Sollten Forstbetriebe wieder eigene Betriebsfeuerwehren für Waldbrände aufstellen?
Beim letzten gemütlichen Beisammensein in unserer Feuerwehr kam irgendwann das Thema auf die aktuellen Waldbrände.
Von den älteren Kameraden, alle noch gelernte DDR-Bürger und natürlich ganz im Sinne von „früher war alles besser“ kam irgendwann ziemlich trocken der Einwurf:
„Früher gab es dafür die Forstfeuerwehr.“
Zunächst habe ich das eher als eine dieser typischen Geschichten aus alten Zeiten abgetan. Ich habe dann aber angefangen, mich etwas genauer damit zu beschäftigen – und dabei festgestellt, dass hinter diesem Einwurf tatsächlich ein ziemlich interessantes System steckte.
Die Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebe der DDR waren beim Waldbrandschutz wesentlich stärker operativ eingebunden als heutige Forstverwaltungen. Sie kümmerten sich nicht nur um Prävention, Wege, Löschwasserstellen und Waldbrandüberwachung, sondern hielten teilweise auch eigene Technik und Personal für die unmittelbare Brandbekämpfung vor.
Nachweisbar sind unter anderem eigene Tanklöschfahrzeuge, Wassertransporttechnik (Güllefass teilweise mit TS und Wendestrahlrohr + Traktor), Waldbrand- bzw. Streifenpflüge, Motorsägen, Handwerkzeuge und Gerätedepots. Bei größeren Lagen konnten zusätzliche Traktoren, Raupen, Wasserwagen und weitere schwere Technik eingesetzt werden.
Das waren dabei keine Universalfeuerwehren für Wohnungsbrände, Verkehrsunfälle oder Gefahrgut. Es handelte sich vielmehr um spezialisierte betriebliche Einheiten für Wald- und Flächenbrände.
In der BRD und später auch nach der Wiedervereinigung setzte sich dagegen weitgehend das Modell durch, das wir heute kennen:
Die Feuerwehr löscht der Forst unterstützt.
Der Forst übernimmt Prävention, Ortskenntnis, Waldwege, Fachberatung und teilweise die Bereitstellung von Forsttechnik. Die eigentliche Brandbekämpfung liegt aber bei den kommunalen Feuerwehren.
Und genau an diesem Punkt stellt sich für mich inzwischen die Frage, ob wir langfristig nicht zumindest teilweise wieder in Richtung des alten Prinzips gehen werden.
Im Kern geht es mir dabei um folgende Frage:
Sollten große oder besonders waldbrandgefährdete Forstreviere wieder eigene Betriebsfeuerwehren bzw. betriebliche Waldbrandeinheiten aufstellen?
Das Personal wäre vielerorts grundsätzlich vorhanden. Förster, Ranger, Forstwirte und Maschinenführer arbeiten ohnehin täglich in den Revieren und verfügen über Ortskenntnis, Erfahrung im Gelände und Kenntnisse im Umgang mit Forsttechnik.
Auch ein erheblicher Teil der notwendigen Technik ist teilweise ohnehin vorhanden:
- Forstschlepper und Traktoren
- Geländefahrzeuge
- Motorsägen und Freischneider
- Mulcher und Bodenbearbeitungsgeräte
- teilweise UTV/ATV
Es müsste also nicht zwingend eine komplett neue Feuerwehrorganisation mit einem umfangreichen Fuhrpark entstehen. Vorhandenes Personal könnte für die Vegetationsbrandbekämpfung zusätzlich ausgebildet und vorhandene Technik gezielt ergänzt werden.
Denkbar wäre beispielsweise pro besonders gefährdetem Revier oder Forstbezirk:
- entsprechend ausgebildete Forstmitarbeiter
- 1–2 spezialisierte Waldbrand-TLF mit Zwei-Mann-Besatzung
- UTV/ATV
- vorhandene Forstschlepper mit Pflug oder Mulcher
- Waldbrandhandwerkzeuge
- Motorsägen
- zusätzliche Wassertransportmöglichkeiten
- feste Alarmierungs- und Einsatzstrukturen
Ein wesentlicher Vorteil wäre für mich der Erstangriff.
Forstpersonal befindet sich während der Arbeitszeit ohnehin im oder unmittelbar am Wald. Wenn dort zusätzlich ein TLF stationiert ist, das mit zwei Personen ausrücken kann, steht bei einem Entstehungsbrand sehr schnell eine erhebliche Menge Löschwasser direkt im Gelände zur Verfügung.
