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Was wir Männer fast nie über Frauen kapieren: Wir leben schlichtweg nicht in derselben Welt (Erkenntnis mit 36)

Ich bin 36 und habe Jahre gebraucht, um eine Sache wirklich zu verstehen, an der unfassbar viele Beziehungen kaputtgehen.
Wir Männer machen fast alle denselben Denkfehler: Wir gehen automatisch von unserer eigenen Realität aus. Wir fühlen uns in der Welt im Grunde sicher. Wenn wir nachts durch die Straßen laufen, haben wir vielleicht Respekt vor einer Schlägerei oder Taschendieben. Aber keiner von uns hat die reale, instinktive Angst, von der nächsten Person auf dem Bürgersteig körperlich komplett überwältigt und zerstört zu werden.
Für Frauen ist genau das die biologische Realität. Ein durchschnittlicher Mann ist einer durchschnittlichen Frau von der Muskelmasse und Knochendichte her massiv überlegen. Dazu kommt die simple Kriminalstatistik: Die meisten schweren Übergriffe und Gewalttaten an Frauen werden nun mal von Männern begangen, und zwar meistens nicht von Unbekannten im Gebüsch, sondern von Männern aus ihrem näheren Umfeld. Das heißt: Eine Frau läuft durchs Leben mit einem inneren Alarmsystem, das wir Männer uns oft gar nicht vorstellen können.
Ich habe das früher selbst überhaupt nicht geblickt. Mein Augenöffner war eine Situation mit einer Ex-Freundin.
Sie hatte eine Zeit lang einen Typen, der nachts immer wieder plötzlich auf ihrer Terrasse stand. Er hat gegen ihre Scheibe gehämmert und sie beobachtet. Als sie mir das am nächsten Tag total verheult erzählt hat, war meine typische Männer-Reaktion: Warum machst du nicht ein Foto von ihm? Warum rufst du nicht auf der Stelle die Polizei und brüllst ihn weg? Für mich war das ein logisches Problem mit einer logischen Aktion: Wenn da einer steht, vertreibt man ihn.
Erst sehr viel später habe ich kapiert, wie unfassbar blind diese Sichtweise von mir war. Sie hat die Tür nicht aufgemacht, weil sie im Schlafzimmer in der dunkelsten Ecke kauerte und vor Todesangst erstarrt war. Die Biologie nennt das den Freeze-Zustand. Wenn dein System weiß, dass Kämpfen oder Wegrennen zwecklos ist, weil der Typ dich mit einer Hand an die Wand drücken kann, schaltet der Körper auf totstellen. Ich dachte in Lösungen, während sie um ihr Leben gebangt hat.
Und genau diese Diskrepanz ruiniert unsere Beziehungen, ohne dass wir es merken.
Viele Männer regen sich auf, wenn eine Frau beim Dating distanziert wirkt, wenn sie Live-Standorte an Freundinnen schickt, wenn sie ewig braucht, um Nähe zuzulassen, oder wenn sie bei einem lauteren Streit sofort innerlich komplett zumacht. Viele Typen reagieren dann gekränkt oder beleidigt: Was soll der Quatsch, ich tue dir doch nichts, ich bin doch ein ganz Lieber.
Was wir nicht begreifen: Wenn eine Frau dich in ihr Leben lässt, sich nackt vor dir auszieht oder mit dir in eine gemeinsame Wohnung zieht, geht sie ein existenzielles Risiko ein. Sie muss darauf vertrauen, dass du deine physische Überlegenheit, deine Wut und deine Kraft niemals gegen sie richtest. Ihr Vertrauen ist kein nettes Extra, sondern ein massiver Schutzmechanismus.
Wir Männer glauben oft, Frauen seien kompliziert, irrational oder zickig. Sind sie nicht. Sie reagieren einfach nur völlig rational auf eine Welt, in der blindes Vertrauen für sie im schlimmsten Fall tödlich enden kann.
Erst wenn wir als Männer verstehen, dass eine Frau niemals echte Nähe, Lust oder Liebe empfinden kann, solange sie sich bei uns nicht zu 100 Prozent sicher fühlt, verstehen wir überhaupt, was Führung, Reife und eine gute Partnerschaft bedeuten. Echte Sicherheit zu geben ist unser wichtigster Job als Mann.

edit: Mit „Führung“ meine ich kein Bestimmen von oben herab, sondern einfach ein Fels in der Brandung zu sein.

In der Psychologie nennt man das Co-Regulation: Wenn einer gestresst ist oder Angst hat, beruhigt sich das Nervensystem am schnellsten an jemandem, der ruhig, stabil und verlässlich bleibt.

„Führen“ heißt für mich nicht dominant zu sein, sondern emotional den Kopf oben zu behalten und Sicherheit auszustrahlen, statt selbst dichtzumachen.

Es geht um echten Halt auf Augenhöhe, nicht darum, der Frau zu sagen, wo es langgeht.

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u/Fraktalrest_e — 14 days ago

Schön schön schön - Das mache ich nie wieder

Hinauf und wieder hinab

Ich bin auf eine Alm gestiegen. 613 Höhenmeter. Ein T2-Weg. Kinder, Rentner und ich.

Ich habe unterwegs meine Würde verloren, meinen Stolz an Michi abgegeben, viermal gehört „Es ist nicht mehr weit“ und oben nur noch zwei Sätze denken können:
„Es ist schmerzhaft schön hier.“
„Das mache ich nie wieder.“
Die ganze Hobbit-Quest gibt's jetzt auf Substack:

https://jemanddrachenschaf.substack.com/p/schon-schon-schon-das-mache-ich-nie-f20?r=7x698u&utm_medium=ios

Das ist eine Fortsetzung von dem Text Der Angst zum Trotz

#schönschönschön #Schafberg #Attersee #kienberghütte #eisenaualm

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u/Fraktalrest_e — 23 days ago

Der Angst zum Trotz

Der Text von Gestern. Jetzt 16.09.2026 4:19 Uhr WHV Bhf, Zug fährt um 4:40 Uhr, bin überpünktlich

Der Angst zum Trotz

September 15, 2026
Morgen geht’s los. Ich fahre zwei Tage quer durch Deutschland und besuche vier Menschen, die mir wichtig sind, dabei sehe ich zum ersten Mal Salzburg und gehe endlich wieder in die Berge. Vor ein paar Jahren wäre so eine Reise für mich undenkbar gewesen. Aber nicht, weil ich heute mutiger bin. Ich habe immer noch soziale Ängste. Die Vorstellung, morgen und übermorgen stundenlang mit völlig fremden Menschen in einer Blechbüchse eingesperrt zu sein, löst in mir Beklemmung aus. Allerdings nicht Angst um meine physische Unversehrtheit, sondern Angst vor Blicken, vor Ausschluss, vorm Ausgelacht werden, davor, aufzufallen und nicht dazuzugehören. Und diese Angst ist nicht kleiner geworden. Sie ist größer geworden.

Denn ich fahre durch Deutschland, mein geliebtes Land. Ich liebe die Landschaften, die Dialekte, die unterschiedlichen Küchen, die kleinen Eigenheiten jeder Region, sogar das Wetter irgendwie. Es ist mein Land, grün, wunderschön, ein bisschen spießig, immer etwas schlecht gelaunt... mein Land. Gleichzeitig fahre ich durch ein Deutschland, das sich nach meinem Empfinden verändert. Ein Deutschland, das mir immer mehr Angst macht, dass Leute wie ich, die schräg wirken, die nicht so recht dazu gehören, nicht mehr erwünscht sind, dass sich erschreckend viele Menschen wünschen, Menschen wie ich würden nicht öffentlich stattfinden.

Lange habe ich gedacht, ich müsste warten, bis die Angst verschwindet. Dann wurde mir vor ein paar Jahren langsam klar: Vielleicht verschwindet sie nie. Wenn ich darauf warte, werde ich für immer zu Hause sitzen und man weiß nie, wie die Welt und das eigene Leben sich entwickelt.

Und deshalb steige ich in den Zug. Weil meine Angst inzwischen größer ist, eines Tages nicht mehr als freier Mensch durch eine offene Welt reisen zu können. Und ich werde jeden einzelnen Blick aus diesem Zugfenster genießen. Ich meine das wörtlich. Ich werde die satten grünen Ebenen Norddeutschlands ansehen. Ich werde durchs Rheintal fahren und den Fluss verfolgen, als wäre er ein alter Bekannter. Ich werde im Spessart ankommen, in den Wäldern meiner Kindheit, die jetzt anfangen mit den Sandsteinsteilhängen um die Wette zu leuchten. Ich werde weiter durch Bayern fahren und nicht einmal wissen, was hinter der nächsten Kurve auftaucht: Felder, Wälder, Wiesen, vielleicht Hopfen, später schon die ersten Berge. Dann Bad Reichenhall. Dann Salzburg. Und später auf dem Rückweg das Ruhrgebiet, das einen völlig anderen Charme hat als Wälder und Täler und das ich trotzdem genauso mag. Ich möchte alles aufsaugen. Weil ich Angst habe, dass sich Dinge verändern. Ich habe keine Angst davor, dass Menschen aus anderen Ländern hier leben, dass Kulturen sich begegnen, sich vermischen oder dass es in Deutschland irgendwann zu wenig helle Haut geben könnte. Ich habe Angst vor einem leeren, starren, kontrollierenden Land. Vor einem Land, in dem Menschen sich nicht mehr frei bewegen, begegnen oder verschieden sein dürfen, besonders wenn sie nicht in ein Normbild passen.

Ohne Menschen und ohne Freiheit ist auch Deutschland nur eine Fläche auf einer Landkarte.

Also fahre ich.

Und ich fahre nicht nur irgendwohin. Ich fahre auch von etwas weg. Die letzten Monate hier am Meer waren wunderschön und turbulent zugleich. Ich bin kaum zur Ruhe gekommen. Richtige Routine konnte sich nicht einpendeln. Und trotzdem ist etwas passiert, worauf ich so lange gehofft habe: Das Meer ist Alltag geworden. Morgens Salzluft riechen. Nachmittags einfach an den Wellen spazieren gehen. Sich über die Lippen lecken und merken: Sie schmecken nach Salz. Das werde ich vermissen.

Aber ich fahre auch von jemandem weg. Vor ein paar Monaten ist ein Mensch in mein Leben geplatzt, der mich komplett durch gewirbelt hat. Es sind erst ein paar Monate. Trotzdem fühlt es sich an, als würden wir uns schon Jahre kennen. Nicht, weil alles perfekt wäre, sondern weil ich mich bei ihm unglaublich schnell zu Hause gefühlt habe. Mein Herr Capybara Schmitt-Beutlin ist ein Traum, von dem ich nicht wusste, dass ich ihn träume. Und genau deshalb gehört auch diese Angst zur Reise. Borderline bedeutet bei mir nicht nur Angst vor fremden Menschen. Es bedeutet auch Verlustangst. Die Angst, wegzufahren. Die Angst, dass jemand nicht mehr da ist, wenn ich zurückkomme. Für viele klingt Vertrauen selbstverständlich. Für mich ist Vertrauen oft eine bewusste Entscheidung gegen die Angst. Ich steige morgen in den Zug und vertraue darauf, dass der Mensch, von dem ich mich verabschiede, auch noch da ist, wenn ich wiederkomme.

