
Gemeinsam wachsen: Für eine diverse Bundesliga der Frauen
Erstmals ist kein reiner Frauenverein in der ersten Bundesliga der Frauen vertreten. Mit der SGS Essen muss ein Schwergewicht des Frauenfußballs, erstmal ein Schritt zurück gegen. Die angedeutete Entwicklung kommt aber nicht überraschend, es ist eine Summe von vielen Entwicklungen.
Kathrin Längert, ehemalige DFB-Nationalspielerin und Torhüterin unter anderem beim FCR 2001 Duisburg und Bayern München, analysiert zur SGS Essen: „Es lässt sich natürlich nicht von der Hand weisen, dass sportlich und strategisch Fehlentscheidungen getroffen wurden. Wahr ist aber auch, dass nun fast 30 Jahre kaum relevante Ablösesummen und Ausbildungsentschädigungen gezahlt wurden.“
Erst jetzt kann Geld bewegt werden, zunehmend steigen Marktwerte der Spielerinnen. Das investieren lohnt sich, langsam aber sicher wollen Investoren den Frauenfußball unterstützen. Frauenfußball lief lange Zeit unter den Radar, die vorher erfolgreichen Vereine hatten nie viel Geld, das wurde jetzt den Traditionsvereinen zum Verhängnis. Hinzu kommen Fehler, die durch das Management entstanden sind. Strukturen werden erst erschlossen und professioneller aufgestellt.
Auch übt Längert Kritik am Verband: „In einer Liga, die – organisiert vom DFB – funktioniert hat wie der ‚Wilde Westen‘, konnte kein Verein nur durch gute Leistung und Ausbildung langfristig überleben. Von Schulterklopfen lässt sich eben kein Stadion unterhalten, lassen sich keine Kunstrasenplätze bauen – und auch keine Spielerinnengehälter zahlen.“
Sie stellt heraus, dass der DFB mit seiner sehr zurückhaltend Strategie ein Fehler begangen hat. Das sahen auch die anderen Vereine so, weshalb die FBL gegründet wurde und die Abspaltung vorangetrieben wird. FBL-Präsidentin Katharina Kiel sprach zuletzt von 700 bis 800 Millionen Euro Investitionen der Vereine in die Liga über die nächsten acht Jahre. Die Neulinge müssen dafür noch inhaltlich an Bord gebracht werden. Die Neulinge sind in diesen Fall, die Vereine die noch nicht in der Struktur aufgenommen. Zurzeit ist nur bekannt das Gelder in die Google Pixel Frauen Bundesliga fließen. Eine Eingliederung der jetzigen Aufsteiger wurde auch noch nicht hinlänglich besprochen. Es wäre ein Fehler, die 2. Bundesliga nicht mit einzubeziehen. Vereine, die die Liga und den Grundstein für den Erfolg aufgebaut haben, dürfen nicht vergessen werden. Mit der Unterstützung der zweiten Liga kann auch die Attraktivität der ersten Liga gesteigert werden.
Der DFB hatte seinerseits ursprünglich 100 Millionen Euro in Aussicht gestellt, aktuelle Äußerungen lassen vermuten, dass der Verband die unter den neuen Voraussetzungen jedoch nicht in die Liga, sondern die Nachwuchsarbeit investiert. Der Fußball der Frauen muss so oder so weiter an Finanzierungsmodellen arbeiten, auch unterhalb der ersten Liga.
Katja Kraus, eine der Köpfe der Diversitäts-Initiative „Fußball kann mehr“ und beim HSV einst erste Frau im Vorstand eines Bundesligisten, stellt bei SPORT1 fest: „Für die Attraktivität der Frauen-Bundesliga ist es wichtig, dass die Tabelle kein Abbild der Wirtschaftskraft der Männerklubs ist.“ Die ehemalige Nationaltorhüterin findet mit Blick auf die zweiten Liga: „Projekte wie FC Viktoria Berlin bereichern den Wettbewerb ungemein. Ich würde mir weitere solcher Initiativen wünschen, auch wenn die Finanzierung ungleich schwerer ist. Voraussetzung ist eine aufsehenerregende Erzählung und die Offenheit für Investoren, die an das Potenzial des Frauenfußballs glauben.“
Es geht hier darum, das es nicht nur eine Erfolgsformel gibt. Frauenfußball ist divers, es wird vorgelebt anders sein zu. Die Entwicklung, ein Abbild der Männerliga zu sein, würde nur eine weitere Abhängigkeit bedeuten. Es müssen daher eigenständige Frauenvereine genau so unterstützt werden, bzw. ihnen eine Stimme und Perspektive aufgezeigt werden. Damit können andere Vereine das Modell von Viktoria Berlin übernehmen. Turbine Potsdam arbeitet dran einen Investor zu finden. Wie schon einmal beschreiben, sind viele Unternehmen gewillt und interessiert in den Frauenfußball einzusteigen. Schlussendlich hilft die Vielfalt allen, mehr Zentren des Frauenfußballs eröffnen mehr Talenten eine erfolgreiche Karriere. Das Problem, nur wenige Clubs zu haben entfällt. Die Männerfußball ist nur so erfolgreich, da so viele Vereine existieren.
„Ich war immer Fan der Tatsache, dass wir ein gemischtes Teilnehmerinnenfeld hatten. Insofern hätte mich mir gewünscht, dass wir auch reine Frauen-Fußballvereine haben, die das stemmen können“, sagt Heike Ullrich, DFB-Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball zu SPORT1. Sie habe „unheimliche Hochachtung dafür, was Essen gestemmt hat als Ausbildungsverein“. Aber: „Auch das ist Markt – und eine Entwicklung sehenden Auges.“
Es stimmt jedoch auch, das eine künstliche Hilfe und mehr Eingriff in den Markt falsch wären. Es kann keiner erzwingen, welche Vereine Erfolg haben. Es gibt multiple Faktoren, die den Erfolg determinieren. Ob es zu einer solchen diversen Aufstellung der Liga kommen kann, können wir nicht beeinflussen. Der Markt wird es regeln, wenn man ihm lässt. In deutschen Fußball gibt es Vereine mit Investoren, daher gibt es durchaus Möglichkeiten für eine Diversifikation.
Schlussendlich wäre es schön, das es im Frauenfußball beide Arten von Vereinen gibt.