Umgang mit der Erzählung des Ausgabenproblems
Wir hören oft "Wir haben kein Einnahmenproblem, sondern ein Ausgabenproblem" von vielen Wirtschaftslobbyisten und durch diese von Populismusmagazinen und durch diese von einfachen Menschen. Es ist ein sehr beliebter narrativ im Land.
Ich empfehle jedem, der nicht dem narrativ verfallen ist, diese Leute zu fragen: Wem willst du Geld wegnehmen, und warum denen statt den Milliardären?
Warum ist das die korrekte Frage? VWL kennt kein Ausgaben vs Einnahmen. VWL kennt nur die Bilanz und am Ende ist Geld immer 0. Damit einer 100€ bekommen kann, muss jemand anderes 100€ ausgeben. Wenn wir also fordern, dass Milliardäre besteuert werden müssen, nimmt der Staat das ein und muss es wo anders wieder ausgeben, weil ein Staat faktisch kein Geld "behalten" kann (Ich werde jetzt nicht FIAT erklären).
Wenn ein Staat stattdessen Ausgaben kürzt, um z.B. eine EkSt reform zu machen, bekommt irgendwer kein Geld mehr. Kürzungen bei Rente heißt die Renten sinken. Kürzungen in Bau bedeuten weniger Sozialwohnungen, weniger Wohnungen, höhere Mieten und damit weniger Geld bei denen, deren EkSt jetzt gesenkt wurde.
Akutes Beispiel: man schlägt eine Gesundheitsreform vor um die Zusatzbeiträge stabil zu halten, erhöht aber die Selbstzahlung für Medikamente. Ja die Leute haben nicht weniger Netto, aber ihre Ausgaben für Medikamente steigen, wodurch die betroffenen deutlich weniger Netto haben. Solche Reformen sind wertlos, weil sie die Probleme nicht lösen und das muss in der Bevölkerung besser verstanden werden.
Also immer wenn jemand sagt "Wir haben ein Ausgabenproblem" sofort fragen: Wer soll weniger bekommen und warum soll der weniger bekommen, aber nicht der Milliardär?