u/patdmcrkid

BIDA, weil meine Reitbeteiligung für mich inzwischen mehr Arbeit als Entlastung ist und ich sie eigentlich kündigen möchte?

Ich brauche mal eine möglichst neutrale Einschätzung, weil ich mittlerweile nicht mehr weiß, ob ich als Pferdebesitzerin zu hohe Erwartungen habe oder ob diese Reitbeteiligung einfach nicht funktioniert.

Ich habe eine Kaltblutstute und seit einigen Monaten eine Reitbeteiligung, nennen wir sie Lisa.
Ich habe mir damals eine RB gesucht, weil ich beruflich ziemlich eingespannt bin und zusätzlich eine Weiterbildung mache. Lisa kommt ungefähr zweimal pro Woche, ist 36, hat mit 6 angefangen zu reiten, hatte auch schon mehrere Reitbeteiligungen und hat mit mir und meinem Pferd schon vor der Reitbeteiligung viel zu tun gehabt, weiß eigentlich was meine Vorstellungen sind und war anfangs eigentlich auch bereit diese mit umzusetzen.

Mein ursprünglicher Gedanke war ziemlich simpel:

An diesen zwei Tagen habe ich Entlastung und weiß gleichzeitig, dass mein Pferd sinnvoll beschäftigt wird.

Inzwischen habe ich allerdings immer häufiger das Gefühl, dass mir die Reitbeteiligung mehr Arbeit und mentale Belastung macht, als sie mir tatsächlich abnimmt.

**1. Sehr viel Spazierengehen**

Lisa geht mit meiner Stute überwiegend spazieren.
Grundsätzlich habe ich damit überhaupt kein Problem. Ich gehe selbst gerne mit ihr spazieren und finde das als Abwechslung auch wichtig. Ich habe aber eine RB für zwei Tage pro Woche und wünsche mir, dass an diesen Tagen auch mal geritten, longiert, Bodenarbeit oder Stangenarbeit gemacht wird.

Ich möchte dabei nicht jeden einzelnen Tag vorschreiben, was sie tun soll. Im Gegenteil: Genau dieses ständige Überlegen und Vorschlagen möchte ich eigentlich nicht haben.

Ich habe ihr trotzdem schon mehrfach Möglichkeiten und Ideen genannt, was sie mit meinem Pferd machen könnte.

**2. „Bodenarbeit“ bzw. Laufenlassen**

Ein weiteres Problem ist, dass wir offenbar sehr unterschiedliche Vorstellungen von Bodenarbeit haben.
Wenn Lisa sagt, dass sie das Pferd „laufen lässt“, bedeutet das nach meinem Eindruck teilweise, dass sie meine Stute über den Platz scheucht, bis sie sehr aufgeregt bzw. teilweise fast panisch wirkt.

Das möchte ich ausdrücklich nicht.

Für mich bedeutet Bodenarbeit eher ruhiges, gezieltes Arbeiten: Führübungen, Stangen, Seitengänge vom Boden, Übergänge, Aufmerksamkeit, Gelassenheitsübungen usw.

Dadurch habe ich inzwischen auch bei dem Punkt „Dann mach doch einfach Bodenarbeit“ kein wirklich gutes Gefühl mehr.

**3. Reitstunden und plötzlich auftretende Beschwerden**

Lisa ist grundsätzlich gesund und kann mein Pferd auch reiten.

Auffällig ist für mich allerdings, dass sie gerade dann, wenn eine Reitstunde ansteht, immer wieder unterschiedliche Beschwerden hat und deshalb in der Stunde nur Schritt reiten möchte.

Natürlich kann ich nicht beurteilen, wann jemand tatsächlich Schmerzen hat, und ich möchte auch niemandem vorschreiben, trotz Schmerzen zu reiten.
Unser Reitlehrer hat auch überhaupt kein Problem damit, eine Stunde nur im Schritt zu gestalten. Seine Aussage ist allerdings sinngemäß: Wenn Schritt geritten wird, dann soll auch **richtig gearbeitet** werden und nicht einfach 45 Minuten herumgebummelt werden.

Genau daran scheitert es dann aber häufig. Mein Pferd läuft wenig über die Hinterhand und es wird viel eher „rumgejuckelt“, statt aktiv im Schritt gearbeitet.

Jetzt wollte Lisa wieder eine reine Schrittreitstunde bei unserem Reitlehrer. Er sagte ihr, dass er nicht wisse, was er in dieser Situation 45 Minuten ausschließlich im Schritt mit ihr machen solle, und bot stattdessen Bodenarbeit an.
Daraufhin schrieb sie mir, dass sie jetzt erstmal schauen müsse, weil sie Bodenarbeit eigentlich nicht machen wolle und ihr Ziel eben eine Schrittreitstunde gewesen sei.

Und ich saß wieder da und dachte: Was genau soll ich jetzt eigentlich damit anfangen?

**4. Sie hat sich mit meinem Pferd zu einem Kurs angemeldet, ohne mich zu fragen**

Das war für mich einer der Punkte, bei denen ich wirklich sauer geworden bin.