Ich verrate euch kein großes Geheimnis, wenn ich zugebe: Ich werde morgen und übermorgen Beklemmungen haben. Ich werde schwitzen. Ich werde mich schämen. Ich werde Situationen erleben, von denen ich jetzt schon weiß, dass sie unangenehm werden.

Und deshalb fahre ich jetzt los. Mit Angst. Mit Vorfreude. Mit vier Menschen an vier Orten. Und mit dem festen Vorsatz, jeden Kilometer bewusst mitzunehmen.

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u/Fraktalrest_e — 30 days ago

Tante Anne, warum hattest du so viel Angst?

Dieses Wochenende war wunderschön.

Wir sind nach Bourtange in den Niederlanden gefahren. Eine gute Stunde mit dem Auto, über die Grenze, durch ein anderes Land, um einen Ort anzuschauen, weil Sonntag war, weil Kaffee alle war und um leckeres Essen mitzunehmen. Den Rest des Wochenendes davor und danach haben wir gekuschelt, gekocht, Serien geschaut und Herr der Ringe gezockt. Es war eines dieser Wochenenden, bei denen ich dauernd denke: Genau so soll mein Leben sein.

Aber es war Sonntag 06.09.2026, Wahltag in Sachsen-Anhalt.

Ich habe die Ergebnisse absichtlich nicht am Abend angeschaut. Hochrechnungen sind sonntags oft noch unruhig, und ich wollte mir diesen Tag auch einfach nicht kaputtmachen.

Heute Morgen habe ich nachgesehen: Weit über 43 Prozent für die AfD. Und seitdem geht mir nur ein einziger Satz durch den Kopf.

Noch nie in meinem Leben habe ich mir so sehr gewünscht, Unrecht zu haben.

Ich habe wirklich gern Recht, manche Menschen definieren sich über Aussehen, Erfolg, Kinder, Haus oder ihr Ansehen. Ich definiere mich übers Denken. Und wenn ich Recht habe ist das eine Genugtuung für mich.

Aber diesmal wünsche ich mir nichts sehnlicher, als dass ich komplett falsch liege. Mehr noch, ich wünsche mir, dass meine heutige Angst irgendwann lächerlich wirkt. Einfach weil niemand mehr begreifen kann, wie man überhaupt auf diese Gedanken kommen konnte.

Denn ich habe Angst. Nicht erst seit heute Morgen. Die Wahl in Sachsen-Anhalt hat meiner Angst nur eine Zahl gegeben, aber sie lebt schon Jahre in mir.

Seit mindestens 10 Jahren passiert mir etwas Merkwürdiges zunehmend häufiger:

Ich mache ganz normale Dinge. Ich laufe durch meine Stadt. Ich fahre Bus. Ich sehe Menschen in Autos, Menschen auf Fahrrädern, Rentner mit Hunden, Jugendliche mit Rucksäcken auf dem Weg zur Schule. Leute eben. Die Stadt ist friedlich. Ein bisschen bieder vielleicht. So wie viele deutsche Städte eben sind.

Und plötzlich frage ich mich:

Was würde aus genau dieser Straße werden, wenn meine schlimmsten Befürchtungen wahr würden?

Wenn Krieg in Deutschland wäre und/oder wenn Deutschland autoritär beherrscht würde. Nicht theoretisch. Ganz praktisch.

Würde hier kontrolliert werden, wer überhaupt durch diese Straße laufen darf?

Würde jemand entscheiden, wo man arbeiten muss?

Würde jemand entscheiden, wo Menschen wohnen dürfen?

Würde jemand entscheiden, wen Menschen lieben dürfen?

Würde jemand entscheiden, dass Menschen einfach weil sie nichts ins "Stadtbild" passen das Land verlassen müssen?

Würde jemand entscheiden, wer es wert ist zu leben?

Ich sehe diese ganz normalen Menschen. Und ich frage mich, wie sehr sich ihr ganz normales Leben verändern würde. Das ist die Zukunft, vor der ich Angst habe. Ich habe Angst vor einem autoritären Staat. Ich habe Angst vor einer Zukunft, in der das Wohl des Staates wichtiger wird als das Wohl seiner Bürger. Vor einem Staat, der gar nicht mehr fragt: Was schützt den Menschen? Sondern nur noch: Was nützt dem Staat? Ich habe Angst vor einem Staat, der über das Leben seiner Bürger verfügen darf.

Menschen haben unter solchen Staaten gelebt. Unter nationalsozialistischen Regimen. Unter stalinistischen Regimen. Unter Militärdiktaturen. Unter absolutistischen Monarchien. Unter vielen autoritären Systemen dieser Welt. Mich erschreckt nicht nur, dass es so etwas gegeben hat und nicht mal, dass es so was in Teilen noch gibt.

Mich erschreckt, dass ich 2026 überhaupt darüber nachdenke, ob so etwas irgendwann wieder hier möglich werden könnte. Ich hätte mit 17, also 1999 nie gedacht, dass ich solche Gedanken je haben könnte, dabei war ich damals stark suizidgefährdet.

Denn das Verrückte daran ist: Ich bin gleichzeitig so glücklich wie nie zuvor. Ich bin in diesem Jahr ans Meer gezogen, in die Stadt die mein Traum war seit ich 12 bin. Ich habe mich hier Hals über Kopf verliebt. Ich habe angefangen, Sport zu machen. Ich versuche abzunehmen. Zum ersten Mal seit vielen Jahren habe ich nicht nur keine Suizidgedanken mehr. Ich habe richtig Bock zu leben. Möglichst lange. Eigentlich müsste das die Zeit meines Lebens sein, in der ich voller Vorfreude in die Zukunft schaue.

Stattdessen schaue ich Richtung Zukunft und bekomme Angst. Warum? Weil mein Glück nicht im luftleeren Raum entstanden ist. Es gibt Menschen, die bei Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaat zuerst an Wahlen und Regeln denken. Ich denke zuerst an mein Leben. Ich lebe in einem Staat, in dem ich wohnen darf, wo ich wohnen möchte. Ich lebe in einem Staat, in dem ich lieben darf, wen ich liebe. Ich lebe in einem Staat, in dem Institutionen mich nicht dafür bestrafen dürfen, dass ich bisexuell bin. Nicht dafür, dass ich psychisch krank bin. Nicht dafür, wie viele Sexualpartner ich hatte. Nicht dafür was ich politisch denke.

Menschen dürfen mich dafür verurteilen. Das tut manchmal weh. Aber zwischen einem Menschen, der mich verurteilt, und einem Staat, der mich dafür brandmarkt und nach Gutdünken aussortiert, liegt für mich eine ganze Welt. Der Rechtsstaat verspricht mir nicht, dass alle Menschen nett sind. Er verspricht mir, dass ich dieselben Rechte habe wie alle anderen. Dass staatliche Macht Grenzen hat. Dass ich nicht erst um Erlaubnis bitten muss, ich selbst sein zu dürfen. Und genau das ist für mich Freiheit. Für mich ist das der größte Unterschied zwischen Demokratie und Autoritarismus.

In einer Demokratie gilt im Kern: Ich darf alles tun, was nicht verboten ist.

In einem autoritären Staat verschiebt sich dieser Gedanke: Dann darf ich nur noch das tun, was erlaubt ist.

Das klingt wie ein kleiner sprachlicher Unterschied. Für mich ist es der Unterschied zwischen einem selbst gewählten Leben und einem Leben voller Angst zu den Aussortierten zu gehören.

Das Leben ist schwer genug. Jeder Mensch trägt etwas. Krankheit. Verlust. Einsamkeit. Behinderung. Herkunft. Streit. Misserfolge. Ich brauche nicht auch noch einen Staat, der entscheidet, welche Menschen weniger wert sind als andere. Ich brauche keinen Staat, der aus Eigenschaften eine Schuld macht. Ich brauche einen Staat, der sagt: Vor dem Gesetz seid ihr gleich.

Vielleicht ist genau deshalb meine Angst so groß. Nicht, weil ich sicher sein könnte, dass alles so kommen wird. Sondern weil ich mittlerweile verdammt viel habe, das ich verlieren könnte. Ich wünsche mir so verdammt, dass ich irre.

Ich wünsche mir eine Zukunft, in der meine Nichten und Neffen oder eines ihrer Kinder meine Texte lesen und mich verständnislos anschauen.

Und eines von ihnen fragt:

„Tante Anne, warum hattest du damals so viel Angst?“

Ich antworte:

„Ich hatte Angst, dass die Demokratie zerbrechen könnte. Ich hatte Angst um den Rechtsstaat. Ich hatte Angst um den Frieden in Europa. Ich hatte Angst, dass Freiheit nicht mehr selbstverständlich sein würde.“

Das Kind legt den Kopf schief und sagt zweifelnd: „Das ist doch lächerlich.“

Ich hoffe, dass ein Kind irgendwann wirklich nicht mehr begreifen kann, warum ein erwachsener Mensch einmal Angst vor dem Ende unserer Demokratie hatte.

Ich wünsche mir nicht einfach, Unrecht zu haben. Ich wünsche mir, dass meine Angst so unvorstellbar wird wie eine Geschichte aus einer längst vergangenen Zeit. Dass Kinder in einer Welt aufwachsen, in der sie gar nicht verstehen, wie man sich davor fürchten konnte. Dass Rechtsstaatlichkeit ein langweiliges Kapitel im Sozialkunde/Politikunterricht ist. Dass Demokratie nichts Zerbrechliches mehr ist, sondern Alltag. Dass Frieden in Europa so selbstverständlich erscheint, dass man nicht einmal auf die Idee kommt, ihn verlieren zu können.

Ich wünsche mir, dass sie denken:

Tante Anne ist schräg.

Und ich hoffe, ich kann dann lächeln und sagen:

„Ich hatte noch nie in meinem Leben so gern Unrecht.“

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u/Fraktalrest_e — 1 month ago
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Nein, Social Media hat die Menschen nicht verändert.

Aber die Menschen sollten Social Media verändern.

Kapitel 1: Der Mensch ist nicht neu.

Ich glaube, wir stellen gerade die falsche Frage.

Immer wieder höre ich Sätze wie: "Social Media hat die Menschen verändert" Oder: "Die jungen Leute sind heute einfach anders." Ich glaube beides nicht.

Der Mensch, der heute durch Instagram-Reels oder TikTok scrollt, gehört biologisch zu derselben Spezies wie der Mensch, der vor tausenden Jahren in einem jungsteinzeitlichen Dorf gelebt hat. Er hatte eine andere Umgebung, aber die selben Grundbedürfnisse, Emotionen und Sinne.

Menschen wollen schon immer dazugehören, Recht haben, Anerkennung bekommen, wahrgenommen, wertgeschätzt und verstanden werden. Neugier und Abgrenzung gegenüber anderen Gruppen waren wahrscheinlich im Wettstreit miteinander seit es uns als Mensch gibt.

Das Gefühl sich einer Gruppe oder einem höheren Ziel zugehörig zu fühlen ist nicht neu.

Wir haben keine neue Evolutionsstufe erreicht, seit das Smartphone erfunden wurde oder Algorithmen auf Social Media eingeführt wurden. Wir arbeiten bis heute mit demselben Werkzeugkasten.

Das ist wichtig, weil viele Erklärungen genau hier anfangen und deshalb falsch abbiegen. Wenn wir glauben, Menschen seien plötzlich schlechter geworden, suchen wir die Ursache im Menschen. Ich glaube, die Ursache liegt woanders.

Kapitel 2: Das alles gab es schon lange vor dem Internet.

