u/Unusual_Problem132

Sind Wind und Solar die teuersten Formen der Stromerzeugung? - Ein Blick auf die Gesamtsystemkosten von Dr. Lars Schernikau, Blog - The Unpopular Truth

Sind Wind und Solar die teuersten Formen der Stromerzeugung? - Ein Blick auf die Gesamtsystemkosten von Dr. Lars Schernikau, Blog - The Unpopular Truth

Quelle: Schaubild Nr. 7 von https://unpopular-truth.com/2026/04/25/rethinking-the-cost-of-electricity/

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Hinweise vorab:

  1. Beim Autoren Dr. Schernikau handelt es sich vermutlich um einen ehemaligen Kollegen von Dr. Daniel Stelter - bekannt aus Handelsblatt und Welt - aus seiner Zeit bei der Boston Consulting Groub. Auf den Blog-Post bin ich über einen Retweet von Stelter gestolpert. Macht mit der Info, was ihr wollt :D
  2. Der Autor selbst weißt ausdrücklich darauf hin, dass es sich weiterhin noch um eine vereinfachte Berechung handelt.

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Zum Inhalt:

Ich poste das hier, weil ich auf den Umstand aufmerksam machen möchte, dass weltweit die Menschen im Dunkeln tappen, welche Form der Stromerzeugung denn nun die günstigste ist.

Am bekanntesten sind die Stromgestehungskosten (im Englischen LCOE bzw. levelised cost of electricity). Diesen Kennwert betrachtet z.B. die berühmt-berüchtigste Frauenhofer-Studie, gemäß der Wind und Solar die günstigsten Formen seien.
Der Blick auf die Stromgestehungskosten hat allerdings die große Schwäche, dass er die Systemkosten, wie z.B. Backups für Dunkelflauten, ausblendet.

Ein Stromsystem hat aber die Aufgabe, 24/7/365 ausreichend Strom bereitzustellen, um den Bedarf zu decken. Es nützt wenig, wenn im Sommer doppelt so viel produziert wie benötigt wird und dann im Winter gar keiner. Da EE diese Garantie nicht liefern können, benötigen sie zwangsläufig zusätzliche Strukturen, z.B. Batteriespeicher oder konventionelle Reservekraftwerke.
Die Autoren von Frauenhofer weisen ausdrücklich darauf hin, dass sie die Systemkosten ausgeblendet haben. In der medialen Diskussion ist das leider die längste Zeit völlig untergegangen.

Seit einigen Jahren mehren sich nun die Versuche, die Gesamtsystemkosten zu berechnen und den einzelnen Formen der Stromerzeugung zuzuweisen.
Meines Wissens bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Verschiedene Autoren haben verschiedene Kennwerte kreiert, die mal mehr und mal weniger bestimmte Teile der Systemkosten ermittlen und den Stromerzeugungsformen zuweisen.

  • Die Internationale Energieagentur arbeitet mit dem "value adjusted LCOE" (VALCOE), der meines Wissens versucht, den "Mehrwert" der Stromerzeugung für das Gesamtsystem zu berücksichtigen.
  • Der amerikanische Thinktank Lazard hat bei seinem LCOE+ die Kosten von kurzfristigen Batteriespeichern (<6 Std.) zur Stabilisierung der EE miteinbezogen.
  • Von anderen Autoren wurden "LFSCOE" und "FCOE" ins Spiel gebracht.
  • Von der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm gibt es ebenfalls ein Paper, in dem sie u.a. die Kosten eines Wasserstoff-Backup-Systems zu den EE-Kosten addiert hat.

