Erfahrungsbericht Arbeitsmedizin
In Bezug auf meine Ankündigung hier mit einiger Verspätung mein Bericht nach dem Wechsle in die Arbeitsmedizin:
Ich hätte nie gedacht, dass ein Fachwechsel mein Leben so verändern kann. Nach Jahren in der Klinik, 60‑Stunden‑Wochen und dem Gefühl, ständig hinterherzulaufen, bin ich in die Arbeitsmedizin gewechselt und arbeite jetzt als Werksarzt in der chemisch/pharmazeutischen Industrie.
Heute habe ich eine 30‑Stunden‑Woche, arbeite zwischen 8 bis 15 Uhr und kann meinen Tag flexibel gestalten. Plötzlich habe ich Zeit: für meine Familie, für mich selbst, für Sport (ich habe sogar eine neue Sportart für mich entdeckt). Und ich merke, wie gut mir dieser neue Rhythmus tut.
Beruflich fühlt es sich an, als hätte ich auf die Bremse getreten, aber im besten Sinne. Die Mischung aus Arbeitsmedizin, Notfallmedizin und meinem alten Fachgebiet Ortho/UC macht mir richtig Spaß. Ich kann mir Zeit für die Menschen nehmen, die sie brauchen, und ich sehe viele im Verlauf wieder. Das ist unglaublich befriedigend und ganz anders als der Klinik‑Durchlaufbetrieb.
Erstaunlicherweise habe ich den OP bisher keinen Tag vermisst, obwohl für mich jeder Tag ohne OP früher frustrierend war.
Finanziell passt es ebenfalls. In der Weiterbildung liege ich beim Stundenlohn auf Oberarzt‑Niveau, verglichen mit den Tarifverträgen der Caritas. Von Kolleginnen und Kollegen höre ich aber sehr unterschiedliche Zahlen, irgendwo zwischen 70k und 120k plus Bonus, je nach Arbeitgeber. Die Industrie zahlt dabei eindeutig am besten. Bei meiner Einstellung war tatsächlich auch mal Verhandlungsspielraum, anders als ich es in der Klinik erlebt hab.
Kurz gesagt: Der Wechsel war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.