Auch Filterblasen sind keine Erfindung von Social Media. Es gab sie schon immer: Familie, Freundeskreis, Kirchengemeinde, Fußballverein, Firma, Branche, Gewerkschaft, Partei...

Menschen suchen Menschen, die ähnlich denken. Das ist weder gut noch böse. Das ist normal.

Werbung ist uralt. Früher stand der Marktschreier auf dem Marktplatz. Dann kamen Plakate. Zeitungen. Radio. Fernsehen. Werbung versucht seit Jahrhunderten, unsere Aufmerksamkeit zu bekommen.

Politik ist nicht neu. Menschen streiten sich wahrscheinlich seit Beginn der Gründung der ersten größeren Siedlungen darüber, wie Zusammenleben funktionieren soll, vielleicht schon vorher.

Unterschiedliche Weltbilder sind nichts Neues. Zwei Menschen können dasselbe Land sehen und völlig unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie dieses Land sein sollte. Der eine möchte mehr Freiheit. Die andere mehr Sicherheit. Der eine möchte mehr Tradition. Die andere mehr Veränderung.

Das gehört zu einer freien Gesellschaft dazu. Bis hierhin ist eigentlich nichts Besonderes passiert.

Kapitel 3: Social Media hat nichts erfunden. Es hat alles gleichzeitig verstärkt.

Jetzt kommt der Unterschied, denn Social Media hat ja keine neuen Bedürfnisse erschaffen, sondern alte Bedürfnisse in eine Maschine gesteckt, die niemals müde wird. Früher hattest du einen Stammtisch und einen Marktplatz. Heute hast du Millionen. Früher hattest du eine handvoll Fernsehsender. Heute hast du einen Feed, der sich jede Sekunde verändert. Es gibt kein Ende mehr. Du kannst immer weiter scrollen.

Ich glaube deshalb auch nicht an das Bild der Filterblase als Gefängnis. Niemand sperrt uns ein. Die Tür steht offen. Das Problem ist etwas anderes:

Wir schauen nicht mehr alle durch ähnliche Fenster. Was in der Welt geschieht, ist unabhängig von unserer Wahrnehmung. Unsere Feeds sind es nicht. Du bekommst nicht dieselbe Welt wie ich. Du bekommst die Welt, auf die dein bisheriges Verhalten den Algorithmus trainiert hat. Zwei Menschen öffnen morgens dieselbe App. Der eine bekommt fast nur Beiträge über Migration und Kriminalität. Die andere bekommt fast nur Beiträge über Klimawandel und rechte Gewalt. Ab und an bekommen beide einen Beitrag serviert, in dem jemand aus der jeweils anderen politischen Richtung ganz offensichtlich Blödsinn erzählt. Eine kleine Ragebait-Beilage zwischen all dem Selbstbestätigungsfutter. Beide haben das ehrliche Gefühl, sie hätten sich einfach informiert. Tatsächlich haben beide nur einen anderen Ausschnitt derselben Wirklichkeit gesehen. (ich rede hier nicht von Fake-News, das kommt noch obendrauf)

Das Gefährliche daran ist nicht, dass Menschen unterschiedliche Meinungen haben. Die braucht eine Demokratie sogar.

Das Gefährliche ist, dass wir anfangen, unterschiedliche Wirklichkeitsmodelle zu entwickeln, dazu neigen Menschen ja auch ohne algorithmisch gesteuerte Präsentation von "der Welt". Nicht weil jemand lügt. Sondern weil jeder Feed ausgewählt präsentiert, was die längste Verweildauer und die meiste Interaktion des Users verspricht.

Und genau hier taucht ein Wort auf, das für den ganzen Text wichtig wird:

Anreize.

Der Algorithmus fragt nicht: "Was ist gut für dich oder die Gesellschaft? Was ist eine korrekte Darstellung der Welt?"

Er fragt: "Worauf reagierst du?"

Und damit beginnt die eigentliche Geschichte.

Kapitel 4: Aufmerksamkeit ist die eigentliche Währung.

In Nerdkreisen gibt es seit Jahren einen Satz über die neuen Star-Wars-Filme:

"Disney ist es egal, ob ihr die Filme geliebt oder gehasst habt. Ihr habt sie geschaut."

Ich weiß nicht einmal, ob dieser Satz jemals von jemandem bei Disney gesagt wurde. Wahrscheinlich nicht. Aber als Beschreibung des Internets trifft er einen wichtigen Punkt.

Der Satz klingt erst mal zynisch. Tatsächlich beschreibt er ein Geschäftsmodell. Wer einen Film liebt, schaut ihn. Wer ihn hasst, schaut ihn oft trotzdem, wenn das Franchise bekannt genug ist, oder der erste Teil ein Hit war. Vielleicht sogar zweimal, damit man bei der Kritik mitreden kann. Dann kommentiert man wütend über den Film... Vielleicht macht man ein TikTok darüber, oder ein Video, oder einen Reddit-Thread... Man lacht über die Memes zum Film und teilt sie... Der Film bekommt Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist im Internet eine sehr wichtige Währung, Werbekunden lieben Aufmerksamkeit, deshalb auch Plattformgeber.

Was eine Aufmerksamkeitsökonomie so gefährlich macht, ist dass sie nicht zwischen Zustimmung und Empörung unterscheidet. Ein Klick ist ein Klick. Ein Kommentar ist ein Kommentar. Auch ein wütender Kommentar hält Menschen länger auf einer Plattform.

Ich habe genau das selbst gemacht. Ich habe Beiträge angeklickt, weil sie mich aufgeregt haben. Ich habe Menschen widersprochen, die offensichtlich Unsinn erzählt haben. Ich dachte, ich würde das richtige tun. Tatsächlich habe ich oft genau das getan, was der Algorithmus belohnt: Ich habe Aufmerksamkeit gegeben.

Und genau hier wird das Wort Anreiz plötzlich ganz praktisch.

Kapitel 5: Warum zieht es mich rein?

Bevor ich weiterschreibe, muss ich etwas zugeben: Diesen Text schreibt jemand, der mediensüchtig ist.

Das ist kein Etikett, das ich anderen gebe. Das ist eine Beschreibung die ich selbst mir gebe. Ich musste meinen Threads-Account löschen, weil ich gemerkt habe, dass Threads etwas mit mir macht. (Das kann natürlich bei jeder Person anders oder bei einer anderen Plattform der Fall sein.) Ich wollte nur kurz schauen. Ich reagierte auf Menschen, die mich aufregten. Ich diskutierte mit Leuten, die nur provozieren wollten. Ich schenkte meine Aufmerksamkeit immer wieder genau den Beiträgen, von denen ich hoffte es würde sie nicht geben.

Bei YouTube habe ich irgendwann radikal ausgemistet. Autoplay aus. Startseite praktisch ignoriert. Viele Kanäle deabonniert. Das war keine moralische Entscheidung, sondern Selbstschutz.

Und erst dabei habe ich verstanden: Das Problem ist nicht nur mein Stresslevel. Das Problem ist auch, dass ich mit jeder Reaktion mitentscheide, was auf einer Plattform erfolgreich wird. Meine Aufmerksamkeit bleibt nämlich nicht bei mir. Auf vielen Plattformen wird denen die mir folgen angezeigt, womit ich interagiert habe, was ich kommentiert habe oder was mir gefällt.... wenn die dann auch kommentieren, dann denen die ihnen folgen... Dadurch landet derselbe Beitrag in immer mehr Feeds. Selbst wenn ich nur eine kleine Reichweite habe, kann ich ohne es zu wollen dabei helfen, dass sich Bullshit oder Ragebait weiter verbreitet.

Mittlerweile klicke ich bei Bullshit und Ragebait auf Ignorieren. Hass und Hetze melde ich. Und wenn jemand "auf einen schlimmen Ragebait-Account aufmerksam macht", klicke ich auch dieses Profil auf Ignorieren. Diese Accounts sorgen dafür, dass ich ständig wieder in die Versuchung gerate und geben den fragwürdigen Accounts Bekanntheit und Reichweite. Aus dem Grund habe ich auch fast allen Reaction-Kanälen auf YouTube entfolgt.

Aber der wichtigste Schritt war: Was war mein Anreiz dafür? Was gab es mir auf totalen Bullshit zu reagieren?

Ich wusste dass ich Recht habe und der Poster unrecht. Und ich habe verdammt gern Recht. Genau deshalb war Ragebait für mich so gefährlich.

Deshalb fällt es mir langsam leichter mich nicht mehr baiten zu lassen. Threads bleibt weg für mich und YouTube nur in reduzierter Dosis. So versuche ich meinen kontrollierten Social Media Konsum zu managen.

Und ihr so?

Kapitel 6: Nicht böse. Nur voller Anreize.

Aber auch Unternehmen, Parteien, Plattformen usw. werden von Menschen gelenkt und reagieren somit auf Anreize.

Genau deshalb glaube ich, dass die Frage "Wer ist schuld?" oft in die falsche Richtung führt. Interessanter sind die Fragen: Welchen Anreiz hat jemand gerade? Und welchen Anreiz kann der Kunde oder die Gesellschaft geben?

Schauen auf die verschiedenen Beteiligten:

Die Plattform

Eine Plattform hat einen ziemlich einfachen Anreiz: Sie möchte, dass Menschen bleiben.

Je länger wir bleiben, desto öfter sehen wir Werbung. Je öfter wir zurückkommen, desto wertvoller wird die Plattform. Deshalb versucht sie nicht unbedingt, uns glücklich zu machen. Sie versucht, unsere Aufmerksamkeit festzuhalten.

Die Werbekunden

Werbekunden haben einen anderen Anreiz.

Sie wollen, dass möglichst viele Menschen ihre Werbung sehen. Gleichzeitig möchten die meisten Unternehmen nicht neben Gewalt, Pornografie oder Hass erscheinen und Kunden mit möglichst großem Budget anziehen. Ein schlechtes Umfeld schadet ihrem eigenen Image.

Deshalb entsteht plötzlich ein wirtschaftlicher Wert für "werbefreundliche Inhalte". Nicht unbedingt aus Moral. Sondern weil ein gutes Image Geld wert ist.

Ein kleinerer Teil von ihnen (z.B: manche Alkoholwerbung, bestimmte Handyspiele...) legt weniger Wert auf "werbefreundliche Inhalte".

Die Politik

Auch Politik braucht Aufmerksamkeit. Eine Partei möchte, dass Menschen ihre Themen sehen. Dass ihre Botschaften geteilt werden. Dass Wähler ihr Kreuz bei ihnen machen.

Social Media hat sich in den letzten Jahren immer mehr auch zum Schauplatz von politischen Auseinandersetzungen entwickelt, weil es schnell Aufmerksamkeit erzeugen kann.

Aktivisten

Und hier gehöre ich selbst mit dazu.

Ich schreibe diesen Text, weil ich ihn wichtig finde. Ich möchte, dass möglichst viele Menschen ihn lesen. Sonst würde ich ihn nicht auf Social Media veröffentlichen.

Fazit:

Ich glaube deshalb nicht, dass Social Media grundsätzlich gut oder böse ist. Das Problem sind auch nicht Algorithmen an sich. Problematisch wird die Kombination aus einem endlosen Feed, der für jeden Menschen individuell zusammengestellt wird. Ein Mensch braucht Gemeinschaft, Anerkennung, Informationen, Debatten usw., aber wir bekommen davon mittlerweile mehr an einem Nachmittag als frühere Generationen vielleicht in Wochen. Ich glaube nicht, dass Homo sapiens für diese Dauerbeschallung gebaut ist. Vielleicht entwickelt sich der Mensch irgendwann weiter. Aber Evolution arbeitet nicht im Takt von Software-Updates. Wahrscheinlich ist es einfacher, Social Media stärker an den Menschen anzupassen, als darauf zu warten, dass sich der Mensch an Social Media anpasst.

