u/carlchen90

Beitragsentlastung bei mir sinnvoll?

Hallo Community,

ich habe einen speziellen Fall und hätte gerne mal eure Meinung dazu.
Ich habe schon einige Beiträge dazu gelesen und natürlich auch diesen Kommentar

Bin bin bei der Alten Oldenburger Versichert, Arbeitnehmer, Ambulant im Tarif A80/100 und habe einen BET in Höhe von 170€ für 86€ im Monat.

Ich habe mir jetzt mal die nackten Cashflows bis zu einem (zugegeben sehr optimistischen und konservativ gerechneten) Sterbealter von 105 Jahren per IRR (interner Zinsfuß) durchgerechnet.

Hier sind die harten Fakten des Tarifs:

  • Mein Eintrittsalter: 35 Jahre
  • Monatlicher Tarifbeitrag: 86 € lebenslang
  • Arbeitgeberzuschuss: Bis 67 zahlt der AG die Hälfte (effektiv 43 € Aufwand für mich), danach zahle ich die vollen 86 € allein.
  • Garantierte Entlastung: Ab Alter 65 erhalte ich 170 € monatlich bis zum Tod.

Das Problem: Das lebenslange „Hamsterrad“

Was mir anfangs nicht klar war: Weil der Beitrag im Alter weiterläuft, konsumiert sich der Tarif zu einem großen Teil selbst. Ab dem Renteneintritt mit 67 stehen den 170 € Entlastung weiterhin 86 € eigener Beitrag gegenüber. Der reale Liquiditätsvorteil im Alter schrumpft also auf gerade einmal 84 € pro Monat. Ich zahle über 30 Jahre ein, um am Ende einen monatlichen Netto-Effekt zu haben, der fast exakt meiner heutigen Einzahlung entspricht.
Das Verhältnis von 1:2 bleibt auch bei einem höheren BET nahezu konstant. Ich habe immer eine doppelte Entlastung als Beitrag.

Die nackten Zahlen (IRR-Berechnung bis Alter 105)

Wenn ich die Zahlungsströme über die gesamte Laufzeit als Investment betrachte, wird es richtig bitter:

  • Rendite (mit AG-Zuschuss): Meine persönliche Rendite liegt bei einem Sterbealter von 105 Jahren bei 4,15 % p.a. * Gesamtrendite (ohne AG-Zuschuss): Das Produkt selbst erwirtschaftet auf die vollen 86 € bezogen bis zum Alter 105 gerade einmal 0,85 % p.a. Der Tarif gewinnt also nur durch die AG-Subvention überhaupt an Land, ist im Kern aber extrem defensiv und renditearm kalkuliert.
  • Die schwarze Null: Ohne AG-Zuschuss wird die Rendite erst ab dem 100. Lebensjahr überhaupt positiv.

Das Steuer-Argument

Ja, der BET bringt mir aktuell ca. 20 € Steuerminderung im Monat. Aber der Haken kommt im Alter: Die Beitragsentlastung von 170 € mindert dann meine abziehbaren Vorsorgeaufwendungen. Ich habe im Alter also höhere steuerpflichtige Einkünfte. Der heutige Steuervorteil wird in der Rente zu einem guten Teil wieder aufgefressen.

Die Alternative: Der klassische Welt-ETF

Wenn ich meinen reinen Arbeitnehmeranteil (43 €) stattdessen monatlich bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren (32 Jahre lang) in einen ETF stecke, sieht die Welt ganz anders aus:

  • Angenommene 6 % p.a. vor Steuern
  • Eingerechnet: Jährliche Vorabpauschale, 30 % Teilfreistellung und Kapitalertragssteuer bei Entnahme.
  • Ergebnis mit 67: Ein Netto-Kapitalstock von knapp 49.300 €.

Wenn ich diesen Topf exakt bis zum Alter von 105 Jahren (38 Jahre Auszahldauer) verzehre (während das Restkapital im Depot mit 6 % weiterläuft), wirft der ETF eine monatliche Netto-Auszahlung von ca. 231 € (nach Steuern) ab. Bleibt natürlich das Risiko eines Marktschocks, aber ich vertraue auf die ~15jährige Selbstheilungskraft des Aktienmarktes.

Mein Fazit im direkten Vergleich (bis Alter 105):

  • ETF-Sparplan: ~231 € mtl. netto, volle Flexibilität, im Falle eines früheren Todes vollständig vererbbar.
  • PKV-Tarif (BET): 84 € realer Netto-Effekt, null Flexibilität, bei früherem Tod Totalverlust des Kapitals an das Kollektiv.
  • Um den AG Beitrag mehr auszuschöpfen, würde ich einen Wechsel in den Tarif A90/100 mit geringerer Selbstbeteiligung in Betracht ziehen.

Wie seht ihr das? Habt ihr ähnliche Rechnungen mit euren BETs aufgemacht oder übersehe ich einen massiven Denkfehler in meiner Logik?

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u/carlchen90 — 7 days ago