
Sind Wind und Solar die teuersten Formen der Stromerzeugung? - Ein Blick auf die Gesamtsystemkosten von Dr. Lars Schernikau, Blog - The Unpopular Truth
Quelle: Schaubild Nr. 7 von https://unpopular-truth.com/2026/04/25/rethinking-the-cost-of-electricity/
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Hinweise vorab:
- Beim Autoren Dr. Schernikau handelt es sich vermutlich um einen ehemaligen Kollegen von Dr. Daniel Stelter - bekannt aus Handelsblatt und Welt - aus seiner Zeit bei der Boston Consulting Groub. Auf den Blog-Post bin ich über einen Retweet von Stelter gestolpert. Macht mit der Info, was ihr wollt :D
- Der Autor selbst weißt ausdrücklich darauf hin, dass es sich weiterhin noch um eine vereinfachte Berechung handelt.
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Zum Inhalt:
Ich poste das hier, weil ich auf den Umstand aufmerksam machen möchte, dass weltweit die Menschen im Dunkeln tappen, welche Form der Stromerzeugung denn nun die günstigste ist.
Am bekanntesten sind die Stromgestehungskosten (im Englischen LCOE bzw. levelised cost of electricity). Diesen Kennwert betrachtet z.B. die berühmt-berüchtigste Frauenhofer-Studie, gemäß der Wind und Solar die günstigsten Formen seien.
Der Blick auf die Stromgestehungskosten hat allerdings die große Schwäche, dass er die Systemkosten, wie z.B. Backups für Dunkelflauten, ausblendet.
Ein Stromsystem hat aber die Aufgabe, 24/7/365 ausreichend Strom bereitzustellen, um den Bedarf zu decken. Es nützt wenig, wenn im Sommer doppelt so viel produziert wie benötigt wird und dann im Winter gar keiner. Da EE diese Garantie nicht liefern können, benötigen sie zwangsläufig zusätzliche Strukturen, z.B. Batteriespeicher oder konventionelle Reservekraftwerke.
Die Autoren von Frauenhofer weisen ausdrücklich darauf hin, dass sie die Systemkosten ausgeblendet haben. In der medialen Diskussion ist das leider die längste Zeit völlig untergegangen.
Seit einigen Jahren mehren sich nun die Versuche, die Gesamtsystemkosten zu berechnen und den einzelnen Formen der Stromerzeugung zuzuweisen.
Meines Wissens bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Verschiedene Autoren haben verschiedene Kennwerte kreiert, die mal mehr und mal weniger bestimmte Teile der Systemkosten ermittlen und den Stromerzeugungsformen zuweisen.
- Die Internationale Energieagentur arbeitet mit dem "value adjusted LCOE" (VALCOE), der meines Wissens versucht, den "Mehrwert" der Stromerzeugung für das Gesamtsystem zu berücksichtigen.
- Der amerikanische Thinktank Lazard hat bei seinem LCOE+ die Kosten von kurzfristigen Batteriespeichern (<6 Std.) zur Stabilisierung der EE miteinbezogen.
- Von anderen Autoren wurden "LFSCOE" und "FCOE" ins Spiel gebracht.
- Von der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm gibt es ebenfalls ein Paper, in dem sie u.a. die Kosten eines Wasserstoff-Backup-Systems zu den EE-Kosten addiert hat.
Der Prozess der Wahrheitsfindung ist in diesem Themenbereich noch nicht abgeschlossen.
Aber die Anzeichen verdichten sich, dass Wind und Solar doch nicht so günstig sind. Jedenfalls nicht, wenn man 24/7/365 zuverlässig Strom benötigt.