
31J | 40H | Stellv. NL | Stkl. 4
Nach 12 Jahren als stellv. Niederlassungsleiter kündigen? (Verantwortung vs. Gehalt & Familie)
Hi zusammen,
ich brauche mal einen ehrlichen Realitätscheck von euch. Ich bin letztes Jahr Papa geworden und merke einfach, dass mich mein aktueller Job mental, körperlich und familiär extrem runterzieht. Ich überlege nach 12 Jahren die Reißleine zu ziehen, habe aber wegen des frischen Nachwuchses natürlich auch Respekt vor dem Wechsel.
Hier sind die harten Fakten zu meiner aktuellen Situation:
• Branche & Unternehmensgröße: Logistik / Räder- und Reifenmanagement. Die Firma ist deutschlandweit aufgestellt (über 60 Standorte, mehr als 500 Mitarbeiter) und Marktführer in diesem spezifischen Bereich.
• Jobtitel & Hauptaufgaben: Stellvertretender Niederlassungsleiter (stellv. NL). Ich trage die volle Führungs- und Ablauforganisation für den Standort, packe aber auch körperlich im Lager voll mit an.
• Standort: Berlin
• Berufserfahrung: 12 Jahre Betriebszugehörigkeit im selben Unternehmen.
• Arbeitszeitmodell:
- Nebensaison: Feste Arbeitszeiten von 07:00 bis 15:30 Uhr.
- Wechselsaison (ca. 4 Monate im Jahr): 07:00 bis 17:35 Uhr (10h-Tage!). In der Peak-Zeit müssen täglich 300–500 Radsätze für Kunden bereitgestellt werden.
- Überstunden: Laufen auf ein Zeitkonto, das man „irgendwann mal abfeiern“ kann.
• Sonderkonditionen: In den 4 Monaten der Wechselsaison gilt eine absolute Urlaubssperre. Genau die Zeit, in der meine Partnerin mich mit dem Baby bräuchte und ich die Entwicklung meines Kindes verpasse.
• Das Gehalts-Problem (Der Knaller): Ein neu eingestellter, normaler Lagermitarbeiter (ohne jegliche Führungsverantwortung) verdient bei uns im Schnitt gerade mal 0,70 € brutto die Stunde WENIGER als ich. Ich trage also die gesamte Verantwortung für den Standort beim Marktführer für quasi denselben Lohn wie ein Berufseinsteiger ohne Verantwortung.
Einerseits ist der Job nach 12 Jahren eine absolute Komfortzone, man kennt alles und jeden. Andererseits fühle ich mich finanziell und menschlich extrem unterwertschätzt. Keine neuen Mitarbeiter kommen nach, weil der Job zu hart ist, wodurch die Last auf immer weniger Schultern verteilt wird.
Was meint ihr: Ist es Zeit zu gehen? Was kann ich mit 12 Jahren Erfahrung als stellv. NL auf dem Berliner Arbeitsmarkt in familienfreundlicheren Logistikbetrieben (ohne diese extremen Reifenwechsel-Saisons) erwarten?