Muss der Länderfinanzausgleich weg? - Grafik von Prof. Klaus Adams, Uni Mannheim

Muss der Länderfinanzausgleich weg? - Grafik von Prof. Klaus Adams, Uni Mannheim

Quelle: Die Grafik stammt von Prof. Adams von der Uni Mannheim: https://x.com/klaus_adam/status/2088192440574349391

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Die Grafik zeigt die Pro-Kopf-Umverteilung durch den Länderfinanzausgleich.
Bayern zahlt jährlich pro Einwohner 880 EUR an Finanzausgleich. Bremen erhält jährlich pro Einwohner 1448 EUR.

Rechnet man diese Werte auf die durchschnittliche Lebensdauer hoch, ergibt sich eine gewaltige Umverteilung.

  • Der durchschnittliche Bayer, der sein gesamtes Leben in Bayern verbringt und 80 Jahre alt wird, zahlt über sein gesamtes Leben 70 400 EUR an Länderfinanzausgleich.
  • Der durchschnittliche Bremer erhält über sein gesamtes Leben 115 840 EUR.
  • Auch der Osten kommt sehr gut weg. In Thüringen , MeckPom, Sachsen-Anhalt und Sachsen erhält man in 80 Jahren zwischen 70 000 und 80 000 EUR an Finanzausgleich.

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Insbesondere der bayrische Ministerpräsident Söder fordert schon seit Jahren eine Reform oder Abschaffung des Länderfinanzausgleichs. Mit Blick auf die Zahlen kann man die Forderung durchaus verstehen.

Aus meiner Sicht sind aber zwei Dinge auseinanderzuhalten.

Einerseits ist berechtigt, über Reformen nachzudenken. Braucht es möglicherweise eine Deckelung der Gelder? Sollten die Gelder mit einer Zweckbindung versehen werden, um sicherzustellen, dass sie sinnvoll ausgegeben werden?

Andererseits dürfen wir aber nicht vergessen, dass der Länderfinanzausgleich ein Gegengewicht zu dem Universalgesetz "Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen" ist. Länder wie Bayern haben sich ihren Wohlstand durchaus durch Fleiß erarbeitet, gleichzeitig erzeugt dieser Erfolg aber einen Sogeffekt.

Bayern hat erfolgreiche Unternehmen
-> die besten Talente wandern nach Bayern
-> die besten Talente sorgen dafür, dass Bayern erfolgreiche Unternehmen hat
-> Bayern hat erfolgreiche Unternehmen

Ähnliche Effekte gibt es überall in der Wirtschaft. Das Silicon-Valley hat eine solche Stellung in der Digitalbranche. Deutschland insgesamt hat eine solche Stellung innerhalb der EU.

Historisch war es m.W. so, dass wirtschaftlich schwächere Regionen oder Staaten sich gegen diese Effekte durch politische Eingriffe in die Wirtschaft gewehrt haben. Zölle, Einfuhrbeschränkungen, Subventionen für heimische Unternehmen.
Dies alles ist innerhalb von Deutschland nicht mehr erlaubt. Weder darf Bremen Zölle auf bayrische Autos erheben, noch darf Bremen mit Subventionen Bremer Unternehmen gegen bayrische Konkurrenten unterstützen.
Im Gegenzug zahlt Bayern dafür Länderfinanzausgleich.

Ich bin deshalb der Meinung:
Wenn der Finanzausgleich vollständig abgeschafft werden sollte, dann müssen wir auch wieder regionale Wirtschaftspolitik erlauben - also Zollgrenzen innerhalb von Deutschland oder andere Maßnahmen.

u/Unusual_Problem132 — 5 days ago

Spanien verlängert die Laufzeit des Atomkraftwerks Almaraz bis 2030. Am Ziel des Atomausstiegs bis 2035 wird trotzdem festgehalten - Reuters

Vor einigen Wochen gab es bereits Berichte darüber, dass die spanische Regierung prüfe, die Laufzeit des AKW zu verlängern. Heute ist nun die Entscheidung gefallen und die Laufzeit wird verlängert.

Spanien betreibt derzeit 5 Atomkraftwerke, die ca. 20% des Strommixes ausmachen. In Deutschland hatten wir einen solchen Anteil zuletzt 2011 vor Fukushima.
Den Atomausstieg hat Spanien bereits per Gesetz festgeschrieben. Bis 2035 sollen alle Reaktoren abgeschaltet werden. Die Abschaltung der ersten beiden Reaktoren, Almaraz I und II, deren Abschaltung für 2027 und 2028 geplant war, wird nun aber um 2 bzw. 3 Jahre verschoben.
Am Ausstiegsziel 2035 soll das laut Regierungsangaben aber nichts ändern.

Als Grund für die Laufzeitverlängerung nennt die Regierung ein verändertes Umfeld an den internationalen Energiemärkten, mehr Volatilität und erhöhte Preise, insbesondere bei Erdgas.
In diesem unsicheren Umfeld könne die Laufzeitverlängerung die Konsumenten vor Preisspitzen bei den Fossilen schützen.
https://www.rtve.es/noticias/20260814/gobierno-renueva-autorizacion-almaraz-junio-2030/17190736.shtml

Laut Reuters diskutieren Experten nun bereits darüber, ob die Laufzeiten der anderen AKW nicht auch verlängert werden sollten. Allein schon, weil ansonsten im Jahr 2030 eine ganze Reihe Kraftwerke gleichzeitig abgeschaltet werden würden, anstatt verteilt über mehrere Jahre.

reuters.com
u/Unusual_Problem132 — 6 days ago

Energiewende ohne Atomkraft unbezahlbar? - Neue Studie von Global Energy Solutions; FAZ berichtet

Über den verlinkten FAZ-Artikel, der mittlerweile hinter einer Paywall ist, bin ich auf die neue Studie von Global Energy Solutions aufmerksam geworden:
https://global-energy-solutions.org/wp-content/uploads/2026/05/DER-KLIMANEUTRALE-STROMMIX-DER-ZUKUNFT-veroeffentlicht-V1.1.pdf

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Die Studie versucht, die Gesamtkosten verschiedener Stromsysteme bzw. Strommixe zu berechnen und zu vergleichen.

Der Blick auf die Systemkosten ist wichtig, weil die reinen Stromgestehungskosten (im Englischen LCOE) viele wichtige Kostenpunkte ausblenden. Die vielzitierte Fraunhofer-Studie enthält beispielsweise ausdrücklich den Hinweis, dass sie Kosten für Netzausbau, Redispatch und Reservestrukturen (Batterien, Reservekraftwerke) ausblendet.
Die Stromgestehungskosten sind deshalb nur ein Teilaspekt der Gesamtstromkosten.

Das Ergebnis der Studie ist, dass ein Ausbau der "fluktuierenden" erneuerbaren Energien - Wind und PV - zu immer höheren Systemkosten führt und den Strom damit im Ergebnis teuer macht. nicht günstiger.

  • Bei 35% Wind+PV im Strommix würden die Gesamtsystemkosten bei knapp unter 15 ct/kWh liegen.
  • Bei 80% Wind+PV würden sie auf 20-22 ct/kWh steigen, je nachdem, ob man zur Ergänzung mehr auf Erdgas der Wasserstoff setzt.
  • Bei 100% Wind+PV würden die Kosten auf 32,5 ct/kWh steigen.

vgl. S. 8 der Studie.

Der hypothetische, rein nach Kosten optimierte Strommix besteht laut Studie zu 80% aus Kernkraft.
Dafür bräuchte Deutschland fast 100 GW an Kernkraftwerken. Die letzten 6 AKW in Deutschland kamen zusammen auf 8,5 GW.
Dieser Strommix würde Gesamtkosten von 12,5 ct/kWh verursachen.
(S. 42 der Studie)

Die Autoren der Studie betonen, dass die einzelnen Zahlenwerte nicht zu hoch gehängt werden sollten, weil die Studie mit vielen Annahmen und Schätzungen arbeite, die mit Unsicherheit behaftet seien.
Zutreffend und wichtig sei aus ihrer Sicht aber die Erkenntnis, dass der Ausbau von Wind und PV die Systemkosten erheblich steigen lasse und Strom im Endeffekt dadurch teurer mache, nicht günstiger.

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Ich selbst habe die Studie nur kurz überflogen, aber eine Sache ist mir direkt aufgefallen.
Die angesetzten Kosten der Kernkraft sind deutlich niedriger als in anderen Studien/Papieren.

Diese Studie verwendet für Kernkraft Stromgestehungskosten/LCOE von 8,2 ct/kWh (vgl. S. 42).

