u/HodenHoudini46

Kritik Konsumkritik

Die beliebteste Spielart der Ideologie der Konsumkritik ist die der Konsumentenmacht. Die Produktion hätte ihren Zweck in der Herstellung der nachgefragten Produkte. Andersrum hätten dementsprechend die Konsumenten die Bestimmungshoheit über das was produziert wird, da sie die zahlungsfähige Nachfrage konstituieren. Da kommt dann gerne die Kritik in Form des Vorwurfs man habe z.B. durch den Kauf günstiger T-Shirts die Ausbeutung in Bangladesh und die Zerstörung der Umwelt zu verantworten etc.

Man muss da erstmal sagen: mit dem Bedürfnis nach einem T-Shirt kommt nicht per se das Bedürfnis einher, dass die Arbeiter ausgebeutet werden sollen, dass die Baumwolle aus wasser-armen Regionen kommt oder, dass die Chemikalien zur Färbung im Grundwasser landen. Das Bedürfnis nach T-Shirt begründet somit gar nicht die Notwendigkeit der konkreten Produktion von Wegwerf-Mode. Es ist also auch gar nicht ihr Grund.

Der Grund für die verheerenden Folgen der T-Shirt Produktion liegt in der Gewinnrechnung des produzierenden Eigentümers. Die Ausrichtung der Produktion für den Profit, subsumiert alle anderen Qualitäten der Herstellung unter diesen. Der Kapitalist lässt nämlich nicht für ein Bedürfnis produzieren, sondern für die Vermehrung seines Geld-Reichtums und nutzt dafür die Bedürfnisse als Mittel. Diese Bedürfnisse kommen nämlich ausgestattet mit einem kleinen Geldbeutel, um den Konkurrenz in allen Bezirken der Konsumption des Individuums betrieben wird. Das Resultat ist die gegenseitige Unterbietung im Preis, die i.d.R. die qualitative Verschlechterung des Gebrauchsgegenstands mit sich zieht. Die Stück-Kosten der Ware lassen sich nunmal am besten senken, indem man keine Rücksicht auf Umwelt und Mensch nimmt.

Es ist ja eben nicht so, dass der Konsument mit seinem begrenzten Geldbeutel an den Markt tritt und sich seine Produkte mit jedweder Qualität aussucht und bestellt. Er tritt an einen Markt, der Produkte anbietet, die um seinen Geldbeutel konkurrieren.

Der Kapitalismus nutzt die Nachfrage nach umweltverträglichen, klimaneutralen und Bio-Produkten aus, und stellt sie eintig und allein her um die Vermehrung von Geld zu betreiben. Das ist der Zweck der Produktion und der Grund für die Zerstörung von Mensch und Umwelt. Mensch und Umwelt sind Mittel in einem System gesellschaftlichen Zwangs.

Aus der Ideologie folgt zudem einiges an Affirmation. Sie idealisiert die Produktion, indem sie ihr die Entsprechung zu den Bedürfnissen unterstellt, die sie nicht hat. Durch das Suchen nach Verantwortlichen und Schuldigen, die sie immer wieder in den Konsumenten ausfindig macht, kehrt sie ab von der Kritik am System und relativiert die desaströse Produktion mit moralischen Vorwürfen an Individuen.

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u/HodenHoudini46 — 7 days ago