Feedback gesucht: Kalkulation Selbstständigkeit als Architekt (freier Mitarbeiter, ByAK, €90k gross) Realistisch?
Hallo zusammen, ich plane den Sprung in die Selbstständigkeit und würde mich über Feedback zu meiner Abgaben und Kostenkalkulation freuen.
Kontext
Profil: Architekt, ca. 8 Jahre Berufserfahrung (DE). Fokus: LPH 0-3 (Entwurf) & BIM.
Ausgangslage: Wechsel von Festanstellung (€4.800 Brutto/Monat) in freie Mitarbeit für Architekturbüros in München.
Ziel-Umsatz: 7.500 € Brutto/Monat (90.000 €/Jahr). Die Differenz zum Angestelltengehalt (+2.700 €) ist ein reiner Risiko- und Kostenaufschlag.
Rechtliches & Kammer (ByAK): Ich könnte Leistungen zwar als reine "Design- oder Planungsleistungen" ohne Kammer in Rechnung stellen (laut ByAK legal). Die Eintragung als freier Architekt ist aber geplant wegen:
Gewerbesteuer: Umgehung der Gewerbesteuerpflicht via Freiberufler-Status (0 € Gewerbesteuer).
Haftung: Absicherung über eigene Berufshaftpflicht zum Schutz des Privatvermögens bei eventuellem Regress des Auftraggebers (ohne Eintragung = volle persönliche Haftung).
Vorsorge: Einzahlung ins Versorgungswerk (BArchV) statt der DRV.
Steuerliches: Zusammenveranlagung (verheiratet, 1 Kind, Steuerklasse 4), kirchensteuerfrei.
Kalkulation (monatlich auf 20 Arbeitstage)
Umsatz (Netto-Rechnung ohne USt.): +7.500,00 €
Betriebsausgaben (Software, Hardware-AfA, EÜR, Bank): -416,67 € (5,6 %)
Kammermitgliedschaft (ByAK): -29,17 € (0,4 %) (pro Jahr ca.350€)
Berufshaftpflicht (Freier Mitarbeiter, €1,5M/€200k): -50,00 € (0,7 %) (pro Jahr ca.600€)
Gewinn vor Vorsorge/Steuern: 7.004,16 € (93,4 %)
Bayerische Architektenversorgung (BArchV): -651,39 € (9,3 % des Gewinns / geplanter halber Beitrag für die ersten 3 Jahre)
Gesetzliche Kranken- & Pflegeversicherung (GKV freiwillig): -1.050,00 € (am Höchstsatz 2026 gedeckelt)
Einkommensteuer-Vorauszahlung: -750,00 € (10,0 % / dank Splitting sehr optimiert)
Kirchensteuer & Soli: 0,00 €
Netto-Auszahlung aufs Privatkonto : 4.552,77 € (60,7 % des Brutto-Umsatzes)
Hinweis: Mir ist klar, dass unbezahlte Urlaubs-, Feier- und Krankheitstage das reale Netto im Jahresmittel noch deutlich schrumpfen lassen, weshalb das Brutto eigentlich höher sein müsste.
Fragen
Mechanik & Plausibilität: Unabhängig davon, ob die 90.000 € für meine Erfahrung passen: Stimmt die Kalkulation der Abgaben (Steuern, GKV-Höchstsatz, reduziertes Versorgungswerk) rein rechnerisch oder fehlt ein wesentlicher Posten? Bleiben bei euch auch ca. 60 % Netto hängen? Sieht ihr was als kritisch?
BArchV halber Beitrag: Hat jemand Erfahrung mit dem Antrag auf Existenzgründer-Ermäßigung (9,3 %) bei der ByAK/BArchV? Gibt es da bürokratische Hürden?
Vielen Dank für euer Feedback!