Das entspricht in etwa den Kosten, die Lazard für die Reaktivierung von AKW angibt (7,1 USD-Cent/kWh).
Die Neubaukosten gibt Lazard mit 17-26 ct/kWh an, mehr als dem Doppelten des in der Studie Veranschlagten.
(S. 7 des Lazard LCOE Report 2026, Link)

Um in Deutschland auf die knapp 100 GW Kernkraft zu kommen, die das kostenoptimale Szenario voraussetzt, müssten wir erheblich Neubau betreiben.
Nimmt man anstelle der in der Studie verwendeten 8,2 ct/kWh deshalb einen Wert von 20 ct/kWh, steigen die Gesamtkosten des "kostenoptimalen" Szenarios um 10,5 ct auf 23 ct/kWh.
Das wäre immer noch deutlich günstiger als die 32,5 ct/kWh des Szenarios 100% Wind+PV, aber etwa auf dem Niveau von 80% Wind+PV.

Sehr attraktiv wäre allerdings weiterhin die Reaktivierung alter AKW, vorausgesetzt die Kosten bewegen sich in dem Rahmen der 7-8 ct/kWh, die Lazard und diese Studie verwenden.
Jede GW an gesicherter Leistung senkt den Bedarf an Netzausbau und Reserveinfrastruktur und senkt somit die Gesamtkosten des Stromsystems.

faz.net
u/Unusual_Problem132 — 7 days ago

Ukrainer schalten bei Militärübung US-Panzerbrigade aus - Welt

Die Ukrainer haben zum wiederholten Mal nachgewiesen, dass sie mit ihrer Drohnenkampfführung Nato-Truppen schmerzhafte Gefechtsniederlagen zufügen können.

Im April und Mai dieses Jahres fand in Deutschland eine Militärübung statt, an der u.a. US-Truppen und ukrainische Truppen teilnahmen.
Laut Berichten machten die Ukrainer in den ersten Tagen mit angreifenden US-Panzereinheiten mehrmals kurzen Prozess. Die Amerikaner mussten ihre Taktik umstellen, sich u.a. besser verteilen und tarnen, und verbesserten im Verlauf der zweiwöchigen Übung dann ihre Ergebnisse.

Überraschen dürfte das eigentlich niemanden, denn schon frühere Übungen zeigten, dass die Ukraine den Nato-Truppen noch einiges beibringen kann.

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Aus meiner Sicht gibt es zwei wichtige Erkenntnisse:

  1. Wir sollten die Ukraine nicht belächeln. Insbesondere im Umgang mit Drohnen ist die Ukraine den Nato-Truppen mindestens ebenbürtig, vermutlich eher deutlich vorraus.
  2. Die Nato war bisher anscheinend nicht in der Lage, ausreichend aus dem Ukrainekrieg zu lernen, und ist auf den modernen Drohenkampf schlecht vorbereitet. Sollte es tatsächlich im Baltikum zu einem Krieg mit Russland kommen, ist gut möglich, dass Nato-Truppen in den ersten Wochen und Monaten kräftige Niederlagen mit hohen Verlusten erleiden werden.

Daraus folgt, dass wir dringend mehr von der Ukraine lernen müssen.
Ob es mehr westliche Militärbeobachter in der Ukraine braucht, eine bessere Implementierung neuer Erkenntnisse in unsere Taktiken oder mehr Übungen, kann ich nicht beurteilen. Aber an einer dieser Stellschrauben scheint es zu hapern.

Es wäre sehr schade, wenn diese Versäumnisse eines Tages mit Blut bezahlt werden.

welt.de
u/Unusual_Problem132 — 7 days ago

In Ceuta bauen Migranten auf dem Strand eine Hütten-Siedlung. Die Stadt ist mit der Menge der Ankömmlinge weiterhin überfordert - 20Minutos.es

Quelle: https://www.20minutos.es/ceuta/mas-un-millar-migrantes-sin-espacio-ceti-convierten-playa-trampolin-ceuta-un-campamento-improvisado_7024008_0.html

20Minutos ist eine der größten Online-Zeitungen Spaniens. Sollte also vertrauenswürdig sein.

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Ich wollte eigentlich einen längeren Beitrag über den ganzen Ceuta-Vorfall schreiben, aber bin dann bei der Recherche über diese Bilder gestolpert. Jetzt fehlen mir erstmal die Worte.

Laut Artikel wohnen derzeit auf diesem Strand ca. 1 500 Migranten, 80% Subsahara-Afrikaner, weil die Erstaufnahmeeinrichtungen der Stadt Ceuta weiterhin völlig überfordert sind von der schieren Masse der Menschen.

Immerhin gibt es angeblich eine Gruppe von 150 Sudanesen, die es auf sich genommen haben, den Strand so gut es geht sauber zu halten.

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Der Präsident von Ceuta, Juan Vivas, hat in den letzten Tagen die Zahl der weiterhin in Ceuta befindlichen Migranten auf 8 000 bis 11 000 geschätzt (Link zu RTVE, dem spanischen ÖRR).

Das ist ein Vielfaches der Zahl, die am letzten Wochenende von der spanischen Landesregierung verbreitet wurde. Damals war die Rede von weniger als 3 000.
Außerdem ist es ein Vielfaches der regulären Kapazitäten der Stadt. Wenn ich mich richtig erinnere, hat die Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung Platz für etwa 500 Personen.

u/Unusual_Problem132 — 11 days ago

Ein spanisches Gericht untersagte vor drei Wochen Pushbacks im Meer - und löste damit wohl das aktuelle Chaos in Ceuta aus

Link zur offiziellen Pressemitteilung der spanischen Justiz: https://www.poderjudicial.es/portal/site/cgpj/menuitem.65d2c4456b6ddb628e635fc1dc432ea0/?vgnextoid=a55381836b14f910VgnVCM1000004648ac0aRCRD&vgnextchannel=05bc3da6cbe0a210VgnVCM100000cb34e20aRCRD&vgnextfmt=default&vgnextlocale=es&lang_choosen=es

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Am 08. Juli entschied der spanische "Tribunal Supremo", der in etwa dem deutschen BGH entspricht, dass Push-Backs an der Grenze ("devolucion caliente" = heiße Rückgabe) unzulässig sind, wenn der Flüchtling durchs Meer geschwommen kommt.
Push-Backs seien nur zulässig, wenn Flüchtlinge versuchten, Grenzanlagen zu überwinden, wie z.B. Zäune. Dann dürfte die Grenzschutzpolizei die Eindringlinge direkt nach Marokko zurückschieben.

Das Gericht begründet die Entscheidung mit dem Wortlaut von Zusatzartikel 10 des spanischen Ausländergesetzes.

>Disposición adicional décima. Régimen especial de Ceuta y Melilla.
"[...] mientras intentan superar los elementos de contención fronterizos para cruzar irregularmente [...]"
https://www.boe.es/buscar/act.php?id=BOE-A-2000-544

Zu Deutsch:
[...] während sie versuchen, Elemente der Grenz(ein)dämmung zu überwinden, um irregular die Grenze zu kreuzen [...]

Nur unter dieser Voraussetzung erlaubt das Gesetz eine sofortige Zurückweisung.
Und das Gericht hat entschieden, dass überwinden ("superar") nicht vorliegt, wenn jemand um den Grenzzaun herumschwimmt.

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Es dürfte kein Zufall sein, dass die vielen "Flüchtlinge" der letzten Tage nun genau diesen Weg gewählt haben.

Im Video bei BBC sieht man, wie sie um den Grenzzaun im Südosten von Ceuta herumschwimmen bzw. herumklettern. Die Grenzpolizei darf sie daran seit 3 Wochen nicht mehr hindern und das scheint sich langsam herumgesprochen zu haben.

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Update - 18:00 Uhr, 31.07.26

Bei NTV gibt es nun auch einen Artikel zu den Hintergründen: https://www.n-tv.de/politik/Spanien-Schleuser-Mafia-hat-Gerichtsurteil-eigennuetzig-interpretiert-id31147064.html

Demnach seien vermutlich drei Faktoren zusammengekommen:

  1. Das bereits angesprochene Gerichtsurteil Anfang Juli.
  2. Schleuser sollen unter Berufung auf das Urteil das Gerücht gestreut haben, die Grenze zu Ceuta sei offen.
  3. Die marokkanischen Behörden griffen unerwartet überhaupt nicht ein. Möglicherweise, weil die marokkanische Regierung verärgert ist über diplomatische Annäherungen zwischen Spanien und Algerien.

Die spanische Regierung hat außerdem angekündigt, in Zukunft den Grenzzaun ins Meer hinein mit Schwimmbojen zu verlängern.
Auf diese Art solle auch im Wasser eine physische Grenzanlage geschaffen werden, deren "Überwindung" per Push-Back verhindert werden darf - im Einklang mit dem besprochenen Gerichtsurteil.

bbc.com
u/Unusual_Problem132 — 20 days ago

Wäre Hendrik Wüst ein besserer Kanzler als Friedrich Merz?

Nach dem chaotischen Kabinettsumbau in den letzten Tagen nimmt die Kritik an Friedrich Merz wieder deutlich zu - insbesondere auch aus seiner eigenen Partei.

