir überall zu spät, die Wohnung war meist chaotisch, und meine Eltern standen beide wohl kurz vor dem Burnout (das haben sie mir erst erzählt, als ich älter/erwachsen war).
Meine Mutter hat alles gemanagt, ohne sie wären wir im Chaos untergegangen.

Ich war als Kind mehrfach in Psychotherapeutischer Behandlung (einmal Grundschulalter, in der weiterführenden Schule und wärend meiner Ausbildung), wegen Depressionen, ADHS symptomen und Ängsten. Damals ging es vor allem um Angst vor Geistern, Dämonen, Monstern und allgemein „unnatürlichen“ Dingen. Es gab damals auch den Verdacht auf eine Angststörung, ich weiß aber nicht mehr genau, ob das letztendlich diagnostiziert wurde.
Durch die Therapie wurde es kurzfristig besser, aber nach dem Ende kamen die alten Muster wieder zurück und es war fast wie vorher, mit dem unterschied, dass ich es etwas besser einordnen konnte.
Ansonsten bin ich damals schon regelmäßig zu anderen Therapeuten getourt, eigentlich mein ganzes „frühes“ Leben (Logopäden und sowas).

Heute zeigen sich ähnliche Ängste bei meinem Freund (24j). Er hat nur etwa 15 Minuten Weg von der Straßenbahn bis zu unserer Wohnung, die er täglich von der Arbeit gehen muss. Wenn er anruft und ich gerade beschäftigt bin, denke ich manchmal kurz: „Ich gehe einfach nicht ran, es geht wahrscheinlich eh nur ums Einkaufen und ich brauche sowieso nichts.“
Und sofort kommen Gedanken wie:
„Was, wenn das das letzte Mal ist, dass wir miteinander sprechen?“, „Vielleicht wird er wärend dem Gespräch angefahren und ich könnte sofort helfen.“ oder „vielleicht ist er schon im Krankenhaus und ich muss dahin kommen“.
Dann gehe ich sofort ans Telefon.

Es geht um einen 15-Minuten Weg bei hellichtem Tag und trotzdem mache ich mir solche extremen Gedanken.

Einmal war ich sogar kurz davor, Schluss zu machen, weil er regelmäßig nicht Bescheid gegeben hat, wenn er später von Freunden nach Hause kam. Teilweise war er erst früh morgens zuhause und vorher nicht erreichbar. Ich dachte jedes Mal, er sei tot, konnte die ganze Nacht nicht schlafen und habe viel geweint. Irgendwann hatte ich das Gefühl, ich müsste eine Grenze ziehen, weil mich das psychisch komplett zerstört. Mir ist bewusst, dass das übertrieben ist und das sogar in der Situation selbst.
Ich denke es ging dabei auch eher darum mich selbst zu distanzieren, damit diese Gefühle mich nicht mehr betreffen.

Einmal war ich in der Nacht sogar kurz davor, Krankenhäuser anzurufen, weil ich Angst hatte, ihn sonst nie wieder sprechen zu können oder ihm vielleicht noch irgendwie das Leben retten zu können, indem ich z.B. seine Gesundheitsprobleme weitergeben könnte. Dabei hat er nicht einmal relevante gesundheitliche Probleme, die ansatzweise wichtig sind oder Helfen könnten, also was ist in meinem Kopf schief?
Ich habe das damals nicht gemacht, weil mir bewusst ist, dass diese Ängste eben nur Gefühle sind und ich keine Unbeteiligten damit nerven/mit reinziehen will, obwohl ich das schon einigermaßen reflektieren kann, gehe ich Emotional trotzdem mit und schaffe es nicht mich zu Beruhigen.

Allgemein beobachte ich ihn oft sehr genau, um mögliche Krankheiten früh erkennen oder ausschließen zu können, als ob ich da irgendeine Kompetenz drinnen hätte.

