u/pe1nl1ch

Schließen sich Karriere und Gleichberechtigung aus?

Wenn ich beobachte, wer in meinem Umfeld besonders schnell aufsteigt, dann sind das häufig Menschen, die entweder keine Kinder haben oder deren Partner den Großteil an Erziehung/Haushalt übernimmt. Grund scheint mir zu sein, dass Karriere eben nicht nur (aber auch) von Kompetenz abhängt, sondern von hoher Flexibilität und der Bereitschaft zur informellen Mehrarbeit ("positiver Arbeitszeitbetrug"): Menschen arbeiten offiziell 100 %, tatsächlich aber deutlich mehr (abends, am WE, im Urlaub).

Mir erscheint das nur logisch: Mehr Zeitinvestition und höhere Flexibilität führen zu mehr Output, besserer Abstimmung und höhere Qualität. Gleichzeitig entstehen dadurch aber Nachteile für Personen, die zeitlich weniger flexibel sind. Etwa weil zwei Partner Kinderbetreuung und sonstige Care-Arbeit tatsächlich gleichmäßig aufteilen. Dadurch stellt sich für mich die Frage, ob gleichberechtigte Partnerschaftsmodelle in kompetitiven Karrieresystemen strukturell im Nachteil sind.

Im privaten Kreis wurde ich schon darauf verwiesen, dass sich ungleiche Rollenverteilungen oft schon früh entwickeln, meist bevor konkrete Beförderungen anstehen. Für mich spricht das allerdings nicht gegen den Zusammenhang, weil spätere Karrierepfade und Erwartungen an Verfügbarkeit ja ebenfalls früh antizipiert werden. Die Rollenverteilung entsteht dann möglicherweise schon im Vorfeld unter dem Eindruck späterer Karriereanforderungen.

Sofern in gleichberechtigten Partnerschaften beide Karriere machen, sehe ich wiederum folgende Muster:

- Eher kinderlose Paare oder die Großmutter übernimmt.

- Späte Elternschaft, also nach den entscheidenden Karrierephasen.

- Eher hochgebildete Paare in stark nachgefragten Branchen, wo Konkurrenz weniger wird.

- Eher mittlere Karrierepfade.

Mich interessiert deshalb, wie belastbar die Annahme ist, dass sich Karriereanforderungen und gleichmäßige Care-Arbeit langfristig problemlos miteinander vereinbaren lassen. Oder machen wir uns da gesellschaftlich etwas vor?

reddit.com
u/pe1nl1ch — 2 days ago
▲ 42 r/buecher

Sind korrekte Grammatik und Wortwahl noch verbindliche Qualitätsmaßstäbe in Publikumsverlagen oder werden sie heute sogar bewusst lax behandelt, um "volksnah" zu sein?

In vielen Bestsellern (sowohl Übersetzungen als auch im Original Deutsch) fallen mir sehr häufig Verletzungen der Konjunktivregeln, falsche Tempusformen, die Verwendung von "scheinbar" in der Bedeutung von "anscheinend" oder "sich erschrecken" statt "erschrecken" auf.

Ist das nur, weil man aus Kostengründen auf ein sorgfältiges Lektorat und gute Übersetzer verzichtet? Oder akzeptiert man heute bewusst umgangssprachliche Formen? Ich könnte das durchaus verstehen, dass man Bücher so veröffentlicht, wie eben der Sprachgebrauch der breiten Öffentlichkeit ist. Nur vor etwa zwanzig Jahren hätten selbst Groschenheftverlage um ihren Ruf gefürchtet.

reddit.com
u/pe1nl1ch — 3 days ago

Kann man seinem Vorgesetzten sagen, dass man mit der beruflichen Entwicklung unzufrieden ist?

Ich habe in einem mittelgroßen Medienunternehmen einen neuen Bereich aufgebaut. Auch über anfängliche Widerstände hinweg. Das war extrem anstrengend, aber auch erfüllend.

