Preise für Whitepaper erstellung?
Ich bin freiberuflicher Webdesigner in Deutschland. Meine üblichen
Kunden sind kleine Betriebe, mein Preisgefühl ist entsprechend darauf
geeicht. Das hier ist mein erster Konzernkunde und ich kann die Zahl
ehrlich nicht einschätzen.
Der Kunde ist ein Schweizer B2B-Tech-Unternehmen, ein paar hundert
Mitarbeiter, Teil einer deutlich größeren Gruppe. Ich bin über eine
Empfehlung von einer Führungskraft dort reingekommen, stehe also
nicht im Wettbewerb mit anderen Angeboten. Sie wollen mich parallel
als festen Lieferanten onboarden, es geht also um eine langfristige
Zusammenarbeit und nicht um einen Einmaljob.
DER AUFTRAG
Sie haben ein halbfertiges Whitepaper. Ihre Inhouse-Designerin hat die
Hülle gebaut: Cover, Rückseite, eine Beispiel-Inhaltsseite mit Grafik
und Typografie-Angaben, und die letzte Seite.
Das Inhaltsverzeichnis verspricht 8 Kapitel. Vier existieren. Zwei
Doppelseiten stehen noch auf Lorem ipsum, drei Kapitel gibt es
überhaupt nicht. Das Dokument wächst von 11 auf etwa 16 Seiten.
Ich liefere: 5 Kapitel auf Englisch schreiben (technisches B2B-Thema),
im vorhandenen Design layouten, Grafiken dazu bauen, Inhaltsverzeichnis
und Seitenzahlen richtigstellen, Absatzformate anlegen (die Datei hat
aktuell keine, es wurde alles per Hand formatiert). Rückgabe als
InDesign-Quelldatei plus Druck-PDF.
Danach warten noch etwa 20 weitere Whitepaper, die genauso überarbeitet
werden sollen.
MEINE SCHÄTZUNG
Rund 49 Stunden für dieses Dokument, davon etwa 12 einmalige
InDesign-Einarbeitung, weil ich aus dem Web komme und nicht aus dem
Print. Das Schreiben sind 12 Stunden, das reine Layout-Nachbauen nur
etwa 8. Ich rechne mit 8 Tagen inklusive zwei Korrekturschleifen.
HIER STECKE ICH FEST
Mein Kontakt im Unternehmen meint, ich soll mit Tagessatz arbeiten und
schlägt 400 bis 500 € vor, wegen der Empfehlung dann 300 €. Er meint
es gut und kennt das Budget dort, aber 300 € netto nach Steuer und
Krankenkasse sind bei mir noch etwa 22 € die Stunde. Das würde dann
auch für alle 20 Folgedokumente gelten.
Ich hatte selbst eher an 750 € normal und 600 € für diesen Kunden
gedacht, also 4.800 € für dieses Projekt.
MEINE FRAGEN
Was ist als deutscher Solo-Freelancer bei einem Schweizer
Konzernkunden ein realistischer Tagessatz? Mir ist klar, dass ich
keine Agenturpreise aufrufen kann, aber 300 € kommen mir zu niedrig
vor.
Tagessatz nennen oder lieber nur einen Festpreis pro Dokument? Ich
arbeite schnell, und bei einem Tagessatz bestrafe ich mich dafür.
Erstes Projekt bewusst günstiger als Türöffner, oder versaue ich mir
damit den Anker für die 20 Folgeaufträge?
Zur Einordnung: Agenturen dort rechnen mit 180 bis 250 CHF pro Stunde.
Ich weiß nicht, in welchem Verhältnis ich dazu stehen sollte.