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Studien vertiefen Zweifel an Omega-3-Supplementierung
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Studien vertiefen Zweifel an Omega-3-Supplementierung

Es wurde schon oft über Omega-3-Supplementierung diskutiert, und es gab unterschiedliche Meinungen. Mittlerweile verdichtet sich nach meiner Einschätzung aber die Evidenz dafür, dass eine Supplementierung möglicherweise sogar schädlich sein kann. So zeigte eine große populationsbasierte Studie aus dem Jahr 2024, dass regelmäßige Fischöl-Supplementierung bei zuvor herzgesunden Menschen mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern und Schlaganfall verbunden war (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38800667/). Dies wird durch weitere Analysen bekräftigt, die ebenfalls zu dem Ergebnis kommen, dass hochdosierte Omega-3-Präparate das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen könnten (https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0033062024001683).

Zudem kommt eine neuere Langzeitstudie zu kognitiven Effekten zu dem Ergebnis, dass sich kein klarer neuroprotektiver Nutzen von Omega-3-Supplementen erkennen lasse und die Evidenzlage widersprüchlich bleibe (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12702202/). Ebenfalls zeigte ein aktueller systematischer Review, dass die berichteten positiven Effekte auf die Kognition insgesamt eher gering und uneinheitlich ausfielen und höhere Dosierungen sogar problematisch sein könnten (https://www.nature.com/articles/s41598-025-16129-8).

Besonders gravierend erscheint die neueste Studie aus dem Jahr 2026. Dort zeigte sich bei älteren Menschen ein Zusammenhang zwischen Omega-3-Supplementierung und beschleunigtem kognitivem Abbau (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC13099475/). Ergänzend berichteten experimentelle Arbeiten über mögliche neurovaskuläre Schäden und Zusammenhänge mit Tau-Pathologie und Demenzprozessen (https://www.sciencedaily.com/releases/2026/04/260426012303.htm).

Was schließen wir aus all dem?

Nach meiner Einschätzung ruft die gesamte Studienlage inzwischen eher große Vorsicht hervor. Auch frühere positive Studien berichteten meist nur kleine Effekte, die oft alles andere als eindeutig waren. Mich erinnert dies an die Situation vor etwa 25 Jahren, als viele auf Supplementierungen wie Beta-Carotin schworen, die sich später teilweise sogar als schädlich herausstellten.

Ich selbst habe jahrzehntelang vollständig auf jede Omega-3-Supplementierung verzichtet. Stattdessen praktiziere ich die „Daily Dozen“ nach Michael Greger und ergänze meine Ernährung zusätzlich um einen Esslöffel geschroteten Leinsamen, einen Esslöffel Chiasamen, einen Esslöffel Basilikumsamen sowie eine kleine Handvoll Walnüsse täglich.

Ich gehe davon aus, dass bei einer solchen Ernährung der Bedarf vollständig gedeckt ist und keine Schäden auftreten.

Grundsätzlich habe ich mir zur Daumenregel gemacht, dass alles, was man vor allem durch Fleisch oder Fisch konsum erhält, mit Vorsicht betrachtet werden sollte. Und wenn etwas supplementiert werden muss – wie beispielsweise Vitamin B12 –, dann möglichst in den niedrigsten Dosen, die ausreichend sind. Auch Vitamin B12 gibt es vermehrte Hinweise, dass wir niedrig, getargetet (zusammen mit Nahrungsaufnahme) und möglichst gering supplementieren sollten.

Aktuell glaube ich daher, dass der Gesamtbefundstand eher gegen eine routinemäßige Omega-3-Supplementierung spricht. Wirklich aussagekräftige Langzeitdaten zu Algenöl fehlen weitgehend. Noch weniger gibt es spezifische Langzeitstudien zu vegan lebenden Menschen, die tatsächlich den Verlauf über viele Jahre untersuchen und nicht nur kurzfristige Marker erfassen, die sich oft ganz anders entwickeln können als langfristige Gesundheitsfolgen. Wir tappen hier weiterhin ein Stück weit im Dunkeln.

Wer dennoch supplementieren möchte, sollte nach meiner Einschätzung eher die niedrigstmögliche Dosierung wählen und möglicherweise auch nicht täglich supplementieren.

Eine sehr vorsichtige Minimalstrategie könnte beispielsweise darin bestehen, jeden Tag einen Esslöffel Leinsamen und eine Handvoll Walnusse zu essen und nur jeden dritten Tag eine sehr niedrig dosierte EPA/DHA-Supplementierung aus Algenöl einzunehmen – ausschließlich mit dem Ziel, einen möglichen Mangel sicher zu vermeiden.

Denkbar wäre beispielsweise eine Größenordnung von etwa 100–150 mg EPA/DHA alle drei Tage. Das wäre extrem niedrig dosiert, könnte aber möglicherweise dennoch ausreichen, ohne die potenziellen Risiken höherer Dauerdosierungen einzugehen. Klare Langzeitdaten dazu existieren allerdings bisher nicht. Ist also nur eine Meinungsäußerung.