Die eigentliche Frage lautet für mich deshalb nicht mehr: Wie verändern soziale Medien den Menschen?

Sondern: Wie müssen soziale Medien aussehen, damit sie besser zum Menschen passen?

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u/Fraktalrest_e — 1 month ago

Mittwoch im Kapitalismus

Es ist Mittwoch.

Ein ganz normaler Mittwoch in Wilhelmshaven.

Ich laufe zum Aldi, kaufe Bananen, Mozzarella. Später gibt es Kaffee mit Rohrzucker. Nichts Besonderes. Mittwoch eben.

Und genau das ist der Punkt.

Ich halte eine Banane in der Hand. Auf dem Aufkleber steht Costa Rica. Der Mozzarella kommt aus Italien. Der Kaffee sicher nicht aus Deutschland, auch wenn die Rösterei hier ist. Der Rohrzucker wurde in Mannheim verpackt, aber das Zuckerrohr ist dort ganz bestimmt nicht gewachsen.

Ich stehe in meiner Küche und plötzlich zerfasert dieser durchschnittliche Tag zu endlosem Staunen.

Die Banane ist nicht heute Morgen in Costa Rica gepflückt worden. Sie ist irgendwann gewachsen, wurde geerntet, sortiert, gekühlt, in einen Container gepackt, auf ein Schiff geladen, über den Atlantik transportiert, in einem Hafen entladen, auf einen Zug oder LKW gestellt, in ein Lager gebracht und irgendwann in ein Aldi-Regal gelegt. Heute wird sie mein Frühstück. Sie ist Vergangenheit. Eigentlich sind alle Dinge in meiner Wohnung Vergangenheit. Jeder Gegenstand hat einen Weg hinter sich. Unzählige Hände haben ihn berührt, bevor er bei mir gelandet ist.

Und wenn man einmal angefangen hat, die Wege der Dinge zu sehen, dann sieht man sie überall. Vor einer Woche fuhr ich mit der Hafenrundfahrt am JadeWeserPort vorbei. Zwei Containerschiffe lagen dort hintereinander. 400 Meter lang. So groß, dass das Gehirn sie nicht richtig versteht. Unser Auge macht Container plötzlich klein, obwohl jeder Container so groß ist wie der auf einem LKW auf der Autobahn.

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Die MAERSK Manchester ist längst weitergefahren. Die OOCL Zeebrugge wahrscheinlich auch. Heute liegen andere Schiffe dort. Andere Container werden entladen. Andere Züge fahren los. Andere LKWs verlassen den Hafen.

Es ist wieder Mittwoch am JadeWeserPort.

Das Verrückte ist nicht, dass diese Schiffe existieren. Das Verrückte ist, dass sie keine Sensation sind. Sie sind der Fahrplan, die Routine, der Alltag.

Wir leben in einer Welt, in der Waren, Energie und Menschen in riesigen Strömen um den Planeten fließen. Flughäfen schleusen täglich Hunderttausende Menschen durch. Häfen löschen und laden schwimmende Häuserblöcke. Fabriken stellen Teile her, die in andere Fabriken gehen, die daraus Teile machen, die irgendwann ein Endprodukt werden. Niemand überblickt das Ganze. Und trotzdem funktioniert es. Nicht perfekt. Nicht gerecht. Nicht störungsfrei. Aber erstaunlich oft funktioniert es.

Und dann merke ich: Ich bin gar nicht der Beobachter dieses Geflechts. Ich bin ein Teil davon... ein Bananenesser, ein Kaffeetrinker, ein Mozzarellaretter, ein Konsument, ein Verbraucher, ein Wähler usw. ich bin ein Teil dieses endlos komplexen, weltweiten Netzes.

Ich glaube, das ist keine Liebeserklärung an den Kapitalismus. Es ist eine Liebeserklärung an den Mittwoch. Der stinknormale Durchschnittstag gibt mir den Raum, über meine Mutter nachzudenken. Mich mal wieder bei Moglie melden zu wollen. Wolkenschlösser mit Herrn Schmitt zu malen. Eine kleine Sinnkrise wegen meiner Figur zu haben. Mich über einen Sonnenaufgang zu freuen und Mozzarella zu retten, weil sie im Angebot waren.

Wenn außen immer mehr aufhört zu funktionieren, wird dieser Raum kleiner. Dann geht es plötzlich um Strom, Wasser, Verkehr, Medikamente, Lieferketten. Das Private verschwindet nicht, aber es wird verdrängt.

Jedes Menschenleben beinhaltet schon genug. Es braucht kein zusätzliches Weltdrama, um voller Liebe, Trauer, Hoffnung, Angst und Chaos zu sein.

Vielleicht ist das der schönste Satz dieses Mittwochs:

...but life still goes on.

Zum Glück.

Denn genau deshalb kann ich heute eine Banane aus Costa Rica essen und über einen ganz gewöhnlichen Mittwoch in endloses Staunen ausbrechen.

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u/Fraktalrest_e — 1 month ago
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Schuldfrage bei psychischen Problemen – Einsamkeit

In den Texten über das Rauchen habe ich geschrieben, dass Menschen mit Suchterkrankungen häufig mit Verantwortung überladen werden. "Du hast angefangen. Du bist schuld. Also hör auf." Als wäre damit irgendetwas gelöst.

(Rauchertexte sind unten verlinkt)

Bei Einsamkeit beobachte ich erstaunlich oft das Gegenteil. Hier werden Menschen häufig komplett aus der Verantwortung genommen. Die Gesellschaft ist schuld. Frauen sind schuld. Online-Dating ist schuld. Social Media ist schuld. Der Zeitgeist ist schuld. Alles ist schuld. Nur du nicht. Beides halte ich für wenig hilfreich.

Denn beides nimmt Menschen Handlungsmöglichkeiten. Einmal dadurch, dass man ihnen die komplette Schuld auflädt, natürlich auch für jedes Scheitern am Problem. Das andere Mal dadurch, dass man ihnen erzählt, sie könnten ohnehin nichts verändern.

Deshalb möchte ich auch bei Einsamkeit mit derselben Frage anfangen wie beim Rauchen:

Ist die Frage nach Schuld überhaupt die Relevante?

Schuld und Ursache sind für mich zwei verschiedene Dinge. Ursachen können wichtig sein. Vielleicht bist du umgezogen. Vielleicht hast du Mobbing erlebt. Vielleicht hast du Angehörige verloren. Vielleicht hast du deinen Job verloren. Vielleicht sind Freundschaften auseinandergegangen. Vielleicht haben psychische Probleme dazu geführt, dass du Kontakte verloren hast. Vielleicht spielen Social Media, Dating-Apps und die Gesellschaft allgemein tatsächlich eine Rolle. Vielleicht gibt es Verhaltensweisen von dir, die Menschen auf Abstand halten. Vielleicht fällt es dir schwer, Interesse an anderen zu zeigen, Nähe oder Konflikte auszuhalten. Vielleicht hundert andere Dinge.

Diese Aspekte können wichtig sein, weil sie helfen können zu verstehen, welche Hebel es überhaupt gibt. Aber die Schuldfrage beantwortet nicht, was heute Abend passiert. Heute Abend sitzt du allein zu Hause. Das ist das Problem. Und dieses Problem besteht unabhängig davon, wer daran schuld ist.
Leider ist das Leben manchmal furchtbar ungerecht. Die Menschen oder Umstände, die vielleicht Ursachen erzeugt haben, müssen sich oft nicht um die Folgen kümmern. Du schon. Nicht weil du schuld bist. Sondern weil du mit dem Problem lebst.

Bevor wir weitermachen: Bist du eigentlich betroffen?

Dieser Text ist nicht für Menschen, die einfach gerne allein sind. Alleinsein und Einsamkeit sind für mich nicht dasselbe. Ich brauche selbst regelmäßig viel Zeit allein. Viele Menschen brauchen das. Wenn du gerne allein bist und darunter nicht leidest, dann lass dir bitte von niemandem einreden, dass mit dir etwas nicht stimmt.
Der Rest des Textes ist nur für Menschen, die unter ihrer Einsamkeit leiden. Deshalb dieselben vier Fragen wie im Rauchertext.

1. Hast du überhaupt ein Problem?
Nicht: "Es wäre irgendwie schöner, wenn es anders wäre."
Sondern ist die Einsamkeit etwas, das dich immer wieder piekst.
Etwas, das immer wieder auftaucht.
Etwas, das dich beschäftigt.

Wenn du hier ja sagst, dann lies bitte weiter.

2. Leidest du darunter?
Macht es dir Sorgen?
Lässt es dich schlecht schlafen?
Macht es dir Angst?
Erzeugt es Selbsthass?

Wenn du hier bei einer oder mehreren Fragen ja sagst, dann lies bitte weiter.

3. Bleibt das Problem wahrscheinlich bestehen, wenn du alles so weitermachst wie bisher?
Wenn die Antwort Nein ist, brauchst du vielleicht gar keinen Veränderungsplan.
Wenn die Antwort Ja ist, kommt die letzte Frage.

4. Stell dir vor, in einem Jahr ist alles noch genauso.
Du sitzt noch genauso allein zu Hause.
Du hast dieselbe Einsamkeit.
Findest du diese Vorstellung auszuhalten?
Wenn Ja, dann besteht kein Bedarf an Handlungen.

Wenn Nein, dann sollte meiner Meinung nach heute der Tag sein, an dem du anfängst.

Fang klein an
Nicht mit Partnersuche.
Such zuerst regelmäßige, aber lockere soziale Kontakte:
Geh vielleicht in eine Walking-Gruppe.
Such vielleicht eine Bastelgruppe.
Geh vielleicht in einen Verein.
Frag beim sozialpsychiatrischen Dienst nach Angeboten in deinem Landkreis.
Melde vielleicht dich bei Meet5 oder einer anderen Freizeitgruppe an.
Such vielleicht ein Forum zu deinem Hobby.
Such nach der Möglichkeit, die du ganz persönlich heute anfangen kannst umzusetzen.

Und ja:

Online-Kontakt ist auch Kontakt.
Wenn dir jeden Tag jemand auf deinen Beitrag antwortet, wenn du dieselben Menschen wiedererkennst, wenn ihr euch über ein gemeinsames Hobby austauscht, dann ist das bereits zwischenmenschlicher Kontakt. Nicht perfekt. Aber auch echt.

Eine Beziehung ist ein ziemlich komplexes zwischenmenschliches Projekt. Deshalb würde ich nicht dort anfangen. Stell dir vor, du warst früher richtig gut in einem Videospiel, CoD oder so. Dann hast du zehn Jahre kaum gespielt. Würdest du gleich E-Sports-Liga Qualität erwarten? Wahrscheinlich nicht.

Zwischenmenschliche Fähigkeiten funktionieren oft ähnlich. Man verlernt sie nicht vollständig. Aber vieles wird ungeübt. Gespräche anfangen. Zuhören. Reagieren. Mit unterschiedlichen Bedürfnissen umgehen. Nähe aushalten. Konflikte aushalten.
Das kann man üben.