Der Prozess der Wahrheitsfindung ist in diesem Themenbereich noch nicht abgeschlossen.
Aber die Anzeichen verdichten sich, dass Wind und Solar doch nicht so günstig sind. Jedenfalls nicht, wenn man 24/7/365 zuverlässig Strom benötigt.

u/Unusual_Problem132 — 5 days ago

Ein Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Menschenrechtsgerichtshof - Der Europarat verabschiedet eine Erklärung zum Thema Menschenrechte, Migration und Asyl

Zum Thema Europäische Menschenrechtskonvention hatte ich in den letzten Monaten bereits einige Posts gemacht.
Link mit weiteren Links: https://www.reddit.com/r/Wirtschaftsweise/comments/1pj4u42/bessere_kontrolle_von_migration_27_l%C3%A4nder_fordern/

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Kurze Zusammenfassung der Hintergründe:

Ein zentrales Hindernis sowohl bei Abschiebungen von Ausländern als auch Drittstaaten-Modellen (Ruanda-Modell der Briten, Albanien-Modell der Italiener) ist regelmäßig die Europäische Menschenrechtskonvention. Genauer gesagt die Rechtsprechung des Menschenrechtsgerichtshofes.

Die Konvention enthält nämlich kein Asyl-Menschenrecht. Der Gerichtshof hat aber andere Menschenrechte wie z.B. das Folterverbot so ausgeweitet, dass er auch beim Thema Abschiebungen & Co regelmäßig mitreden und dazwischengrätschen kann.
Das geht soweit, dass die Abschiebung in ein Land mit zu niedrigem Lebensstandard oder unhygienischen Verhältnissen als "folterähnliche Behandlung" gewertet wurde.

Seit etwa einem Jahr gibt es deshalb eine Initative verschiedener Länder, die Menschenrechtskonvention zu ändern bzw. den Gerichtshof irgendwie davon abzuhalten, sich dermassen bei einem Thema einzumischen, dass die Vertragsstaaten nie zum Gegenstand der Konvention machen wollten.
Vor einem halben Jahr unterstützten bereits 27 der 46 Vertragsstaaten die Forderung nach einer Veränderung.

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Am 15. Mai verabschiedete nun der Europarat - also die 46 Vertragsstaaten der Menschenrechtskonvention - eine Erklärung zu dem Thema: https://rm.coe.int/pdf/09125948802bc2cc

Die Erklärung ist zwar formell keine Änderung der Konvention, aber sie enthält eine Reihe von Hinweisen bzw. Forderungen in Richtung Gerichtshof.
Die Einkleidung in eine "Erklärung" verpackt diese Forderungen diplomatischer als eine Änderung der Konvention. Das war wohl nötig, um die Zustimmung sämtlicher Staaten zu erhalten. Die deutsche SPD hatte sich z.B. sehr kritische gegenüber (vermeintlichen) Angriffen gegen die unabhängige Justiz geäußert und hätte eine Änderung der Konvention vermutlich blockiert.

Die Erklärung wird an vielen Stellen trotzdem recht deutlich, z.B. (freie Übersetzung aus dem Englischen von mir):

  • Nr. 4: Das Menschenrechts-System der Konvention ist nachrangig gegenüber den nationalen Menschenrechts-Systemen der Mitgliedsstaaten. Nationale Autoritäten sind grundsätzlich besser dafür geeignet, lokale Bedürfnisse und Umstände zu bewerten als ein internationaler Gerichtshof. Deshalb ist den nationalen Autoritäten ein gewisser Bewertungsspielraum bei der Anwendung der Konvention zu gewähren.
  • Nr. 23: Das Verbot von Folter und unmenschlicher Behandlung gemäß Art. 3 der Konvention gilt nur für die schwersten Formen der Misshandlung. Die Anforderungen müssen dementsprechend hoch und konstant sein und unnötige Einschränkungen in Bezug auf Abschiebe-Entscheidungen vermeiden.
  • Nr. 24: Die (fehlende) Qualität des im Herkunftsland vorhandenen Gesundheitssystems kann nur in sehr außergewöhnlichen Fällen einen Verstoß gegen das Folterverbot darstellen. Den abschiebenden Staat trifft keine Pflicht, die Unterschiede zwischen seinem eigenen Gesundheitssystem und dem Gesundheitssystem des Herkunftslandes auszugleichen.

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Meiner Meinung nach ist das ein gutes Signal und geht in die richtige Richtung. Natürlich wäre eine formelle Änderung der Konvention noch schärfer gewesen, aber diese Erklärung ist wenigstens ein guter Anfang.

