Mental load und einseitiges Gefühl in Ehe
Mein Mann Arbeit dauerhaft in der Nachtschicht bei einem Autohersteller. Seine Arbeitszeiten sind 22 bis 6 Uhr, Sonntag abends bis Freitag morgens. Ich arbeite montags bis freitags 7 bis 15 Uhr.
Er hat schon sein halbes Leben lang mit Insomnia zu kämpfen und kann nach der Arbeit nicht sofort einschlafen. Das führt dazu, dass er erst sehr spät aufwacht. Ich kann den ganzen Tag über nichts (im haushalt) machen und versuche nicht zu viel Lärm zu verursachen, da er von jeder Kleinigkeit wach wird. Rücksichtnahme dem anderen gegenüber sozusagen.
Am Wochenende schläft er dann auch so lange, weil er dann nachts wach ist. So etwas wie Bettwäsche waschen (mit Bettdecke, er schwitzt wahnsinnig viel) ist dann fast nahezu eine Unmöglichkeit. Auch regelmäßig staubsaugen.
Ich muss vorweg sagen, dass ich wirklich anstrengend und nörgelnd geworden bin anstatt in Ruhe und es liebevoll zu kommunizieren. Das sind alte Verhaltensmuster, auch teilweise von den Eltern so gezeigt haben (soll keine Ausrede sein). Ich versuche daran zu arbeiten, leider verfalle ich schnell in alte Muster zurück. Wir streiten uns deshalb sehr oft. Und er meint nur „ok“ und es ändert sich nichts. Auch haben wir ein anderes Sauberkeitsempfinden. Ich übernehme das Putzen zuhause und er kocht für sich (ich bin Vegetarier, er isst viel Fleisch). Für die Wäsche bin ich auch zuständig. Er zahlt fast alle Fixkosten. Ich plane unseren Urlaub. Damit habe ich keine Probleme.
Es geht mir auch um so Kleinigkeiten wie Geschirr in die Spülmaschine räumen, Krümmel, Chia Samen von der Küchenarbeitsplatte wegzuräumen, seine Körperbehaarung etwas in den Griff bekommen (Haare landen auf der Küchenarbeitsplatte, in den Küchenschränken etc). Er meint ich bin nur am rumnörgeln. Er macht aber einfach nichts, ich muss ihn jedes Mal darauf ansprechen. Und ich bin es leid.
Ich bin nicht perfekt und arbeite an meinen Schwächen. Ich möchte nicht mehr mein Leben komplett nach anderen richten. Nicht falsch verstehen, natürlich geht man in einer Partnerschaft Kompromisse ein und richtet sich teilweise nach dem anderen. Für mich fühlt es sich aber sehr einseitig an.
In der Vergangenheit habe ich während wir gestritten haben sogar das Wort Scheidung benutzt und bereue es zutiefst. Ich möchte daran arbeiten und nicht die Beziehung gleich beenden. Jemand meinte mal ich sei avoidant und ich kann es verstehen.
Mein Mann ist ein lieber Mensch und fängt keinen Streit von sich aus an. Er benutzt auch nie Schimpfwörter. Hat auch Kindheitstrauma. Ich würde ihn als sehr passiven Mensch bezeichnen.
Ich weiß nicht was ich mit diesem Post bezwecken wollte. Über Tipps, wie man mit dieser Situation umgehen kann, wäre ich euch sehr dankbar. Gerne könnt ihr auch von euren Erfahrungen berichten.
Edit: Ich bin ganz überwältig von euren Antworten. Vielen lieben Dank für euren Zuspruch, das bedeutet mir sehr viel. Und auch für die ganzen Vorschläge 🙈