u/RiraRuslan

▲ 4 r/ADHS

Elvanse 50mg

Hallo allerseits,

Es ist Monat 7 meiner Medikamenten-Reise und gefühlt bin ich fast angekommen.

Die Reise sah bisher so aus:
ATX 40mg -> 1 Woche -> 80mg -> 8 Wochen -> Ritalin 5mg 2x -> 4 Wochen -> Ritalin LA 20 mg -> 4 Wochen -> Elvanse 30 mg -> 4 Wochen -> Elvanse 50mg -> 4 Wochen

Auf ATX hatte ich einige Nebenwirkungen: war wie in einer Bubble, hatte trockenen Mund, Kopfschmerzen, irgendwie war das Urinieren weird. Konzentration OK. Keine exekutive Funktion. Ritalin war Wellenreiten. Gefühlt nur 1h Wirkung. Elvanse 30mg hat mir geholfen konzentriert durchzuarbeiten aber erst 50mg waren ein Gamechanger.

So - woche 1 und 2 waren wirklich krass. Deutlich weniger Rauchen und absolute Disziplin. Hab alles gemacht, was ich machen musste. Wäsche, wohnung, verpflichtungen, arbeit. Ohne zögern ohne nichts. Kein Fingernägel knabbern. Also richtig krass. Aber, mitte der zweiten woche hab ich gemerkt, wie ich langsam nachlasse. Wohnung wirde immer messier, in woche drei beiße ich wieder Nägel. Gefühlt beginnt die Musik in meinem Kopf um 16 Uhr wieder zu spielen. Und am frühen Abend merke ich kaum noch was. ​​Was in den ersten 2 Wochen gesehen und gemacht wurde, wird jetzt vlt gesehen aber nicht gemacht.

Und jetzt kommt die Frage. War das Honey Moon und ich muss jetzt stärker am Verhalten arbeiten? Hat sich der Körper an Elvanse soweit gewöhnt, dass ich nicht mehr adäquat reagiere?

Ich bin eher der Typ, der sagt, weniger ist mehr. Das war bei jeder eindosierung so und es war eher der Psychiater, der gesagt hat, nein keine Sorge - wir brauchen mehr. Daher hat er auch bei 50mg gesagt, wahrscheinlich werden wir 70mg brauchen. Jetzt weiß ich aber nicht, ob ich nun die "minimale Wirkung" erreicht habe und den Rest durcharbeiten muss oder ob das wirklich ein Case für eine Erhöhung wird.

Geht nicht darum, mit euch das Herauszufinden - das mache ich mit dem Dok - aber wenn ihr teilen könnt, ob das so ähnlich bei euch war.

Bin in AT und hier gibt's anscheinend nur 30-50-70 ​

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u/RiraRuslan — 19 hours ago
▲ 3 r/ADHS

Follow-Up zu meinem ersten [Post](https://www.reddit.com/r/ADHS/s/pu7yUaEkM5) in den ersten Tagen.

Die erste Woche auf Elvanse neigt sich mit dem heutigen Tag seinem Ende zu.

Ich muss sagen, dass der Unterschied für mich persönlich wie Tag und Nacht ist. Durch die voraussichtliche Wirkdauer nehme ich Elvanse immer gegen 6 Uhr in der Früh und wenn ich da noch müde sein sollte, dann schlafe ich einfach weiter und wache bereits frisch und mit Wirkbeginn auf.

Der Tag beginnt dann bereits Zielstrebig, sodass ich ein kleines Frühstück mache, gleich aufräume, evtl. Noch vom Vorabend, wenn ich was vergessen habe, gleich mit verräume, ggf. die Wäsche mit Timer in die Maschine schmeiße, damit ich sie gleich aufhängen kann, wenn ich nach der Arbeit heim komme. An einem Tag hab ich probiert mit der Einnahme aufzustehen. Das war eine kleine Katastrophe, weil ich ein Momentum in den Tag genommen habe, dass erstmal voll von Zigaretten und Decaf war. Elvanse hat mich zwar nicht weitergetrieben über den Tag mehr zu rauchen aber die Belastung war schon in der Früh höher, weswegen mein Kreislauf in den ersten Stunden schon recht beansprucht wurde und das dann einen kleine Kettenreaktion auslöst. Ich würde dann mit dem Bike zur Arbeit fahren, der Puls und der Blutdruck wäre bereits höher und das schleppt sich dann durch den Tag bzw. Braucht es dann länger um wieder runterzukommen.

Der normale Tag würde aber nur mit 1-2 HEETS, einem Frühstück, kurzen Aufräumarbeiten und einem Decaf starten. An manchen Tagen bin ich dann aber doch mal eskaliert und hab einfach die halbe Wohnung noch vor der Arbeit geputzt.

Auf der Arbeit selbst merke ich genauso deutliche unterschiede. Ich bin zum Teil 0 ablenkbar. Ich parke Sachen und komme zu ihnen zurück. Ich erledige alles sofort, wie unangenehm es auch sein kann. Meinem Umfällt fällt auf, dass ich deutlich happier und beteiligter bin, auch in den Meetings sage ich was ich denke und bin plötzlich einfach präsenter. Die Energie, die ich sonst in 1000 Gedanken gesteckt hab, kommt mir jetzt zugute, wenn ich kritische Gespräche führen muss und davon habe ich in meiner Rolle nicht wenige. Das heißt aber für mich, dass ich eher bereit bin ich ein Gespräch zu gehen und meine Meinung zu sagen und dann aber gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten - das war echt erfrischend abwechslungsreich.

