
Gegnerische Versicherung fordert 1.150€ für winzigen Kratzer – Anwalt droht. Was tun?
Hallo Community,
ich brauche mal eure Einschätzung zu einem Schadensfall, bei dem ich als Privatperson von einer gegnerischen Versicherung massiv unter Druck gesetzt werde. (Ich habe leider keine eigene Privathaftpflichtversicherung).
vergangenen August hatte meine Freundin extreme Zahnschmerzen weswegen wir uns ein Uber zur Praxis nahmen. Beim Ausstieg achtete sie in all ihrer Panik nicht drauf, dass ein Kleintransporter (Mercedes Benz Vito BJ 2014) neben dem Taxi stand und sie beim Türe öffnen ganz leicht an den Transporter stieß. Da meine Freundin im Ausland lebt und ich einen dringenden Termin hatte, habe ich den Unfall auf mich genommen und in einem Schreiben bestätigt, dass ich den ‚minimalen‘ Schaden verursacht habe.
Es handelt sich hierbei nicht mal um einen ‚richtigen’ Lackschaden, sondern lediglich etwas schwarze Farbe, die vom Taxi am weißen Lack des Transporters hängenblieb. Die Lackspur selbst ist wenn überhaupt 2cm lang. (Unten ist der Link zu den Fotos)
Die Versicherung des Transporters fordert nun ca. 1.150€ von mir. Ich habe den Kostenvoranschlag angefordert und gesehen, warum es so teuer ist: Die Werkstatt hat die komplette Schiebetür ausgebaut, alle Werbeaufkleber entfernen (allein das kostet ca. 250€ netto) und die Tür komplett neu lackiert.
Bisher habe ich der Forderung schriftlich widersprochen und argumentiert, dass diese Reparaturmethode für einen 2-Millimeter-Fleck völlig absurd ist und gegen die Schadenminderungspflicht (§ 254 BGB) verstößt. Ein einfaches Smart-Repair (Auspolieren/Beilackieren) würde vollkommen ausreichen. Ich habe signalisiert, dass ich für angemessene Smart-Repair-Kosten aufkommen würde. Parallel habe ich beim Uber-Support angefragt, ob deren Haftpflicht einspringt (bisher keine Antwort).
Die Versicherung hat mein Foto und meine Einwände komplett ignoriert. Sie schreiben nur:
"Der Anspruchsteller hat nach den rechtlichen Bestimmungen Anspruch auf eine sach- und fachgerechte Instandsetzung gemäß Herstellervorgaben. Ihre Einwände sind unsubstantiiert."
Zudem verbleibt mir eine Frist von einer Woche. Wenn ich bis dahin nicht zahle, wird der Fall an einen Anwalt übergeben, was weitere Kosten für mich bedeutet.
Meine Fragen an euch:
- Hebeln die "Herstellervorgaben" bei einem so winzigen Kratzer wirklich die Schadenminderungspflicht aus? Darf für einen Stecknadelkopf eine ganze Tür inkl. Beklebung saniert werden?
- Wie reagiere ich am besten auf das kommende Anwaltsschreiben? Einfach ignorieren und auf den gerichtlichen Mahnbescheid (gelber Brief) warten, um diesem dann zu widersprechen?
Danke für die Unterstützung!
https://imgur.com/a/BnqpSi2
Das erste Foto zeigt den Schaden und beim 2. Foto stellte ich die Unfallsituation mit geöffneter Tür nach.
Kurzer wichtiger Nachtrag: beim ersten Kostenvoranschlag waren diverse Mängel gelistet, die nichts mit dem Schaden zu tun hatten, mir aber eingangs mit aufgeführt wurden. Als ich den widersprach wurden die Posten entfernt, der Schaden bleib aber gleich:
Neue Schlussleuchte rechts: Es wurde ein komplett neues Rücklicht für das Heck berechnet.
Neuer Stoßfänger hinten: Die komplette hintere Stoßstange sollte getauscht werden.
Arbeitslohn für das Heck: Es wurden teure Arbeitsstunden für den Aus- und Einbau der Heckleuchte sowie der hinteren Stoßstange kalkuliert.