Ich will ihn damit nicht einschränken, ich weiß auch, dass ich ihn damit natürlich auch stresse. Er geht teilweise nicht so verantwortungsvoll mit sich um (er geht nur zum Arzt wenn ich es ihm sage oder wenn er eine AU für die Arbeit braucht), er achtet aber immer auf seine Umgebung und deswegen sind Unfälle (die ein großer Teil meiner Ängste sind) eher unwahrscheinlich. Mir ist bewusst, dass das komplett mein Problem ist und ich meine Beziehung und meinen Freund damit nicht belasten sollte, aber ich kann diese Gedanken nicht abschalten und verstehe nicht, woher diese Sorgen überhaupt kommen. Ich habe nie erlebt, dass jemand plötzlich unerwartet verstorben ist oder etwas Vergleichbares.

Ich habe diese ganzen Ängste aber immer nur bei meiner direkten Bezugsperson, Freunde und (seit dem ich meinen Freund habe) mein Vater fallen da komplett raus. Um meine Mutter und Geschwister habe ich mir nie irgendwelche Sorgen gemacht.

Bisschen anderes Thema, aber fällt hier vielleicht mit rein, ich habe auch extreme Angst davor, zu spät zu kommen. Ich habe ständig Albträume die davon Handeln, zeitweise täglich. Gleichzeitig bin ich in den letzten Jahren kein einziges Mal irgendwo zu spät gekommen, ich bin überall eher 30 Minuten bis über eine Stunde zu früh.
Ich wache zeitweise Nachts mehrfach auf um meinen Wecker zu checken oder schaffe es erst garnicht einzuschlafen, weil ich immer wieder drauf schauen muss.

Außerdem habe ich fast täglich Angst, die Tür offengelassen zu haben. Ich habe eine Katze, die ich sehr liebe und ich habe ständig Angst, dass sie, vom Hund des Nachbarn gerissen wird, wenn sie rausläuft oder von den Nachbarn gestohlen wird (sie ist eine Britisch Kurzhaar aus dem Tierheim).

Ich schließe die Tür immer ab, das ‚offen lassen’ ist mir noch nie passiert. Trotzdem habe ich diese Angst ständig im Hinterkopf. Zum Glück kann ich mich dabei meistens beruhigen und kontrolliere nicht ständig nach wenn ich schon weiter weg von meiner Wohnung bin, aber es belastet mich trotzdem sehr, weil ich diese Angst immer im Hinterkopf habe.

Ich bin allgemein innerlich ein sehr chaotischer Mensch, vergesse ständig Verabredungen, Verpflichtungen oder wichtige Termine. Gleichzeitig kontrolliere ich aber alles immer wieder und das mehrfach am Tag (mein Kalender ist einer meiner besten Freunde), wodurch ich letztendlich doch fast alles schaffe.
Ich verlege Täglich mehrfach meine Sachen und suche sie dann lange. Mein Handy finde ich regelmäßig im Kleiderschrank, im Kühlschrank oder an anderen unüblichen Orten wieder.
Soziale Ängste habe ich auch, aber das würde den Beitrag nur noch länger machen.

Hat jemand vielleicht auch Erfahrungen mit unbegründeten Sorgen und kann mir da Tipps geben.
Und vor allem, hat jemand einen Rat, wie ich damit umgehen kann oder das alles besser einordnen kann?
Oder Ideen wieso es immer nur um einen Menschen in meinem Leben so extrem betrifft und die vorherige Person dann plötzlich „rausfällt“?

Ich suche schon nach einem Psychologen/ einer Psychologin und überlege momentan auch, ob Medikamente bei ADHS unterstützend sein könnten (weil damals schon meine Psychologin meinte, dass das vermutlich stark mit den ADHS-symptomen zusammen hängt), damit ich im Alltag und auf der Arbeit fokussierter bin, vielleicht hat da auch jemand Erfahrungen zu und kann mir sagen was der beste erste Schritt wäre.

Danke fürs Lesen und schon mal danke für alle Antworten!

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u/First-Search303 — 1 month ago