Ich habe seit neun Jahren ein „Bitte nicht berühren“-Schild aus einem Museum in meiner Küche, weil ich den Diebstahl mit 19 für tiefgründig und sehr lustig hielt
Kurze Beichte: Das Schild war nicht lose. Es steckte in einem kleinen Metallhalter neben einem Ausstellungsstück. Ich zog es heraus, steckte es ein und fühlte mich für ungefär sieben Minuten wie der klügste Mensch im Gebäude.
Mein damaliger Gedankengang:
Auf dem Schild steht „Bitte nicht berühren“.
Ich berühre es.
Ich nehme es mit.
Ironie ist wohl Kunst.
Ich war 19 und hatte zwei Bier getrunken. Das erklärt etwas, entschuldigt aber exakt gar nichts.
Heute steht das Schild neben meiner Obstschalle. Wenn Besuch fragt, woher es kommt, sage ich meistens „lange Geschichte“, was technisch korrekt und gleichzeitig feige ist. Das Museum wurde inzwischen komplett umgebaut, also kann ich mir nicht mal einreden, das Schild fehle noch an genau dieser Stelle.
Ich schäme mich nicht täglich dafür. Eigentlich denke ich kaum daran. Aber manchmal sehe ich dieses dumme Schild beim Frühstück und merke: Meine tiefgründigste Tat mit 19 war einfach Ladendiebstahl ohne Laden.
Ab wann ist Ironie nur noch Diebstahl mit nachträglicher Erklärung?