u/InternationalBid7345

Bruder bekommt Haus, Grundstücke und Nebengebäude, ich ca. 30k gegen Pflichtteilsverzicht. Fair?

Wegwerfaccount. Ein paar Zahlen und Details habe ich etwas gerundet.

Vorweg: Wir verstehen uns in der Familie gut und es gibt aktuell keinen Streit. Ich möchte auch keinen anfangen, sondern einfach verstehen, ob die geplante Regelung fair und sinnvoll ist.

Meine Eltern möchten zu Lebzeiten das Wohnhaus samt Grundstücken und mehreren Nebengebäuden komplett auf meinen Bruder übertragen. Meine Eltern sollen dort ein lebenslanges Wohnrecht behalten.

Mein Bruder wohnt dort selbst schon seit einigen Jahren praktisch kostenlos. Er zahlt weder Miete noch nennenswert laufende Kosten fürs Wohnen. Ich bin seit einigen Jahren ausgezogen.

Der bisherige Entwurf für die Übergabe wurde von meinem Bruder selbst ausgearbeitet. Meine Eltern kennen den Entwurf und die darin vorgesehenen Punkte.

Im Entwurf wird das Anwesen nach einem pauschalen prozentualen Abschlag grob mit etwa 250k angesetzt. Nach Abzug des Wohnrechts meiner Eltern bleiben laut dieser Rechnung knapp 200k übrig. Meine Ausgleichszahlung von ungefähr 30k wird dann als bestimmter Prozentsatz dieses Nettowerts dargestellt und sinngemäß als übliche Größenordnung eingeordnet. Mir ist allerdings nicht klar, woher diese Quote bzw. der pauschale Abschlag kommen und ob das tatsächlich eine übliche Berechnungsmethode ist.

Ich soll die ungefähr 30k bekommen und dafür einen auf dieses Vermögen bezogenen Pflichtteilsverzicht unterschreiben.

Genau bei der Rechnung bin ich inzwischen ziemlich unsicher.

Ich habe den Wert unabhängig davon mehrfach grob plausibilisieren lassen. Das waren keine offiziellen Verkehrswertgutachten mit Besichtigung, die Ergebnisse lagen aber eher bei 400k oder mehr vor Wohnrecht und deutlich über 300k danach.

Auch innerhalb der Familie wurden schon Werte genannt, die deutlich über meinen groben Plausibilisierungen von 400k+ liegen.

Das Ganze ist auch nicht einfach ein alter, heruntergekommener Bestand. Das Haus wurde in den letzten Jahren umfangreich modernisiert. Auch Außenanlagen und Nebengebäude wurden instandgesetzt bzw. erneuert.

Was ich zusätzlich nicht ganz verstehe: Die ca. 30k soll nach aktuellem Stand nicht mein Bruder bezahlen, sondern meine Eltern.

Das Geld soll außerdem nicht sofort kommen, sondern über mehrere Jahre in monatlichen Raten. Eine Verzinsung ist meines Wissens nicht vorgesehen.

Für mich ergeben sich daraus zwei Probleme:

Mein Bruder bekommt Haus, Grundstücke usw. mit der Übertragung direkt und hat den großen Vermögenswert damit sofort. Ich hätte meinen vergleichsweise kleinen Ausgleich dagegen erst nach mehreren Jahren vollständig. In der Zwischenzeit kann ich über das Geld nicht verfügen oder es anlegen und Inflation spielt natürlich auch eine Rolle.

Außerdem würde die Zahlung aus dem übrigen Vermögen meiner Eltern kommen. Dadurch wird gleichzeitig das Vermögen kleiner, das irgendwann noch als Nachlass vorhanden sein könnte. Mir ist völlig klar, dass ein späteres Erbe nicht garantiert ist und meine Eltern ihr Geld natürlich selbst brauchen oder ausgeben können. Rein wirtschaftlich wirkt es auf mich aber trotzdem so, als würde ein Teil meiner eigenen Abfindung aus Vermögen bezahlt, an dem ich später möglicherweise selbst beteiligt gewesen wäre.

Noch offen ist auch, was genau alles mit übertragen werden soll. Neben Haus, Grundstücken und Nebengebäuden gibt es noch Maschinen, Fahrzeuge und anderes Inventar. Falls mein Bruder diese Sachen ebenfalls bekommt, müsste deren Wert meiner Meinung nach doch auch in irgendeiner Form berücksichtigt werden.

Mir geht es ausdrücklich nicht darum zu behaupten, dass mir zwingend die Hälfte von allem zusteht. Wenn meine Eltern meinen Bruder bewusst stärker bedenken möchten, ist das am Ende ihre Entscheidung.

Ich möchte nur nicht für ungefähr 30k einen notariellen Pflichtteilsverzicht unterschreiben und später feststellen, dass der tatsächliche wirtschaftliche Wert der Übertragung ein Vielfaches davon war.

Wie würdet ihr das Ganze sehen?

Was wäre für euch in so einer Situation überhaupt ein fairer Ausgleich und wie würdet ihr den berechnen? Gibt es da wirklich irgendwelche üblichen Prozentsätze oder Abschläge?

Findet ihr es sinnvoll, dass meine Eltern die 30k zahlen sollen und dann auch noch über mehrere Jahre ohne Zinsen, obwohl mein Bruder Haus und Grundstücke direkt bekommt?

Würdet ihr Maschinen, Fahrzeuge und das andere Zeug auch mit reinrechnen, falls das alles ebenfalls an ihn geht?

Und würdet ihr an meiner Stelle überhaupt einen Pflichtteilsverzicht unterschreiben, solange noch nicht genau feststeht, was alles übertragen wird und was das Ganze tatsächlich wert ist?

TL;DR: Wir verstehen uns in der Familie gut und es gibt keinen Streit. Mein Bruder hat den bisherigen Entwurf selbst ausgearbeitet und soll Haus, Grundstücke, Nebengebäude und möglicherweise weitere Sachwerte bekommen. Er wohnt dort schon seit Jahren praktisch kostenlos. Im Entwurf wird nach einem pauschalen Abschlag und dem Wohnrecht mit einem Nettowert von knapp 200k gerechnet, meine groben Plausibilisierungen liegen schon bei 400k+ vor Wohnrecht und innerhalb der Familie wurden noch deutlich höhere Werte genannt. Meine ca. 30k werden als angeblich übliche prozentuale Größenordnung dieses Nettowerts begründet. Bezahlen sollen sie meine Eltern, außerdem über mehrere Jahre ohne Zinsen. Mich würde vor allem interessieren, welche Ausgleichssumme andere unter diesen Umständen als fair ansehen würden.

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u/InternationalBid7345 — 16 hours ago