Waren unsere Eltern früher vielleicht gar nicht streng – sondern wir Kinder nur zu anstrengend?
Am Anfang steht der gute Vorsatz – und dann kommt das Kind.
Man nimmt sich fest vor, dem eigenen Kind mehr Freiheiten zu lassen, als man sie selbst früher hatte. Also drückt man öfter mal ein Auge zu: Es wird morgens im Bett gefrühstückt, beim Fernsehen Sushi bestellt und alles ein bisschen lockerer gesehen.
Doch nach und nach merkt man, wie man schleichend immer strenger wird. Hier ein Fleck auf dem Bett. Beim ersten Mal kein Problem, aber wenn es sich häuft, schränkt man es ein oder verbietet es ganz. Eigentlich galt bei uns immer die Regel: Erst umziehen, dann fernsehen. Jedes Mal, wenn wir eine Ausnahme machen, rächt es sich sofort. Auch Spielzeug darf unser Sohn grundsätzlich überall stehen lassen – bis es irgendwann überhand nimmt.
Heute bin ich wieder mal über etwas gestolpert und erwischte mich bei dem Gedanken: „Alles, worauf ich trete, fliegt ab jetzt direkt in den Müll!“ Kurz darauf kam mir eine andere Frage: "Ist meine Mutter früher vielleicht genauso locker gestartet – und wir Kinder haben uns diese Freiheiten einfach selbst verspielt?"
Klar ist: Kinder brauchen Regeln. Wenn sie keine bekommen, fordern sie diese auf ihre eigene Weise früher oder später ein. Und natürlich versuche ich weiterhin, meinem Sohn ein besseres Aufwachsen zu ermöglichen, als ich es hatte.
Am besten sind die Regeln, bei denen man sich schon während des Satzes fragt, welchen Unsinn man da gerade labert. Aber Rückzieher gibt es nicht: Wenn man nicht konsequent bleibt, verliert man jede Glaubwürdigkeit.
Aber ich wollte diesen Gedanken einfach mal teilen: Geht es anderen von euch ähnlich? Erwischt ihr euch auch manchmal bei diesen Verhaltensmustern?