Brei 3B
Hi, hier ein kurzer Auszug aus meiner Kurzgeschichte "Brei 3B". Da es wirklich nur eine Kurzgeschichte mit insgesamt 2118 Wörtern ist, poste ich nur den Anfang von knapp 500 Wörtern. Wenn beim Lesen ein beklemmendes Gefühl ausgelöst wird, ist das Ziel erreicht 😄
Ratsch, ratsch. Das metallische Geräusch irgendwo über mir schneidet wie eine Peitsche durch die Luft, die sonst nur erfüllt ist von Jammern, Stöhnen und Grunzen – die einzige Kommunikation hier unten. Ich öffne schwer die Augen, doch in dem kaum vorhandenen, fahlen Licht, das hier unten immer herrscht, kann ich kaum etwas sehen. Ich hatte mich doch gerade erst hingelegt... oder habe ich vielleicht sogar Stunden geschlafen? Ich weiß es nicht. Um mich herum kommt Bewegung in die Leiber, ein Scharren und Schlurfen setzt ein. Ratsch, ratsch. Erneut ertönt das Klacken, als auch die zweite Futterrutsche befüllt wird. Ich kämpfe mich hoch, rutsche auf dem schmierigen Boden, der bedeckt ist von Urin, Kot, Essensresten und Blut, fast aus. Meine wunden Sohlen finden Halt in einer der unzähligen Rillen, durch die eigentlich alles abfließen sollte, und ich schaffe es, mich aufzurichten.
Vom Instinkt getrieben schleppe ich mich Richtung Futterrinne, der Geruch weist mir den Weg. Die Geräusche in der Nähe werden lauter, intensiver. Lautes Schmatzen setzt ein von denjenigen, die als erstes die Rinne erreicht haben. Ich treibe mich vorwärts, begleitet von dem schaurigen Schaben und Schlurfen. Ich schaue mich nicht um, will es gar nicht sehen – ich weiß bereits, welcher Anblick mich erwarten würde. Hin und wieder höre ich ein Platschen, wenn ein schwerer Körper auf den Boden fällt, vermutlich weil er ausgerutscht ist. Ich kann nur hoffen, dass die arme Seele nicht in der Nähe der anderen war. Dann ertönt ein gequältes Quieken, danach ein schmerzhaftes Grunzen und ich weiß, dass meine Hoffnung vergebens war. Wenn die Masse erst in Bewegung Richtung Futter ist, dann gibt es kein Halten mehr, und sie trampelt nieder, was ihr im Weg ist.
Ich zwinge mich dazu, mich auf meinen Weg zu konzentrieren. Die Körper drängen sich nun dichter und ich muss mich durchsetzen. Ich werfe mein Gewicht gegen sie, schiebe mich zwischen warme Leiber und stoße alles von mir, was mir den Weg zur Rinne versperrt. Der Essensgeruch wird intensiver, dann stoße ich mit der Brust gegen Metall. Instinktiv senke ich den Kopf, tauche mit Nase und Mund in den klebrigen Brei ein und beginne zu fressen. Der Kampf hier an der Futterrinne ist allgegenwärtig, immer wieder werde ich von rechts nach links und wieder zurückgedrückt, aber ich bleibe standhaft, so gut es geht. Ein verzweifeltes Ringen, denn jeder Stoß kann mich zu Boden reißen. Und wer liegt, wird Boden.
Ich beeile mich, immer mehr und mehr Brei zu verschlingen, bis meine Zunge nur noch das kalte Metall ableckt. Mit einer Mischung aus Gier und Verzweiflung mache ich meine Zunge so lang wie möglich, lecke alles aus, was ich ertasten kann. Dann hält eine merkliche Entspannung Einzug in mich und in die Masse um mich herum. Es gibt keinen Brei mehr, der Kampf ist vorüber. Schwer drehe ich mich um und schleppe mich wieder ein wenig weiter in Richtung Dunkelheit. Meine Eingeweide rumoren und krampfen leicht, ein bekannter Ablauf. Das Futter ist genau getaktet, abgestimmt auf den Organismus.