Revisionismus als Totschlagargument
Reicht die Einordnung "revisionistisch" als Etikett zur Ablehnung des Inhaltes aus, oder nicht?
Es ist schon erstaunlich, wie schnell manche Diskussionen auf diesem Forum beendet werden, sobald ein bestimmtes Wort bzw. eine Etikettierung erfolgt.
> "X ist revisionistisch."
Und damit ist der Fall offenbar erledigt. Warum revisionistisch? Welche theoretische Position ist falsch? Wo weicht der Autor von Marx, Engels oder Lenin ab? Welche Konsequenz ergibt sich daraus? Nichts dergleichen wird erörtert.
Es reicht vollkommen aus dieses Adjektiv an bestimmte Autoren oder Aussagen zu hängen, schon scheint es so zu sein, als ob alles zu diesem Thema gesagt worden zu sein.
Das Problem daran ist nicht bloß, dass damit keine Diskussion entsteht. Das Problem ist, dass hier eine politische Behauptung an die Stelle einer klaren Argumentation und Beweisführung gestellt wird, die ja auch im wissenschaftlichen Sozialismus die Grundlage einer jeden politischen und theoretischen Auseinandersetzung darstellt. Auf solche wissenschaftlichen Prinzipien berufen wir uns aus gutem Grund: Denn wenn ich einen Autor oder einen Artikel als revisionistisch bezeichne, habe ich damit zunächst einmal gar nichts bewiesen. Ich habe lediglich eine entwertende Beurteilung des Autors oder der Position aufgestellt und ein potentiell produktives Gespräch damit von vornherein erstickt.
Man könnte natürlich begründen, warum man diesen Autor oder diese Position für revisionistisch hält. Man könnte nun also aufzeigen welche dieser Aussagen im Widerspruch zu bestimmten marxistischen Grundsätzen stehen, welche theoretischen Voraussetzungen dahinterstehen und zu welchen politischen Konsequenzen diese Position führt. Dann hätte man etwas, worüber wir als Kommunist:innen auf Reddit diskutieren könnten.
Es reicht einfach nicht aus, jede Position, mit der wir nicht d'accord gehen, als revisionistisch zu verunglimpfen, es muss auch eine Begründung für diese Behauptung erbracht werden.
Rant Ende.