Die gut vernetzten Journalisten Robin Alexander und Michael Bröcker berichten in den letzten Tagen beide, dass es in der Union rumort. Merz werde immer offener kritisiert, Unterstützer habe er kaum und mittlerweile werde auch konkreter über einen Kanzlertausch diskutiert.

Robin Alexander in seinem Machtwechsel-Podcast: https://machtwechsel.podigee.io/277-neue-episode

Michael Bröcker bei Paul Ronzheimer: https://ronzheimer.podigee.io/787-die-geheimen-kanzler-szenarien-der-cdu-mit-michael-brocker

Michael Bröcker sprach bereits von einer 6-Wochen-Frist. Sollte sich bis dahin die Stimmung nicht verbessern, sollten die Wahlen im Osten krachend verloren gehen, werde ein Kanzleraustausch auf dem Tisch liegen und erörtert werden.

Sollte es zu einem Kanzlerwechsel kommen, wäre Hendrik Wüst aller Wahrscheinlichkeit nach der nächste Kanzler. Er ist Ministerpräsident des einwohnerreichsten Bundeslandes und seit fast 10 Jahren mal mehr, mal weniger erfolgreich. Er ist jung, charismatisch und in der Bevölkerung beliebter als Merz.

Die SPD würde sich laut Bröcker nicht gegen einen Kanzlerwechsel sperren. Aus ihrer Sicht sei alles besser als Neuwahlen.

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Ich muss aber zugeben, dass ich nicht verstehe, was ein Kanzlertausch bringen soll.

Ein Großteil der pateiinternen Kritik kommt von den Leuten, die bis 2025 noch die größten Merz-Fans waren. Aus dem Wirtschaftsflügel, MIT, PKM und aus der Jungen Union.
Diese Leute sind massiv enttäuscht, dass sie nicht das versprochene CDU-pur bekommen. Sie sind enttäuscht, dass Merz sich von der SPD am Nasenring durch die Manege ziehen lässt.
Auch an der Basis und in der Unions-Wählerschaft ist das m.W. der größten Kritikpunkt.

Was würde ein Kanzlerwechsel daran ändern?
Solange die Union nicht bereit ist, nicht zumindest eine Minderheitsregierung zu versuchen, bleibt ihr nichts anderes übrig, als SPD-freundliche Kompromisse einzugehen. Diese Kompromisse werden in der Regel das Gegenteil von CDU-pur sein.

Glauben die Funktionäre in der Union, dass Hendrik Wüst die SPD besser von CDU-pur überzeugen kann?
Oder glauben sie, dass Hendrik Wüst die CDU-Wähler zurückholen kann, ohne CDU-pur zu machen? Indem er die Wähler überzeugt, dass CDU-pur gar nicht wichtig ist?

Ich prophezeie, dass ein Kanzlerwechsel ohne Koalitionswechsel ein Rohrkrepierer werden wird.

u/Unusual_Problem132 — 22 days ago

Entwicklung von Waldbränden und Wildfeuern in Südeuropa und anderen Regionen - EU Forest Fire Report und Daten von GWIS

Quellen:

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Nachdem in den letzten Tagen in vielen Medien wieder verstärkt die Klimaapokalypse-Werbetrommel gerührt wird, habe ich mir mal die Zahlen angesehen.
Das Ergebnis ist ein gemischtes Bild, von einer eskalierenden Apokalypse ist aber wenig zu sehen.

Unterschied: Waldbrand vs. Wildfeuer

Beim Blick auf die Daten muss man zunächst den Unterschied zwischen Waldbrand (Forest fire) und Wildfeuer (Wildfire) beachten. Letzteres ist der Oberbegriff und beinhaltet neben den klassischen Waldbränden auch sonstige Feuer von z.B. Ackern und Wiesen.

Die Grafiken 1 und 2 meines Posts beziehen sich nur auf Waldbrände.
Die Grafiken 3 bis 5 zeigen die Zahlen zu Wildfeuern.

Ich kann nicht beurteilen, welche Zahlen aussagekräftiger sind in Bezug auf Klimaveränderungen und Gefährdungen für Menschen.
Ich tendiere aber zum Oberbegriff der Wildfeuer.

Entwicklung: Waldbrände (Bilder 1 und 2)

Die ersten beiden Grafiken zeigen, dass die Anzahl und Größe von Waldbränden in Südeuropa in den letzten Jahrzehnten nicht gestiegen ist.
Die Größe der jährlich verbrannten Fläche ist minimal rückläufig. Die Anzahl der Brände ist nach einem Anstieg von 1980 bis ca. 2000 in den letzten Jahren wieder stark zurückgegangen.

Entwicklung: Wildfeuer (Bilder 3 bis 5)

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Grafiken nur bis in die Jahre 2012 bzw. 2002 zurückgehen, also einen kürzeren Zeitraum darstellen als die Grafiken zu den Waldbränden.

Insgesamt ist für mich keine Eskalation erkennbar.

Anders als bei den Waldbränden ist in Südeuropa allerdings auch kein Rückgang erkennbar, sondern eher eine Seitwärtsbewegung mit leichter Tendenz in Richtung Wachstum der verbrannten Fläche.

In Deutschland (Bild 4) war das schlimmste Wildfeuerjahr das Jahr 2008.
In den 2010ern gab es eine ganze Reihe mittelschlimme Jahre.
Im Durchschnitt dürften die 00er und 10er in Deutschland auf ähnliche Werte kommen.

Weltweit und EU-weit (Bild 5) es ebenfalls keine Eskalation erkennbar, sondern eine Seitwärtsbewegung mit Tendenz Richtung Abnahme.

u/Unusual_Problem132 — 23 days ago

Seit 2015 wurden in Deutschland 3 Mio. Asylanträge gestellt. Vor 1990 waren es insgesamt nur 0,9 Mio. - bpb, BAMF

Quellen:

  1. Bild: https://www.bpb.de/themen/migration-integration/zahlen-zu-asyl/265708/asylantraege-in-deutschland/#node-content-title-0
  2. Bild: S. 5 von https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Statistik/AsylinZahlen/aktuelle-zahlen-mai-2026.html

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Ich hatte Lust auf Zahlenspiele.
Alle Werte sind gerundet.
Um eine Vergleichbarkeit mit der Zeit vor 1990 herzustellen, sindErst- und Folgeanträge immer addiert.
Die ca. 1 Mio. Ukrainer, die ab 2022 gekommen sind, sind m.W. nicht enthalten, weil sie keine Asylanträge stellen mussten.

Zeitraum Anzahl Anträge Pro Jahr
1953-2025 7,2 Mio 99k
1953-1989 0,9 Mio 24k
1953-2014 4,11 Mio 66k
1980-2014 3,92 Mio 112k
1990-2014 3,21 Mio 128k
1990-2025 6,3 Mio 175k
2015-2025 3,07 Mio 280k

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Aus diesen Zahlen kann man alle möglichen Vergleiche ziehen:

  • In den Jahren 2015-2025 lag die durchschnittliche Zahl der Asylanträge fast 3x so hoch wie unser Alltime-Durchschnitt 1953-2025 (280k vs. 99k).
  • Betrachtet man den Jahreswechsel 2014/2015 als Zäsur und vergleicht die Zeit vor 2015 mit der Zeit ab 2015, wird der Kontrast noch deutlicher. Ab 2015 liegt der Schnitt bei 280k p.a.. Von 1953-2014 lag er bei 66k. Selbst von 1990-2014 betrug er 128k.
  • Wenn man die ca. 1 Mio. Ukrainer hinzurechnet, dann sind in den elf Jahren 2015-2025 genauso viele Asylanten gekommen wie in den vorherigen 72 Jahren 1953-2014.

Man kann auch ein Rechenspiel durchführen:
"Wie viele Jahre in Folge dürften wir von nun an keinen Asylantrag mehr bekommen, bis wir wieder einen historischen Durchschnitt erreicht haben?".

Z.B. den Durchschnitt von 1990-2014:

  • Von 1990 bis 2014 hatten wir 128k Anträge p.a.
  • Würden wir den Durchschnitt wieder auf 128k p.a. absenken wollen, müssten wir 13 Jahre in Folge Null (0) Asylanträge bekommen.
  • Dann hätten wir von 1990-2038 in Summe 6,3 Mio Anträge, was wieder 128k p.a. entsprechen würde.

Würden wir den Schnitt von 1953-2014 (66k p.a.) wieder erreichen wollen, dürften wir bis 2061 keinen einzigen Asylanten mehr ins Land lassen.
Dann hätten wir von 1953-2061 in Summe 7,2 Mio. Anträge, was wieder 66k p.a. entsprechen würde.

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Edit:
Eine Szenario ist mir noch eingefallen:
Wie lange würde es dauern, wenn wir wieder den Schnitt von 1953-2014 (66k. p.a.) erreichen wollen, aber gleichzeitig jährlich 20k Asylanten als humanitäres Kontingent zulassen wollen?