Die große Frage ist nun, ob und inwieweit der Gerichtshof sich an diesen (informellen) Hinweisen und Forderungen orienteren wird. Das werden erst die nächsten Gerichtsentscheidungen zeigen und bis die kommen, wird noch einige Zeit vergehen.

Angesichts der Probleme möglicherweise trotzdem "to little, to late". Aber wenigstens passiert etwas.

welt.de
u/Unusual_Problem132 — 5 days ago

E.On-Chef Birnbaum: «Unsere Energiewende ist viel zu teuer geworden» - Interview in der NZZ

- Artikel hinter Paywall, Link in den Comments -

Birnbaum geht in dem Interview einmal alle relevanten Aspekte durch, von Gaskraftwerken über Netzausbau, Atomkraft, Batteriespeicher bis zum Kohleausstieg und der Kernfusion.

Darunter leidet allerdings die Tiefe seiner Ausführungen. Er erklärt kaum, sondern meint bzw. behauptet. Entsprechend darf sich jeder Leser auch entscheiden, ihm einfach nicht zu glauben. Ich finde es trotzdem interessant.

Hier ein paar Auszüge:

  • EON habe schon 2020 auf mögliche Engpässe beim Netz hingewiesen und einen stärkeren Netzausbau gefordert. Damals sei EON vorgeworfen worden, nur Geschäfte machen zu wollen.
  • Der Plan von Frau Reiche, den Ausbau der EE stärker mit regionalem Bedarf und Netzauslastung zu koordinieren, "verdient Unterstützung".
  • Für Industrieländer sei eine Kombination aus Atomkraft und EE die günstigte Stromerzeugungsvariante - neben Wasserkraft.
  • Eine Reaktivierung der AKW durch private Betreiber wäre nur möglich, wenn die Betreiber verbindliche Betriebsgarantien in Form eines öffentlich-rechtlichen Vertrages bekommen würden - inkl. Vertragsstrafen für Deutschland, falls es erneut vorzeitig aus der Kernkraft aussteigt.
  • Eine mögliche Alternative wäre eine staatliche Übernahme der AKW und anschließend ein Betrieb durch den Staat - wie in Belgien derzeit geprüft wird.
  • Beide Varianten hält er aus politischen Gründen für nahezuausgeschlossen. Technische oder ökonomische Hindernisse hat er hingegen nicht erwähnt.
  • Der Bau zusätzlicher Gaskraftwerke sei notwendig, wenn wir aus Atom und Kohle aussteigen wollen. - Er sage das nicht aus eigenem Interesse, denn EON sei am Bau der Gaskraftwerke nicht beteiligt.
  • Batteriespeicher seien gut, um tägliche Schwankungen auszugleichen, aber für mehrtägige Dunkelflauten ungeeignet.
  • Wir sollten uns nicht blind darauf verlassen, immer dann Strom importieren zu können, wenn wir ihn brauchen. Zitat: "[Der gemeinsame europäische Strommarkt] setzt voraus, dass niemand seine Stromversorgung auf Kosten der Nachbarn in Gefahr bringt".
  • Gas-Fracking in Deutschland wäre technisch möglich und würde uns geopolitisch unabhängiger machen. Aber es fehle bisher der Wille in Politik und Bevölkerung.
  • Beim Wasserstoff sei der Hype der letzten Jahre erstmal vorbei. Für eine flächendeckende Verwendung in der Industrie sei er schlicht zu teuer.
  • Birnbaum erwartet bis spätestens 2030 eine Grundsatzdiskussion in der EU über die Klimaziele, insb. CO2-Preis (Zertifikatehandel), weil internationale Wirtschaftskonkurrenten wie China und die USA bisher kaum mitziehen. Dadurch wachse unser Standortnachteil immer weiter.
nzz.ch
u/Unusual_Problem132 — 11 days ago

Link zur Statista-Grafik: https://de.statista.com/infografik/33595/parteineigung-von-journalisten/

Link zur Befragung: https://www.journalismusstudie.fb15.tu-dortmund.de/wp-content/uploads/2024/09/2024-Journalismusbefragung_Journalismus-und-Demokratie.pdf

Die Stichprobe ist mit ~500 befragten Journalistinnen nicht die allergrößte, aber meines Wissens groß genug, um ein halbwegs zuverlässiges Bild zu erhalten.