Wie seht Ihr es?

reddit.com
u/Guido-Veganeu — 5 days ago

Was mir bei solchen Diskussionen bisher aufgefallen ist – ich beziehe mich hier auf das, was so von Öffentlichkeit, Wissenschaftler:innen, scheinbaren Tierschützer:innen zu hören war und ist - sind die folgenden 6 Punkte:

1.) Ausgerechnet diejenigen (also die große Mehrheit) unter uns, die jeden Tag Fleisch, Fisch, Eier und Milch essen und für die 75 Milliarden Landtiere und eine Billion Fische jedes Jahr grausam sterben, werfen Menschen sofort Tierquälerei vor, wenn sie sich für ein einzelnes Tier einsetzen wollen, wenn nicht sicher ist, dass die Rettung gelingen wird oder nicht. Plötzlich spielt das Tierwohl dann eine Rolle, wenn ein Rettungsversuch verhindert werden soll, wo das Tierwohl ansonsten niemals eine Rolle spielt. Ich finde das unreflektiert.

2.) Für diejenigen unter uns, die sich entscheiden, dass sie ein leidensfähiges Wesen retten wollen, ist es besonders schlimm bis hin zu traumatisch, wenn sie sich solchen massiven Angriffen gegenübersehen, die ja bis zur dezidierten Verleumdung reichen. Wir sollten das erkennen und ein für alle Mal damit aufhören.

3.) Eine solche Rettung eines Wals ist kein häufiges Ereignis und es gibt dazu keine belastbaren wissenschaftlichen statistischen Daten. Manche Wissenschaftler:innen sind leider gern bereit, in solchen Fragen vorschnelle negative Prognosen zu machen und ebenfalls unberechtigt den Begriff des Tierwohls zu bemühen, wenn Tiere nicht gerettet werden sollen. Dazu wird dann Stress als Konzept plötzlich extrem katastrophisiert, während Stress jeden Tag in enormem Ausmaß das Schicksal aller Nutztiere ist und auch derjenigen, mit denen Wissenschaftler:innen experimentieren, bis hin zu Stressforschung an Tieren. Dabei wird gern übersehen, was es wohl für ein Stress ist, über ggf. sehr lange Zeit in einem Gewässer mit zu wenig Salz und unter der Sonne zu sterben. Die Idee, dass das kein Stress ist, ist absurd. Wir können nicht allen Stress vermeiden, aber diejenigen, die versuchen, mit allem Einsatz einen Wal zu retten und ihn dorthin zu bringen, wo aller Wahrscheinlichkeit nach selbst der Tod weniger stressreich ist, handeln richtig, und wir sollten sie unterstützen, statt sie zu kritisieren oder gar zu verleumden.

4.) Oft kommt dann am Ende ein Vorwurf, warum wir das nicht für Kinder oder andere Menschen täten. Dieser Vorwurf kommt wiederum meistens von denjenigen, die am wenigsten tun. Denn Studien und Umfragen belegen beispielsweise, dass sich Veganer:innen nicht nur für Tiere, sondern in weitaus höherem Ausmaß auch für Geflüchtete, Ausgegrenzte und Menschen in Not einsetzen als andere. Besonders deutlich wird dies etwa bei Menschen, die auf Seenotrettungsschiffen Geflüchtete im Mittelmeer retten: Unter ihnen ist der Anteil vegan lebender Personen deutlich höher als der Anteil von etwa 1,5 % in der Allgemeinbevölkerung. Das eine schließt das andere nicht aus, sondern im Gegenteil beflügelt es. Wir sollten eine Welt schaffen, in der wir uns gegen Leid stellen, wo immer es geht, und in der wir auch wagemutig Menschen und Tiere retten, wenn es irgendwie möglich ist.

5.) Eine weitere Grundhaltung, die Kritiker:innen manchmal zeigen, ist eine Pseudorationalität. Sie wollen ja auch helfen, aber es gehe nicht, und die anderen handelten nur aus reinem Gefühl heraus, was angeblich irrational sei. Es ist umgekehrt. Wir brauchen mehr Mitgefühl in dieser Welt. Wenn wir unser Handeln vom Mitgefühl abhängig machen, schieben wir niemanden nach Afghanistan ab, lassen Menschen nicht im Mittelmeer ertrinken, essen kein Fleisch und lassen keine eine Billion Fische dafür sterben und retten Tiere und Menschen, wenn es irgendwie geht. Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Mitgefühl. Rationalität dient dazu, dass wir dieses Mitgefühl kanalisieren können, sodass wir möglichst effektiv handeln können. Genau das hat dieses Team getan. Sie haben geschafft, was andere nicht geschafft haben. Und falls es doch nicht klappen sollte, war der Versuch absolut wertvoll.

6.) Natürlich sehe ich ebenso den Widerspruch, dass hier Menschen für einen Wal fiebern, sehr viel für das Tier tun und Mittel aufwenden, während sie andere Tiere, die ebenso leiden, in für mich unerträglicher Art und Weise quälen und töten lassen, nur um ohne jeden Grund ihre Körper und Körperflüssigkeiten zu verzehren. In der Tat halte ich es für notwendig, klarzumachen, dass eine solche Walrettung richtig ist, dass wir sie zum Anlass nehmen sollten, uns endlich auf einen Weg des Mitgefühls gegenüber Tieren und Menschen zu begeben und mit diesem Qualverhalten aufzuhören.

Und abschließend:

Von Sea Shepherd, die auch die Rettung kritisieren, bin ich mehr als enttäuscht. Selbst wenn ihre Prognose sich als korrekt erweisen sollte, graben sie dem Versuch das Wasser ab, das Tier zu retten und damit auch Rettung in dieser Gesellschaft zu normalisieren.

reddit.com
u/Guido-Veganeu — 23 days ago