u/XxXFederhalterXxX

Sollten Forstbetriebe wieder eigene Betriebsfeuerwehren für Waldbrände aufstellen?

Beim letzten gemütlichen Beisammensein in unserer Feuerwehr kam irgendwann das Thema auf die aktuellen Waldbrände.

Von den älteren Kameraden, alle noch gelernte DDR-Bürger und natürlich ganz im Sinne von „früher war alles besser“ kam irgendwann ziemlich trocken der Einwurf:

„Früher gab es dafür die Forstfeuerwehr.“

Zunächst habe ich das eher als eine dieser typischen Geschichten aus alten Zeiten abgetan. Ich habe dann aber angefangen, mich etwas genauer damit zu beschäftigen – und dabei festgestellt, dass hinter diesem Einwurf tatsächlich ein ziemlich interessantes System steckte.

Die Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebe der DDR waren beim Waldbrandschutz wesentlich stärker operativ eingebunden als heutige Forstverwaltungen. Sie kümmerten sich nicht nur um Prävention, Wege, Löschwasserstellen und Waldbrandüberwachung, sondern hielten teilweise auch eigene Technik und Personal für die unmittelbare Brandbekämpfung vor.

Nachweisbar sind unter anderem eigene Tanklöschfahrzeuge, Wassertransporttechnik (Güllefass teilweise mit TS und Wendestrahlrohr + Traktor), Waldbrand- bzw. Streifenpflüge, Motorsägen, Handwerkzeuge und Gerätedepots. Bei größeren Lagen konnten zusätzliche Traktoren, Raupen, Wasserwagen und weitere schwere Technik eingesetzt werden.

Das waren dabei keine Universalfeuerwehren für Wohnungsbrände, Verkehrsunfälle oder Gefahrgut. Es handelte sich vielmehr um spezialisierte betriebliche Einheiten für Wald- und Flächenbrände.

In der BRD und später auch nach der Wiedervereinigung setzte sich dagegen weitgehend das Modell durch, das wir heute kennen:

Die Feuerwehr löscht der Forst unterstützt.

Der Forst übernimmt Prävention, Ortskenntnis, Waldwege, Fachberatung und teilweise die Bereitstellung von Forsttechnik. Die eigentliche Brandbekämpfung liegt aber bei den kommunalen Feuerwehren.

Und genau an diesem Punkt stellt sich für mich inzwischen die Frage, ob wir langfristig nicht zumindest teilweise wieder in Richtung des alten Prinzips gehen werden.

Im Kern geht es mir dabei um folgende Frage:

Sollten große oder besonders waldbrandgefährdete Forstreviere wieder eigene Betriebsfeuerwehren bzw. betriebliche Waldbrandeinheiten aufstellen?

Das Personal wäre vielerorts grundsätzlich vorhanden. Förster, Ranger, Forstwirte und Maschinenführer arbeiten ohnehin täglich in den Revieren und verfügen über Ortskenntnis, Erfahrung im Gelände und Kenntnisse im Umgang mit Forsttechnik.

Auch ein erheblicher Teil der notwendigen Technik ist teilweise ohnehin vorhanden:

- Forstschlepper und Traktoren

- Geländefahrzeuge

- Motorsägen und Freischneider

- Mulcher und Bodenbearbeitungsgeräte

- teilweise UTV/ATV

Es müsste also nicht zwingend eine komplett neue Feuerwehrorganisation mit einem umfangreichen Fuhrpark entstehen. Vorhandenes Personal könnte für die Vegetationsbrandbekämpfung zusätzlich ausgebildet und vorhandene Technik gezielt ergänzt werden.

Denkbar wäre beispielsweise pro besonders gefährdetem Revier oder Forstbezirk:

- entsprechend ausgebildete Forstmitarbeiter

- 1–2 spezialisierte Waldbrand-TLF mit Zwei-Mann-Besatzung

- UTV/ATV

- vorhandene Forstschlepper mit Pflug oder Mulcher

- Waldbrandhandwerkzeuge

- Motorsägen

- zusätzliche Wassertransportmöglichkeiten

- feste Alarmierungs- und Einsatzstrukturen

Ein wesentlicher Vorteil wäre für mich der Erstangriff.

Forstpersonal befindet sich während der Arbeitszeit ohnehin im oder unmittelbar am Wald. Wenn dort zusätzlich ein TLF stationiert ist, das mit zwei Personen ausrücken kann, steht bei einem Entstehungsbrand sehr schnell eine erhebliche Menge Löschwasser direkt im Gelände zur Verfügung.

Gerade beim Vegetationsbrand können die ersten Minuten darüber entscheiden, ob man einen kleinen Bodenbrand ablöscht oder wenige Stunden später mit mehreren Zügen im Wald steht.

Ein solches TLF müsste ausdrücklich kein normales kommunales Feuerwehr-TLF sein.

Als technische Blaupause finde ich beispielsweise die neuen Waldbrandfahrzeuge der Bundeswehr interessant: hochgeländegängig, große Wassermenge, Pump-and-Roll, Selbstschutz, fernbedienbarer Monitor und nur zwei Mann Besatzung.