Wenn mich mein Schulmathe nicht verlassen hat, wären das 52 Jahre.
Angefangen im Jahr 2026 also bis 2077.
Dann wären wir in Summe bei ca. 8,3 Mio Asylanten von 1953 bis 2077. Das wären 66k pro Jahr.

Vereinfacht gesagt:
Ab jetzt für 50 Jahre nur noch 20k Asylanten pro Jahr und die Welt wäre wieder in Ordnung :D

u/Unusual_Problem132 — 25 days ago

Hätte Stefan Kuntz unser De la Fuente werden können?

De la Fuente war bei seinem Amtsantritt im Jahr 2022 ein fast unbeschriebenes Blatt.

Er war da bereits fast 60 Jahre alt, hatte aber außer 9 Jahren Erfahrung als Trainer von Nachwuchs-Nationalmannschaften fast keine Erfahrung vorzuweisen. Seine letzte Club-Station war im Jahr 2011 Alaves in der zweiten spanischen Liga, wo er nach wenigen Monaten wegen Erfolglosigkeit wieder entlassen wurde.
Sein Pfund war die erfolgreiche Zeit als Nachwuchstrainer. Er gewann sowohl mit der spanischen U-19 als auch mit der U-21 je einen EM-Titel.
Trotzdem war seine Ernennung alles andere als eine Star-Besetzung.

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Im Gegenteil war die Ernennung De la Fuentes in etwa so, als hätte Deutschland nach dem Abgang von Jogi Löw im Jahr 2021 den damaligen U-21-Nationaltrainer Stefan Kuntz zum Nationaltrainer berufen.

Kuntz ist fast genauso alt wie De la Fuente (ein Jahr jünger), war als Trainer ebenfalls größtenteils erfolglos und nur als Trainer der Nachwuchs-Nationalteams erfolgreich. Aber mit der U-21 war Kuntz sehr erfolgreich. Zwischen 2016 und 2021 gewann er 2x die EM und erreichte ein weiteres Mal das Finale.

Anders als Spanien entschied Deutschland sich dafür, anstelle des U-21-Trainers namenhafte Vereinstrainer auf die Bank der Nationalmannschaft zu setzen.
Spanien gewann in den letzten Jahren mit De la Fuente die EM, die Nations League und die WM.
Deutschland erreichte mit seinen Star-Trainern ein Nations League Halbfinale, ein EM-Viertelfinale und sammelte ansonsten Blamagen (WM 2022, WM 2026).

Selbstverständlich liegt das nicht nur an den Trainern, sondern auch an den Spielern.
Und Kuntz hat als Nationaltrainer der Türkei auch nichts gezeigt, was in einem den Wunsch auslöst, in als deutschen Nationatrainer zu sehen.

Trotzdem ist das aus meiner Sicht ein ulkiges "What if".

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Edit:
Habe beim Verfassen Null daran gedacht, dass Stefan Kuntz nicht nur U-21-Trainer war, sondern zuletzt auch HSV-Funktionär und in dieser Rolle mit sexueller Belästigung auf sich aufmerksam gemacht hat.

Die Kernbotschaft bleibt dadurch aber unverändert:
Für eine erfolgreiche Nationalmannschaft braucht es nicht unbedingt einen erfolgreichen Vereinstrainer.
Löw und der Argentinier Scaloni wären weitere Beispiele.

reddit.com
u/Unusual_Problem132 — 1 month ago

Welchen Plan hat die AfD für die Ukraine? - Interview mit Markus Frohnmaier bei Ronzheimer

In der heutigen Folge des Podcasts spricht Paul Ronzheimer mit Markus Frohnmaier über den Russland-Ukraine-Krieg und die Position der AfD.
Frohnmaier ist nicht irgendein beliebiger AfDler, sondern Außenpolitischer Sprecher des AfD-Bundestagsfraktion. Seine Worte stehen also gewissermaßen stellvertretend für die Partei.

Wer die AfD-Position kennen will, sollte sich das Interview deshalb anhören.

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Vorab zur Person Markus Frohnmaier:

  • Jahrgang 1991; Seit 2017 AfD-Bundestagsabgeordneter; Seit 2022 Co-Landesvorsitzender der AfD-BaWü; Seit 2025 Außenpolitischer Sprecher der Fraktion.
  • Verheiratet mit einer russischen Journalistin, die in der Vergangenheit für die regierungsnahe russische Zeitung Iswestija arbeitete.
  • Hat seit den 2010ern mehrere vieldiskutierte Reisen nach Russland unternommen, u.a. auf die russisch-besetzte Krim, in den russisch-besetzten Donbas und in diesem Jahr zu einem Wirtschaftsforum in St. Petersburg.
  • Im Jahr 2019 veröffentlichten BBC, Spiegel, ZDF und La Repubblica (Italien) eine gemeinsame Recherche zu Verbindungen zwischen Frohnmaier und dem russischen Geheimdienst. Im Zentrum der Recherche stehen zwei Dokumente. Das erste Papier stammt angeblich aus der internen Kommunikation zwischen russischem Geheimdienst und Putins Zirkel. Es bezeichnet Frohnmaier als „unseren eigenen, absolut kontrollierten Bundestagsabgeordneten“. Das zweite Papier stammt angeblich aus Frohnmaiers Wahlkampf-Büro zur Bundestagswahl 2017. In dem Papier bittet der Verfasser um Wahlkampfhilfe, u.a. um Auftritte in russischen Medien, und stellt im Gegenzug in Aussicht, sich für eine russlandfreundliche Politik einzusetzen. Frohnmaier bestreitet die Vorwürfe. https://www.bbc.com/news/world-europe-47822835 - Im Interview bei Ronzheimer nennt Frohnmaier die Dokumente russische Desinformation.

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Frohnmaiers zentrale Aussagen zum Russland-Ukraine-Krieg:

  • Die Ukraine sollte jetzt, wo sie scheinbar auf dem Schlachtfeld in einer verbesserten Position ist, endlich Friedensverhandlungen führen.
  • Die deutschen Waffenlieferungen seien ein Fehler. Sie würden nichts bringen und viel Geld kosten.
  • Die Waffenlieferungen an die Ukraine seien nicht im deutschen Interesse. Stattdessen seien bessere Beziehungen zu Russland im deutschen Interesse.
  • Das größte Hindernis für Frieden seien derzeit die Ukrainer und Europäer, weil wir „unrealistische“ Forderungen stellen, die Russland unmöglich akzeptieren könne. Das müssten wir ändern. - Erst auf Nachfrage schiebt Frohnmaier hinterher, dass es auch gut wäre, wenn Russland sich bewegen würde.
  • Wie ein „realistischer“ Frieden in der Ukraine aussehen könnte, sagt er nicht. Allerdings empfiehlt er eine Anknüpfung an die Istanbuler Verhandlungen von 2022.

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Meine Meinung:

Eigentlich hat sich an der Diskussion seit 2022 nicht viel geändert.
Im Kern steht die Frage, was eher im deutschen Interesse ist:

  1. Gute Beziehungen zu einem Russland, dass sich nach und nach osteuropäische Staaten einverleibt und dadurch erheblich an Landfläche, Einwohnerzahl, Ressourcen, Macht und Einfluss gewinnt? Und dadurch immer mächtiger wird und gleichzeitig immer näher an die deutsche Grenze heranrückt?
  2. Oder die Verhinderung der russischen Expansion, auf Kosten der guten Beziehungen zu Russland?

Ich bin seit 2022 eindeutig ein Verfechter von Option Nr. 2.

Option 1 führt mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu, dass wir die heutige Frage zur Ukraine-Unterstützung in ein paar Jahren zum Baltikum stellen. Sollen wir die Balten unterstützen oder lieber nicht? Wollen wir wirklich deshalb einen Krieg mit Russland riskieren?
Wenn wir dann wieder nicht entschlossen handeln sollten, wird die Frage einige Jahre später erneut bzgl. Polen aufkommen. Oder der Slowakei oder Moldawien.
Und in 20-30 Jahren hätten wir dann vermutlich wieder ein russisches Imperium von der Größe der Sowjetunion in Europa. Ein solches Imperium wäre dann so mächtig, dass es uns Westeuropäern Bedingungen diktieren könnte, insbesondere den Westeuropäern ohne eigene nukleare Abschreckung.

Ich verstehe nicht, wie das gut für Deutschland sein soll.
Die einzigen Deutschen, die davon profitieren würden, wären diejenigen mit guten Verbindungungen nach Russland und zur russischen Führung. Die meisten anderen würden darunter leiden, ähnlich wie in der DDR.

Die einzige Chance, um die russische Expansionslust abzukühlen, besteht darin, einen russischen Sieg in der Ukraine zu verhindern. Noch besser wäre für uns eine Niederlage Russlands.

