










6 Tage Albanien Südküste plus Karaburun-Halbinsel und Llogara-Nationalpark
Hi zusammen,
ich möchte kurz diese scheinbar sehr wenig begangene Tour vorstellen. Wir waren zu zweit (m30&36) Ende Mai/Anfang Juni mit dem Biwack unterwegs. Wir wollten ursprünglich den Peaks of the Balkans wandern aber leider hatte es dieses Jahr sehr viel Schnee und als wir einen Tag vor Beginn in einer Facebook-Gruppe aktuelle Bilder vom Trail gesehen haben, hatten wir uns spontan umentschieden, was auch die richtige Entscheidung war wie uns später ein paar Engländer berichtet hatten, die den PoB dennoch probiert hatten und abbrechen mussten. Blöd war nur, dass ich bereits in Tirana war, d.h. ich war auf maximal anderes Wetter vorbereitet... Es war unglaublich heiß die ganze Zeit >30°C und nur einmal Regen in den Bergen.
Los ging es für uns dann in Vlora, da gibt es gegenüber von Te Lilo (ein sehr empfehlenswertes Restaurant) einen lokalen Bus nach Orikum. In Orikum angekommen hatten wir jeweils erstmal jeder 1,5 Liter Wasser getrunken und sonst noch so viel Wasser eingepackt wie irgendwie möglich. Wir hatten zu zweit glaube ich minimum 12 Liter insgesamt dabei und das wurde noch sehr knapp. Zu Beginn geht es am Strand entlang und durch einen Sumpf (mit aber guten und trockenen Wegen).
Plan war ursprünglich einem Wikiloc-Trail über Karaburun auf die andere Seite der Hügel zu nehmen, dort zu übernachten und dann anschließend an der Küste entlang einen anderen Pfad bis zum nächsten Ort zu nehmen. Allerdings war der Weg in extrem schlechtem Zustand bis quasi gar nicht vorhanden, wir kamen viel langsamer voran als geplant und der Weg abwärts war quasi nicht sichtbar, das Gelände schon alpin und damit viel zu gefährlich, zumals es schon in einer halben Stunde dämmerte. Also wollten wir das Lager erst auf dem Sattel aufschlagen, hinter alten Hirtenmauern aber der Wind war selbst hinter den Mauern viel zu stark, also mussten wir wohl oder übel auf unebenem Gelände an einem Hang übernachten (was für eine Rutschpartie im Schlafsack).
Am nächsten Tag dann entschieden wir uns über den Grat in Richtung Llogara-Nationalpark zu wandern weil der Weg dort wenigstens sichtbar war. Eine unglaublich schöne und wilde Gegend. Unberührte Blumenwiesen, alte Eichenwälder, je nach Seite entweder karg oder komplett grün. Man sieht auch die Insel Sazan, die sich Trumps Gefolge gerne unter den Nagel reisen würde. Viel Gestrüpp, auch sehr schlechte Wege, oft auch gar keine, der Untergrund ist unglaublich scharfkantig (man sieht ganz oben tatsächlich viele Muschel-Fossilien etc.). Aber vor allem keine Menschenseele, nicht mal in den USA hab ich jemals einen so einsamen Weg erlebt. In der ersten Nacht haben wir sogar Wölfe heulen gehört. Allerdings hat man auf der einen Hangseite immer Handyempfang, d.h. Notrufe sollten kein Problem sein, wenn man auf dem Grat wandert.
Am Ende beim Llogara-Nationalpark war die Vegetation aufgrund der vielen Niederschläge unglaublich grün und anders als sonst am Mittelmeer, es gab hohe Bäume und sogar einen Mooswald. Wir sind uns nicht ganz sicher wie lange die Strecke war weil es keinen Weg gab aber ca. 35 km, die wir in zwei Tagen zurücklegen mussten weil uns das Wasser langsam ausging und es wirklich erst in Llogara wieder Wasser gab. Dort hat es dann auch angefangen zu gewittern, sodass wir doch eine Unterkunft genommen haben und am nächsten morgen dann zum Ausgangspunkt des Südküstenweges in Dhermi mit anderen Touristen mitfahren konnten.
Anstatt des Küstenweges gäbe es auch die Möglichkeit die viel höhere Bergkette an der Küste entlang zu überqueren und dann irgendwo weiter abzusteigen. Ist vermutlich die landschaftlich schönere Variante und wirklich Wildnis aber vor allem ich war noch komplett fertig von dem Strapazen durchs Gestrüpp und über die schlechten Wege, es war wirklich hart. Daher hatten wir ein bisschen Bedenken wegen dem schwer kalkulierbaren Zeitplan und der Wasserproblematik, außerdem wollten wir auch mal ins Meer :)
Der Küstenweg an sich ist tatsächlich recht wenig spektakulär. Man geht von einem schönen Strand zum nächsten aber mit ordentlich Höhenmetern dazwischen aber ist nie weit weg von der Zivilisation. Die Wege sind auch schlecht, überhaupt erst den Einstieg zum Küstenweg muss man finden weil der irgendwie auf einer Baustelle, evt. Privatgrund, ist aber die Bauarbeiter haben uns da sehr bereitwillig geholfen und sogar ein Bier angeboten. Es gab zwar immer wieder Probleme ein offenes Restaurant zu finden (Albaner denken scheinbar vor 1. Juni wäre zu kalt, trotz >30°C und deshalb haben da nur wenige Restaurants auf und überall ist Baustelle für die Saison) aber man kann andauernd irgendwo Wasser und Essen kaufen. Ein Highlight war noch der Strand Gjipe, der zwar aussah wie nach der Apokalypse (kein Restaurant war auf, alle Sperrholz-Imbissbuden waren quasi über den Winter komplett verfallen) aber die Natur dort ist unglaublich schön, die Felsen sehen aus wie in Raylay (Thailand) und die Schlucht kann man ewig entlangwandern (angeblich kann man am Ende sogar über eine Leiter hoch aber k.A. ob das stimmt).
Was negativ am Küstenweg ist, ist dass die Vegetation extrem dornig und nieder ist, d.h. man hat keinen Schutz und läuft bei 34°C stundenlang durch die pralle Sonne aber reist sich alles auf. Auch fand ich ihn nicht wirklich abwechslungsreich. Klar gibt es mal grünere Täler als andere (Lukove z.B.) aber insgesamt waren die 2 Tage Karaburun auf einem ganz anderen Level.
Die Leute sind in Albanien allgemein sehr freundlich und hilfsbereit, das Essen sehr gut und günstig. Allerdings muss man auch sagen, dass die Albaner einfach keine Wanderernation sind, das merkt man schon am Zustand und Umfang der Wanderwege. Aber auch daran, dass die wirklich null Verständnis/Gefühl dafür hatten was wir machen. Und als wir versucht haben am letzten Tag nochmal 15km entlang einer vielbefahrenen Straße zu sparen und zu trampen, hatten wir auch gemerkt, dass die sonst sehr große Hilfsbereitschaft schnell schwindet sobald man was macht, was die Einheimischen nicht so richtig nachvollziehen können. Also es war schwierig zu trampen.
So, das war mein erster Tourenbericht hier, ich hoffe er war hilfreich und hat keine Regeln verletzt etc. Aber vielleicht hilft er dem einen oder anderen ja weiter :)