Box-Spread-Rechner gebaut: ca. 1,8 % effektiver Wertpapierkredit p.a. nach deutscher Steuer-Verrechnung
Kurze Vorgeschichte: Habe Anfang des Jahres bei IBKR die EUR-Margin-Linie verglichen mit einem Box-Spread auf den Euro Stoxx 50 und festgestellt, dass der Spread zwischen „regulär Margin nehmen" und „Box-Spread aufsetzen" mit dem BVerfG-Beschluss vom April 2025 nochmal deutlich größer geworden ist. Die 20.000€-Verlustverrechnungs-Grenze ist gefallen, Verluste aus Termingeschäften sind wieder unbeschränkt gegen alle Kapitalerträge ansetzbar.
Damit ich beim nächsten Trade nicht jedes Mal Excel aufmachen muss, habe ich einen kleinen Box-Spread-Rechner gebaut.
- Eingabe: Underlying (SPX oder ESTX50), Strikes, Box-Preis pro Punkt, Anzahl Boxen, Laufzeit.
- Output: Effektivzins p.a. brutto und nach deutscher Steuer-Verrechnung. Kommissionen sind defaultmäßig auf IBKR Tiered (SPX) bzw. IBKR-Festpreis für Eurex (ESTX50) - kann man überschreiben, falls ihr CapTrader oder andere Tarife rechnet.
Konkretes Beispiel mit aktuellem Marktstand:
- ESTX50, Strikes 5500 / 6500
- 10 Boxen
- Expiry 15 Januar 2027
- 100.000 € Notional
- Box-Mid-Quote ~985 Punkte
Brutto-Effektivzins: ~2,44 % p.a.
Nach Verrechnung der ~1.560 € Termingeschäft-Verlust gegen sonstige Kapitalerträge (26,375 % Abgeltung + Soli): rund 1,8 % p.a. effektiv. (Dieses Beispiel ist fiktiv, da der Expiry in einem späteren Steuerjahr liegt)
Vergleich zum regulären Wertpapierkredit: Broker-Margin-Vergleich
Günstigster Tarif aktuell: IBKR Pro ab 90k EUR mit ESTR + 1 % ≈ 2,90 % p.a. Damit liegt der nach-Steuer-Box-Spread rund 1 Prozentpunkt darunter - auf 100k Notional über ein Jahr also ~1.000 € Differenz.
Voraussetzungen: Broker mit echtem Optionen-Zugang (IBKR direkt oder Reseller wie CapTrader, Lynx, etc., Freedom24), genug freie Margin (ca. 25-40 % des Notionals), und kritisch: Box-Eröffnung und Expiry im selben Kalenderjahr - sonst kannst du den Verlust nicht direkt im Veranlagungsjahr verrechnen und er geht in den Verlustvortrag, was den 1,93-%-Vorteil erst im nächsten Steuerjahr realisiert.
Wo das nicht für jeden passt: bei Notionals unter 10k € fressen die Kommissionen den Spread auf, da bist du mit Standard-Margin besser dran. Bei Laufzeiten unter 90 Tagen werden die Mid-Quotes ungenau und die Annualisierung anfällig. Außerdem nichts, was man als Einsteiger ohne Optionen-Erfahrung das erste Mal mit großem Notional probieren sollte.
Gerne Feedback!
Kein Steuerberater, keine Anlageberatung. Wenn ihr unsicher seid, ob die Verlustverrechnung für eure persönliche Situation greift, sprecht das mit dem Steuerberater ab.