u/deinautor

Ein weiterer Ausschnitt aus meinem Satire und Aufklärungsheft über Online Gurus

Nach nur 24 Stunden in der DM-Pipeline bekam Joel Pascal seine „einmalige Aufstiegschance“. Kevin verkaufte es ihm als Beförderung zum High-Ticket-Closer. Die Realität hinter Joels erstem Arbeitstag sah allerdings düster aus: Über 500 verschickte Mettwurst-DMs, null Abschlüsse, er wurde dreimal direkt als „Hurensohn“ beschimpft und ihm wurde mit einer handfesten Strafanzeige wegen gewerblicher Belästigung gedroht.

​Eigentlich sollte Marc den Call führen. Marc war Kevins Star-Closer, der schon einmal einen Kurs verkauft hatte. Auf Instagram hatte Marc am Vorabend noch ein Reel hochgeladen: Eine riesige Platte mit Garnelen unterlegt mit dem Text „Wer im Fünf-Sterne-Segment schmaust, closed im Fünf-Sterne-Segment 🦐🥂“. Dass das Foto in einem All-You-Can-Eat-Chinesen für 14,90 Euro im Industriegebiet von Bottrop entstanden war und die Garnelen bereits seit vier Stunden in der Lauwarm-Vitrine gelegen hatten, wusste nur Marcs Magen.

​Und dieser Magen kollabierte punkt 14:00 Uhr.

​Im Zoom-Call saß Sebastian (34). Ein gebrochener Mann. Seine Frau hatte ihn vor drei Wochen verlassen, das gemeinsame Reihenhaus stand kurz vor der Zwangsversteigerung, und er saß auf 40.000 Euro Schulden. Sebastian suchte verzweifelt nach einem Strohhalm, um sein Leben zu retten.

​Statt eines gestandenen Verkaufs-Pros blickte Sebastian jedoch in das feuchtschwitzige, kreidebleiche Gesicht des 18-jährigen Joel Pascal. Joel saß zitternd vor seiner Webcam, die Hände feucht, das gedruckte Skript in den zitternden Fingern.

​„Äh... Hallo Sebastian“, stammelte Joel völlig überfordert. „Bist du... bist du bereit, deine Glaubenssätze zu zertrümmern? Warum... warum meinst du, dass du gut genug für uns bist?“

​In Kevins Regie-Chat feuerte die WhatsApp-Tastatur im Sekundentakt:

„WAS MACHST DU DA DU SPAST?! DRÜCK DIE WUNDE AUF! FRAG IHN NACH SEINER EX-FRAU!“

​„Äh... wie lange willst du deiner Ex-Frau noch zumuten, dass du... äh... ein Versager bist?“, stotterte Joel schweißgebadet.

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u/deinautor — 9 days ago

Mein erstes Buch, bitte um Feedback

Hey zusammen. Ich bin neu hier. Aktuell schreibe ich mein aller erstes Buch. Es ist eine Satire über die TikTok Gurus die dir versprechen ohne arbeit vom Sofa aus reich zu werden.

Ich möchte damit Leuten helfen die kurz davor stehen auf diese Coaches reinzufallen. Habe angefangen auf Tiktok Inhalte aus dem Buch zu posten aber Ich habe bekomme leider gar keine Rückmeldung.

Ich möchte euch den ein oder anderen Ausschnitt zeigen und würde mich über ehrliche Kritik freuen.

Hier gehts los:

Joel Pascal war gerade frische 18 Jahre alt geworden und hatte vor zwei Monaten seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann geschmissen. Regale einräumen? Pfandflaschen sortieren? Für Joel war das mentale Sklaverei. Seit sechs Monaten konsumierte er exzessiv Content über „Alpha-Mindset“, Selbstoptimierung und Clips von Andrew Tate. Seine Aufmerksamkeitsspanne lag bei viereinhalb Sekunden, aber sein Wille, ohne Arbeit reich zu werden, war unerschütterlich. Er war bereit zu skalieren.

​Beim nächtlichen TikTok-Scrollen traf ihn das Schicksal wie ein Vorschlaghammer: Ein Video von @Kevin_Scale_Official.

​Kevin – im enganliegenden C&A-Sakko auf einem Balkon im Dubai-Hinterland – starrte mit finsterem Blick in die Kamera. Über dem Video schwebte in fetten, gelben Neon-Buchstaben die Zeile:

​„Wenn du wissen willst, wie du mit 18 Jahren ohne Eigenkapital 10k im Monat machst: Kommentiere JETZT mit 'METTWURST' und ich schicke dir mein exklusives System direkt in die DMs! 🔥🚀“

​Joel scrollte in die Kommentare. Da standen sie bereits untereinander: 147 völlig verwirrte Jugendliche, die alle stur das Wort „mettwurst“, „Mettwurst Bro“ oder einfach nur „METTWURST“ in die Tastatur gehämmert hatten. Für Joels Gehirn war das der ultimative Beweis: Das ist der Code. Das ist die geheime Formel.

​In der automatisierten DM erklärten Kevin und sein KI-Bot schließlich, worum es wirklich ging: Setting und Closing. Die Königsdisziplin der Millionäre.

​Joel war völlig fasziniert. Was er nicht ahnte: Kevin war zwei Jahre zuvor mit seinen Eltern im All-Inclusive-Pauschalurlaub an der Wüstengrenze im Hinterland von Dubai gewesen. Kevin hatte sein gesamtes Erspartes aus der Versicherungszeit geopfert, um sich vor Ort für 15 Minuten vor einer Yachthafen-Kulisse filmen zu lassen, während seine Mutter im Hintergrund genervt die Sonnencreme hielt.

​Für Joels Gehirn griff hier die volle Breitseite der Verkaufspsychologie:

  1. ​Der Confirmation Bias (Bestätigungsfehler): Joel wollte unbedingt glauben, dass eine Ausbildung Schwachsinn ist. Kevins Content war der perfekte Beweis für Joels faule Ausreden.

  2. ​Die Social-Proof-Falle:„Wenn 147 andere 'Mettwurst' schreiben, kann das kein Betrug sein!“

​Doch dann kam der Dämpfer im Zoom-Call: Das „Master-Setting-Mentoring“ kostete knackige 4.500 Euro.

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u/deinautor — 10 days ago