Soziale Psychohygiene
Das mache ich selbst. Ich rede absichtlich mit Menschen, die ich wahrscheinlich nie wieder sehe.
An der Bushaltestelle.
Beim Bäcker.
An der Kasse.

Ich frage etwas. Ich sag was Freundliches. Ich sage irgendeine Kleinigkeit. Notfalls was zum Wetter. Nicht, weil daraus eine Freundschaft oder auch nur ein andauernder Kontakt entstehen muss. Sondern weil ich mit einem echten Menschen gesprochen habe. Das ist für mich Psychohygiene. Wenn ich lange alleine war, tut mir das gut. Und wenn das Gespräch holprig oder sogar peinlich läuft, ist nichts verloren. Wir sehen uns vermutlich nie wieder.

Zum Schluss

Nachdem hoffentlich die Schuldfrage vom Tisch ist, haben die vier Fragen etwas ziemlich Einfaches gezeigt. Du hast ein Problem. Du leidest darunter. Es wird wahrscheinlich bleiben, wenn nichts passiert. Dann fang heute an. Nicht groß. Nicht perfekt. Sondern genau den Schritt, den du heute schaffst zu gehen.

Das Leben ist ungerecht.

Fang heute an.

Niemand gibt dir deine Lebenszeit zurück.

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u/Fraktalrest_e — 2 months ago
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A group of Argentinian Gandalfs protest against Palantir in front of Peter Thiel’s house in Buenos Aires

u/AliceRyuz — 2 months ago
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Schuldfrage bei psychischen Problemen - Rauchen - Liebe Raucher!

Und nun an euch, liebe Raucher.

Ich war selbst etwa 25 Jahre Raucher und wenn man mit mir über Schuld und Egoismus in dieser Hinsicht diskutieren wollte, hätte man nie auch nur einen Hauch erreicht.

Deshalb möchte ich euch etwas anderes fragen.

Hast du ein Problem mit deinem Rauchen?

Und damit meine ich nicht, dass andere Menschen dein Rauchen problematisch finden.

Vergiss für einen Moment, was andere über dein Rauchen denken.

Nicht: Findet mich jemand deshalb ekelhaft? Nicht: Riecht jemand, dass ich wieder geraucht habe? Nicht: Ist jemand enttäuscht von mir? Nicht: Was denkt meine Familie darüber?

Darum geht es hier gerade nicht.

SONDERN:

Ist es für dich selbst ein Problem?

Merkst du, dass du von den Zigaretten abhängig bist und stört dich das? Vielleicht kennst du diese Momente ...

Es ist nachts um drei. Du bist schon schlaffertig. Es ist kalt draußen. Du hast eigentlich überhaupt keinen Bock, noch einmal rauszugehen. Und trotzdem... die Kippen sind alle...

Vielleicht stört dich, dass deine Finger gelb werden. Vielleicht deine Zähne. Vielleicht stört dich, wie viel Geld jeden Monat dafür draufgeht. Vielleicht stört dich, dass du dir bei jeder Reise überlegen musst, wie viele Zigaretten du für unterwegs mitnehmen musst, ob es dort einen Automaten gibt, ob eine Tankstelle in der Nähe ist... Vielleicht hast du Angst vor Lungenkrebs oder einem Herzinfarkt. Vielleicht hast du bereits gesundheitliche Schäden und rauchst trotzdem weiter. Vielleicht stört dich, dass andere Menschen dich als stinkend wahrnehmen. Vielleicht stört es dich bei der Partnersuche. Vielleicht stört dich etwas ganz anderes.

Nicht nur ein bisschen. Nicht nur so, dass du ab und an denkst: „Boah, was für eine nervige Angewohnheit.“

Sondern so, dass du immer wieder denkst:

„Das bestimmt über mich. Ich will das gar nicht, aber ich mache es.“

Dann hast du ein Problem.

Also nur weiterlesen, wenn du diese erste Frage:

1. Hast du ein Problem?

mit JA beantwortet hast.

2. Leidest du darunter?

Macht es dir Sorgen, lässt dich das Problem schlecht schlafen, verschlechtert es deine zwischenmenschlichen Beziehungen, erzeugt es Selbsthass, macht es dir Angst... usw.

Nur weiterlesen, wenn du diese zweite Frage:

„Leidest du darunter?“

mit JA beantwortet hast.

3. Bleibt das Problem aller Wahrscheinlichkeit nach bestehen, wenn du alles so weitermachst wie bisher?

Nur weiterlesen, wenn du die dritte Frage mit JA beantwortet hast.

4. Wenn du dir vorstellst, unter dem Problem noch in einem Jahr zu leiden, findest du diese Vorstellung auszuhalten?

Wenn hier jetzt ein NEIN kommt, dann möchte ich dir nicht sagen:

„Du bist selbst schuld.“

Ich möchte dir sagen:

Dann fang an, etwas dagegen zu tun. Du musst nicht heute perfekt aufhören. Du musst nicht wissen, wie es geht. Du musst das nicht alleine schaffen. Mach den kleinsten Schritt, den du machen kannst. Google, welche Möglichkeiten zur Rauchentwöhnung es gibt. Schreib eine Pro-und-Contra-Liste. Sprich mit deinem Arzt. Such dir Unterstützung. Überleg dir, was dir die Zigarette gibt und was du stattdessen brauchen könntest. Such dir etwas, das deine Hände beschäftigt. Mach irgendetwas, das dich ein kleines Stück in Richtung Nichtrauchen bringt. Hilfe zu suchen ist Handeln. Sich Unterstützung zu holen ist Handeln.

Wenn du dein Problem lösen willst, musst du handeln. JETZT! Nicht weil du schuld bist. Nicht weil du schwach bist. Sondern weil es dein Leben ist und JETZT immer der einzige Zeitpunkt ist auf den du maximalen Einfluss hast. Höre für jetzt auf, für diese Stunde, für diesen Tag! Jeder Tag ohne ist ein Sieg.

Und genau deshalb würde ich dir auch nicht empfehlen, das Aufhören hauptsächlich an der Meinung anderer Menschen aufzuhängen. Wenn du aufhören willst, denk an dich. Denk an deinen Körper. Denk an deine Gesundheit. Denk an dein Geld. Denk an die gesunden Jahre, die du noch auf diesem Planeten verbringen möchtest. Und denk daran, was das Rauchen dir antut. Wenn dich deine gelben Finger nerven, dann ist das ein Grund. Wenn dich die Kosten nerven, dann ist das ein Grund. Wenn dich die Abhängigkeit nervt, dann ist das ein Grund. Wenn du Angst vor den gesundheitlichen Folgen hast, dann ist das ein Grund. Wenn du dich jedes Mal über dich selbst ärgerst, wenn du wieder anfängst, dann ist auch das ein Grund.

Du musst nicht für jemand anderen aufhören. Du musst auch nicht beweisen, dass du stark genug bist. Du musst nicht erst die perfekte Motivation finden.

Wenn du selbst dieses Problem nicht mehr haben willst, reicht das als Ausgangspunkt.

Und wenn du feststellst, dass diese Methode für dich überhaupt nicht funktioniert, weil du beim Aufhören ständig nur darüber nachdenkst, was andere Menschen von dir denken, dann vergiss meinetwegen diese vier Fragen. Dann brauchst du vielleicht eine andere Methode. Keine Ahnung, was alles funktioniert.

Aber wenn du etwas verändern willst, dann such dir eine Methode, mit der du tatsächlich etwas veränderst.

Und wenn du danach oder währenddessen noch Energie hast, dann setz dich meinetwegen politisch oder gesellschaftlich dafür ein, dass andere Menschen gar nicht erst in diese Sucht hineinrutschen. Setz dich dafür ein, dass Prävention besser funktioniert. Dass Entwöhnung leichter zugänglich wird. Dass Menschen bessere Unterstützung bekommen.

Tu alles, wofür du Energie hast.

Aber vergiss dabei dein eigenes Leben nicht.

Fang bei dir an. Nicht weil du schuld bist. Sondern weil es dein Leben ist.

Fang an. Jetzt.

Niemand gibt dir deine Lebenszeit zurück.

Der Text an die Nichtraucher:

https://www.reddit.com/r/WriteAndPost/s/sG4cRBWzPX

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u/Fraktalrest_e — 2 months ago
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Schuldfrage bei psychischen Problemen - Rauchen - Liebe Nichtraucher!

Liebe Nichtraucher,

erstens: Fangt niemals damit an! Das ist wahrscheinlich die einfachste und wirksamste Form einer Sucht zu entgehen. Ich hoffe, bis hierhin sind wir uns einig.

Aber was machen wir mit den Menschen, die bereits angefangen haben?

Da wird die Diskussion nämlich schnell interessant. Und leider auch schnell ziemlich sinnlos.

Dieser Text handelt deshalb zwar vom Rauchen, aber Rauchen ist für mich dabei auch ein Beispiel für eine größere Frage: Wie gehen wir mit Menschen um, die ein psychisches oder suchtbezogenes Problem haben und etwas daran verändern wollen?

Zweitens: Die Schuldfrage

Ja, natürlich hat ein Raucher die erste Zigarette meist ohne Zwang angesteckt.

Um ein Beispiel zu liefern: Mein 17-jähriges Ich hat eine ziemlich dumme Entscheidung getroffen. Es wusste, dass Rauchen schädlich ist und dass es süchtig macht. Es hat trotzdem angefangen.

Mea culpa!

Ob zu 100 % unbeeinflusst, lassen wir dahingestellt. Aber sagen wir zum Spaß, ich war beeinflusst, verführt und Teenager. Werbung, Gruppendruck, meine eigene Unsicherheit, der Zeitgeist, die Gesellschaft, die Medien, whatever... hat mich dazu gebracht.

Unschuldslamm!

Wahrscheinlich war es eine Mischung aus allem.

Menschen halt!

Nur, egal wer oder was Schuld war:

Was bringt diese Erkenntnis 25 Jahre später?

Für die Frage, wie dieser eine Mensch heute aufhören kann, ist das zunächst einmal ziemlich irrelevant. Wir sollten uns doch viel eher fragen: Warum hast du angefangen? Und noch viel wichtiger: Warum bleibst du dabei?

Was macht das Rauchen mit dir?

Was ersetzt es dir? Wobei hilft dir die Zigarette? Rauchst du, wenn du nervös bist? Rauchst du, um Wartezeiten zu überbrücken? Ist die Zigarette deine Pause? Ist sie ein Sozialverstärker? Rauchst du, wenn du dir etwas gönnen möchtest? Brauchst du Beschäftigung für deine Hände? Ist das Rauchen ein Ritual geworden? Oder geht es gerade um den Entzug und darum, einen unangenehmen Zustand wieder loszuwerden?

Natürlich spielt der Wirkstoff eine Rolle. Wer regelmäßig und täglich raucht, kann eine körperliche Nikotinabhängigkeit entwickeln und Entzugserscheinungen bekommen, wenn er es länger weglässt.

Aber die entscheidenden Fragen bei Sucht gehen für mich immer in die Richtung: Was macht die Zigarette für diesen Menschen darüber hinaus? Denn der Süchtige weiß im Allgemeinen, dass die Sucht auch etwas nimmt.

Sie nimmt dir Geld. Sie nimmt dir Gesundheit. Sie nimmt dir die Möglichkeit, gut zu riechen. Sie kann dir soziale Kontakte nehmen.

Sie nimmt dir etwas.

