



atypischer Tumorverlauf - unsere Geschichte
Da unsere Geschichte absolut außerhalb der Norm und auch noch nicht zuende ist, möchte ich sie gerne teilen für alle, die eventuell in eine ähnliche Situation kommen, oder vielleicht auch für Tierärzte hier im Channel als Informationen.
San ist ein 4 Jahre alter, fitter Golden Retriever.
Ende März stand er plötzlich gekrümmt im Garten und ich bemerkte an seiner Linken Rippe eine so großflächige Beule, dass ich befürchtete, er habe sich beim Spielen den Brustkorb ausgerenkt.
Wir sind dann sofort zum Notdienst, wo ein Hämatom festgestellt wurde. Die dort zuständige Ärztin zog ihm 4 große Spritzen Blut aus der Beule und kündigte an, dass ein Hämatom von solchem Umfang gut 3 Monate zum verheilen brauchen könnte.
Über den Zeitraum im April wurde die Beule kleiner, bis sie gegen Ende April wieder etwas größer wurde und wir uns vornahmen, bei unserem Haustierarzt vorstellig zu werden. Am Tag des Termins hatten San und sein Freund heftig gespielt und die Beule war deutlich größer als sonst, er zeigte Schmerzanzeichen und war etwas matt.
In der Tierarztpraxis nahm die zuständige Ärztin eine kleine Punktion vor, um nach Entzündungswerten zu sehen, sie meinte jedoch, keine gefunden zu haben, weshalb sie einen Tumor vermutete.
Bevor wir das verdauen konnten polterte die Chefärztin hinein und bot uns sofort eine OP mit CT für den nächsten Tag an, was wir schockiert ablehnten. Schließlich stand ja nur die Vermutung im Raum, dass es ein Tumor sein könnte. Wir ließen also eine Feinnadelaspiration machen, das Ergebnis davon sollte 1-2 Wochen dauern. Nach drei Tagen kam der Anruf: es ist etwas bösartiges, wahrscheinlich ein Weichteilsarkom.
Dann stand der OP Termin sehr schnell für die Woche darauf mit vorigem CT am 19. Mai. Währenddessen gaben wir Metacam.
Dort trafen wir dann zum ersten Mal den Chefarzt der operieren sollte, der sofort sagte: Das ist sehr groß, es kann sein, dass Rippen mit entfernt werden müssen. Wir waren uns einig: sollten Metastasen in der Lunge sein oder zu viele Rippen entfernt werden, bitte anrufen, und dann wird San nicht operiert.
Wir erhielten keinen Anruf und waren guter Dinge, doch als wir San abholten war er nicht operiert. Keine Metastasen, aber der Tumor ist so groß, dass 5 Rippen entfernt werden müssten.
Der Chefarzt zuckte mit den Schultern und grinste (???) als wir nach Alternativen und Palliativ Optionen fragten, schickte uns sogar ohne neues Schmerzmittel nach Hause und mit tausenden Fragezeichen. Ein "Ja ist halt ein Goldie, die kriegen alle Hämangiosarkome" musste er uns noch fröhlich hinterher drücken. Wir machten zeitnahe einen Termin für eine Zweitmeinung bei einer anderen, uns unbekannten Tierärztin aus.
Eine Woche verging und die Beule schwillte ab. Sie war optisch fast nicht mehr sichtbar. Dann bekam San eine Magen-Darm Grippe und wir setzten das Metacam ab, da wir uns nicht sicher waren ob es davon kam (Alles abgeklärt später).
Vielleicht nur ein Zufall, aber danach schwillte die Beule wieder an mit einer zusätzlichen Beule oben drauf, die sich aber ganz anders anfühlt. Viel weicher und verschieblich.
Die Tierärztin der Zweitmeinung sah sich San, die Beule und den Befund an und sagte auch: viel zu groß, wenn es ihrer wäre, sie würde nicht operieren.
Wir ließen uns alles durch den Kopf gehen. Es ist alles so komisch. Wir ließen letzten Dienstag nochmal eine neue Feinnadelaspiration machen und warten noch auf das Ergebnis.
Diese neue Beule auf der Beule wächst ziemlich schnell. Manchmal schwillt es wieder ein bisschen ab.
Aber San geht es gut. Sehr gut sogar. Ganz normal eigentlich. Es ist für mich unbegreiflich, wie kaputt das Immunsystem sein muss bei einem so großen, bösartigen Tumor, und es ihm trotzdem gut geht. Aber ich bin sehr dankbar dafür.
Ich habe natürlich unendlich viel gegoogelt und es passt alles zu einem Mastzelltumor. Die Tierärztin der Zweitmeinung sagte aber, sie hat diese Art von Tumor fast täglich in der Praxis und die sehen anders aus.
Im Befundbericht steht etwas von "Zystischer Tumor" bei der Diagnose aus dem CT. Bei beiden FNAs kam zuerst transparente, leicht gelbliche Flüssigkeit und später Blut.
Es ist alles sehr turbulent für uns, weil wir auch einfach keine Klarheit haben.
Ich ärgere mich so, weil der OP Arzt doch einfach eine Biopsie hätte machen können, als San ohnehin in Narkose lag für das CT. Aber hauptsache wir sollten vorher einen Zettel ausfüllen ob wir für die OP noch Zusatzservices buchen wollen wie Zähne reinigen oder kastrieren... :( Der sieht uns auf jeden Fall nicht wieder.
Sobald ich etwas neues weiß, werde ich diesen Post ergänzen. Falls jemand (egal ob Tierarzt oder Tierbesitzer) mehr Infos haben möchte, kann man mich gern fragen.
Danke fürs lesen, ich hoffe dass diese Verlaufsgeschichte irgendwem in Zukunft weiterhelfen kann.