Brodem
Wie sehr er ihren Duft vermisste. Sie roch nach Mandelholz und Jasmin. Er griff gerne in ihr Haar, spürte die Lockenpracht in seinen Händen. Es duftete nach Moschus und Talg. Jetzt war da eine Leerstelle. Das Kissen roch nach ihm, der Duft war verloren. Er erkannte ihren Geruch nicht. Jeder andere Mensch dünstete anders. Nur ihren Duft trug niemand. Er suchte sie, folgte dem Jasmin, der vermischte sich mit Kokos. Ihre üppigen Hüften waren ihm zuerst an ihr aufgefallen. Der Duft ihrer Brust - warm und mild. Ihre Lippen schmeckten nach Freiheit. Ihre Augen glitzerten in der Sonne. Ihre Nase hatte einen hübschen Bogen. Sie trug Pelz, der roch nicht nur nach ihr, er schmiegte sich gerne an ihre Brust. Das weiche Fell erregte seine Sinne. Sie lachte ihn aus, weil er mit ihr kuscheln wollte. Der erste Bruch im Glas. Der erste Splitter im Fragment der Erinnerung. Sie war alles und nichts. Ihre Sommersprossen fand sie abscheulich. Ihre Brust war ihr nicht groß genug. Ihre Lippen nicht voll genug. Das Haar spröde. Er sah darüber hinweg. Fand sie bildschön. Sie konnte seine Schmeicheleien nicht ertragen. Er fand das nicht schlimm. Sie hasste es. Draußen stand er im Regen. Sie wärmte sich in der Sonne. Er griff nach ihr. Ihre Hüfte nah an seiner. Doch sie empfand nichts. Er glühte, sie blieb kalt. Das Glas bekam Risse. Er erinnerte sich an den Streit. Sie hatte ihn mit ihrer Anwesenheit völlig losgelöst. Das ärgerte sie. Sie knieten. Der Champus kalt. Dann boxte sie ihn. Er lächelte. Sie schlug zu. Er lächelte. Tränen liefen. Sie schüttete den Champus aus und lief weg. Er folgte ihr. Sie schloss sich im Bad ein. Er klopfte. Sie schrie. Er sollte sie in Ruhe lassen. Das Glas zerschmetterte. Scherben schnitten sich in seine Hand. Er blutete. Kein Mandelholz und kein Jasmin. Das Telefon blieb stumm. Ihre Nummer führte ins Nichts. Sie hatte den Anschluss gewechselt. Ihr Duft hielt nicht. Er verflüchtigte sich. Auch jetzt versuchte er zu ergründen, was dazu führte, dass sie ihn verließ. Eine Antwort blieb sie ihm schuldig. Erinnerungen brachen weg. Sie lag auf der Couch. Nippte am Champus. Er beugte sich über sie. Sie wehrte sich. Schlug ihn weg. Kälte breitete sich aus. Nicht zwischen ihnen – in ihr. Der Mann im Park. Seine Hand auf ihrem Bauch. Am nächsten Morgen: Stille. Sie würgte. Er hatte nichts anderes verdient. Ihre Liebe bekam Risse. Sie streifte den Pelz über und ging. Zurück blieb ihr Geruch. Er kroch in jede Ecke, legte sich auf alles. Er bewahrte ihn auf. Die Zigarette. Der Lippenstift. Kirsche. Mandelmilch. Eine Locke. Jasmin. Ein Beutel. Immer wenn er an sie dachte, öffnete er ihn. Atmete ein. Doch der Duft hielt nicht. Er wurde schwächer. Dünner. Fremd. Er kaufte Mandelmilch. Rieb sich damit ein. Sprühte Jasmin aufs Kissen und schlief ein. Sie ertrank, nicht im Wasser, in ihm.