Erste Beziehung beendet, jetzt wieder täglicher Kontakt – wie würdet ihr das einschätzen?
Ich (26M) habe mich vor ein paar Monaten von meiner ersten Freundin (25W) getrennt. Wir waren zweieinhalb Jahre zusammen und sie war meine erste richtige Partnerin überhaupt. Die Beziehung hatte viele schöne Momente, aber auch viele schwierige Dynamiken. Sie war oft sehr emotional und impulsiv, hat sich schnell in Dinge reingesteigert und ich hatte oft das Gefühl, für ihre Emotionen verantwortlich zu sein und sie emotional „runterholen“ zu müssen. Gleichzeitig mochte ich aber auch genau diese emotionale Nähe zwischen uns.
Mein großes Problem war wahrscheinlich, dass ich meine eigenen Zweifel und Probleme fast nie richtig angesprochen habe. Sie hat ihre Probleme meistens offen kommuniziert, ich dagegen habe vieles mit mir selbst ausgemacht und Konflikte eher vermieden. Das lag aber auch daran, dass ich oft das Gefühl hatte, dass sie Kritik oder Probleme sehr schnell persönlich nimmt und Gespräche darüber emotional eskalieren könnten. Dadurch hatte ich oft nicht das Gefühl, wirklich ruhig und offen mit ihr über meine Zweifel sprechen zu können, sondern habe vieles eher runtergeschluckt. Trotzdem habe ich innerlich immer mehr gezweifelt, ob sich eine Beziehung nicht irgendwie „richtiger“ anfühlen müsste. Da sie meine erste Freundin war, wusste ich oft selbst nicht, ob diese Zweifel normal sind oder ob sie wirklich etwas über die Beziehung aussagen.
Irgendwann habe ich ziemlich abrupt Schluss gemacht. Das Gespräch war aber trotzdem sehr respektvoll und emotional. Wir haben ungefähr 5–6 Stunden geredet und beide viel geweint. Sie war damals sehr traurig und meinte sogar, dass wir es vielleicht nochmal versuchen sollten. Ich habe ihr daraufhin aber gesagt, dass ich ihr keine falschen Hoffnungen machen möchte, weil ich selbst zu unsicher war. Trotzdem sind wir insgesamt im Guten auseinandergegangen.
Sie meinte damals auch direkt nach der Trennung, dass sie mich auf jeden Fall nochmal sehen möchte. Ich habe ihr daraufhin gesagt, dass sie sich einfach melden soll, wenn sie dafür bereit ist, weil ich nicht wusste, wie sie emotional damit umgeht und ich nichts bei ihr kaputt machen wollte. Danach hatten wir ungefähr zwei Monate keinen richtigen Kontakt.
Nach der Trennung ging es mir erst ziemlich schlecht, danach aber eigentlich wieder deutlich besser. Ich habe viel mit Freunden gemacht, war unterwegs und hatte das Gefühl, dass die Trennung langfristig wahrscheinlich richtig war. Erst als sie sich nach ungefähr zwei Monaten wieder gemeldet hat, um Sachen auszutauschen, kamen bei mir wieder stärkere Gefühle und Unsicherheiten hoch.
Wir haben uns dann getroffen, um unsere Sachen auszutauschen, und dabei ungefähr zwei Stunden geredet. Das Gespräch war insgesamt sehr ruhig, vertraut und eigentlich auch schön. Wir haben beide gesagt, dass wir uns als Menschen immer noch sehr wichtig sind und insgesamt sehr positiv auf die Beziehung zurückgeschaut. Sie meinte sogar, dass sie noch nie so eine gute Beziehung hatte wie mit mir. Auch ich habe viele schöne Seiten der Beziehung angesprochen und wir haben beide eher mit Wärme und Wertschätzung auf die gemeinsame Zeit zurückgeblickt.
Gleichzeitig meinte sie aber auch, dass sie nach der Trennung eigentlich nur ungefähr drei Tage wirklich traurig war und es ihr danach wieder gut ging. Außerdem meinte sie, dass sie mir sogar dankbar sei, dass ich Schluss gemacht habe, weil sie gegen Ende der Beziehung selbst auch nicht mehr wirklich glücklich gewesen sei und es ihr jetzt insgesamt besser gehe. Das hat mich ehrlich gesagt ziemlich getroffen, weil ich emotional deutlich länger damit zu kämpfen hatte und teilweise immer noch habe. Gleichzeitig weiß ich aber auch nicht genau, ob sie dabei komplett ehrlich war oder ob sie sich selbst vielleicht auch schützen wollte.
