u/Serenity1701

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Sehr guter Abschluss, dann 1,5 Jahre Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni und ins Management gedrängt, wie geht es jetzt weiter?

TL;DR: M.Sc. mit 1.1 und 24 Jahren, dann an der Uni angefangen mit Ziel Promotion, aber immer mehr Richtung Projektmanagement/Verwaltung/Lehre gedrängt, dadurch (zu) wenig technische Erfahrung: Wie komme ich da am besten raus und welche Möglichkeiten passen vielleicht zu mir, die ich noch gar nicht in Betracht gezogen habe?

Moin zusammen,

ich bin aktuell dabei, meine Karriereplanung etwas besser zu organisieren und in den Griff zu bekommen, da ich mit meiner aktuellen Situation unzufrieden bin. Mein kurzer Werdegang:

  • 2018 Abitur (1.3)
  • 2021 Bachelor (2.1, Bachelorarbeit 1.0)
    • Während des Studiums gearbeitet als HiWi (Tutor)
  • 2024 Master (1.1, Masterarbeit 1.0)
    • Während des Studiums gearbeitet als HiWi (Weiterführung meiner BA in einem Forschungsprojekt, Mitautor auf 3 Publikationen)
    • 6 Monate Auslandsaufenthalt an einer anderen Uni, allerdings nicht als Student, sondern als Research Assistant auf einem Projekt)
  • Bis heute: Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Hört sich ja soweit vermutlich recht normal an für einen akademischen Werdegang. Mein Problem ist aber, dass ich in den 1.5 Jahren als WiMi kaum einen Fortschritt gemacht habe, was die Forschung/PhD angeht, und auch viel zu wenig technisch arbeite. Der ursprüngliche Plan war mal anders, aber wie es mit Plänen so ist, ändern die sich schnell, und plötzlich bin ich irgendwie in ein schon laufendes, relativ großes EU-Forschungsprojekt geraten und leite da jetzt ein Work Package. Davon abgesehen mache ich auch das interne Projektmanagement bei uns für besagtes Projekt, etwas der technischen Projektarbeit, jedes Semester Lehre mit praktischen Übungen, und noch sehr viele andere Kleinigkeiten (hier den Raumplan ändern, da ein Paper reviewen, dort eine Übung für ein Summer School vorbereiten). Eigentlich wollte ich doch nur coole Dinge mit Robotern machen und ein wenig forschen...

Ich glaube, ich bin in diese klassische "Der regelt das gut und zuverlässig, also geben wir ihm noch mehr davon"-Falle geraten. Nur leider bringen mir diese ganzen "Nebentätigkeiten" an der Uni reichlich wenig, hier dümpelt man ja nur auf befristeten Verträgen herum und ist (bis auf ein paar Ausnahmen) nach ein paar Jahren dann mit oder ohne PhD wieder weg. Und so sehe ich, wie bei mir viele Dinge ankommen, die nichts mit Forschung oder technischen Arbeit zu tun haben (aber natürlich mindestens zu 50% Notfälle sind und sofort gemacht werden müssen), und wie viele andere Leute hier mehr Zeit für ihre eigentlichen Ziele/Projekte/Publikationen haben und somit langfristig an mir vorbeiziehen.

Ich habe schon Gespräche geführt und auch relativ deutlich gesagt, dass es so nicht weitergehen kann. Scheint allerdings nur begrenzt gut gewirkt zu haben, also dachte ich mir, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, um mich mal nach Alternativen umzuschauen.

Im Wesentlichen sehe ich für potentielle Jobs drei verschiedene Bereiche: Technische Arbeit, Management, oder Lehre. In allen Bereichen stecke ich etwas drin, aber sie sind auch alle mit einem großem "Aber" versehen:

Technische Arbeit

  • Ich war schon im Studium und in den Projekten/Abschlussarbeiten immer gut beim Programmieren dabei
  • Wir machen jetzt auch hardware- und roboternahe Sachen, da steckt also eine ganze Menge debugging mit drin
  • Ich habe ein gutes Wissen über KI (nicht nur Anwender von LLMs, sondern auch Algorithmen/Implementierungswissen und -erfahrung über "klassische" neuronale Netze, Reinforcement Learning, Schwarmverhalten etc)
  • Ich habe mich mit vielen Tools/Hilfsmitteln/libraries/etc auseinandergesetzt (z.B. Docker, Linux, CUDA, ROS, Git, Simulationsumgebungen, ...)

ABER

  • Ich habe keine Erfahrung, was wirklich große und produktionsreife Systeme angeht
  • Alle der genannten Tools etc habe ich mir schnell selbst beigebracht, wenn ich es halt gerade gebraucht habe, aber das macht mich natürlich nicht zu einem Experten

Projektmanagement/Organisation

  • Ich bin intern für unser Projekt verantwortlich, inklusive Budgetverantwortung, an neuen Projektanträgen mitschreiben, Aufgabenplanung, ...
  • Ich leite fast alleine ein Work Package von einem großen EU-Projekt (generelle Organisation/Meetings, Deliverables, Reviews, KPI tracking, Präsentationen, Kollaborationsprojekte, ...)
  • Viele andere bürokratische Kleinigkeiten, die durch den öD und insbesondere durch das Zusammenspiel von öD-Regelungen und EU-Projektvorschriften entstehen

ABER

  • Ich habe keinen Schimmer von irgendwelchen Ticketsystemen, Storypoints oder Ähnlichem, was vermutlich deutlich näher an der klassischen Wirtschaft ist, als ein EU-Projekt

Lehre

  • Praktische Übungen für verschiedene Module (hauptsächlich robotic labs), in einem Modul habe ich die meisten Übungen auch neu konzipiert und Übungsblätter, templates, Musterlösungen, Simulationsumgebungen bereitgestellt
  • Klausurerstellung und -korrektur, mündliche Prüfungen
  • Laut Evaluationsberichten überdurchschnittlich gut von Studis bewertet
  • Ehrenamtliche Kursleitung im Bereich Begabtenförderung

ABER

  • Kein Lehramtsstudium, keine pädagogischen oder didaktischen Fortbildungen/Module besucht

Ich denke, ihr seht mein aktuelles Dilemma. Ich halte mich für ziemlich flexibel und lerne schnell dazu, aber ich stecke einfach in zu viele Bereichen jeweils ein bisschen drin (oder sehr nischig) und sehe, falls es so weitergeht, nicht wirklich großes Zukunftspotential in meiner jetzigen Situation. Was sind eure Ideen und Vorschläge für mich? War vielleicht schonmal jemand in einer ähnlichen Situation und ist da gut herausgekommen? Oder gibt es vielleicht nischige/interdisziplinäre Jobs, die gut zu meinem Profil passen und die ich vielleicht noch gar nicht kenne? Danke fürs Lesen, wer bis hier hin gekommen ist :)

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u/Serenity1701 — 2 days ago