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Der Istanbuler Entwurf wäre aus meiner Sicht nicht im deutschen Interesse gewesen.
Die Ukraine hätte ihr Militär halbieren müssen und hätte keine Waffenlieferungen mehr aus dem Westen bekommen dürfen.
Im Gegenzug hätte es zwar eine internationale Friedenstruppe gegeben, allerdings hätte Russland ein Veto-Recht gehabt bei der Frage, ob diese Truppe zum Einsatz kommt oder nicht.
Gleichzeitig hat der Istanbuler Entwurf sämtliche Territorialfragen ausgeklammert und auf spätere Verhandlungen verschoben.
https://understandingwar.org/wp-content/uploads/2025/04/Fact20Sheet20Istanbul20Protocol20Draft20Agreement20of20April20152C2020222028129.pdf
https://static01.nyt.com/newsgraphics/documenttools/a456d6dd8e27e830/e279a252-full.pdf

Eine solche Vereinbarung hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit einfach nur dazu geführt, dass die Ukraine hätte abrüsten müssen, Russland die abgerüstete Ukraine einige Monate später erneut angegriffen hätte und dann den Eingriff der Friedenstruppen per Veto verhindert hätte.

Wo wäre das im deutschen Interesse gewesen?

youtube.com
u/Unusual_Problem132 — 1 month ago

Redet Höcke von Fußball oder von Hautfarbe?

Video-Quelle:
An der Echtheit des Clips dürfte kein Zweifel bestehen, weil Höcke selbst ihn bei Twitter gegen Kritik verteidigt hat (Link). Genauer Ursprung ist mir nicht bekannt, vermutlich irgendeine AfD-Sommerveranstaltung vor einigen Wochen.

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Aus meiner Sicht zeigt der Clip sehr schön, wie offen Höcke mit rassistischen Motiven kokettiert.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendeinen Menschen auf der Welt gibt, der diesen Clip anschaut und glaubt, dass es Höcke um Fußball-Taktik geht.
Darum, dass die deutsche Nationalmannschaft früher meistens häßlich gespielt hat und trotzdem gewonnen hat, weil sie kaltschnäuzig und abgezockt war.
Darum, dass das sinnbildlich für eine Gesellschaft gewesen sein könnte, die humorlos, schnörkellos, präzise und effizient war.
Darum, dass die Veränderung des deutschen Spielstils und der ausbleibenden Erfolg möglicherweise sinnbildlich für die Veränderung der Gesellschaft stehen könnte.

Das wären aus meiner Sicht valide Diskussionsanstöße gewesen. Aber hätte Höcke darauf hinaus gewollt, hätte er seine Gedanken wahrscheinlich zuende ausgesprochen und sich nicht selbst zensiert.

Ich finde es extrem plausibel, dass Höcke mindestens auch in Richtung Hautfarbe abzielen wollte, dass er es bewusst im Ungefähren gelassen hat. Damit man ihn nicht darauf festnageln kann, aber trotzdem jeder versteht, was er meint - wie das Publikum bestätigt.

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Nachdem Welt-Journalist Ulf Poschardt den Clip bei Twitter teilte und Höcke Rassismus vorwarf, verteidigte sich dieser mit folgenden Worten (Link oben):

>Herr Poschardt, die Veränderung der Nationalmannschaften ist offensichtlich. Symbolisch hat sich "die Mannschaft" sogar das "National" entfernt. Die Globalisten wollen alles auflösen, nichts darf bleiben, kein Volk, keine Tradition, keine Identität. Ich glaube nicht, daß die Mehrheit der Deutschen das will.

Ein paar Tage später teilte Höcke dann ein Bild der Weltmeister-Mannschaft von 1954 mit folgendem Kommentar (Link):

>1954 - Elf Freunde sollt Ihr sein!
Aus Gründen -😉

Höcke hat also das Spiel fortgesetzt, einerseits kulturelle Veränderungen zu kritisieren, andererseits aber immer auch die Nebentür für eine rassistische Deutung offen zu lassen - 😉😉

u/Unusual_Problem132 — 1 month ago

Die ewige Russland-Sehnsucht: Was hat es mit der vielfach beschworenen kulturellen Verbundenheit zwischen Deutschland und Russland auf sich? - Eine Spurensuche durch die Geschichte

A. Einleitung

Wer mit AfDlern über das deutsch-russische Verhältnis diskutiert, wird früher oder später mit folgender Argumentationskette konfrontiert werden:

Deutschland habe mit Russland eigentlich viel mehr gemeinsam als mit dem Westen.
Deutschland sei erst nach dem Zweiten Weltkrieg, geradezu zwangsweise, in den Westen integriert worden.
Die Verbindung zu Russland sei deutlich älter und tiefer.
Deshalb müsse Deutschland dringend mehr auf Russland zugehen oder zumindest eine neutrale Vermittlerrolle zwischen dem Westen und Russland einnehmen.“

Neu ist das nicht. Bereits unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieges wurde eine deutsche Sonderrolle diskutiert. Im Jahr 1952 bot Stalin die deutsche Wiedervereinigung im Tausch gegen deutsche Neutralität an (https://de.wikipedia.org/wiki/Stalin-Noten).

Auch die historische Zusammenfassung ist durchaus korrekt. Zwischen Russland und Deutschland, insbesondere Russland und Preußen, gab es über Jahrhunderte viele Verbindungen.
Man hatte die meiste Zeit über eine gemeinsame Grenze. Man trieb Handel und tauschte sich aus. Man unterjochte gemeinsam die Polen und Balten. Russland warb aktiv um deutsche Auswanderer und viele folgten dem Ruf (Moskaus „Deutsche Vorstadt“, Russlanddeutsche). Man führte Kriege gegeneinander (7-jähriger Krieg) und zusammen gegen einen gemeinsamen Feind (Napoleonische Kriege).
Man kannte sich, man stritt sich, wie gute Nachbarn das eben tun.

Es ist sicher nicht falsch zu behaupten, dass bis zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert das deutsch-russische Verhältnis etwa genauso gut war wie das deutsch-englische und deutlich besser als das deutsch-französische (Stichwort: Erbfeind).

Aber diese Zeit ist nun schon über 100 Jahre her. Viele Umstände haben sich drastisch verändert. Die wichtigste Veränderung ist aus meiner Sicht, dass Deutschland seit mittlerweile 80 Jahren eine freiheitliche Demokratie nach westlichem Vorbild ist, während Russland weiterhin eine Autokratie ist, die sich nicht allzusehr vom russischen Kaiserreich unterscheidet.

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B. Die deutsch-russische Verbundenheit Ende des 19. Jahrhunderts

Der aus meiner Sicht wesentliche Faktor für die deutsch-russische Verbundenheit Ende des 19. Jahrhunderts war der Gegensatz zu den westlichen Demokratien.
Während Frankreich, England und die USA Demokratien waren, waren Deutschland und Russland im Großen und Ganzen weiterhin Monarchien mit gewissen demokratischen Elementen.

Aus diesem Grund waren die Parallelen der gesellschaftlichen Diskussionen zwischen Deutschland und Russland größer als zwischen Deutschland und den Westmächten.

Während die Monarchen und Adligen im Westen bereits weitestgehend verbürgerlicht waren, kämpften sie in Deutschland und Russland weiterhin darum, ihre Privilegien zu erhalten und nicht einer Revolution zum Opfer zu fallen.
Entsprechend hatte es das Bürgertum in Deutschland und Russland anders als ihre westlichen Pendants nicht fertiggebracht, sich vom Joch der Adelsherrschaft zu befreien, und war deshalb an den politischen Katzentisch verbannt. Weil das Bürgertum in Deutschland und Russland politisch kaum etwas zu sagen hatte, widmete es sich stattdessen mit Hingabe dem Privaten, der Kunst und Musik (Biedermeier, etc.).
Umgekehrt könnte man auch sagen, dass dem deutschen und russischen Bürgertum politischer Einfluss schlicht weniger wichtig war als ihren westlichen Kollegen (Bückbürgertum?).

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C. Exemparische Zitate aus Thomas Manns "Betrachtungen eines Unpolitischen"

Beim Studium des Wikipedia-Artikels zum deutsch-russischen Verhältnis bin ich über dieses Werk eines nicht ganz unbedeutenden deutschen Schriftstellers gestolpert:

https://de.wikipedia.org/wiki/Betrachtungen_eines_Unpolitischen
https://digital.ulb.hhu.de/ihd/content/titleinfo/11865933

In seinem 1918 erschienen Buch „Betrachtungen eines Unpolitischen“ versuchte Thomas Mann, die angeblichen Unterschiede in der Geisteshaltung zwischen Deutschland und den westlichen Demokratien herauszuarbeiten.
Dabei nahm er mehrfach Bezug auf den namhaften russischen Schriftsteller Dostojewski (z.B. Kapitel: Der Protest, S. 1ff.).

