Trennung: Wie fair muss ich die finanziellen Folgen für meine Ex ausgleichen?
Meine Frau und ich trennen uns nach etwa 11 Jahren Beziehung/Ehe. Wir haben zwei kleine Kinder.
Die Trennung ging von ihr aus. Außerdem habe ich im Zuge der Trennung erfahren, dass sie mich betrogen hat und es einen anderen Mann gab bzw. mutmaßlich auch weiterhin gibt. Ich möchte das nicht zum Hauptthema dieses Posts machen, erwähne es aber, weil es für die Vorgeschichte und meine Sicht auf die aktuelle Situation relevant ist.
Trotzdem versuche ich, die Trennung möglichst vernünftig abzuwickeln. Gerade wegen unserer Kinder möchte ich, dass unser Verhältnis langfristig zumindest funktional und respektvoll bleibt.
Ein großer Streitpunkt ist momentan der gemeinsame Hausrat.
Wir wohnen in einer Wohnung, die meinen Eltern gehört. Deshalb ist klar, dass ich dort bleiben werde und meine Ex ausziehen muss. Sie argumentiert, dass sie dadurch bei der Trennung finanziell deutlich stärker belastet wird: Sie muss eine neue Wohnung finden, Kaution und Umzug bezahlen, einen neuen Haushalt aufbauen und viele Dinge neu anschaffen, die wir bisher gemeinsam hatten. Ich habe diese Kosten in dieser Form nicht.
Beim Hausrat hatten wir zunächst besprochen, wer welche Möbel und Gegenstände mitnimmt. Ich habe daraufhin eine Excel-Liste erstellt und für die gemeinsamen Gegenstände den heutigen Neupreis recherchiert und daraus einen Zeitwert berechnet.
Nach meiner Berechnung liegt der Zeitwert des gemeinsam angeschafften Hausrats bei etwa 7.800 €. Bei der bisher besprochenen Aufteilung würde ihr daraus ein Ausgleich von etwa 3.600 € zustehen.
Sie hatte dagegen ursprünglich einen Gesamtwert des Hausrats von etwa 20.000 € angesetzt und daraus einen Ausgleich von 10.000 € gefordert.
Ich habe ihr meine Berechnung transparent vorgelegt und ausdrücklich angeboten, einzelne Positionen gemeinsam durchzugehen. Wenn sie beispielsweise einen anderen heutigen Neupreis oder eine andere Wertminderung für angemessen hält, bin ich bereit, darüber zu sprechen.
Darauf wollte sie sich bisher allerdings nicht einlassen. Sie hält die 3.600 € für völlig unangemessen und argumentiert inzwischen vor allem mit den unterschiedlichen finanziellen Folgen der Trennung.
Ihr Argument ist sinngemäß:
>Du kannst in der Wohnung meiner Eltern bleiben und hast dadurch sehr viel geringere Kosten. Ich muss ausziehen, einen neuen Haushalt aufbauen, einen Umzug bezahlen und viele Dinge neu kaufen. Du kommst deshalb finanziell sehr günstig aus der Trennung, während ich die Kosten tragen muss. Das ist ungerecht und Du musst das ausgleichen.
Ich kann diesen Punkt durchaus nachvollziehen. Ich sehe, dass ihre tatsächliche finanzielle Belastung durch den Auszug wahrscheinlich deutlich höher ist als meine. Und ich bin deshalb auch bereit, über den reinen Zeitwert des Hausrats hinauszugehen.
Was mir schwerfällt, ist aber die Schlussfolgerung, dass ich deshalb einen Betrag von 10.000 € zahlen sollte.
Mein aktueller Gedanke wäre, den errechneten Betrag von 3.600 € großzügig auf 4.000 € aufzurunden und zusätzlich 1.000 € freiwillig zu zahlen. Insgesamt also 5.000 €. Außerdem wäre ich bereit, bestimmte Verpflichtungen im Zusammenhang mit ihrem Auszug, beispielsweise Schönheitsreparaturen, zu übernehmen.
Damit würde ich also ausdrücklich anerkennen, dass die Situation für sie finanziell ungünstiger ist, ohne ihre gesamten zusätzlichen Trennungskosten zu übernehmen.
Mein Problem ist dabei auch: Sie hat die Trennung initiiert. Ich frage mich deshalb, ob es wirklich meine Aufgabe ist, einen erheblichen Teil der finanziellen Folgen ihrer Entscheidung zu übernehmen. Gleichzeitig frage ich mich, ob das zu kurz gedacht ist: Schließlich kann sie ja nichts dafür, dass die Wohnung meinen Eltern gehört und sie deshalb faktisch diejenige ist, die ausziehen muss. Die wirtschaftliche Ungleichheit entsteht also nicht ausschließlich durch ihre Entscheidung.
Meine Fragen an Euch wären deshalb:
- Ist es grundsätzlich fair, die finanziellen Folgen des Auszugs bei der Hausratsregelung teilweise zu berücksichtigen, obwohl sie die Trennung initiiert hat?
- Sind 5.000 € bei einem von mir errechneten Hausratswert von ca. 7.800 € ein angemessener Kompromiss – oder übersehe ich etwas Wesentliches?
- Wie würdet Ihr mit dem Argument umgehen: „Du hast durch die Wohnung einen großen finanziellen Vorteil, deshalb musst Du mich an meinen Trennungskosten beteiligen“?
Mir geht es ausdrücklich nicht darum, meine Ex möglichst billig abzufinden. Ich möchte vielmehr eine Lösung finden, die ihre tatsächliche Belastung anerkennt, ohne dass ich letztlich einen Betrag zahlen soll, dessen Höhe ich nicht nachvollziehen kann.
Und ich würde tatsächlich gerne auch hören, wenn Ihr findet, dass ich an irgendeiner Stelle unfair oder zu sehr auf meiner eigenen Perspektive beharre.