



Was soll dieses Seestadt-Aspernstraße-Gelüge?
Letzte Woche setz ich mich bei Schottenring in eine U2 Richtung Seestadt. Warum ich mir da so sicher bin? Der Wienmobil Routenplaner hat angezeigt, dass um diese Uhrzeit eine Seestadt-U2 fährt. Die Wienmobil Echtzeitinfo hat angezeigt, dass jede U-Bahn derzeit bis in die Seestadt fährt, auch die nächste. Die Abfahrtstafel am Bahnsteig ebenso und auf der Ubahn selbst Stand groß "Seestadt" also steige ich ein. Zunächst wird bei jeder Station so 2-3 Minuten gewartet. Aha, gibt es eine Störung? Nein, laut Wienmobil App sowie Wien App gibt es derzeit keine Störungen. Also bleibe ich drin sitzen und arbeite am Laptop, in der Erwartung, bis zur Endstation durchfahren zu können. Während der Fahrt bleiben wir mehrmals in oder zwischen den Stationen stehen. So auch nach der Station Aspernstrasse. Erst, als an meinem Fenster der Fahrer vorbeispaziert, realisiere ich, dass wir auf dem "Umdrehgleis" stehen. Ich stehe auf und deute dem Fahrer, was denn los sei, in der Erwartung, es sei doch eine Störung oder Ähnliches, schließlich sitzen noch ca. 20 weitere Leute im Zug, die wären ja ausgestiegen wenn ich doch durch ein obskures Wunder in eine falsche U-Bahn eingestiegen wäre. Der Fahrer Zeit mir nur, ich solle mich hinsetzen und warten. Gerade, als ich noch die letzten Reste Hoffnung zusammenkratze, dass diese U-Bahn doch noch nach Hause fährt, spüre ich eine Vibration und kann aus dem rechten Fenster eine U-Bahn mit der Aufschrift "Seestadt" beim Vorbeischießen beobachten. Mit einem mulmiges Gefühl schaue ich hinauf auf die Anzeige des Zuges, die just in diesem Moment von *leer* auf "Karlsplatz" springt. Ein Traum. Kurz darauf fahren wir zurück in die Station Aspernstrasse, nächste Seestadt-U2 in 9 Minuten. Ich habe mich dann dafür entschieden, den Wiener Linien noch 35 Cent extra in den Rachen zu schmeißen und mit dem Fahrrad zu fahren anstatt die 9 Minuten abzuwarten. So weit so frustrierend.
Fast forward nach heute, der Frust schon fast vergeben und vergessen. Ich lasse mir nach der Arbeit eine Route kalkulieren.
Um 23:10 sollte ich die U2 in die Seestadt nehmen, die Echtzeitinfo, die aufgrund vieler vergangener Vorkommnisse schon automatisch gegengecheckt wird, bestätigt mir diese Abfahrtszeit. Um 23:07 am Bahnsteig angekommen die freudige Überraschung: die nächste Seestadt-U-Bahn kommt statt in den versprochenen 3 in knackigen 12 Minuten, die anschließende Aspernstrasse U-Bahn eine Minute danach. Verwunderlich. Na gut, was soll ich anderes machen, als warten. Plötzlich, ich fühle mich wie in einer Live-Action-Verfilmung von Mario Kart, überholt die zweite Ubahn die erste und die Anzeige springt auf 10 Minuten Aspernstrasse und 11 Minuten Seestadt. Eine Achterbahn der Gefühle. Na gut, ist nicht viel mehr warten als ohnehin. Plötzlich ändert sich die Anzeige vollkommen: "Nächster Zug Richtung Seestadt: 10 Minuten" Freude leuchtet in meinen Augen auf. Und tatsächlich: die Anzeige schaltet sofort erneut um, auf Seestadt 10 Minuten und Seestadt 15 Minuten. Logische Entscheidung, denke ich mir, sie lassen beide in die Seestadt fahren, damit es nicht zu Verwirrungen der Fahrgäste kommt. Tja, falsch gedacht, kurz darauf aktualisiert die Anzeige nämlich auf 9 Minuten Aspernstrasse und 15 Minuten Seestadt. Ich reibe meine Augen, blinzle dreimal und schaue erneut hin, aber ich habe mich tatsächlich nicht getäuscht: die Wiener Linien tauschen eiskalt die beiden U-Bahnen aus. Um 23:22, zwölf (12!) Minuten nachdem die ursprüngliche Verbindung hätte fahren sollen, steige ich resigniert in die U2 Richtung Aspernstrasse ein, in der leichten naiven Hoffnung, dass die Endstation sich doch noch auf Seestadt ändert. Aber Pustekuchen. Um 23:35, während ich diese Zeilen schreibe, stehe ich am Bahnsteig der Station Aspernstrasse und warte auf die nächste Ubahn in Richtung Seestadt, die in 6 Minuten eintreffen soll. Ein erneuter Blick in die App zeigt nun eine Störung an. Jedoch nicht wenn man auf die Echtzeitinfo schaut, sondern dediziert nur unter dem Reiter "Betriebsinfos". Die Meldung: unregelmäßige Intervalle. Darunter verstehe ich verlängerte Intervalle, die ich ja mehr als bereit war zu akzeptieren, obwohl es hier um 9 Minuten mehr ging als erwartet. Aber der "Tausch" der U-Bahnen, was das für mich subjektive Intervall (ich bin ja erst um 23:07 am Bahnsteig angekommen) von 3 bzw nun 12 auf 24!!! in Worten VIERUNDZWANZIG Minuten verlängert hat. Das ist eine VerACHTfachung des Intervalls und das nur für mich, für andere, die bereits am Bahnsteig gewartet hatten, ging es um noch mehr Zeit. Natürlich wurde weder am Bahnsteig noch in der Ubahn eine Durchsage mit einer Erklärung, geschweige denn einer Entschuldigung eingespielt. Warum auch, uns Seestädter kann man doch eh verarschen. Und während ich frustriert von meinem Handy aufblicke, darf ich sehen, dass aus den 6 Minuten Seestadt nun 1 geworden sind, aus den 9 Minuten danach allerdings 18. Bin ich froh und dankbar, dass ich jetzt in die U-Bahn steigen darf und mit "nur" knapp unter 20 Minuten Verspätung meine Zielstation erreiche. 20 Minuten, die im Vergleich zu Nachbarländern und Zugverbindungen der ÖBB vielleicht lächerlich wirken, das ist mir bewusst. Aber es sind 20 Minuten, die nicht angekündigt wurden. 20 Minuten, für die sich nicht entschuldigt wurde. 20 Minuten, von denen die Wiener Linien dachten, wir würden sie ja nicht bemerken, auch dann nicht, wenn sie die Endstationen zweier Züge einfach herumjonglieren wie der weltschlechteste Partyclown.
Ich entschuldige mich für diesen für meine Verhältnisse ungewöhnlich langen Post und bedanke mich bei allen, die sich diesen Rant bis zuletzt gegeben haben. Das Gefühl, meine Erfahrung teilen zu können lässt auch den Frust langsam zu einer kleinen wütenden Kugel schmelzen.
Ich wünsche euch allen eine gute Nacht und eine sichere Heimreise von wo auch immer ihr diesen Post lest. Ich fetze mir jetzt ein Calippo rein und gehe ins Bett. Morgen muss schließlich wieder gehackelt werden, um sich die Preiserhöhung der Jahreskarte leisten zu können.