Wo ist mein Kleinstadt-Döner aus den Nullerjahren?
Eigentlich sagt die Überschrift schon alles aus, aber jetzt mal im Detail: Wo ich nicht hingehe, um mir alle paar Wochen mal einen Döner zu holen, kriege ich in der Regel nur noch dieses fancy Gedöns.
Döner war mal ein einfaches, ehrliches Essen - jetzt habe ich die Auswahl zwischen Steak-Döner, Yarrak-Döner, Ente-Maultier am Schwert gegrillt; und nichts davon taugt wirklich mehr als der klassische Döner von früher, das Premium-Fleisch ist meistens trocken, zäh und verhältnismäßig knorpelig, selbst in den bestbewerteten Läden, die ich in meiner Großstadt habe. Auf der Kehrseite wartet hingegen die Vorhölle in Gestalt der braungrauen "Hackfleischmasse", die britischem Donner in nichts nachsteht. So war das früher™ nicht, das damalige Fleisch scheint mir irgendwie zwischen diesen Polen zu stehen.
Weiterhin die Beilagen, wo es früher Salat, Kraut, Zwiebel und Tomate sowie eine Peperoni waren, gibt es nun viel zu oft mariniertes Gemüse, Gurken-Kichererbsen-Salat, gegrillte Süßkartoffel mit Aubergine - fraglos alles lecker, aber das ist nicht Döner "mit allem" und nicht das, was ich suche, wenn ich einen osmanischen Gulaschkanister verdrücken will.
Apropos Kanister: Diese neumodischen halbaufgeschnittenen Rundbrote sind auch katastrophal, erst fällt alles raus und dann sifft man sich noch voll.
Mit den Saucen scheint man dem entgegenwirken zu wollen, ist man schließlich auch immer knausriger mit ihnen geworden - ja, manch einer mag jetzt einwerfen, ein guter Döner braucht kaum Sauce - hier aber muss ich widersprechen: Essen sollte am besten in Sauce ersaufen.
Ich will doch nur meinen 2007er Sultan-Döner aus Rheinhessen zurück. So, rant und Mittagspause vorbei.