Kita-Wechsel für Sohn (2,5) mit Verdacht auf selektiven Mutismus sinnvoll?
Hallo,
ich würde gerne die Meinung von Erziehern oder anderen Fachkräften zu einer wichtigen Entscheidung hören.
Mein Sohn ist 2,5 Jahre alt und besucht seit knapp einem Jahr eine Großtagespflege mit zwei Tagesmüttern und insgesamt neun Kindern. Die Kita hat einen guten Ruf und die Eingewöhnung hat grundsätzlich gut funktioniert.
Trotzdem habe ich schon länger das Gefühl, dass die Betreuung nicht optimal zu ihm passt.
Mein Sohn ist eher vorsichtig und sensibel. In Gruppen hält er sich häufig zurück, braucht Ermutigung zum Mitmachen und zieht sich zurück, wenn andere Kinder sehr stürmisch sind.
Vor Kurzem habe ich außerdem von der Tagesmutter zwischen Tür und Angel erfahren, dass er in der Betreuung bisher kein einziges Wort spricht. Zuhause und bei vertrauten Personen spricht er dagegen sehr viel und sprachlich altersgerecht. Unsere Kinderärztin hat uns deshalb mit Verdacht auf selektiven Mutismus an einen Kinderpsychologen überwiesen.
Die Tagesmutter hält sein Schweigen für unproblematisch und ist überzeugt, dass er sich dort wohlfühlt. Für mich verstärkt es allerdings den Eindruck, dass er sich dort nicht wirklich sicher fühlt - gerade nach fast einem Jahr.
Zusätzlich beschäftigen mich einige Punkte:
- Während der Eingewöhnung war seine Hauptbezugsperson nicht immer anwesend.
- Beim Abholen sitzt er häufig alleine herum, während eine Tagesmutter bereits Feierabend macht.
- Beim verpflichtenden Mittagsschlaf wird weder vorgelesen noch gesungen; die Kinder werden einfach hingelegt und allein gelassen.
- Insgesamt wirkt die Betreuung auf mich eher laut und unruhig (laute Musik, häufiger Besuch anderer Gruppen).
- Vor Kurzem bekam mein Sohn beim Planschen Wasser ins Gesicht, geriet in Panik und weinte sehr. Auf dem Video hatte ich den Eindruck, dass wenig auf seine Gefühle eingegangen wurde. Die Tagesmutter wirkte eher genervt, als würde er sich „anstellen”, statt ihm Sicherheit zu geben.
Erschwerend kommt hinzu, dass Sorgen anzusprechen sehr schwierig ist. Die Tagesmutter reagiert oft defensiv, sodass ich anschließend meine eigene Wahrnehmung infrage stelle.
Mein Sohn sendet leider auch keine eindeutigen Signale. Er freut sich weder sichtbar auf die Betreuung noch wehrt er sich dagegen. Einmal hat er allerdings gesagt, dass er in der Kita traurig sei und zu Hause glücklich. Mir ist bewusst, dass solche Aussagen eines 2,5-Jährigen vorsichtig eingeordnet werden müssen.
Auch die Videos, die ich bekomme, sind ambivalent: Manchmal spielt, lacht und tobt er, manchmal sitzt er alleine am Rand, während die anderen Kinder gemeinsam spielen.
Nun hätten wir die Möglichkeit, in eine andere Großtagespflege zu wechseln.
Vorteile der neuen Einrichtung:
- besserer Betreuungsschlüssel (2 Tagesmütter für nur 5 Kinder)
- eine Tagesmutter ist Sozialpädagogin
- regelmäßige Entwicklungsgespräche und Dokumentation
- insgesamt kleinere und vermutlich ruhigere Gruppe
Meine Bedenken:
- Im Juli bekommt er ein Geschwisterchen, die Eingewöhnung wäre wahrscheinlich im September
- Er wäre dort nur etwa ein Jahr, bevor er mit 3,5 in den Kindergarten wechselt.
- Er wäre das älteste Kind der Gruppe; das nächstälteste Kind ist etwa acht Monate jünger. In der jetzigen Kita sind 2 weitere Kinder in seinem Alter.
Meine Fragen:
- Klingen meine Sorgen für euch nach berechtigten Warnsignalen oder eher nach normalen Herausforderungen eines sensiblen Kindes?
- Würdet ihr unter diesen Umständen einen Wechsel in Betracht ziehen?
- Könnte eine ruhigere und bindungsorientiertere Betreuung einem Kind mit selektivem Mutismus oder starker Schüchternheit helfen?
Ich habe die Hoffnung, dass er sich in einer kleineren, ruhigeren Umgebung sicher genug fühlen könnte, um dort zu sprechen und mehr von sich zu zeigen. Gleichzeitig möchte ich ihn natürlich nicht unnötig durch einen Wechsel belasten.
Ich freue mich über ehrliche Einschätzungen - besonders von Erziehern oder Tagespflegepersonen, aber auch von Eltern mit ähnlichen Erfahrungen.