Und trotzdem wird weiter geraucht.

Dann ist die Frage doch:

Was bekommst du dafür?

Das sind Fragen, die für das Aufhören interessant sein können.

Ob du vor fast zwanzig Jahren ausschließlich selbst schuld warst oder ob da vieles mit rein spielte hilft dir heute nicht unbedingt dabei, deine Sucht zu beenden.

Und genau deshalb bringt dir die hundertste Schuldzuweisung nicht unbedingt was.

Drittens: Egoismus bei Rauchern

Der zweite große Vorwurf lautet gerne: Raucher sind egoistisch.

Naja,... JA.

Raucher können egoistisch sein. Nichtraucher können es übrigens auch. Egoismus ist für mich zunächst einmal eine menschliche Eigenschaft. Menschen unterscheiden sich darin, wie stark sie zu egoistischem Verhalten neigen. Das kann sich über das Leben verändern und vermutlich auch von Situation zu Situation und von Tagesform zu Tagesform.

Natürlich kann auch Suchtdruck dazu führen, dass ein Mensch sich stärker auf die Befriedigung seines eigenen Bedürfnisses konzentriert. Das will ich überhaupt nicht ausschließen.

Aber ich halte es für einen ziemlich großen Sprung, daraus zu machen, dass Nikotinabhängigkeit Menschen grundsätzlich egoistischer macht.

Ein egoistischer Mensch, der raucht, kann sich egoistisch verhalten. Ein rücksichtsvoller Mensch, der raucht, kann sich trotzdem bemühen, rücksichtsvoll zu bleiben.

Das Problem ist nur: Rauchen ist sichtbar und riechbar. Wenn jemand im Eingangsbereich eines Gebäudes raucht, wenn Rauch in meine Richtung zieht oder wenn ich irgendwo wegen Zigarettenrauch nicht sitzen möchte, bekomme ich dieses Verhalten unmittelbar mit und werde davon beeinträchtigt. Wenn jemand Kippenstummel auf den Boden schnippt, dann sieht man das Ergebnis.

Egoistisches Verhalten ohne Zigarette riecht dagegen nicht nach Rauch und steht auch nicht qualmend vor dem Bahnhof und wird häufig von weniger Menschen bemerkt.

Deshalb kann man selbstverständlich trotzdem darüber diskutieren, wie egoistisch unsere Gesellschaft ist. Man kann darüber diskutieren, ob Egoismus zunimmt oder abnimmt, welche gesellschaftlichen Faktoren dabei eine Rolle spielen, wie viel Rücksicht Menschen aufeinander nehmen sollten und wie wir uns eine Gesellschaft wünschen.

Das sind alles interessante Fragen.

Aber sie sind nicht die entscheidende Frage der Nikotinabhängigkeit.

Ich halte Egoismus und Tabaksucht nicht für besonders eng miteinander verknüpft. Und selbst wenn ein Raucher sich egoistisch verhält, beantwortet die Feststellung „Du bist egoistisch“ noch lange nicht die Frage:

Wie bekommen wir dich vom Rauchen weg?

Viertens: Was könnte gesellschaftlich helfen?

Wenn wir wirklich weniger Raucher haben wollen, dann sollten wir vielleicht über Maßnahmen sprechen, die genau dieses Ziel verfolgen.

Unsere Regierungen haben in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Maßnahmen zur Tabakprävention und zur Einschränkung des Tabakkonsums ergriffen. Manche davon waren wirksam. Ob jede einzelne Maßnahme optimal war, welche davon besonders wirksam waren und welche man verändern, verstärken oder vielleicht auch wieder zurücknehmen sollte, darüber kann man selbstverständlich diskutieren.

Genau diese Diskussion finde ich sinnvoll.

Der Erfolg lässt sich zumindest anhand einiger ziemlich konkreter Fragen betrachten:

Fangen weniger junge Menschen mit dem Rauchen an?

Das ist für mich der wichtigste Punkt. Wenn weniger junge Menschen anfangen, ist Prävention erfolgreich. Deshalb ja der Einstieg in diesen Text.

Die meisten Menschen beginnen relativ früh mit dem Rauchen. Natürlich fangen aber auch Erwachsene mit 30, 40 oder noch später an, der Hauptaugenmerk der Prävention sollte jedoch auf Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegen, da Menschen in der Adoleszenz noch sehr beeinflussbar sind.
In Bezug auf Werbung und Influencer (bezogen auf Vapes und nicht auf Zigaretten) habe ich auch bereits geschrieben: Influencer-Communities und Werbung : r/WriteAndPost

Werden Menschen, die bereits rauchen und aufhören wollen, erfolgreicher beim Aufhören unterstützt?

Welche Entwöhnungsmaßnahmen funktionieren? Welche Angebote helfen? Was könnte besser funktionieren als „Du bist selbst schuld“, "Du bist egoistisch" oder „Du bist zu schwach“?

Reduzieren Menschen, die momentan noch weiter rauchen, ihren Konsum?

Auch das kann ein sinnvoller Ansatz sein. Nicht jeder Mensch hört sofort vollständig auf. Dann kann die Frage zumindest sein, wie sich der Konsum reduzieren lässt und welche Maßnahmen dabei helfen.

Sinkt insgesamt der Tabak- und Nikotinkonsum?

Denn am Ende geht es auch um die tatsächliche Menge des Konsums und damit um die gesundheitlichen Folgen. Und genau darüber können wir meinetwegen sehr ausführlich diskutieren.

Dazu gehört natürlich auch die Frage, wie andere Formen des Nikotinkonsums, etwa E-Zigaretten und Vapes, einzuordnen sind. Dazu habe ich einen eigenen Text geschrieben: Vapes - Déjà-vu eines Rauchers : r/WriteAndPost

Welche Maßnahmen funktionieren? Welche funktionieren nicht? Was könnte man besser machen? Welche Informationskampagnen bringen etwas? Was hilft Jugendlichen? Was hilft Erwachsenen? Was hilft Menschen, die aufhören wollen? Welche Erfahrungen haben andere gemacht?

Wer dazu Ideen, Erfahrungen oder Vorschläge hat, kann darüber gerne diskutieren. Genau dafür kann dieser Thread offen bleiben oder ihr dürft hier gern beliebig viele Threads zu diesem Themenbereich aufmachen. Auch andere Süchte betreffend gern.

Denn das ist für mich die interessante Debatte über Rauchen.

Nicht: Sind Raucher schlechte Menschen?

Nicht: Sind Raucher egoistisch?

Nicht: Wer war vor 25 Jahren schuld?

Denn am Ende steht eine ziemlich einfache Tatsache.

In Deutschland sterben jedes Jahr zigtausende Menschen an den Folgen des Tabakkonsums.

Einige dieser Menschen kannte ich. Einige dieser Menschen habe ich geliebt. Einige von ihnen haben bis zu ihrem letzten Tag geraucht. Trotz ihrer Erkrankungen. Trotz der Schäden. Trotz des Wissens darüber, was das Rauchen mit ihnen macht.

Und wenn man diesen Menschen im Nachhinein sagt: „Die waren einfach zu schwach. Die waren egoistisch. Die hätten ja einfach aufhören können. Selbst schuld.“

Dann sagt man das über Menschen, die ich geliebt habe.

Ich möchte, dass möglichst wenige Menschen rauchen. Nicht, weil ich Raucher für schlechte Menschen halte.

Sondern weil ich möchte, dass möglichst wenige Menschen daran sterben.

Der Text an die Raucher:

https://www.reddit.com/r/WriteAndPost/s/83NGLsLWde

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u/Fraktalrest_e — 2 months ago
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Was meint ihr eigentlich mit Männerhass?

Ich habe hier einmal aufgeschrieben, was ich darunter verstehe und was für mich ausdrücklich noch kein Männerhass ist. Vieles davon kann unfair sein. Vieles kann dumm sein. Manches kann verletzend sein. Einiges davon sollte man sich vielleicht tatsächlich verkneifen. Aber wenn wir all das schon Männerhass nennen, was wollen wir damit erreichen?

Und vor allem: Was meint ihr eigentlich mit Männerhass und was soll durch die Bezeichnung erreicht werden?

Vielleicht sollten wir darüber tatsächlich einmal reden. Nicht darüber, ob jemand „auf der richtigen Seite“ steht, sondern darüber, was wir überhaupt meinen, wenn wir das Wort Hass benutzen. Weil wir alle zum Glück in Bezug auf den Begriff "Frauenhass" sensibilisierter sind, habe ich Beispiele mit Äußerungen über Frauen mit aufgeführt. Wo ist deine Grenze? Ab wann denkst du: „Das geht für mich jetzt zu weit“? Ich bin auf eure Einschätzungen gespannt:

1. Persönliche Präferenz
„Ich möchte keine Männer daten.“ „Ich möchte keine Frauen daten.“
→ Kein Hass. Das ist zunächst einmal eine persönliche Entscheidung.

2. Persönliche Erfahrung
„Ich habe schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht.“ „Meine letzten Beziehungen mit Frauen waren katastrophal.“
→ Kein Hass. Die Erfahrung kann richtig, falsch, einseitig oder unvollständig durchdacht sein. Sie bleibt zunächst eine Erfahrung.

3. Vermeidung / persönliche Grenze
„Deshalb rede ich momentan nicht gerne mit Männern.“ „Ich möchte mit Frauen erst einmal nichts zu tun haben.“
→ Kein Hass. Man darf Menschen meiden. Die interessante Frage wäre höchstens, ob die Person selbst unter dieser Vermeidung leidet und etwas daran verändern möchte. Aber das ist ihr Problem, nicht automatisch ein moralisches Urteil über die Gruppe.

4. Angst und Misstrauen
„Ich habe Angst vor Männern.“ „Ich vertraue Frauen nicht.“
→ Ebenfalls kein Hass. Die Angst kann nachvollziehbare Gründe haben, unfaire Gründe, oder gar keinen für die betroffene Person bekannten Grund. Angst ist ein Gefühl, dass sich manchmal nicht logisch herleiten lässt und auch nicht lassen muss.

Aber etwas ist hier sehr wichtig:

Angst kann zu Hass werden. Aber Angst IST NICHT Hass.

Wenn man also Angst vor einer bestimmten Menschengruppe hat, könnte man an der Angstbewältigung arbeiten, das ist aber die Angelegenheit der betroffenen Person und kein Grund ihr Hass zuzuschreiben.

5. Flapsige Verallgemeinerung / Klischee
„Männer sind halt so.“ „Frauen sind halt so.“
„Männer sind unordentlicher.“ „Frauen sind pedantischer.“

→ Nicht automatisch Hass. Aber oft auch nicht besonders klug. Und genau hier kann ein kleiner Selbstcheck hinein:

Will ich aus meinem momentanen Ärger eine Aussage über Milliarden von Menschen machen?

Ich muss gestehen mir sind solche Sätze auch schon entfleucht, aber es ist gut wenn mich dann jemand an die geringe Aussagekraft einer solchen Plattitüde erinnerte, weshalb ich das auch immer bei anderen tue.

