Therapeutin ist der Meinung, dass ich 'kein Trans habe'
Ich (30, mtf) hatte heute meine vierte und letzte Therapiestunde bei (m)einer Therapeutin.
Sie hat schon die letzten Stunden und speziell die letzte vor heute immer wieder gemeint, dass sie nicht wirklich schlau wird aus mir und nicht wirklich Zeichen für's Trans-Sein bei mir sieht.
Zugestanden, ich konnte bei manchen Fragen keine wirklichen Antworten geben. Andererseits waren diese Fragen immer ziemlich offen (heute der Hammer: "Wie würden Sie Ihr Lebensbuch in Abschnitte unterteilen?").
Zu Beginn habe ich 2-3 Mal versucht, Antworten so zu formulieren, wie es vllt für andere trans zutrifft, sodass es mehr stereotypisch trans klingt. Hab mich dann aber teils auch sehr in den Erklärungen verloren, und das später auch in meinen richtigen Erklärungen.
Die Dame hat mehrere Vögel abgeschossen, aber der letzte heute, der war schon eher ein fliegender Wal...
- "Ich muss es der Krankenkasse gegenüber verantworten, dass sie wirklich trans sind. Nicht, dass Sie am Ende noch mehr Therapie brauchen, weil Hormone das falsche für Sie war"
-> generell ist die Aussage ja nicht ganz falsch, aber sie hat schon SEHR häufig betont, wie sie es der KK ggü. verantworten muss. Gut, dass sie sich mir ggü. nicht verantworten muss *trauriges Lachen*
-> Sie hat selbst keine Patienten gehabt, die Hormone oder OPs bereut haben, aber sie hat von welchen gehört. Really? Dafür hab ich keine Worte...
- "Ich könnte mir vorstellen, dass sie auf dem Spektrum liegen, und dass eine Ursachenverschiebung vorhanden ist. Das hieße, dass sie sich das Trans-sein einbilden und sie nur eine Erklärung für Ihre Probleme mit Ihren Gefühlen suchen."
-> Auf den Spektrum irgendwo? Bestimmt, mit meinem Adhs und leichtem OCD. Bilde ich mir ein, Trans zu sein? Go f*** yourself. Äh, ich meine, nein.
- "Ich sehe einfach nicht, dass Sie Trans haben"
-> das war heute das erste Mal, dass ich gemerkt habe, dass sie trans-sein als Krankheit sieht. Sie hat das 'trans haben' dann auch gleich mehrfach hintereinander gesagt...
Ich weiß ehrlich nicht mehr, was ich von der Frau halten soll.
Ich hab sie über eine von trans Personen gepflegte Liste gefunden, aber Holla die Waldfee...
Sie war mir als fast 2m große Transfrau gegenüber auf jeden Fall von Anfang an sehr kritisch eingestellt.
Das hat mir am Anfang schon gepasst, weil ich selbst sicher sein wollte, dass ich nichts überstürze, eben weil allein meine Körpergröße schon so ein großes Ding dabei ist. Aber nach 1,5 Dekaden des Wunschs, und 1,5 Jahren des eigtl sicher Seins, haben mir nur wenige Therapiestunden mit dieser Therapeutin gereicht, um jegliche Zweifel abzulegen. Immerhin das hat sie geschafft.
Jetzt hat sie mir schon letztes Mal gesagt, dass sie es der Krankenkasse ggü. definitiv nicht verantworten kann, mir ein Indikationsschreiben auszustellen, und hat als Begründung den Disconnect in der Kommunikation, die Gefahr, die Transition zu bereuen, eine Vermutung auf Autismus und ein unzureichendes soziales Outing genannt.
Heute hat sie das ganze nochmal wiedergekäut, - wie das Rindvieh, das sie ist - und immerhin versichert, dass sie keine Negativ-Indikation ausstellt.
Ich muss jetzt also nur innerhalb der nächsten 6 Monate eine neue Therapie-Person finden, die meine Therapie auf- und übernimmt. Gut, dass ich das letzte mal nur etwas über ein Jahr gesucht habe...
Ich bin mental einfach nur fertig, ohne heute auch nur ein einziges Gefühl zugelassen zu haben.
Immerhin hab ich noch mein Erfolgserlebnis von letzter Woche, wo ich nach viel hin und her offen als Frau auf'm Festival war.
Ich geh jetzt mal schauen, ob ich endlich weinen kann... Nia out.