In die Medizin wechseln? (Psychologie)
Hallo zusammen,
Ich weiß, dieses Thema taucht jede Woche auf, verzeiht mir also bitte. Bei mir steckt aber eine längere Geschichte dahinter und es geht nicht einfach nur darum, dass mir die Bedingungen im Psychologiestudium oder der Weiterbildung nicht gefallen.
Mein ursprünglicher Plan war seit der 7. Klasse Medizin zu studieren, mit dem Ziel, später in die Psychiatrie zu gehen. Ich habe monatelang für den TMS gelernt, (der dann auch okay ausfiel), ein gutes Abi (1,3) gemacht und Medizin war für mich eigentlich immer Plan A.
Dann wurde ich allerdings genau in der Zeit rund um den TMS chronisch krank. Das war für mich ein ziemlicher Schicksalsschlag. Psychisch war ich damals sehr instabil und musste mir sogar meine TMS-Ergebnisse im Krankenhaus anschauen. Auch wurde mir ständig seitens meiner Familie eingeredet, ich könnte Medizin nicht packen, weil ich zu sensibel gegenüber Blut etc. seit und mir wurde wirklich jeden Tag gesagt, ich sollte mir einen Plan B suchen. Diese Zeit hat meine Entscheidung stark beeinflusst: Ich dachte, Medizin wäre vielleicht zu belastend, könnte meine Erkrankung triggern und gesundheitlich (auch psychisch) langfristig zu viel sein. Deshalb habe ich mich damals für den für mich „leichteren“ Weg entschieden: Psychologie, mit dem Ziel, psychologischer Psychotherapeutin zu werden.
Mittlerweile bin ich im 2. Semester Psychologie und habe mich persönlich sehr verändert. Psychisch bin ich inzwischen deutlich stabiler und gleichzeitig hat sich mein Interesse stark verschoben. In der Schule mochte ich Naturwissenschaften eher weniger, dafür Geisteswissenschaften oder Pädagogik. Im Studium merke ich jetzt aber, wie sehr mich biologische und medizinische Themen faszinieren, auch weit über das Gehirn hinaus. Ergänzungsmodule wie Pharmakologie oder Medizin finde ich unglaublich spannend und ich lese inzwischen oft freiwillig selbst zu somatischer Medizin und Biologie.
Eigentlich hatte ich das Thema Medizin für mich abgeschlossen. Aber irgendwann kam der Gedanke plötzlich wieder hoch und inzwischen beschäftigt er mich fast täglich: War Psychologie wirklich die richtige Entscheidung? Gleichzeitig neige ich generell dazu, schwer mit Entscheidungen abschließen zu können, weshalb ich mich frage, ob das meine Gedanken zusätzlich beeinflusst.
Dazu kommt, dass ich immer wieder höre, wie schwierig die Voraussetzungen in der psychotherapeutischen Weiterbildung inzwischen geworden sind und dass man teilweise trotz Studium keinen Platz bekommt, weshalb es auch sein kann, dass ich niemals Psychologischer Psychotherspeut werde. Selbst wenn man es dann wird, ist man den ÄrztInnen natürlich auch sehr untergeordnet in der Klinik. Ich möchte dazu sagen, dass ich mir keine andere Richtung vorstellen kann außer die Klinische. Das verstärkt meine Zweifel zusätzlich. Auf der anderen Seite machen mir aber auch die Arbeitsbedingungen in der Medizin Sorgen, besonders Berichte über 24h-Dienste, Überstunden und körperliche Belastung, selbst in der Psychiatrie.
Mich würden deshalb besonders Menschen interessieren, die selbst von Psychologie zu Medizin gewechselt sind und vielleicht inzwischen sogar schon arbeiten.
Gerne aber auch Personen, die wirklich Erfahrung oder direkten Bezug zu den Berufen haben, insbesondere zu:
Fachärzt*innen für Psychiatrie und Psychotherapie
ärztlichen Psychotherapeut*innen
psychologischen Psychotherapeut*innen.
Mir geht es dabei bewusst nicht um idealisierte Vorstellungen. Gerade unter Nicht-Medizinstudierenden habe ich manchmal das Gefühl, dass der Arztberuf sehr romantisiert wird („alles ist besser dort“). Deshalb würde ich gerne ehrliche Einschätzungen von Menschen hören, die den Alltag wirklich kennen.
Meine Fragen wären vor allem:
1.Wie unterscheidet sich der Berufsalltag zwischen Psychiatrie/ärztlicher Psychotherapie und psychologischer Psychotherapie wirklich?
2.Wie sieht die Work-Life-Balance aus?
Ist der ärztliche Weg langfristig mit chronischem Schlafmangel und ständiger Überlastung verbunden oder hängt das stark vom Fach/Arbeitsort ab? Wie belastend sind die ganzen Extra Dienste?
3.Seid ihr mit eurer Entscheidung zufrieden oder bereut ihr den Wechsel von Psychologie zu Medizin im Nachhinein?
4.Gibt es Dinge, die man als Außenstehender über beide Wege komplett falsch einschätz