u/Flat-Love1148

Die Tochter meines Partner ist schwanger und ich möchte am liebsten fliehen, macht mich das zu einem herzlosen Menschen?

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal in so einer Situation lande und ehrlich gesagt fühle ich mich gerade wie der schlimmste Mensch überhaupt. Also verzeiht mir, dass ich mich für einen Throwaway-Account entschieden habe.

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Ich (w, 31) bin seit 4 Jahren mit meinem Partner (m, 39) zusammen. Er hat eine Tochter (w, 17), die bei uns lebt und aktuell noch zur Schule geht. Sie macht voraussichtlich nächstes Jahr ihr Abitur.

Vor ein paar Wochen kam dann komplett überraschend raus, dass sie schwanger ist. Ich dachte zuerst ehrlich, dass sie sich gegen das Kind entscheiden würde, einfach weil sie selbst noch so jung ist, noch zur Schule geht und generell noch total abhängig von ihrem Vater ist. Aber sie hat sich inzwischen klar entschieden, das Baby zu behalten.

Und seitdem habe ich das Gefühl, dass mein Leben gerade entgleist.

Das klingt wahrscheinlich furchtbar, aber ich wollte nie Kinder. Nie. Mein Partner wusste das von Anfang an. Seine Tochter war damals schon einer Herausforderung für mich, aber sie war zu dem Zeitpunkt eben auch schon ein junger Teenager und forderte kein "Familienleben" ein, das kam einfach mit der Zeit. Mein Partner meinte damals sogar selbst, dass er auch "aus dem Gröbsten raus" sei und keine kleinen Kinder mehr im Leben haben möchte, hat sich sogar sterilisieren lassen. Diese Aussage war für mich auch einer Gründe, warum ich mich auf die Beziehung mit einem fast 10 Jahre älteren Mann eingelassen habe.

Jetzt fühlt es sich aber plötzlich so an, als würde ich doch genau in so einem Leben landen.

Seine Tochter geht noch zur Schule. Natürlich wird sie Unterstützung brauchen. Natürlich wird sie nicht gleichzeitig Abi machen, ein Neugeborenes versorgen und alles alleine stemmen können. Und je mehr wir darüber reden, desto klarer wird mir, dass mein Partner fest davon ausgeht, dass wir beide helfen werden.

Er sagt Dinge wie:
"Sie ist noch ein Kind, wir können sie damit nicht alleine lassen."
"Wenn das Baby da ist, wird hier halt erstmal Ausnahmezustand sein."
"Natürlich wird jeder mit anpacken müssen."
Oder auch: "Man kann sich bei einem Baby nicht einfach komplett rausziehen."

Und genau das macht mir panische Angst.

Ich will kein Leben mit Babygeschrei, Schlafmangel und ständigem Chaos im Haus. Ich will nicht morgens vor der Arbeit eine überforderte 17-Jährige und ein schreiendes Neugeborenes bemuttern müssen. Ich will nicht nachts von Babygeschrei wach werden. Ich will nicht irgendwann selbstverständlich gefragt werden, ob ich mir freinehmen kann, um auf das Baby aufzupassen, weil sie zur Schule muss.

Und ich merke inzwischen, dass ich einfach nur noch weg will.

Als ich vorsichtig angesprochen habe, dass mich die gesamte Situation sehr belastet und ich mir unglaublich viele Gedanken mache, die mir nachts den Schlaf rauben, da war mein Partner direkt verletzt und meinte, ich würde seine Tochter in der schwierigsten Phase ihres Lebens ablehnen und hätte "null Familiengefühl". Mir kam es so vor als sehe er gar nicht, dass es mir - so egoistisch das auch klingen mag - nur um mein Wohlergehen geht. Ich habe aber auch nicht die richtigen Worte gefunden, um es ihm deutlicher zu machen.

Ich habe das Gefühl, dass alle erwarten, dass ich mich emotional und praktisch in etwas hineinziehen lasse, das ich nie wollte. Dass meine Grenzen überschritten werden.

Ich komme mir gleichzeitig schrecklich egoistisch und komplett erstickt vor. Und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.

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u/Flat-Love1148 — 16 days ago