Im Zentrum von Manns Argumentation steht der angebliche Gegensatz zwischen Kultur und Zivilisation:

>„Der Unterschied von Geist und Politik enthält den von Kultur und Zivilisation, von Seele und Gesellschaft, von Freiheit und Stimmrecht, von Kunst und Literatur; und Deutschtum, das ist Kultur, Seele, Freiheit, Kunst und nicht Zivilisation, Gesellschaft, Stimmrecht, Literatur.“
(Kapitel: Vorrede, S. 33)

Deutschtum sei also Freiheit anstelle von Stimmrecht, Geist anstelle von Politik.

Über den Philosophen Friedrich Nietzsche schrieb Mann folgende Worte:

>Die ungeheure Männlichkeit seiner Seele, sein Antifeminismus, Antidemokratismus, - was wäre deutscher? Was wäre deutscher als seine Verachtung der „modernen Ideen“, der „Ideen des achtzehnten Jahrhunderts“, der „französischen Ideen“, auf deren englischen Ursprung er besteht.
(Kapitel: Einkehr, S. 46)

Die wichtigste französische Idee englischen Ursprungs, an die Mann dabei dachte, dürfte die Demokratie gewesen sein.

Den Komponisten Richard Wagner lobte er dafür, dass dieser sich im Zuge der Märzrevolution 1848

>„als glühender Anhänger des Königstums, als Verächter alles Konstitutionalismus bekannte und Deutschland beschwor, die fremdartigen, undeutschen Begriffe, nämlich den westlichen Demokratismus zum Teufel zu jagen und das einzig heilwirkende altgermanische Verhältnis zwischen dem absoluten König und dem freien Volk wiederherzustellen“.
(Kapitel: Bürgerlichkeit, S. 88, 89)

Diese Geisteshaltung bildete aus meiner Sicht das Herzstück der engen kulturellen Verbindung zwischen Deutschland und Russland vor über 100 Jahren.

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D. Abschluss

Zurück im Hier und Jetzt des 21. Jahrhunderts frage ich mich allerdings, ob das ernsthaft die kulturelle Verbindung ist, an die Deutschland wieder anknüpfen sollte.

In Russland sind viele der Motive weiterhin verbreitet, namentlich der Antifeminismus, der Antidemokratismus und die Ablehnung des Westens.
Putin wird auch nicht müde zu erklären, dass aus seiner Sicht eine Demokratie nach westlichem Vorbild nicht zum russischen Volk passe. Das russische Volk sei anders und brauche deshalb eine Staatsform eigener Art.

Das ist schön und gut, aber das deutsche Volk hat sich nunmal über 80 Jahre an die westliche Demokratie gewöhnt. Ein wesentlicher Pfeiler der ehemaligen Verbundenheit der beiden Völker ist somit weggefallen.
Ironischerweise sind es dabei insbesondere die DDR-Bürger gewesen, die sich besonders undeutsch verhalten haben. Im Gegensatz zu den Wessis haben die Ossis tatsächlich in einer Revolution ihr Recht auf Demokratie erkämpft. Aus Sicht von Mann und Dostojewski wären sie deshalb wohl deutschsprechende Franzosen gewesen.

Gegen ein bisschen Musik von Wagner und Tschaikowski ist sicherlich nichts einzuwenden. Ich behaupte auch nicht, dass die AfD die Abschaffung der Demokratie plant.
Aber jeder Demokrat, auch in der AfD, sollte die Ohren spitzen und genau zuhören, wenn eine deutsch-russische Verbundenheit beschworen wird.

u/Unusual_Problem132 — 2 months ago

Frage an die AfD-Fans im Sub: Ist es Zufall, dass der AfD-Parteitag auf den Tag genau 100 Jahre nach einem wichtigen NSDAP-Parteitag stattfindet?

Vom 3. bis 04.07.1926 fand im Thüringischen Weimer der erste NSDAP-Reichsparteitag nach Auslaufen des Parteiverbots statt.
Von 1923 bis 1925 war die NSDAP reichsweit verboten gewesen, nachdem Hitler 1923 mit einem Putschversuch kläglich gescheitert war. Der Parteitag 1926 markiert meines Wissens deshalb so eine Art Wiedergeburt der Partei - wie ein Phoenix aus der Asche. Ab dann begann der politische Durchmarsch der nächsten Jahre.

Wollt ihr mir ernsthaft erzählen, dass es reiner Zufall ist, dass die AfD vom 4. auf den 05.07.2026 ihren Bundesparteitag abhält? Sogar ebenfalls in Thüringen, wenn auch in Erfurt und nicht in Weimar.

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Edit:
Das Gewimmer in den Kommentaren finde ich ehrlicherweise ziemlich lustig.

Ein Bekannter von mir feiert am 20.04. regelmäßig einen "Geburtstag". Der hat aber wenigstens die Ehrlichkeit, leicht verschämt zu gucken, wenn man seinen Dogwhistle versteht, und ihm sagt, dass man das Scheiße findet.

Ich brauche euch sicher nicht sagen, welche Partei der Kollege wählt. Natürlich steht der nicht repräsentativ für die gesamte AfD, hoffe ich jedenfalls.
Aber wenn ihr dann so ein Datum für euren Parteitag wählt, dürft ihr euch nicht über den Vergleich beschweren!

reddit.com
u/Unusual_Problem132 — 2 months ago

Kernkraft-Comeback möglich? Ab 2032 könnten angeblich 5 AKW wieder ans Netz gehen - Analyse von Nuklearia e.V., Radiant Energy Group

Link zur Analyse: https://nuklearia.de/wp-content/uploads/2026/06/Bericht-Wiederinbetriebnahme-deutscher-Kernkraftwerke-2026.pdf

Warnhinweise vorab:
Die Analyse sollte mit einer gehörigen Portion Skepsis betrachtet werden - aus zwei Gründen:

  1. Die Autoren sind deutlich pro-Kernkraft eingestellt. Der Verein Nuklearia e.V. hat als Vereinszweck den Einsatz für die zivile Kernenergienutzung.
  2. Die Analyse enthält fast keine Rechenwege und Quellen. Überwiegend werden Ergebnisse präsentiert, wobei sich die Autoren auf anonyme Quellen aus der Branche berufen (dazu unten mehr).

Andererseits würde ich den Bericht auch nicht direkt vom Tisch wischen.
Analysen von Greenpeace oder NABU zu Klimawandel und Artenvielfalt werden schließlich auch beachtet. Und m.W. gibt es zur Zeit keine anderen Analysen zur Reaktivierbarkeit deutscher AKW.
Als ersten Anhaltspunkt kann diese Analyse mMn. heranziehen.

Kernbotschaften der Analyse:

I. Technische Machbarkeit

Technisch wäre eine Reaktivierung von bis zu 14 AKW innerhalb der nächsten 8 Jahre möglich.
Die 8 AKW aus den Prioritätsgruppen A und B seien in weiten Teilen noch erhalten, weshalb eine Reaktivierung verhältnismäßig einfach wäre. Die anderen 6 AKW seien bereits sehr weit zurückgebaut, weshalb der Aufwand entsprechend höher wäre.

II. Kosten

Die Reaktivierung der 8 AKW der Gruppen A und B würde 13,5 Mrd. EUR kosten, was 1250 EUR/kW entspricht. Das wäre um ein Vielfaches günstiger als europäische AKW-Neubauprojekte in den letzten Jahren, die meist oberhalb von 8000 EUR/kW lagen, teilweise deutlich über 10 000 EUR/kW.
Die Reaktivierung wäre preislich auf dem Niveau von Neubau-Windkraftanlagen (laut Google-KI 1000-2000 EUR/kW).

Die Kosten müsste nicht zwangsläufig der Steuerzahler tragen. Bei ansprechender Betriebsperspektive wäre durchaus denkbar, dass sich private Investoren finden.

Zum Vergleich:
Die aktuelle Gaskraftwerksstrategie der Regierung sieht den Bau von 12 GW vor, zu deren Finanzierung die Stromkunden eine zusätzliche Umlage bezahlen sollen. Über 13 Jahre sollen so 12-25 Mrd. EUR von den Stromkunden bezahlt werden.
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/energiepolitik-bund-beschliesst-neue-gas-kraftwerke-milliardenkosten-fuer-stromkunden/100224881.html

III. Stromgestehungskosten

Die AKW der Gruppen A und B könnten Strom zu Gestehungskosten von 3-4 ct/kWh anbieten. Von den Gestehungskosten wären die AKW damit auf dem Level von Solaranlagen und günstiger als die meisten Windkraftanlagen.
Zusätzlich wären anders als bei den EE keine Speicher- oder Reserveanlagen notwendig. Andererseits würde weiterer Atommüll entstehen.

Die Analyse erklärt es an keiner Stelle ausdrücklich, aber ich vermute, dass die Kalkulation von einer Vollauslastung der Anlagen ausgeht. Dafür spricht, dass auf S. 17 von einer Jahresstromerzeugung von 54 TWh durch die 5 AKW der Gruppe A die Rede ist, was einer Auslastung von 90% entspräche.
Würden die Anlagen nur als Lückenfüller für Dunkelflauten eingesetzt, würden die Kosten deshalb vermutlich steigen. Das Prinzip ist dasselbe wie bei den Gas- und Kohlekraftwerken, die derzeit als Reserve dienen.

