u/Fit-Jackfruit3729

Kommunismus, Materialismus, Antinatalismus

Hallo zusammen!

Ich habe in letzter Zeit viel über ein bestimmtes Theorieproblem nachgedacht und würde extrem gerne mal eure Perspektiven dazu hören. Es geht um den Bogen zwischen der klassischen marxistischen Theorie und modernen linken Ansätzen, die sich sehr auf die Vermeidung von Leid und moralisch/empathische Konzepe fokussieren.

1.Historischer Materialismus und Moral

Klassisch gesehen ist der Weg zum Kommunismus ja vor allem ein materialistischer Prozess. Marx und Engels standen moralischen Kategorien eher skeptisch gegenüber, weil Moral in einer Klassengesellschaft oft einfach von den herrschenden Verhältnissen geprägt wird. Die Motivation, den Kapitalismus zu überwinden, kommt in dieser Denkweise also direkt aus dem materiellen Klasseninteresse des Proletariats. Man will Ausbeutung und Entfremdung beenden und handelt nicht zwingend aus einem abstrakten moralischen Altruismus heraus.

2.Veganismus in der Linken als Beispiel für Moralisierung

Wenn wir uns heute umschauen, argumentieren viele linke Strömungen aber stark moralisch. Das sieht man zum Beispiel extrem gut beim Veganismus. Da ist das Ziel ganz oft die allgemeine Reduzierung von Leid. Da Tiere nun mal kein Klassenbewusstsein haben und sich nicht aus eigenem materiellen Interesse wehren können, basiert der Einsatz für Tierrechte meistens auf Mitleid und moralischen Überzeugungen. Das ist eine ziemliche Abweichung von der rein materialistischen Begründung und stellt eine echte Leidensminderungsethik in den Mittelpunkt.

3.Die Konsequenz des Antinatalismus

Und genau hier wird es für mich richtig spannend. Wenn man diesen Fokus auf die Leidverhinderung konsequent zu Ende denkt, landet man theoretisch ganz schnell beim Antinatalismus. Dieser Ansatz sagt ja, dass jedes biologische Leben unausweichlich mit Leid verbunden ist. Um Leid also absolut zu verhindern, wäre die logische Konsequenz, gar kein neues Leben mehr entstehen zu lassen. Da prallen dann zwei Welten aufeinander. Die marxistische Theorie ist eigentlich sehr optimistisch und geht davon aus, dass wir gesellschaftliches Leid durch die Überwindung des Kapitalismus lösen können. Der Antinatalismus sieht Leid aber als unvermeidbaren Teil der Existenz an.

Mich treibt jetzt die Frage um, wie ihr diese unterschiedlichen Ansätze theoretisch zusammenbringt.

Glaubt ihr, dass wir den historischen Materialismus heute um moralische Konzepte wie beim Veganismus erweitern müssen, um aktuelle Fragen zu klären? Und wie kommt man dann aus diesem Widerspruch zur antinatalistischen Leidverhinderung heraus, ohne theoretisch ins Stolpern zu geraten?

reddit.com
u/Fit-Jackfruit3729 — 6 days ago