Portfolio-Draft für meine Mutter (40/60 Altersvorsorge)
Hallo zusammen,
meine Mutter geht demnächst in Pension und bekommt ihre Abfindung ausbezahlt. Da ich selbst eher Typ „All-in Aktien, Krypto, Growth und maximales Risiko in der Ansparphase“ bin, musste ich mein Mindset für sie komplett umdrehen.
Ziel ist: Risikoarm, werterhaltend, sehr wenig Wartung (Set & Forget), so günstig wie möglich (--> TER) und ausschüttend, damit sie sich (in guten Jahren) von den Dividenden/Zinsen 1x im Jahr einen schönen Urlaub finanzieren kann. Aktive Entnahme gibt es nicht, die Substanz soll möglichst nicht wackeln, und für einen Notfall soll auch Geld entnehmbar sein (Waschmaschine, Handwerker, ...).
Wegen der österreichischen Steuerlandschaft (Stichwort: Ausschüttungsgleiche Erträge / OeKB-Meldefonds,...) fallen reine Swap-Geldmarkt-ETFs im Depot flach (soweit meine Recherche).
Nach langem Grübeln steht nun dieser 5-Bausteine-Plan (je 20% Gewichtung vom Gesamtkapital).
Zerreißt es bitte konstruktiv:
- Der Aktien-Part (40%) – Fokus: Schwankungsarmut & Dividende statt Tech-Hype
Ich habe den normalen All-World bewusst verbannt, weil mir die US-Tech-Lastigkeit (Nvidia, Apple, Microsoft Klumpen) für eine Rentnerin zu riskant ist. Daher dieses Duo:
20% Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield (Dist) (IE00B8GKDB10)
Warum: Immer noch eine sehr hohe weltweite Diversifizierung mit ca 2000 Positionen, schmeißt die schwankungsstarken Growth-Werte raus, senkt die USA-Quote auf unter 50% und liefert ein extrem breites, günstiges Fundament mit solider Ausschüttung.
20% SPDR S&P Global Dividend Aristocrats (Dist) (IE00B9CQXS71)
Warum: Die absolute "Value-Vollkaskoversicherung". Gleichgewichtet, keine Tech-Klumpen, nur Firmen mit min. 10-25 Jahren Dividendenkontinuität.
- Der Anleihen-Part (40%) – Das Anti-2022-Schild (Zinsschwankung)
Wir wissen alle, was 2022 mit klassischen Anleihen-ETFs mit langer Duration passiert ist (Kernschmelze parallel zu den Aktien). Um das Zinsänderungsrisiko zu killen, splitte ich so auf:
20% iShares EUR Ultrashort Bond UCITS ETF (Dist) (IE00BCRY6557)
Warum: Laufzeiten von wenigen Monaten. Wenn die Zinsen steigen, wackelt der Kurs kaum, liefert aber sofort die neuen Renditen.
20% Fixed Income One R (AT0000A347S9)
Warum: Aktiv gemanagter Anleihenfonds. Teurer als ein ETF, aber steuerlich als AT-Fonds perfekt für Österreich und nutzt im Hintergrund institutionelle Anleihen-Vorteile. Erlaubt mir etwas mehr Rendite-Hebel als der reine Ultrashort-ETF.
- Der Cash-Part (20%) – Die absolute Null-Volatilität
20% Täglich fälliges Tagesgeld bei einer steuereinfachen AT-Bank (Easybank etc.).
Warum: Weil Geldmarkt-ETFs steuerlich in AT nerven. Das Geld schwankt zu exakt 0%, ist durch die Einlagensicherung geschützt und liefert die eiserne Reserve, falls die Börsen morgen sterben gehen.
Der Wartungsplan:
1x im Jahr schaue ich mit ihr rein. Rebalancing dauert 15 Minuten. Die Ausschüttungen landen netto auf ihrem Konto und werden für den Urlaub verprasst. Die erwartete Ausschüttungsrendite des Gesamtdepots sollte vor Steuern bei ca. 3,5% liegen.
Fragen an die Community:
Habe ich vor lauter Angst vor einem erneuten "2022-Crash" den Anleihen-Teil zu Tode diversifiziert?
Macht die Kombi aus Vanguard High Dividend und SPDR Aristocrats Sinn, oder seht ihr da doch ungewollte Überschneidungen?
Die Werte sind idR ein wenig teurer als die klassischen All World ETF aber immer noch wesentlich günstiger als aktive gemanagte Fonds l.
Ist das für eine österreichische Pensionistin machbar oder overengineered?
Vielen Dank vorab und Let the Roast begin! 🔥