Gerade beim Vegetationsbrand können die ersten Minuten darüber entscheiden, ob man einen kleinen Bodenbrand ablöscht oder wenige Stunden später mit mehreren Zügen im Wald steht.
Ein solches TLF müsste ausdrücklich kein normales kommunales Feuerwehr-TLF sein.
Als technische Blaupause finde ich beispielsweise die neuen Waldbrandfahrzeuge der Bundeswehr interessant: hochgeländegängig, große Wassermenge, Pump-and-Roll, Selbstschutz, fernbedienbarer Monitor und nur zwei Mann Besatzung.
Für den Forst könnte man diesen Gedanken noch konsequenter auf die eigentliche Aufgabe reduzieren:
etwa 4.000–5.000 Liter Wasser, Pump-and-Roll, Monitor, Selbstschutz, D-Schläuche und Waldbrandwerkzeug – dafür keine umfangreiche LF-Beladung, keine technische Hilfeleistung und kein Innenangriff.
Der zweite Punkt, den ich fast noch interessanter finde, ist die Nachsorge nach einem Waldbrand.
Wer entsprechende Einsätze kennt, weiß dass „Feuer aus“ häufig noch lange nicht „Einsatzende“ bedeutet. Abgebrannte Flächen müssen kontrolliert werden, Stubben und Totholz können weiterglimmen und im Boden können sich Glutnester teilweise lange halten.
Für diese Aufgaben werden teilweise über viele Stunden kommunale Feuerwehrkräfte gebunden.
Warum eigentlich?
Sobald die akute Gefahrenabwehr abgeschlossen und die Fläche entsprechend übergeben ist, könnte genau diese Aufgabe eine betriebliche Forstfeuerwehr übernehmen.
Forstpersonal könnte mit eigener Wärmebildkamera, UTV, TLF und Handwerkzeug die Fläche kontrollieren, Glutnester bearbeiten und bei einer erneuten Entwicklung wieder die kommunale Feuerwehr nachfordern.
Damit wären die freiwilligen Kräfte deutlich schneller wieder zuhause beziehungsweise für den Grundschutz ihrer Gemeinden verfügbar.
Und genau das wird meines Erachtens zunehmend relevant.
Wir haben gleichzeitig:
Personalprobleme:
Gerade tagsüber und bei mehrtägigen Einsätzen lässt sich die Verfügbarkeit ehrenamtlicher Kräfte nur bedingt steigern. Wir haben zwar genügend Freiwillige, aber diese müssen bei Laune gehalten und herangeführt werden.
Steigende Kosten:
Spezialisierte hochgeländegängige Waldbrandfahrzeuge kosten inzwischen enorme Summen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob diese Spezialtechnik zwingend vollständig durch Kommunen finanziert werden muss, wenn sie überwiegend dem Schutz großer staatlicher oder privater Waldflächen dient.
Eine zunehmende Waldbrandgefahr:
Längere Trockenperioden und häufiger auftretende kritische Vegetationsbrandlagen machen Waldbrandbekämpfung zunehmend zu einer dauerhaften Spezialfähigkeit.
Die kommunale Feuerwehr würde durch eine solche Forst-Betriebsfeuerwehr selbstverständlich nicht ersetzt.
Sie bliebe für Einsatzleitung und umfassende Gefahrenabwehr verantwortlich. Der Forst würde aber wieder eine eigene operative Fähigkeit einbringen und genau die Dinge bereitstellen, die dort ohnehin vorhanden oder besonders sinnvoll aufgehoben sind:
Ortskenntnis + Personal + Löschwasser + Geländegängigkeit + Forstmaschinen.
Vielleicht hatten die alten Kameraden mit ihrem „früher war alles besser“ also zumindest in diesem einen Punkt gar nicht so unrecht.
Nicht im Sinne einer Rückkehr zum DDR-System 1:1 – aber die grundsätzliche Idee, dass derjenige, der große Waldflächen bewirtschaftet und Personal sowie Technik dauerhaft vor Ort hat, auch eine eigene spezialisierte Waldbrandkomponente vorhält, finde ich zunehmend nachvollziehbar.
Wie seht ihr das?
Sollten große bzw. besonders waldbrandgefährdete Forstreviere zukünftig wieder eigene Betriebsfeuerwehren für Wald- und Flächenbrände aufstellen? Wäre das ganze eine sinnvolle Entlastung der kommunalen Kräfte oder eine unnötige Doppelstruktur?