6. Polemische Zuspitzung / Provokation

„Männer sind noch nicht einsam genug.“
„Männer tun echt alles, um nicht in Therapie zu müssen.“
„Nicht alle Männer, aber immer ein Mann.“

→ Nicht automatisch Hass. Solche Aussagen sind oft bewusst übertrieben, pauschalisiert und provokant formuliert. Das macht sie nicht automatisch sachlich richtig oder besonders klug. Man kann und sollte sie kritisieren, solche Aussagen sollen ja eine innere Beschäftigung mit dem Thema verursachen. Genau deshalb habe ich ja den ersten Satz schon als Überschrift einer meiner Texte verwendet. (https://feddit.org/post/28706776) Von solcher Polemik bin ich mittlerweile wieder weg. Es ist meinem Kommunikationsziel nicht zuträglich. Das heißt nicht das ich solche provokanten Äußerungen grundsätzlich für schlecht befinde, aber sie erzeugen für mich persönlich zu häufig eher Identitätsabwehr als echtes Nachdenken über das Thema.

7. Pauschalisierende oder stereotype Abwertung
„Männer können sich eben nicht beherrschen.“ „Frauen agieren immer zu emotional.“
„Männer sind eben keine guten Elternteile.“ „Frauen daten nur körperlich und finanziell attraktive Männer.“

→ Hier wird es deutlich problematischer. Das sind pauschale Zuschreibungen mit starken sexistischen und/oder abwertenden Konnotationen. Aber auch hier würde ich noch nicht automatisch sagen: Hass. Aber schon wirklich diskussionswürdig.

Und dann kommt meine Grenze:

8. Gruppenhass

„Männer sind Tiere.“ „Frauen sind nicht zurechnungsfähig.“

„Alle Männer sind Triebtäter.“ „Frauen sind manipulative Schlampen und nutzen Männer nur aus.“

Hier wird nicht mehr gesagt: „Ich hatte schlechte Erfahrungen.“
Hier wird gesagt: „Diese Menschen sind aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu dieser Gruppe schlechter.“

Und dann die verschärfte Form:

9. Gruppenhass mit Legitimierung von Schaden

„Männer haben es verdient, geschlagen zu werden.“ „Frauen darf man schlagen, damit sie lernen.“

„Alle Männer gehören weggesperrt.“ „Frauen sollten keine Rechte haben.“

Da wird aus der Abwertung eine Rechtfertigung dafür, Menschen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit schlecht zu behandeln.

Das ist dann tatsächlich eine sehr klare Grenze.

Eine weitere Schwierigkeit kommt hinzu: Humor, Ironie und Satire.
Manche Aussagen, die wörtlich gelesen eindeutig pauschalisierend oder sogar menschenfeindlich wirken, werden ironisch oder satirisch verwendet. Sie können bewusst übertreiben, um ein Klischee sichtbar zu machen, es lächerlich zu machen oder einen Widerspruch aufzuzeigen. Deshalb reicht es auch hier nicht immer, einen einzelnen Satz aus dem Zusammenhang zu ziehen und ihn wörtlich zu lesen.

Das bedeutet nicht, dass hinter Satire niemals echter Hass stecken kann. Natürlich kann jemand auch seine tatsächliche Abneigung humoristisch verpacken. Aber auch hier gilt für mich: Der Satz allein erzählt uns nicht immer, was die Person tatsächlich sagen will.

Und dann noch etwas zu statistischen Erkenntnissen, weil er einen wichtigen Denkfehler verhindert:

Nicht jede Aussage, die sich auf eine Gruppe bezieht, ist eine Aussage über den Wert ihrer Mitglieder.

„Männer sind bei bestimmten Gewaltdelikten statistisch überrepräsentiert“ ist eine Aussage über eine statistische Verteilung.

→„Männer sind gewalttätig“ macht daraus eine Eigenschaft.

→„Männer sind schlechte Menschen“ macht daraus eine moralische Abwertung.

→„Männer verdienen Gewalt“ macht daraus eine Rechtfertigung von Gewalt.

Das sind vier verschiedene Aussagen.

Doch durch all diese Betrachtungen sollte auch die ursprüngliche Frage endlich wirklich beantwortbar sein:

Was meint ihr eigentlich mit Männerhass?

Und wichtigere Fragen ergeben sich: Wenn jemand einen klischeehaften oder unfairen Satz über Männer schreibt und ich antworte sofort mit „Männerhasserin“, habe ich dann tatsächlich etwas für Männer getan? Habe ich das Klischee widerlegt? Habe ich die Person zum Nachdenken gebracht? Habe ich die Verständigung zwischen den Geschlechtern verbessert? Oder habe ich nur eine neue Front eröffnet, an der jetzt über das Wort „Hass“ gestritten wird?
Und noch eine kleine Fiesheit: Jemand KANN Männer tatsächlich und erwiesenermaßen hassen und doch eine richtige Aussage über Männer treffen.

Bekämpft das Klischee. Nicht den Menschen.

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u/Fraktalrest_e — 2 months ago
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Gegen Raucher zu sein ist keine unbeliebte Meinung

Rauchen dies, Rauchen das.

17-mal die Woche wird hier über Raucher hergezogen als seien es die schlimmsten Kriegsverbrecher.

Sorry, aber wenn so viele Leute die Zeit,Lust und Energie haben, sich konstant über Raucher auszulassen, dann ist diese Meinung wohl bei weitem nicht unbeliebt.

Es wird auch kein Raucher mit dem rauchen aufhören nur weil ihr euch auf Reddit mit den 5 selben bulletpoints darüber auslasst.

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u/Clear-Doughnut-1690 — 2 months ago
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Stadtschönheitsdetektive

Heute sind es bemalte Wände aus Wilhelmshaven.
Morgen vielleicht ein Park in Hagen.
Eine Straßenecke in Bitterfeld.
Blumen in einem Park in München.
Oder der Fischmarkt in Hamburg bei Sonnenaufgang.
Dieses Reel ist keine Challenge.

Wenn ihr mögt, zeigt die Schönheit eurer eigenen Stadt. Ganz egal, ob sie als schön oder hässlich gilt.

Ob als Antwort auf dieses Reel. Oder mit einer Verlinkung. Oder einfach auf eurem eigenen Profil. Oder auf einer anderen Plattform. Ganz wie ihr möchtet.

Was wir davon haben? Mehr Schönheit gesehen.

u/Aggravating-Half8336 — 3 months ago

Lange graue Haare. Ein Abschied.

Ich versuche es mit Humor zu nehmen. Was bleibt mir auch anderes übrig?

Ich habe meine Haare mein Leben lang gehasst. Sie waren fusselig, dünn, schnell fettig, ständig verknotet und nie dort, wo sie sein sollten. Aus jedem Zopf arbeiteten sie sich wieder heraus, um anschließend im Gesicht herumzufliegen.

Und dann war da noch die Farbe. "Aschblond", nennen Friseure das. Ein erstaunlich freundlicher Begriff für das, was ich immer als mausgrau, schmutziggrau oder Straßenköterbraun empfunden habe.

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2020 änderte sich etwas. Meine Haare waren damals gerade sehr kurz, naturfarben, und mir fielen die grauen Strähnen auf. Es waren nicht mehr nur einzelne Haare, sondern deutliche Silbersträhnen.

Zum ersten Mal hoffte ich darauf, meine Haare mögen zu können. Denn eine Frisur fand ich schon immer wunderschön: lange graue Haare. Bei Männern genauso wie bei Frauen. Sie lassen einen Menschen für mich würdevoll, charaktervoll, gleichzeitig cool und auf eine ganz eigene Art schön wirken. Das wollte ich für mich auch.

Also begann eine ungewöhnliche Quest. Der Ziergegenstand (Ziergegenstände haben in Rollenspielen meist nur optischen Wert) „Lange graue Haare“ lässt sich ohne Cheating (färben oder Haarverlängerung) weder kaufen noch herstellen. Man erhält ihn ausschließlich durch Geduld und zwar jahrelang. Eigentlich nicht gerade eine Stärke von mir.

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Ich überstand die Phase, in der die Haare zu kurz waren, um hinter den Ohren zu halten, aber lang genug, um in die Augen zu fallen. Ich überstand die Schulterlänge, bei der meine Haare NOCH schneller unordentlich aussahen. Ich widerstand unzähligen Gelegenheiten, sie einfach wieder abschneiden zu lassen.

Im Laufe der Jahre war dann der ersehnte Ziergegenstand endlich freigeschaltet. Ich fand meine Haare zum ersten Mal schön. Ich genoss, dass mir (tatsächlich oder eingebildet) Lebenserfahrung und Wissen zugestanden wurde. Ich sonnte mich im Glanz meiner silbernen Pracht.

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Dann zog ich an die Nordsee.

Nach zwei Tagen war klar: Hüte sind hier keine sinnvolle Ausrüstung. Das konnte ich, obwohl Hutliebhaber, erstaunlich gelassen hinnehmen.

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Bei den langen Haaren kämpfte ich deutlich länger. Ich wohne nun seit gut drei Monaten hier und wollte nicht aufgeben, aber gegen den Nordseewind helfen weder Zopf noch Haarspange noch Haarklammer. Irgendwann hängen sie wieder im Mund, in den Augen oder kleben bei Wärme überall dort, wo sie gerade nicht sein sollen.

Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ein Ziergegenstand zwar wunderschön sein kann, aber er ist es nicht wert, dass er jeden Tag stört.

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Lange graue Haare!

ihr wart die erste Frisur meines Lebens, die ich wirklich an mir geliebt habe.

Es hat Jahre gedauert, euch zu bekommen.

Versteht mich nicht falsch, ihr seid für mich die schönste Frisur von allen.

Aber heute werde ich mich von euch verabschieden.

Mit schwerem Herzen.

Die Nordsee hat gewonnen.

Und gestern, am 30.07.2026 endete dann meine "lange graue Haare"-Phase. Ein bisschen ein weinendes Auge habe ich dabei. Die neue Frisur ist praktischer, aber weniger sinnlich in meinen Augen. Momentan ist es eine recht durchschnittliche "Alte-Frauen-Frisur", aber wer mich lange kennt, weiß, dass kurze Haare zu Veränderungen anregen. In 8 Wochen muss ich eh wieder zum Friseur. Ich bin schon gespannt, was mir einfällt bis dahin.

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reddit.com
u/Fraktalrest_e — 3 months ago

Wir sind die Guten

Für mich ist einer der gefährlichsten Sätze, die ein Mensch über sich selbst sagen kann:

„Ich bin ein guter Mensch.“

Warum? Weil dieser Satz scheinbar oft das Ende des Nachdenkens markiert, statt seinen Anfang.

Ich frage mich dann immer, was dieser Satz für diese Person eigentlich bedeutet. Wenn möglich, frage ich nach. Die Antworten, die ich im Laufe meines Lebens bekommen habe, haben schließlich zu diesem Text geführt.

Ein Ziel, kein Etikett

Ich glaube nicht, dass jeder Mensch das Ziel haben muss, gut zu sein.

Vielleicht möchte jemand ein großer Künstler werden, eine brillante Wissenschaftlerin, ein religiöser Einsiedler oder einfach ein ruhiges Leben führen. Das sind alles legitime Lebensziele. Keines davon setzt zwingend voraus, ein guter Mensch sein zu wollen.

Ich selbst habe mir dieses Ziel gesetzt. (siehe 174 GUT SEIN)

Gerade deshalb möchte ich mir das Urteil „Ich bin ein guter Mensch“ niemals selbst verleihen. Für mich ist Gutsein kein Zustand, sondern ein Weg. Ein Pfad, der sich mäandernd einem Ziel nähert ohne es je erreichen zu können. Vor allem aber etwas, das sich immer wieder der eigenen Prüfung stellen muss.

Woran messe ich Gutsein?