Während des Gesprächs habe ich dann auch versucht anzusprechen, dass ich vielleicht einen Fehler gemacht habe, weil ich in der Beziehung nie richtig über meine Probleme gesprochen habe und ihr vielleicht nie wirklich die Chance gegeben habe, mit mir gemeinsam an Dingen zu arbeiten. Darauf hat sie aber eher abgeblockt und meinte nur sowas wie „Das ist jetzt Vergangenheit“, „Daran kann man jetzt eh nichts mehr ändern“ und auch, dass das ja nicht ihre Schuld gewesen sei. Gleichzeitig hatte ich aber auch das Gefühl, dass sie mir sehr zeigen wollte, wie glücklich und abgeschlossen sie inzwischen ist. Deshalb weiß ich bis heute nicht genau, ob sie emotional wirklich komplett abgeschlossen hat oder ob sie sich einfach selbst schützt und nichts mehr aufmachen wollte.
Was mich zusätzlich verwirrt: Direkt bei diesem Treffen meinte sie sofort, dass wir Freunde bleiben können. Sie meinte, ich soll ihr Snaps vom Konzert schicken, auf das ich danach gegangen bin, hat vorgeschlagen, dass wir zusammen shoppen gehen könnten, und hat mich auch eingeladen, mit gemeinsamen Freunden feiern zu gehen. Seitdem schicken wir uns außerdem fast täglich Sprachnachrichten und erzählen uns wieder relativ viel aus unserem Alltag.
Gleichzeitig haben wir beide bei dem Gespräch gesagt, dass wir wahrscheinlich Probleme damit hätten, den anderen mit jemand Neuem zu sehen. Sie meinte, dass sie Probleme hätte, mich mit einem anderen Mädchen zu sehen, und ich habe ihr gesagt, dass es für mich genauso schwer wäre, sie mit einem anderen Typen zu sehen. Außerdem haben wir beide gesagt, dass wir gerade eigentlich keine neue Beziehung suchen oder wollen. Gleichzeitig meinte sie aber auch, dass so ein enger Kontakt oder eine Freundschaft wahrscheinlich nur so lange funktioniert, bis irgendwann jemand Neues im Leben ist oder jemand wieder in einer Beziehung ist. Und eigentlich sehe ich das genauso. Genau deshalb finde ich die ganze Situation manchmal etwas widersprüchlich und weiß nicht genau, wie sinnvoll dieser enge Kontakt langfristig wirklich ist.
Deshalb bin ich gerade emotional ziemlich verwirrt. Einerseits glaube ich nicht, dass ich die Beziehung in ihrer alten Form zurückwill, weil ich lange unglücklich war und viele Zweifel hatte. Andererseits frage ich mich manchmal, ob ich die Beziehung zu früh aufgegeben habe, weil ich nie wirklich offen über meine Probleme gesprochen habe.
Zusätzlich kann ich überhaupt nicht einschätzen, wie sie wirklich fühlt. Einerseits wirkt sie sehr abgeschlossen und stark, andererseits sucht sie aktiv Kontakt und wirkt emotional wieder ziemlich nah. Deshalb frage ich mich manchmal, ob sie wirklich nur Freundschaft möchte oder ob da vielleicht doch noch Gefühle sind — oder ob ich einfach zu viel hineininterpretiere.
Ich weiß gerade ehrlich gesagt nicht genau, ob mir dieser Kontakt langfristig wirklich guttut oder ob ich dadurch emotional wieder mehr reingezogen werde. Gleichzeitig fühlt sich der Kontakt aber auch wieder sehr vertraut und schön an, weil sie mir als Mensch immer noch unglaublich wichtig ist und ich es eigentlich schön finde, dass wir noch so offen und gut miteinander reden können.
Hat jemand ähnliche Erfahrungen mit so einer Dynamik nach einer Trennung gemacht?