Je mehr allerdings ins Laufen kam, desto mehr wurde mir strategische Verantwortung abgenommen. Das fiel dann ins Aufgabengebiet höherer Ebenen. Über zwei Jahre hinweg schlich sich so eine stille Degradierung voran.

Jetzt soll sich meine Rolle erneut verändern und zwar in eine Richtung, die überhaupt nichts mehr mit meinen Fähigkeiten und Interessen zu tun hat. Das Ding ist: Alle scheinen mit mir zufrieden zu sein, man braucht nur nicht noch eine Führungskraft oder einen Strategen.

Da mich diese Entwicklung sehr belastet, bewerbe ich mich seit zwei Jahren parallel. Aber erfolglos. Der Medienmarkt ist schwer angeschlagen und Rollen mit meinem Profil ohnehin rar.

Jetzt frage ich mich, ob ich meinem Vorgesetzten nicht wenigstens deutlich signalisieren sollte, dass ich mit meiner veränderten Rolle unzufrieden bin. Dass ich meine Fähigkeiten woanders sehe.

Oder ist das sinnlos und schwächt meine Position noch mehr?

reddit.com
u/pe1nl1ch — 9 days ago

Warum ist Schach so ein Männersport?

In allen Schachvereinen, die ich kenne, liegt der Männeranteil bei 95 %. Bei den Kindern ist der Mädchenanteil deutlich höher, das fällt dann aber ab der Jugend drastisch ab.

Auch bei internationalen Turnieren gibt es selten Frauen.

Woran liegt das?

reddit.com
u/pe1nl1ch — 14 days ago
▲ 23 r/buecher

Ob in der NZZ, im Spiegel oder auf Klappentexten, seit ein paar Monaten springt mir bei Buchbesprechungen immer häufiger und fast ausschließlich der Begriff "Memoir" entgegen. Heißt das nicht "Memoiren" (als Pluralwort)?

Die Google KI sagt mir, das sei ein neues Genre, das sich in Abgrenzung zu den Memoiren nur auf ein Thema oder einen Lebensabschnitt konzentriert. Aber die verlinkten Quellen sind dürftig und außerdem konnten Memoiren auch früher immer schon sehr fokussiert sein.

Ist das also nur ein neuer Anglizismus oder ein pseudointellektuelles Modewort oder wirklich eine neue Kategorie?

reddit.com
u/pe1nl1ch — 16 days ago

Ob in der NZZ, im Spiegel oder auf Klappentexten, seit ein paar Monaten springt mir bei Buchbesprechungen immer häufiger und fast ausschließlich der Begriff "Memoir" entgegen. Heißt das nicht "Memoiren" (als Pluralwort)?

Die Google KI sagt mir, das sei ein neues Genre, das sich in Abgrenzung zu den Memoiren nur auf ein Thema oder einen Lebensabschnitt konzentriert. Aber die verlinkten Quellen sind dürftig und außerdem konnten Memoiren auch früher immer schon sehr fokussiert sein.

Ist das also nur ein neuer Anglizismus oder ein pseudointellektuelles Modewort oder wirklich eine neue Kategorie?

reddit.com
u/pe1nl1ch — 16 days ago

Wenn man sich den Google Discover Feed anschaut oder die automatisierte Werbung auf Webseiten: Keiner verbreitet so viel Schrottwerbung mit falschen Gesundheits- und Abnehmversprechen, gefakten Videos über Wunderwerkzeuge usw. wie Google Ads. Und das fast ausschließlich und ohne jeglichen Bezug zu mir als Zielgruppe.

Warum ist das so? Ich weiß, da gibt es eine automatisierte Börse, die Werbung je nach Auslastung und Gebot ausspielt. Aber müsste Google mit all seinen personenbezogenen Daten nicht gerade hochwertige, zielgenaue Kampagnen anziehen? Warum scheint der größte Plattformbetreiber der Welt so unattraktiv für seriöse Werbetreibende zu sein?

reddit.com
u/pe1nl1ch — 16 days ago