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Neurodivergentes Burnout, lange Lücke im Lebenslauf und Neuanfang: Wie kommuniziere ich das richtig?

tl;dr: Nach Kündigung in der Probezeit 2022, Burnout, Depression und den späten Diagnosen ADHS und (hochfunktionaler) Autismus möchte ich nach vier Jahren Pause (inklusive medizinischer und beruflicher Reha) wieder ins Berufsleben einsteigen. Wie erkläre ich die Lücke im Vorstellungsgespräch ehrlich und professionell, ohne in eine Opferrolle zu verfallen oder nach Floskeln zu klingen?
Hallo zusammen,

Ich brauche mal einen Rat aus der Community. Ich (M, mitte 30) wurde 2022 nach der Probezeit gekündigt. Erst ein dreiviertel Jahr später erhielt ich die Diagnose ADHS und fast zwei Jahre später die Diagnose Autismus. Im Nachhinein ergibt alles Sinn, aber die Situation damals hat mich in ein tiefes neurodivergentes Burnout und schwere Depressionen gestürzt.

Hinweis zum Hintergrund: Neurodivergenz bedeutet vereinfacht gesagt, dass das Gehirn Informationen anders verarbeitet. Durch dünnere Reizfilter nimmt man die Umwelt viel intensiver wahr, und beim Thema Empathie und Kommunikation redet man oft unwissentlich aneinander vorbei (Double Empathy Problem), weil neurotypische und neurodivergente Menschen eine völlig andere Körpersprache und soziale Logik teilen.

Die Situation im alten Job:
Umfeld: Der Job im Büro (Innendienst) war sehr ländlich geprägt und das Team bestand sonst nur aus sehr jungen Frauen. Ich war 30, kam nicht aus der Gemeinde und war sozial sowie vom Alter her komplett isoliert.

• Die Probleme: Unbewusstes Maskieren, sensorische Überlastung im Großraumbüro und völlig unterschiedliche Arbeitsstile. Ich wollte konzentriert arbeiten, das Team wollte soziale Interaktion. Unbewusstes Maskieren, sensorische Überlastung im Großraumbüro und unterschiedliche Arbeitsstile.

Ich wollte konzentriert arbeiten und habe mich oft mit Noise-Cancelling-Kopfhörern abgeschottet, während im Team der soziale Aspekt starkes Gewicht hatte. Ich habe die Kopfhörer nicht einfach so in die Ohren gesteckt, sondern angekündigt, dass ich jetzt die Kopfhörer rein nehme und jetzt 40-50 Minuten konzentriert arbeiten möchte. Klassische Telefone gab es nicht, hätte ich einen Anruf empfangen, wäre es auf meinem Monitor durch ein eigens sich direkt öffnendes Fenster direkt ersichtlich.

Dennoch wurde mir vorgeworfen, dass ich das Telefon nicht hören würde. Dadurch wurde ich schnell als Fremdkörper und Dorn im Auge wahrgenommen. Wegen der Kopfhörer wurde mir seitens Vorgesetzten mitgeteilt, dass dies unkollegial sei obwohl ich mitteilte, dass es mir da zu laut sei und es wie erwähnt kommunizierte.

Aussage war: Die Kolleginnen stört es ja auch nicht, daher kann es mich nicht stören.

Ergonomie: Ich bin knapp 2 m groß. Die Tische stammten aus den 80er Jahren und waren viel zu niedrig. Ich saß da wie ein Shrimp. Einen höhenverstellbaren Tisch, den ich kurzzeitig hatte, musste ich nach anderthand Monaten an eine Kollegin abgeben, die erheblich kleiner war. Daher wurden auch meine körperlichen Bedürfnisse ignoriert.

Das Ende: Zum Ende der Probezeit wurde ich gekündigt mit der Begründung, die Teamdynamik und ich passe nicht und ich mache dem Vorgesetzten unnötige Arbeit. Das sitzt immer noch tief.

Die lange Pause danach:
Ich bin nun seit vier Jahren ohne Beschäftigung. Diese Zeit war aber keine Untätigkeit. Ich habe eine medizinische und eine berufliche Reha (Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben) hinter mir. Ich habe die Zeit gebraucht, um das Burnout zu überwinden, mich selbst zu finden und meine Diagnosen zu verstehen. Ich weiß heute ganz genau, wer ich bin, was meine Qualitäten sind und was für Rahmenbedingungen ich brauche und welche eben nicht. Ich will wieder arbeiten und etwas bewegen.

Meine Herausforderung und Frage an euch:
Ich möchte jetzt wieder einsteigen. Ich habe Angst, wieder in so ein Umfeld zu geraten, auch wenn ich mich jetzt wohl besser schützen kann. Beruflich will ich wieder in diesem Bereich tätig sein (kfm. Ausbildung).

Vor allem frage ich mich:

Wie verkaufe ich diese vier Jahre Lücke und die kurzen Stationen davor, die auch wegen der damals unentdeckten Neurodivergenz scheiterten, im Anschreiben und Vorstellungsgespräch, ohne in eine Opfermentalität zu verfallen?

Ich will nicht unauthentisch oder nach weichgespültem Personaler Gerede klingen. Wie verpacke ich den Weg vom Burnout über die Reha bis zur Selbsterkenntnis ehrlich, aber professionell im Anschreiben?

Danke für eure Tipps!

reddit.com
u/autgay — 4 days ago