Allein der Vorsatz, gut sein zu wollen, macht mich noch nicht besser. Deshalb beginnt für mich alles mit Fragen.

Nach welchen Prinzipien lebe ich eigentlich?

Warum gerade nach diesen?

Sind sie gerecht?

Halte ich mich überhaupt an sie?

Und was geschieht mit anderen Menschen, wenn ich ihnen folge?

Ich kann hervorragende Prinzipien besitzen und trotzdem ständig gegen sie verstoßen.

Ich kann aber auch meinen Prinzipien konsequent folgen und irgendwann feststellen, dass genau diese Prinzipien ungerecht sind.

Beides sollte ich immer wieder überprüfen. Nicht einmal. Sondern ein Leben lang.

Jeder Mensch folgt einer Moral

Je länger ich in meinem Leben über nachdachte, desto weniger glaubte ich, dass Menschen ohne moralische Vorstellungen existieren. Jeder Mensch ist auf irgendeine Weise sozialisiert und geprägt. Das prägt unsere Vorstellungen davon, was richtig und falsch ist. Deshalb gehe ich zunächst einmal davon aus, dass jeder erwachsene Mensch irgendeine moralische Vorstellung hat. Ob ich diese für gut halte, ist eine ganz andere Frage. Ob er den eigenen Vorstellungen überhaupt folgt eine andere.

Aber ich kritisiere dann eine Moral und spreche dieser Person nicht eine so grundlegende menschliche Eigenheit ab. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum ich vorsichtig werde, wenn Menschen die Welt zu schnell in „die Guten“ und „die Schlechten“ einteilen.

Gutsein geschieht zwischen Menschen

Noch dazu glaube ich nicht, dass Gutsein im Kopf stattfindet. Dort entstehen Prinzipien, Überzeugungen, Moral... Ob sie gut ist, zeigt sich aber erst zwischen Menschen. Man kann großartig über Ethik sprechen. Man kann wunderbare Prinzipien formulieren. Davon wird noch kein Mensch besser behandelt.

Gutsein zeigt sich erst dort, wo Menschen miteinander leben. Deshalb interessieren mich Menschen. Nicht aus bloßer Neugier. Sondern weil ich gar nicht wissen kann, ob ich gut handle, wenn ich mich nicht dafür interessiere, wie mein Handeln auf andere wirkt.

Warum denkt jemand so?

Warum hat er Angst?

Warum wird er wütend?

Warum erlebt er dieselbe Welt so völlig anders?

Warum wirken meine Worte und Handlungen auf ihn so anders als ich es gemeint hatte?

Nicht weil ich allem zustimmen möchte. Nicht weil ich jede Moral akzeptieren müsste. Sondern weil ich wissen möchte, ob mein eigenes Handeln den Menschen gerecht wird. Natürlich gibt es Situationen, in denen Widerspruch notwendig ist. Manchmal verletzen meine Worte. Manchmal müssen sie das sogar. Aber wenn Menschen, denen ich eigentlich guttun möchte, sich durch mein Verhalten immer wieder verletzt, übergangen oder nicht ernst genommen fühlen, dann wäre es seltsam, diese Rückmeldungen grundsätzlich zu ignorieren. Das bedeutet nicht, dass die anderen automatisch recht haben. Aber genauso wenig habe ich automatisch recht.

Selbstprüfung statt Selbstgewissheit

Mit der Zeit ist mir etwas aufgefallen. Es gibt Menschen, die versuchen, gut zu sein. Sie zweifeln. Sie prüfen sich. Sie scheitern. Sie lernen. Mit ihnen kann ich stundenlang reden.

Es gibt Menschen, die dieses Ziel gar nicht verfolgen. Auch das ist legitim.

Und dann gibt es Menschen, die einfach behaupten: „Ich bin gut.“ Oft ist das harmlos, wenn auch wenig zum Gespräch einladend.

Manchmal bleibt es aber nicht dabei. Dann wird daraus: „Ich bin gut, also sind die anderen schlecht.“ Genau dort werde ich unruhig. Denn plötzlich werden nicht mehr die eigenen Prinzipien geprüft. Sondern nur noch die anderen. Dabei halten sich die meisten Menschen für moralisch. Auch Menschen, deren Überzeugungen ich entschieden ablehne. Gerade das zeigt, die Überzeugung gut zu sein, schützt vor gar nichts. Sie kann sogar dazu führen, dass ich aufhöre, mich selbst zu hinterfragen.

Mein Maßstab

Ich werde wahrscheinlich niemals wissen, ob ich ein guter Mensch bin. Diese Entscheidung steht mir über mich selbst gar nicht zu. Ich kann nur immer wieder prüfen:

War ich heute meinen Prinzipien gerecht?

Sind diese Prinzipien noch gerecht?

War ich den Menschen gegenüber, denen ich guttun wollte, tatsächlich gut?

War ich heute fairer als gestern?

Mehr kann ich nicht tun.

Aber ich glaube, genau das ist der Weg, sich dem Ziel zu nähern ein guter Mensch zu sein.

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u/Fraktalrest_e — 3 months ago
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Wir sind die Guten

Für mich ist einer der gefährlichsten Sätze, die ein Mensch über sich selbst sagen kann:

„Ich bin ein guter Mensch.“

Warum? Weil dieser Satz scheinbar oft das Ende des Nachdenkens markiert, statt seinen Anfang.

Ich frage mich dann immer, was dieser Satz für diese Person eigentlich bedeutet. Wenn möglich, frage ich nach. Die Antworten, die ich im Laufe meines Lebens bekommen habe, haben schließlich zu diesem Text geführt.

Ein Ziel, kein Etikett

Ich glaube nicht, dass jeder Mensch das Ziel haben muss, gut zu sein.

Vielleicht möchte jemand ein großer Künstler werden, eine brillante Wissenschaftlerin, ein religiöser Einsiedler oder einfach ein ruhiges Leben führen. Das sind alles legitime Lebensziele. Keines davon setzt zwingend voraus, ein guter Mensch sein zu wollen.

Ich selbst habe mir dieses Ziel gesetzt. (siehe 174 GUT SEIN)

Gerade deshalb möchte ich mir das Urteil „Ich bin ein guter Mensch“ niemals selbst verleihen. Für mich ist Gutsein kein Zustand, sondern ein Weg. Ein Pfad, der sich mäandernd einem Ziel nähert ohne es je erreichen zu können. Vor allem aber etwas, das sich immer wieder der eigenen Prüfung stellen muss.

Woran messe ich Gutsein?

Allein der Vorsatz, gut sein zu wollen, macht mich noch nicht besser. Deshalb beginnt für mich alles mit Fragen.

Nach welchen Prinzipien lebe ich eigentlich?

Warum gerade nach diesen?

Sind sie gerecht?

Halte ich mich überhaupt an sie?

Und was geschieht mit anderen Menschen, wenn ich ihnen folge?

Ich kann hervorragende Prinzipien besitzen und trotzdem ständig gegen sie verstoßen.

Ich kann aber auch meinen Prinzipien konsequent folgen und irgendwann feststellen, dass genau diese Prinzipien ungerecht sind.

Beides sollte ich immer wieder überprüfen. Nicht einmal. Sondern ein Leben lang.

Jeder Mensch folgt einer Moral

Je länger ich in meinem Leben darüber nachdachte, desto weniger glaubte ich, dass Menschen ohne moralische Vorstellungen existieren. Jeder Mensch ist auf irgendeine Weise sozialisiert und geprägt. Das prägt unsere Vorstellungen davon, was richtig und falsch ist. Deshalb gehe ich zunächst einmal davon aus, dass jeder erwachsene Mensch irgendeine moralische Vorstellung hat. Ob ich diese für gut halte, ist eine ganz andere Frage. Ob er den eigenen Vorstellungen überhaupt folgt noch eine andere.

Aber ich kritisiere dann eine Moral und spreche dieser Person nicht eine so grundlegende menschliche Eigenheit ab. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum ich vorsichtig werde, wenn Menschen die Welt zu schnell in „die Guten“ und „die Schlechten“ einteilen.

Gutsein geschieht zwischen Menschen

Noch dazu glaube ich nicht, dass Gutsein im Kopf stattfindet. Dort entstehen Prinzipien, Überzeugungen, Moral... Ob sie gut ist, zeigt sich aber erst zwischen Menschen. Man kann großartig über Ethik sprechen. Man kann wunderbare Prinzipien formulieren. Davon wird noch kein Mensch besser behandelt.

Gutsein zeigt sich erst dort, wo Menschen miteinander leben. Deshalb interessieren mich Menschen. Nicht aus bloßer Neugier. Sondern weil ich gar nicht wissen kann, ob ich gut handle, wenn ich mich nicht dafür interessiere, wie mein Handeln auf andere wirkt.

Warum denkt jemand so?

Warum hat er Angst?

Warum wird er wütend?

Warum erlebt er dieselbe Welt so völlig anders?

Warum wirken meine Worte und Handlungen auf ihn so anders als ich es gemeint hatte?

Nicht weil ich allem zustimmen möchte. Nicht weil ich jede Moral akzeptieren müsste. Sondern weil ich wissen möchte, ob mein eigenes Handeln den Menschen gerecht wird. Natürlich gibt es Situationen, in denen Widerspruch notwendig ist. Manchmal verletzen meine Worte. Manchmal müssen sie das sogar. Aber wenn Menschen, denen ich eigentlich guttun möchte, sich durch mein Verhalten immer wieder verletzt, übergangen oder nicht ernst genommen fühlen, dann wäre es seltsam, diese Rückmeldungen grundsätzlich zu ignorieren. Das bedeutet nicht, dass die anderen automatisch recht haben. Aber genauso wenig habe ich automatisch recht.

Selbstprüfung statt Selbstgewissheit

Mit der Zeit ist mir etwas aufgefallen. Es gibt Menschen, die versuchen, gut zu sein. Sie zweifeln. Sie prüfen sich. Sie scheitern. Sie lernen. Mit ihnen kann ich stundenlang reden.

Es gibt Menschen, die dieses Ziel gar nicht verfolgen. Auch das ist legitim.

Und dann gibt es Menschen, die einfach behaupten: „Ich bin gut.“ Oft ist das harmlos, wenn auch wenig zum Gespräch einladend.

Manchmal bleibt es aber nicht dabei. Dann wird daraus: „Ich bin gut, also sind die anderen schlecht.“ Genau dort werde ich unruhig. Denn plötzlich werden nicht mehr die eigenen Prinzipien geprüft. Sondern nur noch die anderen. Dabei halten sich die meisten Menschen für moralisch. Auch Menschen, deren Überzeugungen ich entschieden ablehne. Gerade das zeigt, die Überzeugung gut zu sein, schützt vor gar nichts. Sie kann sogar dazu führen, dass ich aufhöre, mich selbst zu hinterfragen.

Mein Maßstab

Ich werde wahrscheinlich niemals wissen, ob ich ein guter Mensch bin. Diese Entscheidung steht mir über mich selbst gar nicht zu. Ich kann nur immer wieder prüfen:

War ich heute meinen Prinzipien gerecht?

Sind diese Prinzipien noch gerecht?

War ich den Menschen gegenüber, denen ich guttun wollte, tatsächlich gut?

War ich heute fairer als gestern?

Mehr kann ich nicht tun.

Aber ich glaube, genau das ist der Weg, sich dem Ziel zu nähern, ein guter Mensch zu sein.

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u/Fraktalrest_e — 3 months ago