u/Konzernkalle_A13

▲ 56 r/Gehalt

Vom Konzern in die Schule

Ich wollte hier einfach mal die Erfahrung eines ehemaligen Arbeitskollegen teilen, der vor etwa sechs Jahren den Schritt vom Konzern in die Schule gemacht hat. Er hatte einen Master und ist als Quereinsteiger Lehrer geworden. Heute ist er verbeamtet und kommt mit Steuerklasse III und allen Zuschlägen auf knapp 6.000 € netto im Monat. Sein normaler Schultag geht ungefähr von 8:00 bis 13:15 Uhr. Durch sehr gute Organisation und Vorbereitung kommt er nach eigener Aussage effektiv auf etwa 28–30 Arbeitsstunden pro Woche. Unterrichtsmaterial, Klausuren usw. sind gut geplant, sodass er beispielsweise keine Klausuren mit in die Ferien nimmt. Dadurch hat er tatsächlich rund 75 Tage im Jahr komplett frei. Und wenn er von der Schule nach Hause geht, ist bei ihm teilweise schon Feierabend, während andere gerade ihre Mittagspause beginnen. Mit Informatik und Physik hält sich auch der Korrekturaufwand in Grenzen. Natürlich gibt es Konferenzen und andere Termine, aber nach seiner Aussage sind das im Schnitt vielleicht 7-8 Termine im Schuljahr, bei denen es mal bis 15 Uhr geht oder abends etwas anfällt. Interessant finde ich auch die finanzielle Seite. Die knapp 6.000 € netto sind das verfügbare Einkommen. Wenn man zusätzlich die Pension berücksichtigt und diese mit einer normalen gesetzlichen Rente vergleicht, kommt er nach seiner persönlichen Rechnung auf ein Gesamtpaket von ungefähr 7.000–7.200 € netto monatlich. Angestellte müssten halt jeden Monat vom eigenen Netto über 1.000 € sparen bzw. investieren.
Um ein vergleichbares Gesamtpaket in der freien Wirtschaft zu erreichen, müsste man ungefähr 140.000 € brutto im Jahr verdienen. Das sind Gehaltsregionen, die beispielsweise bei VW oder Daimler ein Abteilungsleiter erreichen kann, allerdings in der Regel mit deutlich mehr Arbeitsstunden, Verantwortung und Druck.

Für mich persönlich ist dieser Vergleich besonders interessant. Ich selbst bin Ingenieur mit langjähriger Berufserfahrung und liege bei rund 90.000 € brutto im Jahr und komme damit nicht einmal ansatzweise an dieses Gesamtpaket heran. Selbst unsere Heads liegen mit etwa 110.000–120.000 € brutto noch darunter.

Deshalb vielleicht einfach mal als Denkanstoß für diejenigen, die einen Master haben (für den Quereinstieg Voraussetzung) und im Konzern nicht mehr glücklich sind: Warum nicht einmal einen Quereinstieg in die Schule ausprobieren?
Im schlimmsten Fall stellt man fest, dass es nichts für einen ist. Dann hat man es zumindest ausprobiert und kann sich wieder neu orientieren.
Und auch das Thema Schüler ist offenbar weniger schlimm, als es von außen oft dargestellt wird. Sein Fazit nach sechs Jahren: Ein nerviger Chef war für ihn deutlich anstrengender als die Arbeit mit Jugendlichen. Er selbst bereut den Wechsel jedenfalls überhaupt nicht.

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u/Konzernkalle_A13 — 14 days ago