
Karneval, Katzen, Mörder und ein evangelischer Erzbischof
Alles begann im Jahr 1583 mit einem handfesten Skandal: Der Kölner Erzbischof und Kurfürst Gebhard Truchseß von Waldburg konvertierte zum Protestantismus und wollte sein gesamtes Erzbistum kurzerhand zum Glaubenswechsel zwingen. Während viele Städte klein beigaben, schaltete das „erzkatholische“ Sauerland auf stur. Wütend zog der Erzbischof selbst mit Truppen los, um den Willen der Sauerländer zu brechen. Auch Attendorn wurde überrumpelt – durch eine List drang Waldburg in die Stadt ein und verwüstete die Kunstschätze der Pfarrkirche. Voller Zorn jagten die Attendorner dem abziehenden Kirchenfürsten bis zur nahegelegenen Burg Bilstein hinterher und belagerten sie. Als ein Schütze mittags im Burgfenster die Gestalt des schlafenden Erzbischofs ausmachte, legte er an, drückte ab und traf! Doch statt des Erzbischoffs stürzte eine weiße Mauerkatze in die Tiefe. Die Bilsteiner spotteten lauthals über die glücklosen Belagerer: „Dort ziehen sie hin, die Kattfiller (Katzenmörder)!“ Ein Beiname war geboren, der bis heute im karnevalistischen Schlachtruf „Katt-filler, Katt-filler, Katt-filler!“ weiterlebt.
Historisch greifbar wird das närrische Treiben um das Jahr 1800. Stadtarchive, Zeitungen und vor allem die Rechnungen der städtischen Armenverwaltung liefern handfeste Belege. Das Prinzip damals: Wer sich an Fastnacht maskieren wollte, musste eine Gebühr an die Armenkasse zahlen. Im Gegenzug gab es eine offizielle „Legitimationskarte“ – die behördliche Erlaubnis zum Verkleiden.