Gleichzeitig hab ich die Woche absolut ohne Probleme auf jedes Süße verzichten können - zu keinem einzigen Anlass hab ich zugegriffen, weil ich den Körper nicht noch mehr unnötig belasten möchte. Der Kampf, den ich vorher mit mir selbst führen musste ich es jetzt deutlich leichter.

Gleichzeitig muss ich sagen, dass ich jetzt nach der Woche eine merklich geringere Wirkung spüre. Meine Hypothese ist, dass der Kontrast vorher einfach klarer - krasser war und es leichter gewesen ist, dem Impuls der Wirkung zu folgen. Sobald man sich an die Wirkung gewöhnt kicken wieder die üblichen Verhaltensmuster und es normalisiert sich. Wobei ich sagen muss auch an einem schlechten Tag wie jetzt am Mittwoch, hatte ich zwar 0 bock auf nichts aber das hat mich nicht aufgehalten, aufzustehen und Dinge dennoch zu erledigen.

Ich würde sagen von allen drei Medikamenten, die ich in den letzten 6 Monaten ausprobiert habe, hat Elvanse das erste Mal gezeigt, wie es funktionieren kann. Ich hatte weder auf. ATX noch MPH eine solche Wirkung - und auch auf LDX30mg war ich weit davon entfernt, was ich heute auf 50mg fühle.

Bisweilen fallen mir sonst keine großartigen Nachteile auf.

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u/RiraRuslan — 20 days ago
▲ 25 r/ADHS

Ich hab inzwischen Atomoxetin und Ritalin hinter mir. Auf Atomoxetin war ich emotional zwar stabiler und irgendwie geglätteter, aber dafür weiterhin ziemlich unkonzentriert. Mit Ritalin kam ich einfach nicht klar, vor allem wegen der kurzen Wirkdauer. Auch die retardierte Variante hat für mich nicht wirklich gepasst.

Deshalb sind mein Arzt und ich auf Elvanse umgestiegen. Die Hoffnung war, dass es länger wirkt, ich mich besser konzentrieren kann und emotional nicht mehr so Achterbahn fahre.

Auf 30 mg war ich tatsächlich konzentrierter und konnte zum ersten Mal einen Arbeitstag relativ gut durcharbeiten. Aber gleichzeitig ist mein Rauchkonsum massiv gestiegen und emotional hatte ich eher das Gefühl, dass die Achterbahn sogar minimal stärker geworden ist.

Arbeit ging also besser, aber Haushalt und generell Executive Dysfunction waren immer noch bei null. Dazu kommt, dass ich ohnehin mit Tachykardie und erhöhtem Blutdruck zu tun habe, und Elvanse hat da leider nicht gerade geholfen. Zumal ich meine Blutdruckmedikation eigentlich reduziert hatte. Trotz dieser Sorgen haben mein Arzt und ich entschieden, auf 50 mg zu erhöhen.

Heute ist Tag 3 auf Elvanse 50 mg und ich muss sagen: Im Vergleich zu 30 mg ist es wie Tag und Nacht.

30 mg haben sich für mich eher wie chaotische Effizienz angefühlt. Manche Dinge gingen plötzlich super, andere weiterhin gar nicht.

50 mg nehme ich aktuell zwischen 6 und 7 Uhr morgens und schlafe danach nochmal weiter. Dadurch wache ich ungefähr zum Wirkeintritt auf und der Tag hat direkt ein ganz anderes Momentum.

In den letzten zwei Tagen habe ich mein Bike zur Reparatur gebracht, die Wohnung an zwei Tagen grundgereinigt, war ohne Stress einkaufen und habe Dinge einfach gemacht. Ich habe gekocht, weil ich wusste, dass ich kochen muss, damit ich nicht wieder Fast Food esse. Ich hatte kaum Probleme, auf Zucker zu verzichten, keine süßen Säfte, und mein Rauchkonsum ist deutlich runtergegangen. Statt ungefähr 30 HEETS auf 30 mg bin ich jetzt bei ca. 15 und habe viel weniger Rauchverlangen.

Auf 30 mg habe ich Decaf getrunken, als wäre es Wasser. Teilweise 10 Tassen am Tag, obwohl ich vor einem Jahr eigentlich Kaffee abgeschworen habe. Auf 50 mg waren es vielleicht 3 Tassen. Dieses Gefühl, ständig irgendeinem kleinen Dopamin-Kick hinterherjagen zu müssen, ist einfach deutlich geringer geworden.

Ich war sogar mit meiner Partnerin spazieren. Einfach so. Normalerweise ist es für mich schon ein Krampf, überhaupt eine Entscheidung zu treffen und sie dann auch umzusetzen. In den letzten zwei Tagen habe ich Dinge einfach gemacht.

Ich habe alle losen Blätter in der Wohnung eingescannt, physisch abgelegt und Rechnungen eingereicht. Nach dem Kochen habe ich die Küche direkt sauber gemacht. Alles, was ich normalerweise liegen lasse, weil ich es „ja auch später machen kann“, war plötzlich einfach sofort erledigt. Alle Wäscheberge sind gewaschen, getrocknet, gefaltet und im Schrank verstaut.

Das Beste war aber gestern Nachmittag. Ich habe mich auf die Terrasse gesetzt, der Sonne entgegen, und einfach spanische Gitarrenmusik im Hintergrund gehört. Kein Handy, keine tausend Gedanken, keine Angst vor der Zukunft, keine Sorgen aus der Vergangenheit. Einfach nur Zufriedenheit.

Und das Verrückte: Sogar mein Ruhepuls ist sichtbar runtergegangen.

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u/RiraRuslan — 25 days ago