u/Salt_Lengthiness_462

▲ 54 r/medizin

Logbuch Innere Medizin: Die Fallzahlen sind unrealistisch

Mir ist schon klar, dass die Fallzahlen so hoch angesetzt sind, damit die Chefs mehr Hebel haben bis zum letzten Moment der Weiterbildung.

Es sind viele verschiedene Prozeduren gelistet, an die man faktisch gar nicht rankommt, weil diese eher von den spezialisierten Abteilungen bzw. den favorisierten WA durchgeführt werden.

Welcher Allgemeininternist hat 400 (+100) Jugendliche TTEs? Oder 50 Gastrokopien. Arterien und Venenduplex werden vornehmlich von der Gefäßchirurgie gemacht. Etc.

Es fängt jetzt schon an, dass mir Zahlen nicht genehmigt werden bei Rotationen, weil der Chef mich nicht mochte.

Ist das wirklich allseits bekannt, dass die Zahlen Fantasiezahlen sind oder wird mir mal jemand einen Strick daraus drehen?

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▲ 93 r/medizin

Das Kassensitz-System gehört reformiert

Das deutsche System der Kassensitze wurde ursprünglich in den 1990er Jahren mit einer völlig anderen Absicht eingeführt, als es seine heutige Wirkung vermuten lässt. Das primäre Ziel des Gesetzgebers war es damals, eine gerechte Verteilung von Ärztinnen und Ärzten über das gesamte Bundesgebiet zu gewährleisten und gleichzeitig die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen zu decken.

Vor dieser Regulierung herrschte in attraktiven Ballungsräumen eine extreme Überversorgung, während ländliche Regionen leer ausgingen. Um diese Ballung im städtischen Raum einzudämmen und eine Kostenexplosion im Gesundheitssystem zu verhindern, wurde der ambulante Markt gedeckelt. Die Kassenärztlichen Vereinigungen erhielten im Gegenzug den Auftrag, die flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Heute zeigt sich jedoch eine tiefe Kluft zwischen der theoretischen Planung und der gelebten Realität, was zu den beschriebenen Fehlentwicklungen führt.

Ein Problem ist beispielsweise, dass komplette Kassensitze in Teilzeit geführt werden können, entsteht auf dem Papier oft das Bild einer perfekten oder gar überversorgten Region. In der Praxis leisten diese Sitze jedoch häufig viel weniger Arbeitsstunden als ein voller Versorgungsauftrag.

Bezirke werden dadurch für junge Ärztinnen und Ärzte gesperrt, obwohl die Patienten vor Ort monatelang auf Termine warten.. Diese künstliche Verknappung hat den Kassensitz zu einem hochgradig spekulativen Wirtschaftsgut gemacht.

Oft werden Kassensitze eben auch einfach aus strategischen Gründen von Krankenhäusern und MVZs aufgekauft, um sich strategische Zuweiser-Netzwerke für ihre Kliniken zu sichern und ambulante Oligopole aufzubauen. Diese Kassensitze werden oft auch einfach nur nach den Mindestanforderungen betrieben, um diese einfach zu halten und eine Oligo- / oder Monopolstellung zu garantieren.

Für die nachfolgende Generation von Medizinern wird die Niederlassung (vor allem im spezialisierten Bereichen) dadurch fast unmöglich gemacht. Wegen dieser Fehlenkungen entstehen viele zu Unrecht gesperrte Planungsbereiche oder man muss horrende, sechsstellige Summen allein für den Erwerb eines Sitzes aufbringen, während sie gleichzeitig Praxisstrukturen mit erheblichem Investitionsstau übernehmen. Oder als Fachinternist ist man beispielsweise bis ans Lebensende auf unattraktive Angestelltenverhältnisse im ambulanten Bereich oder im Krankenhaus angewiesen. Das System, das einst als Schutz- und Steuerungsinstrument gedacht war, ist heute einfach nur ein Instrument zum Machterhalt bestehender Strukturen und Akteure

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u/Salt_Lengthiness_462 — 16 days ago

Fortbildungsurlaub - wird die Teilnahme an Fortbildungen bei euch gefördert?

Assistenzarzt der Inneren hier. Die Ausbildung durch mein Haus lief bisher mager ab. Das meiste habe ich mir durch Selbststudium beigebracht. Die Anleitung von praktischen Skills seitens von Oberärzten findet wenig statt, genauso wie die Weitergabe von Wissen, da sie keine Zeit / Lust haben zu erklären.

Theoretisches Wissen kann man sich ja glücklicherweise größtenteils selber aneignen, jedoch sieht es bei praktischen Skills (Sonos, Punktionen, ... etc.) anders aus. Für die Dienste muss man sie idealerweise am besten trotzdem können. Festes rotieren in Funktionsbereiche gibt es wenn dann für Altassistenten.

Wenn es eine Möglichkeit gibt irgendwas durchzuführen, wird es entweder eigenständig durchgeführt, sofern man etwas kann, aber angeleitet wird man nicht. Wenn man sich etwas nicht traut oder sich nicht so sicher ist, übernimmt eben wer anders, der es zufällig kann. Wenn man sich berechtigerweise nicht traut, weil man den Patienten nicht gefährden möchte, lernt man es in der Schlussfolge dann halt nie, oder man muss Glück haben, dass jemand es doch einem zeigt.

Es gibt im Tarifvertrag 5 Tage Fortbildungsurlaub im Jahr. Fortbildungen werden wohl genehmigt, wie ich es von anderen Assistenten aus der Vergangenheit gehört habe. Die Vorausplanung erschwert sich jedoch oft im Sinne, dass auch genügend ärztliches Personal auf Station und im Dienstplan verfügbar, um die eigene Abwesenheit abzufangen. Dies war oft ein limitierender Faktor. Erholungsurlaub ist ja für den Arbeitgeber verpflichtend zu geben, Fortbildungsurlaub nicht. Dementsprechend hat das auch oft Vorrang und wenn Kollegen ihre Urlaubswünsche nicht angeben, wird so etwas gerne mal nach hinten gestellt. Dazu kommt, dass Rotationen in den jeweiligen Abteilungen auf 6 Monate begrenzt sind und man eher kurzfristig erfährt, wo man als nächstes rotiert, sodass das auch noch zusätzlich die Planung erschwert.

Anderer Gedanke: Es gibt ja durch den Stellenmangel generell eine Kultur des sich gegenseitig Unterbietens. Sei es durch sich keine Überstunden aufschreiben etc.. Theoretisch sind die Fortbildungen teuer und man fehlt auf Station. Ich könnte mir vorstellen, dass es einigen Chefs lieber ist, wenn man eben nicht so viele Fortbildungen macht. Idealerweise auch günstige ... oder eben gar keine? Wie sieht es an größeren Häusern und Unikliniken aus? Wie ist eure Erfahrung? Irgendwie muss ich meine praktische Ausbildung doch irgendwie gestalten können.

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u/Salt_Lengthiness_462 — 28 days ago