Für den Forst könnte man diesen Gedanken noch konsequenter auf die eigentliche Aufgabe reduzieren:

etwa 4.000–5.000 Liter Wasser, Pump-and-Roll, Monitor, Selbstschutz, D-Schläuche und Waldbrandwerkzeug – dafür keine umfangreiche LF-Beladung, keine technische Hilfeleistung und kein Innenangriff.

Der zweite Punkt, den ich fast noch interessanter finde, ist die Nachsorge nach einem Waldbrand.

Wer entsprechende Einsätze kennt, weiß dass „Feuer aus“ häufig noch lange nicht „Einsatzende“ bedeutet. Abgebrannte Flächen müssen kontrolliert werden, Stubben und Totholz können weiterglimmen und im Boden können sich Glutnester teilweise lange halten.

Für diese Aufgaben werden teilweise über viele Stunden kommunale Feuerwehrkräfte gebunden.

Warum eigentlich?

Sobald die akute Gefahrenabwehr abgeschlossen und die Fläche entsprechend übergeben ist, könnte genau diese Aufgabe eine betriebliche Forstfeuerwehr übernehmen.

Forstpersonal könnte mit eigener Wärmebildkamera, UTV, TLF und Handwerkzeug die Fläche kontrollieren, Glutnester bearbeiten und bei einer erneuten Entwicklung wieder die kommunale Feuerwehr nachfordern.

Damit wären die freiwilligen Kräfte deutlich schneller wieder zuhause beziehungsweise für den Grundschutz ihrer Gemeinden verfügbar.

Und genau das wird meines Erachtens zunehmend relevant.

Wir haben gleichzeitig:

Personalprobleme:

Gerade tagsüber und bei mehrtägigen Einsätzen lässt sich die Verfügbarkeit ehrenamtlicher Kräfte nur bedingt steigern. Wir haben zwar genügend Freiwillige, aber diese müssen bei Laune gehalten und herangeführt werden.

Steigende Kosten:

Spezialisierte hochgeländegängige Waldbrandfahrzeuge kosten inzwischen enorme Summen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob diese Spezialtechnik zwingend vollständig durch Kommunen finanziert werden muss, wenn sie überwiegend dem Schutz großer staatlicher oder privater Waldflächen dient.

Eine zunehmende Waldbrandgefahr:

Längere Trockenperioden und häufiger auftretende kritische Vegetationsbrandlagen machen Waldbrandbekämpfung zunehmend zu einer dauerhaften Spezialfähigkeit.

Die kommunale Feuerwehr würde durch eine solche Forst-Betriebsfeuerwehr selbstverständlich nicht ersetzt.

Sie bliebe für Einsatzleitung und umfassende Gefahrenabwehr verantwortlich. Der Forst würde aber wieder eine eigene operative Fähigkeit einbringen und genau die Dinge bereitstellen, die dort ohnehin vorhanden oder besonders sinnvoll aufgehoben sind:

Ortskenntnis + Personal + Löschwasser + Geländegängigkeit + Forstmaschinen.

Vielleicht hatten die alten Kameraden mit ihrem „früher war alles besser“ also zumindest in diesem einen Punkt gar nicht so unrecht.

Nicht im Sinne einer Rückkehr zum DDR-System 1:1 – aber die grundsätzliche Idee, dass derjenige, der große Waldflächen bewirtschaftet und Personal sowie Technik dauerhaft vor Ort hat, auch eine eigene spezialisierte Waldbrandkomponente vorhält, finde ich zunehmend nachvollziehbar.

Wie seht ihr das?

Sollten große bzw. besonders waldbrandgefährdete Forstreviere zukünftig wieder eigene Betriebsfeuerwehren für Wald- und Flächenbrände aufstellen? Wäre das ganze eine sinnvolle Entlastung der kommunalen Kräfte oder eine unnötige Doppelstruktur?

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u/XxXFederhalterXxX — 4 days ago

Sind wir wirklich so schlecht auf Waldbrände vorbereitet?

Hallo Zusammen in den aktuellen Berichten zu den Waldbränden in Europa wird Deutschland teilweise als völlig unvorbereitet auf solche Lagen dargestellt. Diese Sichtweise halte ich für zu pauschal.

Natürlich gibt es auch bei uns Baustellen. Themen wie spezielle Schutzausrüstung, Fahrzeuge und generelle Ausrüstung werden seit Jahren diskutiert und bieten sicher noch Potenzial. Hier hat sich in den letzten Jahren aber auch schon viel getan.

Gleichzeitig habe ich den Eindruck werden unsere bereits vorhandenen Fähigkeiten häufig in den Hintergrund gerückt. Wir haben zum Beispiel im Vergleich zu den südlichen Ländern enorme personelle Ressourcen. Hinzu kommen Regionen wie Brandenburg, Niedersachsen oder das nördliche Sachsen, die bereits seit Jahren Erfahrungen mit Vegetationsbränden haben.