IV. Atommüll

Jedes AKW würde ca. 25 Tonnen Atommüll pro Jahr produzieren.
Die 8 AKW der Gruppen A und B würden über 20 Jahre somit 4 000t zusätzlichen Atommüll produzieren und die Gesamtmenge des in Deutschland vorhandenen Mülls von 11 000t auf 15 000t erhöhen (+35% in 20 Jahren).

Angeblich könnte diese Menge durch Wiederaufbereitung um bis zu 80% (!) reduziert werden (S. 29). Keine Ahnung, wie realistisch das ist. Mir erscheint das sehr optimistisch.

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Glaubwürdigkeit und Abschlussbewertung

Die Autoren widmen ihrer Quellenlage und Methodik einen eigenen Abschnitt (S. 36ff.).
Nach eigenen Angaben haben sie mit unzähligen Personen aus der Branche gesprochen, u.a. auf Betreiberseite mit derzeitigen und ehemaligen Kraftwerksleitern, Schichtleitern und Facharbeitern, aber auch mit externen Dienstleistern. Deshalb glauben die Autoren, eine gute Einschätzung zum gegenwärtigen Zustand der Anlagen abgeben zu können.
Außerdem haben sie in ihren Berechnungen einen Risikoaufschlag von 35% einfließen lassen.

Völlig unrealistisch sind die Ergebnisse nicht. Im Gegensatz zu Neubau-AKW sind Bestands-AKW preislich sehr attraktiv.
Laut Analyse der US-Investmentbank Lazard liegen die Stromgestehungskosten bei Weiterbetrieb von Bestands-AKW bei 3,1-3,3 ct/kWh (Lazard-Bericht Juni 2024, S. 14). Je nach Fortschritt des Rückbaus sind Gestehungskosten von 3-4 ct/kWh nach Reaktivierung deshalb nicht völlig unplausibel.

Wie einleitend schon gesagt, betrachte ich die Analyse mit skeptischem Interesse. Die Zahlen rechtfertigen aus meiner Sicht weitere Nachforschung – nicht mehr, aber auch nicht weniger!
Sollten die Zahlen tatsächlich halbwegs zutreffend sein, wäre eine Reaktivierung sehr attraktiv und in der derzeitigen Wirtschaftslage des Landes aus meiner Sicht geboten.

Es dürfte kein Zufall sein, dass fast zeitgleich mit der Veröffentlichung dieses Berichts eine Handvoll ehemaliger AKW-Leiter einen Brandbrief an den Bundeskanzler geschrieben haben und diesen zur Reaktivierung aufgefordert haben.
https://www.fr.de/wirtschaft/reaktivierung-rueckkehr-der-atomkraft-ehemalige-akw-leiter-fordern-zr-94373515.html

Wenn es nicht schon längst geschehen ist, sollte die Bundesregierung dringenst eine eigene Analyse durchführen, idealerweise kombiniert mit einem vorübergehenden Rückbau-Moratorium wie in Belgien.

u/Unusual_Problem132 — 2 months ago

Collina: Es ist ein Foul, wenn Angreifer ohne Chance auf den Ball Verteidiger blockieren - England gegen Kroatien:

In der letzten Stunde habe ich gelernt, dass die FIFA zur WM die Regel bei Standards angepasst hat.

Collina hat im Bezug auf Tahs vermeintliches Tor Folgendes klargestellt:

>"Wenn ein angreifender Spieler jedoch kein Interesse am Ball hat und sich - selbst nur geringfügig - bewusst mit der klaren Absicht bewegt, die Laufbewegung eines Gegenspielers zu behindern und ihn dadurch am Verteidigen zu hindern, sollten die Schiedsrichter und - falls erforderlich - auch der VAR die Situation sorgfältig analysieren und eingreifen"

https://www.sportschau.de/fussball/fifa-wm-2026/schiedsrichterchef-collina-verteidigt-tah-entscheidung,wm-fifa-schiedsrichterchef-verteidigt-tah-entscheidung-100.html

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Ich finde es erfreulich, dass diese neue Regel einheitlich angewendet wird.
Kroations Nr. 2 wurde nicht regelwidrig blockiert.
Englands Spieler haben sich eindeutig Richtung Ball bewegt und nicht versucht, Kane freizublocken.

Video-Clip: https://www.youtube.com/watch?v=qEm_4tqH2z8&t=245s

u/Unusual_Problem132 — 2 months ago

Kimmich hat als RV noch nie so defensiv gespielt wie bei dieser WM - Warum?

Ich war immer ein Fan von RV-Kimmich, weil er richtig geilen Offensivdrang hatte.
Überlaufen, Flanken, Vorstöße in den Strafraum, teilweise sogar Dribblings.
Tore in der Champions League gegen Real Madrid.
4 Vorlagen in 2 Spielen gegen Italien in der Nations League Anfang 2025.

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Davon war bei der WM nichts zu sehen. Kimmich hat nicht RV gespielt, sondern effektiv RIV in einer Dreierkette.
Warum? Was soll das?
Kimmichs Stärke war immer der Offensivdrang, nie die Defensive. Auch als Sechser.

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Edit1: Quelle für die Heatmaps ist Sofascore. Hatte ich vergessen.

Edit2:
Ich habe in den Kommentaren häufig gelesen, dass Kimmich so defensiv spielen müsse, weil er langsam ist und anstonsten die Defensivlücken noch gravierender wären.

Das überzeugt mich Null. Kimmich war schon immer langsam. Trotzdem hat er selbst letztes Jahr noch deutlich offensiver gespielt und das war für das deutsche Spiel deutlich besser als der Schmarn der letzten Wochen.

  • Gegen Italien hat er Anfang 2025 in 2 Spielen 4 Vorlagen gegeben.
  • Bei der Niederlage gegen Portugal im Sommer 2025 hat er das 1:0 von Wirtz vorbereitet und war an fast jeder Offensiv-Aktion beteiligt. Portugals 1:1 fällt über die andere Seite. Das 1:2 fällt zwar über Kimmichs Seite, aber nicht durch seinen Gegenspieler. Hätte er besser machen können, aber da hatten andere Deutsche deutlich mehr Schuld.
  • Gegen Frankreich geht das 0:1 ganz klar auf Kimmichs Kappe. Erst den Kopfball verkackt, dann das Duell gegen Mbappe. Mit dem 0:2 hatte Kimmich aber nichts zu tun.

Ich habe mir jetzt extra nochmal die Highlights gegen Portugal und Frankreich angesehen. Trotz der Niederlagen sah das insgesamt sehr odentlich aus, deutlich besser als Elfenbeinküste, Ecuador und Paraguay. Selbst gegen Frankreich hatte Deutschland einige gute Chancen, u.a. nen Pfostenschuss.

Und das waren Portugal und Frankreich. Wir sind jetzt gegen Paraguay rausgeflogen.
Weil Kimmich langsamer ist als Mbappe, haben wir uns entschieden so scheiße zu spielen wie seit 2018 nicht mehr.

u/Unusual_Problem132 — 2 months ago

Jetzt mal Butter bei die Fische: Was müssen Nagelsmann und die Mannschaft im nächsten Spiel anders machen, damit es besser läuft?

Ich habe seit gestern nach dem Spiel sehr viel Spott und Schadenfreude gelesen und gebe zu, dass ich selbst im ersten Moment eine ähnliche Reaktion hatte.

Jetzt würde ich aber gerne mal konstruktiv an die Sache herangehen. Was sollte, was könnte die Mannschaft im nächsten Spiel realistischerweise anders machen, damit es besser läuft?
Und jetzt bitte kein Phrasen ala besses Passspiel, mehr Tore schießen und weniger kassieren.

