














Coast to Coast - 300 km durch den Norden Englands
Hallo liebe Wanderfreunde,
dieses Jahr war ich vom 31.08. bis zum 12.09. auf dem Coast to Coast Walk in England unterwegs und möchte ein paar Eindrücke und Erfahrungen mit euch teilen.
Manchester mit seinem großen Flughafen liegt ungefähr südlich der Wegmitte und bietet recht unkomplizierte Verbindungen zu beiden Endpunkten der Wanderung. Nach St. Bees (Start) kommt man mit dem Zug, nach Robin Hood's Bay (Ziel) mit Zug und Bus. Beide Orte sind in etwa vier Stunden mit maximal zwei Umstiegen erreichbar. Ich habe mich jedoch entschieden, den Weg in umgekehrter Richtung zu wandern. Statt wie üblich an der Irischen See in St. Bees zu starten, ging es für mich von der Nordseeküste in Robin Hood's Bay Richtung Westen. Meine folgenden Eindrücke sind also ebenfalls in „umgekehrter Reihenfolge“. Der Coast to Coast Walk ist seit letztem Jahr offiziell ein National Trail und wurde in diesem Zuge auch mit Wegweisern in beide Richtungen ausgestattet. Eine zusätzliche, zumindest rudimentäre Navigation (z.B. gpx-Track auf dem Smartphone) würde ich trotzdem empfehlen. Gerade auf den weitläufigen, hügeligen Weideflächen fehlen häufig Wegweiser und der Wegverlauf ist nicht immer eindeutig zu erkennen.
Eine Tradition auf dem C2C ist es, sich am Start einen kleinen Stein von der Küste mitzunehmen und diesen am Ende der Wanderung auf der anderen Seite des Landes wieder dem Meer zu übergeben. Die Route führt durch gleich drei Nationalparks: die North York Moors, Yorkshire Dales und den Lake District. Entsprechend abwechslungsreich ist die Landschaft. Von den weiten, violett blühenden Heidelandschaften der Moors geht es durch die von unzähligen Steinmauern durchzogenen Täler der Dales bis in den bergigen Lake District mit seinen zahlreichen Seen. Im letzteren Nationalpark geht es täglich mehrer hundert Höhenmeter auf und ab, sodass ich empfehlen würde die Etappen dort etwas kürzer zu planen. Dies war auch einer der Hauptgründe warum ich den Weg in entgegengesetzer Richtung lief, denn den körperlich anstrengenderen Part wollte ich lieber am Ende gehen, dann wenn ich mich bereits fit gewandert habe.
In den Nationalparks wird Wildcampen meist geduldet und gerade im Lake District fand ich es aufgrund der Landschaft ziemlich einfach, schöne Zeltplätze zu finden. In den Moors und Dales war das teilweise etwas schwieriger. Ich stelle mein Zelt ungern auf Weiden zwischen grasenden Kühen oder Schafherden auf – und von denen gibt es wirklich mehr als genug. Grundsätzlich ist es aber durchaus möglich, die gesamte Strecke wild zu campen. Die meisten Wanderer sind allerdings von Unterkunft zu Unterkunft unterwegs. Es gibt sogar Gepäcktransporte à la Jakobsweg. Viele Gasthäuser und Pubs bieten außerdem eine Zeltwiese oder einen Bereich im Biergarten an, auf dem man für durchschnittlich 10 £ sein Zelt aufschlagen und die Sanitäranlagen nutzen darf. Duschen sind für die Camper allerdings nicht immer vorhanden.
An kleineren Dorfläden kommt man regelmäßig vorbei, sodass man seine Vorräte recht unkompliziert auffüllen kann. Auch Pubs gibt es entlang der Strecke reichlich, und dort lässt sich normalerweise problemlos Trinkwasser nachfüllen. Das würde ich auch empfehlen, denn aufgrund der vielen Weidetiere hätte ich persönlich wenig Lust gehabt, Wasser aus den Bächen und Flüssen zu trinken.
Mit dem Wetter hatte ich für englische Verhältnisse wohl ganz ordentlich Glück. Tagsüber lagen die Temperaturen ziemlich konstant zwischen 18 und 20 °C, nachts waren es meist um die 10 °C. Geregnet hat es zwar fast täglich, allerdings überwiegend nur in Form von Nieselregen. So richtig nass wurde ich eigentlich nur an zwei Tagen, an denen es nahezu durchgehend regnete. Nicht unterschätzen sollte man allerdings den Wind. Der war mein täglicher Begleiter und konnte auf Dauer, besonders bei Gegenwind, ziemlich anstrengend werden.
Der Weg selbst ist technisch unkompliziert und enthält keine besonders gefährlichen Passagen oder Kletterstellen. Mit einer passenden Etappenplanung ist er meiner Meinung nach auch für absolute Einsteiger gut geeignet. Entsprechend sind auch einige Wanderer unterwegs. Trotzdem kam es gerade in den Moors und Dales immer wieder vor, dass ich zwei bis drei Stunden lang keiner Menschenseele begegnet bin. Insbesondere im Lake District kann es etwas voller werden, aber es wirkte auf mich nie überlaufen.
Insgesamt war ich 13 Tage unterwegs, davon 12 Wandertage mit durchschnittlich 27,5 km pro Tag. Einen Pausentag habe ich in Kirkby Stephen nach circa 175 km eingelegt. Der Ort bietet sich dafür ganz gut an, da es einen größeren Supermarkt und einige Gasthäuser gibt. Die kulturell und touristisch etwas interessantere Alternative wäre Richmond, das etwa zwei Wandertage östlich entfernt liegt.
Besonders gut gefallen haben mir die landschaftliche Abwechslung zwischen den drei Nationalparks, die kleinen typisch englischen Ortschaften und nicht zuletzt die gemütlichen Pubs voller Wanderer und herzlicher Einheimischer. Außerdem finde ich die Vorstellung, von einer Küste zur anderen zu wandern und dabei ein ganzes Land zu durchqueren, nach wie vor ziemlich faszinierend. Und ich kann mir kaum einen Trail vorstellen, in dem sich das auf so abwechslungsreiche und gleichzeitig unkomplizierte Weise umsetzen lässt wie auf dem Coast to Coast Walk.