Ich sehe aber auch in diesen Regionen zwei Arten von Feuerwehren. Auf der einen Seite die die schon seit Jahrzehnten mit dem Thema konfrontiert werden und entsprechend in Ausrüstung und Ausbildung investieren. Auf der anderen Seite stehen die Feuerwehren die erst jetzt durch die Auswirkungen des Klimawandels mit dem Thema in Berührung kommen.

Aus meiner eigenen Einsatzerfahrung und den Berichten die ich lese, denke ich das wir in Deutschland die allermeisten Vegetationsbrände relativ schnell unter Kontrolle bekommen. Besonders komplex und langwierig werden die Einsätze eigentlich nur wenn außergewöhnliche Faktoren dazukommen.

Als Beispiel würde ich die Waldbrände Gohrischheide Zeithain und den Brand in der sächsischen Schweiz heran ziehen.

- Gohrischheide -> Munitionsbelastet 1000m Abstand zum Feuer

- Sächsische Schweiz -> komplexe Topographie, lange Anmarschwege, große Höhenunterschiede

Ich denke bei den Einsätzen hätten auch die Kameraden aus Frankreich oder Spanien vor Problemen gestanden.

Auch ist unsere Landschaft nur schwer mit der Südeuropas vergleichbar. Wir leben in einer recht dicht besiedelten Kulturlandschaft. Wir haben ein engmaschiges Netz aus Feuerwehren, Verkehrswegen und Infrastruktur. In Spanien oder Frankreich gibt es dagegen teilweise riesige zusammenhängende Wald- und Buschgebiete mit deutlich geringerer Besiedlungsdichte.

Ich will auf keinen Fall behaupten, dass Deutschland besser aufgestellt ist als Spanien oder Frankreich. Gerade diese Länder verfügen zweifellos über einen enormen Erfahrungsschatz und sind in Teilen auch besser/einheitlicher ausgestattet.

Trotzdem denke ich sind wir alles andere als unvorbereitet.

Wie seht ihr das? Wo liegen unsere Stärken, wo die größten Defizite.

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u/XxXFederhalterXxX — 16 days ago

Hybridlampen sinnvoll?

Hallo Internet Kameraden wie wollen über ein Förderprogramm eines Arbeitgebers das Akkusystem auf unserm HLF (BJ96) erneuern bzw. einige Sachen überhaupt anschaffen. Ziel wäre Milwaukee 18V.

Aktuell läuft die Prüfung für Akkuschrauber und Säbelsäge mitsamt Zubehör.

Nun kam ins Gespräch die Scheinwerfer des Stativs auszutauschen.

Momentan sind dort 2 1000 Watt Halogenstrahler verlastet. Überlegung wäre hier entweder neue LED Strahler und eine Akku Lampe (RLS1000 o.Ä.) oder 2 Hybridstrahler (Dönges Raptor R o.Ä.) zu beschaffen.

Licht ist bei uns erstmal ein untergeordnetes Thema da zu den meisten Einsätzen die DLK (BJ22) mitrollt und ausreichend Licht erzeugt.

Wie seht ihr das? Habt ihr Erfahrung mit Hybridlampen oder nutzt ihr Akkulampe plus 230V Strahler.

Jetzt

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u/XxXFederhalterXxX — 2 months ago

VRW und LF20 statt HLF oder LF mit Rüstsatz

Hallo Zusammen eine Feuerwehr in meiner Region hat sich letztes Jahr das 25 Jahre alte TSF-WZ (MB 612D) einer Ortswehr zum VRW umgebaut.

Nun hat die Wehr noch ein neues LF20 in Dienst gestellt.

Überseh ich etwas oder hätte man nicht einfach den Rüstsatz aufs LF20 packen können. Bei diesem ist jetzt an der Stelle des Rüstsatzes ein Nasssauger und eine TP4/1 verlastet. Die Wehr hat auch nur einen Rüstsatz.

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u/XxXFederhalterXxX — 3 months ago

Autofahrer und Sperrungen

Heute mir der Feuerwehr unterwegs gewesen zur technischen Hilfeleistung nach Verkehrsunfall. Klang erst alles schlimmer war letztlich für uns nix weiter als absperren und Betriebsmittel aufnehmen.

Was mich aber maßlos ankotzt wie die Autofahrer und Autofahrerinnen Heute auf die Sperrung reagiert haben. Ja es war ein Unfall mitten auf der Kreuzung und die ganze Kreuzung ist gesperrt. Nein du kannst da jetzt mal nicht durchfahren, auch nicht wenn dein Auto zwischen den Kegeln durchpasst. Auch die Frage ob hier wirklich voll gesperrt ist erübrigt sich, die roten und blauen Autos stehen nur zum Spaß mit Blaulicht da rum, genauso wie die Faltdreiecke und die Kegel.

Einfach umdrehen und woanders langfahren aber nein "ich fahr immer hier lang. Was soll ich tun"

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u/XxXFederhalterXxX — 3 months ago

Ich lese hier immer wieder das Wehrführer einen KDOW mit nachhause nehmen oder wie im anderen Beitrag mit dem Privat PKW zum Einsatz kommen. Deshalb meine Frage ist es bei euch so üblich das nur die Wehrleitung große Einsätze führt?

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u/XxXFederhalterXxX — 4 months ago