As(s)ozialer Bereich
In meiner Erzieherausbildung habe ich 3 Einrichtungen miterlebt.
In der ersten (Hort) hat die Einrichtungsleitung bestimmte Mitarbeiter gemobbt. Ich wollte damals nur noch von dort weg und durfte vom Träger aus die Einrichtung wechseln. Ich kam wieder in einen Hort, hier hat sich das Team untereinander zerfleischt, eine Kollegin hat mich gegen eine weitere Auszubildende ausgespielt, indem sie Gerüchte gestreut und Aussagen erfunden hat. Hat etwas gedauert, bis ich's gecheckt hab, ab da war die andere Auszubildende meine einzige Verbündete dort. Es gab noch eine Erzieherin, die nur auf sich geschaut hat und mich als Auszubildende als Rangletzte behandelt hat, es wurde z. B. darauf geachtet, dass ich immer als Letztes zu Wort kam. Die Einrichtungsleitung hat diese Misstände entweder nicht gesehen oder nicht wahr haben wollen.
Dann folgten zwei Jahre in einem Kindergarten, die nicht perfekt, aber immerhin schön waren. Die Leitung war sozial und hat auf ihre Leute geschaut, die Kleinteams untereinander haben sich unterstützt. Es gab keine Lästereien und das Arbeitsklima war angenehm.
Dann war ich ausgelernt. Ich arbeitete zunächst ein paar Monate in einem Kinderladen. Team war okay, eine übermotivierte Kollegin ging mir ziemlich auf den Sack, vor allem als sie begonnen hat, mir Worte in den Mund zu legen und meine Vorbereitungszeit für mich zu verplanen. Ich hätte drüber hinweg sehen können, aber das Konzept hat für mich am Ende nicht gepasst.
Nun arbeite ich in einer anderen Stelle im Kindergarten. Hierzu gibt's auch schon ein paar Hilfeschreie-Posts meinerseits. In dieser Gruppe herrscht imo eine absolut erschreckende Arbeitsmoral und Pädagogik. Das Personal schreit die Kids an, es gibt keinen Nachtisch, wenn nicht aufgegessen wird, ein dreijähriger Junge wurde angeschrien, weil er sich zum vierten mal eingepisst hat. Alles wird defizitorientiert ausgelegt, ein Kind will etwas erzählen und es kommt erstmal ein: "Also das interessiert mich grad überhaupt nicht" oder "Aber das war doch jetzt gar nicht die Frage". Die Kolleginnen ziehen über die Kinder her, gerne auch mal während der Bring- und Abholzeit. Die Gruppe wird auch einfach mal so allein gelassen - ich war zu dem Zeitpunkt bei einem Kind und hab beim Umziehen geholfen, habe dann nur gecheckt, dass keiner mehr in der Gruppe war, als ich nachgezählt hab, welche Kollegin jetzt noch - keine - im Raum sein könnte. Solche Sachen erfolgen ohne Absprache - Kommunikation super schwierig. Zur Arbeitsmoral: zwei der Kolleginnen sind wohl best friends und arbeiten seit knapp 10 Jahren zusammen, die eröffnen morgens pünktlich zu Dienstbeginn erstmal eine Plauderrunde, die auch gerne mal eine Stunde lang geht, während Gruppenbetrieb ist, die sind dann auch für die Kinder nicht ansprechbar. Die nehmen sich auch bei jeder Gelegenheit raus, verschwinden aus dem Gruppenraum ohne zu sagen, wo sie hingehen und kommen ewig lang nicht mehr zurück. Ich bin dann allein mit den Kids - btw bin ich der Neuzugang im Team und kenne mich noch nicht so gut aus und die Machtkampfphase beginnt...
Eigentlich haben wir doch alle mehr oder weniger die gleichen Lerninhalte in der Ausbildung gehabt und müssten es besser wissen und können, aber immer wieder finde ich mich in beschissenen Einrichtungen mit assozialem Fachpersonal wieder und frage mich - und das als frisch Ausgelernte - ob ich jemals wieder in eine gute Einrichtung kommen werde, oder ob das der soziale Standard im Erzieherberuf ist?