Meine Schwester die naivste Person der Erde
Meine Schwester (Anfang 30) macht mich langsam wahnsinnig und ich weiß nicht mehr, wie ich mit ihrer extremen Naivität umgehen soll.
Sie ist meiner Meinung nach einer der leichtgläubigsten Menschen, die ich kenne – behauptet aber gleichzeitig immer, sie wäre überhaupt nicht naiv und ich würde nur „zu pessimistisch“ denken.
Ein paar Beispiele:
- Sie gibt fremden Menschen extrem schnell ihre Handynummer. Wir waren mal essen, ein 70 jähriger Mann hat sich zu uns gesetzt, wir haben kurz geredet, ich gehe auf Toilette, komme wieder – sie hat ihm einfach ihre Nummer gegeben, weil er „wie ein Schauspieler aussah und auch nett war“.
- Sie beschwert sich gleichzeitig ständig darüber, dass so viele Leute ihre Nummer haben und wechselt dauernd ihre Telefonnummer.
- Sie redet mit jedem sofort extrem offen und vertraut Leuten sehr schnell. Obdachlose, fremde Männer, irgendwelche „Geschäftsleute“, egal.
- Sie fährt bei Dates direkt zu fremden Männern nach Hause oder lässt sich abholen, obwohl ich ihr tausendmal gesagt habe, dass das gefährlich sein kann (nebenbei erwähnt: es läuft nie was! Sie denkt dann: "Hä der Kerl wollte mir nur seinen neuen Fernseher zeigen, warum soll ich da leichtgläubig sein?"
- Sie glaubt ständig an irgendwelche unrealistischen Job- oder Business-Ideen. Sie hat Verkäuferin gelernt, will aber dauernd plötzlich „etwas Großes“ machen:
- Vermögensberaterin
- Selbstständigkeit mit Schmuckverkauf
- irgendwelche Bürojobs ohne Kenntnisse
- früher auch MLM-/Nahrungsergänzungs-Zeug
- Einmal hat ihr jemand bei einem angeblichen Bewerbungsgespräch direkt eine Versicherung verkauft, die sie sich eigentlich gar nicht leisten konnte.
- Sie hat sogar mal ihren Job gekündigt, weil sie mündlich eine Zusage für einen anderen Job bekommen hat – ohne schriftlichen Vertrag. Der neue Job kam dann nie zustande und sie war arbeitslos.
- Technisch ist sie leider auch extrem unsicher. Wenn am Handy etwas nicht funktioniert, geht sie oft direkt in einen Shop, statt einfache Dinge selbst auszuprobieren.
Das Problem ist: Sie ist kein schlechter Mensch. Im Gegenteil. Sie ist hilfsbereit, moralisch, würde niemanden bewusst ausnutzen und ist eher sehr gutherzig.
Aber ich habe dauerhaft das Gefühl, dass sie durchs Leben läuft wie jemand, der glaubt, alle Menschen hätten gute Absichten oder dass sich alles schon irgendwie magisch regelt.
Sie hat kein Problem nachts alleine durch die Stadt zu laufen, weil - ihr würde eh nichts passieren weil überall andere Leute sind.
Und jedes Mal, wenn ich versuche, sie vor offensichtlichem Blödsinn oder gefährlichen Situationen zu warnen, heißt es:
„Du redest immer alles schlecht.“
„Du traust mir nichts zu.“
„Du bist einfach zu pessimistisch.“
Natürlich ist sie in einem Alter wo sie selbst ihre Erfahrungen machen muss und ich sollte es sein lassen ihr das immer auszulesen aber ich hab wirklich das Gefühl, sie lebt in ihrer eigenen Welt?
Wie geht man mit so jemandem um, ohne ständig als Spielverderber oder „negative Person“ dazustehen?