  • Undav in die Startelf: Undav hat gestern nach seiner Einwechslung zwar auch keine Bäume ausgerissen, trotzdem kann ich mich an 2-3 ordentliche Aktionen erinnern (1x Torschuss, 2x Pässe nach vorne). Mein Gefühl ist, dass wir mit Undav zielstrebiger spielen. Wer für ihn auf die Bank geht, ist fast egal. Von den vier Offensiven hat bisher keiner unantastbar gut gespielt.
  • Kimmich: Von Kimmichs Rolle bin ich noch nicht überzeugt. Sehr häufig spielt er weniger RV und mehr RIV in einer Dreierkette. Ich verstehe überhaupt nicht, was das soll. Wenn wir mit Dreierkette spielen wollten, gäbe es sicherlich geeignetere Kandidaten für die IV und Kimmich könnte DM spielen. Kimmichs Stärke als Außenverteidiger war immer das Offensivspiel, das Überlaufen und die Flanken. Ich erinnere mich noch an Tore von ihm in der Champions League gegen Real Madrid vor 8-9 Jahren. Und letztes Jahr hat er in der Nations League gegen Italien noch 4 Vorlagen in 2 Spielen gegeben. Als RIV ist er dieser Stärken völlig beraubt, während seine Defensiv-Schwäche bleibt - also das Schlechte aus beiden Welten kombiniert. Aus meiner Sicht sollte Kimmich sich entweder häufiger ins Offensivspiel einschalten, wobei dann ein Mittelfeldspieler hinten absichern müsste, oder er sollte direkt für Pavlovic ins DM wechseln. Thiaw hat es gestern defensiv nicht schlechter gemacht.
  • Wirtz und Musiala: Beide überzeugen mich bisher kaum. MMn. sollten sie häufiger die Positionen wechseln, weil ich Musiala von den beiden für den besseren Flügelspieler halte. Ansonsten wäre es auch kein Beinbruch, wenn einer von beiden mal erst von der Bank kommt.
  • Sane: Bisher keine Katastrophe. Fällt in der insgesamt schwachen Offensive nicht negativ auf, allerdings auch nicht wirklich positiv. Nach hinten bemüht, aber das war Beier heute auch.
  • Neuer: Wenn ich den Kommentator gestern richtig verstanden habe, hat Neuer bisher erst eine Parade in diesen Turnier gehabt, vielleicht auch zwei. Ansonsten waren alle Schüße aufs Tor auch direkt drin. Gestern sah er bei beiden Gegentoren alt aus, insbesondere beim Zweiten. Wäre Baumann so viel besser als Neuer, dass ein Wechsel das öffentliche Theater wert wäre? Bisher sieht es aber definitiv danach aus, als wäre Neuers Nominierung ein Fehler gewesen.

Gleichzeitig sollte die Mannschaft für das erste KO-Spiel auch nicht direkt vollständig durchgewirbelt werden. Umso ärgerlicher, dass Nagelsmann das Spiel gestern nicht genutzt hat, um nochmal 1-2 Änderungen auszuprobieren.

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Wenn Brown im nächsten Spiel wieder fit ist, würde ich so aufstellen:

Neuer - Brown, Rüdiger, Tah, Thiaw - Kimmich, Nmecha - Wirtz, Havertz, Sane - Undav

Brown hätte den klaren Auftrag, sich ins Offensivspiel einzuschalten. Thiaw würde den 2014-Höwedes geben und einfach nur defensiv absichern. Havertz und Undav sollten rotieren, vielleicht sogar als Doppelsturm.
Wenn einer oder mehrere aus der offensiven Dreierreihe nicht performen, würde ich ggf. schon zur Halbzeit den ersten Wechsel bringen. Zuerst Musiala, dann Leweling oder Beier.

reddit.com
u/Unusual_Problem132 — 2 months ago

Schweizer Parlament macht Weg frei für neue Atomkraftwerke. Der Nationalrat hat das Neubauverbot aufgehoben - SWR

Vorab:
Thema dieses Posts ist die Schweiz. Ich werde mich in den Kommentaren nicht an Diskussionen zu Deutschland beteiligen.

Ich möchte hier nur darüber informieren, was in der Welt um uns herum geschieht.

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Die Schweiz hatte im Jahr 2017 ein Neubauverbot für Atomkraftwerke beschlossen. Bestehende Kraftwerke durften trotzdem weiterbetrieben werden und decken derzeit ca. 30% des Strombedarfs ab.

Nach langen Diskussionen hat das Schweizer Parlament, der Nationalrat, heute die Aufhebung dieses Verbots beschlossen. Die gesamte Debatte kann man hier nachlesen: https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=72037#votum18

Bis Ende des Jahres wird eine Kommission ein Bericht über die voraussichtlichen Kosten von Neubauprojekten erstellen.
Im nächsten Jahr wird es voraussichtlich eine Volksabstimmung über diese Gesetzesänderung geben. Greenpeace und andere Verbände haben bereits eine entsprechende Initiative angekündigt.

Zur Zeit gibt es keine konkreten Pläne, neue Atomkraftwerke zu bauen.

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Edit:
Das Ergebnis der parlamentarischen Abstimmung war mit 100-98 Stimmen denkbar knapp.

swr.de
u/Unusual_Problem132 — 2 months ago

Belarus-Diktator Lukashenko entschuldigt sich bei Ukraine-Präsident Zelenski für Beleidigungen und wirbt für Friedensverhandlungen - Interview bei saudischem Sender Al Arabiya English

Der weißrussische Diktator Lukashenko hat vor ein paar Tagen dem saudischen Sender Al Arabiya ein einstündiges Interview gegeben, in dem es um die allgemeine Weltlage ging, von Gaza und Iran bis zum Krieg in der Ukraine.
Das vollständige Interview ist bei Youtube auf English verfügbar. Die weißrussische Regierung hat auf ihrer Homepage auch ein gekürztes Transkript veröffentlicht (Link in den Kommentaren, weil Reddit-Filter den Link nicht im Beitrag erlauben).

Für uns in Europa am interessantesten dürfte der etwa 30-minütige Block zum Ukraine-Russland-Krieg sein, beginnend ca. ab Minute 26:00.

Mir sind insbesondere drei Punkte in Erinnerung geblieben:

  1. Lukashenko entschuldigte sich dafür, dass er Zelenski in der Vergangenheit "Scum" oder "Scumbag" genannt hat (ab Minute 41:50).
  2. Lukashenko warb mehrmals an verschiedenen Stellen des Interviews für Verhandlungen. Dabei machte er widersprüchliche Aussagen zu der Frage, wer an den Verhandlungen teilnehmen sollte. Zunächst sagte er, Belarus sei kein "stakeholder" und würde nicht an Verhandlungen teilnehmen (ca. Minute 37:10). Später war Belarus dann plötzlich doch "stakeholder" und Lukashenko schlug Verhandlungen zwischen den drei "brotherly nations" vor: Er, Putin und Zelenski an einem Tisch, sonst niemand (ab Minute 44:15). An anderer Stelle zeigte er sich auch offen für Verhandlungen mit den Europäern.
  3. Lukashenko legte besonderen Wert darauf, dass von Belarus keine Gefahr für die Ukraine ausgehe, auch nicht die Gefahr eines Angriffs der russischen Armee durch Belarus. Dafür nannte er drei Gründe: (1) Belarus wäre hoch-verwundbar gegenüber ukrainischen Drohnenangriffen und die Ukraine habe bereits mitgeteilt, dass sie 500 potentielle Ziele in Belarus identifiziert habe. (2) Die belarussische Bevölkerung wolle keinen Krieg. (3) Eine Verlängerung der Frontlinie wäre kein Vorteil für Russland, weil Russland und Belarus nicht in der Lage wären, eine so lange Front zu verteidigen (Im Video ab Minute 26:00; Im Transkript gegen Ende).

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Ich bin kein Osteuropa-Experte, aber auf mich wirkt das nach einer weiteren leichten Absetzbewegung Lukashenkos von Putins Krieg.

Laut einigen Russland-Experten läuft in Russland seit einigen Wochen eine wachsende Debatte darüber, ob Russland seine Kriegsziele wirklich noch auf dem Schlachtfeld erreichen kann und ob der Krieg die ökonomischen und menschlichen Verluste wert ist. Aus diesem Grund habe Putin z.B. vor einigen Wochen das erste Mal öffentlich von der Möglichkeit eines Verhandlungsfriedens gesprochen.

Lukashenko hatte sich schon in der Vergangenheit nicht begeistert vom Krieg gezeigt und bereits mehrfach versichert, Belarus wolle nicht in den Krieg hineingezogen werden.
Diese Positionen hat er nun nochmal untermauert.

Ich finde es trotzdem erstaunlich, dass er sich öffentlich bei Zelenski entschuldigt und offen von einer Verletzlichkeit gegenüber den ukrainischen Drohnen spricht. In "Strong man"-Kreisen ist das Zeigen von Schwäche sehr ungewöhnlich. Zumal die Drohnen als Grund Nr.1 dafür genannt werden, dass Belarus sich an keinem Angriff auf die Ukraine beteiligen will.

Was Lukashenko mit diesen Aussagen bezweckt, weiß ich nicht.
Am wahrscheinlichsten sind aus meiner Sicht zwei Szenarien: Entweder sind seine Aussagen mit Putin abgesprochen und sollen Teil eines "Good Cop, bad cop"-Spiels sein. Lukashenko könnte vorgeschickt werden, um zu schleimen und guten Willen zu zeigen. Oder Lukashenkos Aussagen sind an Putin gerichtet, iSv. "Lass gut sein und hör auf, Vladimir".
Vermutlich ist es eine Mischung aus beidem. Lukashenko wäre nicht dort, wo er ist, wenn er nicht geschickt auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen könnte.

youtube.com
u/Unusual_Problem132 — 2 months ago