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Vegleicht man das Ergebnis der Befragung mit den Wahlergebnissen der BTW 2025, ergeben sich einige erstaunliche Missmatches.

Journalistinnen Wahlergebnis
Grüne 41 %
CDU 8 %
AfD 0 % ?
Politisch "Links" (SPD+Grüne+Linke+BSW) 64 %
Politisch "Rechts" (Union+AfD+FDP+FW) 11 %

Das Ganze scheint kein neuer Trend zu sein, hat sich aber in den letzten Jahren zugespitzt.

Wenn man diesem Blog-Post (Link) glauben kann, dann sah das Bild vor 15-20 Jahren bereits ähnlich aus. Schon damals lagen Grüne und SPD unter den Journalisten ganz vorne.
Damals war aber auch die Stimmung in der Bevölkerung noch eine andere. Immerhin hatten wir von 1998-2005 eine rot-grüne Bundesregierung.
Seitdem hat unter den Journalisten die Zuneigung zu "linken" Parteien zugenommen, während sie in der Bevölkerung gesunken ist.

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Perse muss eine solche Divergenz nicht schlecht sein.

Ich bin kein Freund der linken Identitätspolitik, gemäß der nur eine Frau Frauen repräsentieren kann, nur ein Schwarzer Schwarze, etc. und wir deshalb in allen Bereichen Quoten einführen müssen, um jede Minderheit zu repräsentieren. Ich bin der Meinung, dass auch ein alter weißer Mann die Interessen einer jungen schwarzen Frau vertreten kann - und umgekehrt.

Und trotzdem kann es kein Zufall sein, dass parallel zu diesem Auseinanderdriften zwischen Journalisten und Stimmung in der Bevölkerung das Vertrauen in den Journalismus in den letzten Jahren massiv abgenommen hat.
Hier sollten sich die Journalisten und Journalistinnen definitiv mal an die eigene Nase fassen und überprüfen, ob sie vielleicht ein bisschen zu viel Agitatismus betrieben und darüber das Berichten über Fakten vernachlässigt haben.

u/Unusual_Problem132 — 21 days ago
▲ 46 r/Wirtschaftsweise+1 crossposts

VRT News ist ein vom belgischen Staat finanzierter Sender, sollte also seriös sein.
Reuters Link: https://www.reuters.com/business/energy/belgium-government-plans-buy-engies-nuclear-assets-country-2026-04-30/

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Wichtigste Punkte:

  • Belgien hat 7 Atomkraftwerke, davon 2 noch in Betrieb, die anderen 5 in den Jahren 2022 bis 2025 außer Betrieb gegangen.
  • Die Betriebsgenehmigungen für die 2 laufenden Kraftwerke gehen bis 2035. Eine weitere Verlängerung ist nicht ausgeschlossen.
  • Angesichts der Energiekrisen infolge der Kriege in der Ukraine und jetzt in der Golfregion prüft die Regierung nun eine Wiederinbetriebnahme der abgeschalteten Kraftwerke. Zu diesem Zweck werden bis auf weiteres die Rückbauarbeiten gestoppt.
  • Derzeit planen/verhandeln Regierung und AKW-Betreiber über eine Verstaatlichung, aka der belgische Staat kauft den Betreibern die AKW ab. Mit allem, was dazu gehört, inkl. Übernahme Personal, Rückbau- und Entsorgungsverpflichtungen, etc.

Zitat des belgischen Premierministers:
"This government is committed to secure, affordable and sustainable energy. With less reliance on fossil fuel imports and greater control over our own supply".

In einer Stellungnahme der Regierung heißt es:
"‘In doing so, the Belgian government is taking responsibility for the country’s long-term energy supply, with the aim of developing a financially and economically viable activity that supports security of supply, climate targets, industrial resilience and socio-economic prosperity".

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Das Thema wurde hier um Sub schon oft genug diskutiert, deshalb will ich dazu gar nichts weiter sagen.
Ich finde es einfach nur spannend, was rund um uns herum so passiert.

u/Next-Bed3854 — 22 days ago