Bei uns am Stall wurde ein Kurs angeboten. Lisa hat sich dafür einfach angemeldet und dabei vorausgesetzt, dass sie meine Stute dafür benutzen kann.

Sie hat mich vorher nicht gefragt, ob es für mich in Ordnung ist, dass mein Pferd an diesem Kurs teilnimmt.
Ich wurde im Grunde vor vollendete Tatsachen gestellt.
Für mich ist das eine klare Grenze. Es ist mein Pferd und völlig unabhängig davon, ob ich den jeweiligen Kurs grundsätzlich gut oder schlecht finde, möchte ich **vorher gefragt werden**, bevor jemand mein Pferd für einen Kurs einplant.

**5. Kommunikation und allgemeine Belastung**

Es gibt darüber hinaus immer wieder kleinere Situationen und Absprachen, durch die ich Lisa insgesamt als ziemlich anstrengend empfinde. Z.B. dass sie wenn sie keine RB-Tage hat trotzdem am Stall ist und mein Pferd betüttelt, mein Pferd ohne Absprache einfach füttert obwohl es ein Grund hatte dass es an dem Tag nichts zu fressen bekommt und noch viele andere kleinere Situationen. Manchmal kommt es mir so vor sie kann nicht zwischen „Reitbeteiligung“ und „eigenes Pferd“ abgrenzen…

Und genau da liegt mittlerweile mein eigentliches Problem:

Ich wollte eine Reitbeteiligung als Entlastung.

Stattdessen beschäftige ich mich gefühlt ständig damit, was sie mit meinem Pferd macht, was sie nicht machen möchte, was ich ihr vorschlagen könnte, ob bestimmte Dinge für mich noch in Ordnung sind und wie ich etwas anspreche, ohne dass daraus wieder Drama entsteht.

Ich ertappe mich mittlerweile regelmäßig bei dem Gedanken:

**Wenn ich an ihren zwei Tagen einfach selbst zum Stall fahren würde, hätte ich wahrscheinlich weniger Arbeit damit.**

Und gleichzeitig frage ich mich, ob genau DAS vielleicht mein Fehler ist.

Denn: Sie behandelt mein Pferd nicht grundsätzlich schlecht. Sie kommt und beschäftigt sich mit ihr. Meine Stute wird nicht vernachlässigt. Und vielleicht bin ich als Besitzerin einfach zu anspruchsvoll oder möchte zu viel Kontrolle darüber haben, was mit meinem Pferd gemacht wird.

**Jetzt kommt noch die zwischenmenschliche Komponente dazu:**

Schon als Lisa meine Reitbeteiligung wurde, gab es einiges an Drama. Deshalb rechne ich ehrlich gesagt damit, dass es auch Drama geben könnte, wenn ich die RB beende.

Mittlerweile kennen wir uns außerdem auch privat und sie ist zu meiner Hochzeit im Dezember eingeladen.

Ich brauche die Reitbeteiligung momentan noch, weil ich neben meinem Vollzeitjob eine Weiterbildung mache. Ende Oktober bin ich damit fertig. Danach könnte ich mein Pferd grundsätzlich wieder komplett selbst übernehmen und brauche eigentlich keine RB mehr.

In unserem Vertrag stehen zwei Wochen Kündigungsfrist.

Momentan überlege ich deshalb, die Reitbeteiligung noch bis zum 31.12. laufen zu lassen. Dann wäre meine Hochzeit vorbei und ich könnte ihr gegenüber einfach begründen, dass meine Weiterbildung abgeschlossen ist und ich mein Pferd ab dem neuen Jahr wieder komplett selbst übernehmen möchte.

Andererseits fühlt es sich auch komisch an, die nächsten Monate so weiterzumachen, obwohl ich innerlich eigentlich schon an dem Punkt bin, dass ich keine Lust mehr auf diese Konstellation habe.

Und ich möchte sie auch nicht nur deshalb bis Dezember behalten, weil ich Angst vor ihrer Reaktion bzw. möglichem Drama vor meiner Hochzeit habe.

**Deshalb: BIDA?**

Bin ich als Pferdebesitzerin zu kontrollierend und erwarte zu viel von einer Reitbeteiligung?

Müsste ich einfach akzeptieren, dass sie an ihren Tagen überwiegend spazieren geht und andere Vorstellungen von der Beschäftigung mit meinem Pferd hat, solange es dem Pferd grundsätzlich gut geht?

Oder ist es legitim zu sagen: Eine Reitbeteiligung soll mich entlasten und wenn ich inzwischen das Gefühl habe, dass ich ohne sie weniger Arbeit und Stress hätte, passt es einfach nicht?

Und wäre es unfair von mir, die RB bewusst noch bis Ende Dezember weiterlaufen zu lassen, obwohl ich jetzt schon ziemlich sicher weiß, dass ich sie danach beenden möchte?

Und wenn ich Lisa kündigen sollte, was ist die Begründung für die Kündigung?

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u/patdmcrkid — 6 days ago