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A13 Beamter

Weil viel über öD und Beamte geschrieben wird möchte ich meine Perspektive einbringen. Bin als IT-ler A13hD in einem der Länder verbeamtet.

Während meines Studiums habe ich verschiedene Sachen in Selbstständigkeit ausprobiert. Dabei fand ich oft direkte Korrelation von Input (Arbeit) und Output (Geld) gut und motivierend. Es war aber auch leider alles zu nieschig um darauf eine dauerhafte Existenz aufzubauen. Anfang '22 als Informatik Master auf Bewerbungsphase. War dann nach einigen sinnlosen Bewerbungsrunden genervt und hatte auch abseits meiner eigentlichen Wunschziele gesucht und auch auf öD Stellen Bewerbungen raus geschickt.

Auf die Bewerbung bei einer Landesverwaltung ziemlich schnelle Reaktion. Volle IT-Zulage ohne verhandeln. Die Stelle war mit Befristung und sollte eigentlich nur als Übergang dienen bis ich in der freien Wirtschaft was interessantes finde. Kurze Zeit später bot sich die Möglichkeit eines internen Wechsels in der Landesverwaltung. Neue Stelle unbefristet mit späterer Möglichkeit zur Verbeamtung. Im Bewerbungsverfahren durchgesetzt. Kurz nach dem Vollenden der Mindestzeit Verbeamtung auf Probe.

Bin aktuell in A13. Kann ohne einen Wechsel theoretisch bis A15 aufsteigen. Das wird min. 10 Jahre dauern wahrscheinlich eher mehr.

Innerhalb meiner Behörde sind meine Kollegen und ich die IT. Ich bin die Zwischenebene unter mir sind die 10 Sachbearbeiter die ich anleite und über mit ist die Führungskraft der gesamten Organisationseinheit, drüber geht es mit Abteilungsleitern etc weiter. Von Bereitstellung der Hardware am Arbeitsplatz über Netzwerk, Virtualisierungscluster, Storage, Backup, Server-, Nutzerbetreuung und der technischen Bereitstellung der Fachverfahren machen die Kollegen alles bei uns. Einiges wird innerhalb der Landesverwaltung geteilt und wir administrieren nur unseren Part im Verzeichnisdienst, Exchange etc. Wenn Sachen wirklich speziell werden wird eigentlich immer ein Dienstleister ins Boot geholt.

Techstack ist veraltet. Alles onprem. Keine Clouddienste. Papierkram kommt auch nicht zu knapp. Ein Kollege hat Stempel auf dem Schreibtisch um Rechnungen zu stempeln die ich abzeichne. Max. 2d WFH/w nicht sammelbar. Gleitzeit. Die technische Ausstattung bei mir ist sehr gut und ich kann diese maßgeblich beeinflussen.

Die Personalführung ist schwierig. Motivieren und Disziplinieren ist beides nicht über Geld möglich. Man ist als Vorgesetzter zu einem guten Teil auf die intrinsische Motivation des Kollegen angewiesen.

Ein Punkt der mich wirklich stört ist, dass die Vergütung komplett von der Leistung entkoppelt ist. Es gibt am Ende des Jahres nicht 20k Bonus, weil ein Kollege richtig abgerissen hat oder sich halt immer für die Wochenenden/Brückentage/zw. den Jahren meldet. Ebenso gibt es für mich und die Kollegen keine Anreize in anderen Bereichen Stellen weg zu automatisieren, obwohl das sicherlich möglich wäre. Die Fachbereiche selbst haben auch keine Anreize Stellen zu sparen. Entsprechend kommt in der politischen Ebene immer nur an, dass alle ganz überfordert sind. Eingespart wird dann eher willkürlich bzw. quer über alles oder eben gar nicht.

Ein weiteres Problem im öD ist, dass die Führungskräfte oft keine Ahnung von IT haben, weil es Juristen oder Verwaltungsfürsten sind. Das ist bei meiner Führungskraft erfreulicherweise nicht so. Von anderen ITlern habe ich gehört, dass die für Vieles erstmal einen Vermerk schreiben. Ich sehe das größte Problem darin, dass der IT immer weitere Aufgaben und Erwartungen aufgeladen werden es dafür aber keine neuen Stellen gibt, im Gegenteil fallen sogar Stellen weg. In Kombination mit limitierten Führungsmöglichkeiten sehe ich das langfristig als Herausforderung, damit die Kollegen dann nicht irgendwann innerlich kündigen. Einerseits sollen die Kollegen jemandem eine halbe Stunde lang erklären wie er sein Postfach aufräumt, andererseits soll man die Kompetenz vorhalten komplexe moderne Systeme aufzubauen und anzubinden.

Verbeamtung ist der Grund für mich gewesen im öD zu bleiben. Streitbar ob ITler verbeamtet werden müssen. Ohne diese Option wäre der Arbeitsplatz aber nicht attraktiv genug um einige Kollegen oder mich zu halten. Ich sehe es als Schmerzensgeld für den ganzen Unsinn den man sich so geben muss. Die reine TVL Tarifbezahlung ist in den IT und Führungspositionen der absolute Witz. Als Beamter Unkündbarkeit, Pension, Familienzulage, kennt jeder. Weniger bekannt ist, Öffnungsaktion. Mit Vorerkrankungen die es normalerweise sehr teuer oder unmöglich machen in die PKV zu kommen könnt ihr über die Öffnungsaktion trotzdem in die PKV, der Risikozuschlag ist dann auf 30% gedeckelt. Schön ist auch die spätere Rückerstattung der Rentenbeiträge. Da ich nur in der kurzen Tarifzeit in die Rentenversicherung eingezahlt habe kann ich mir meine Rentenbeiträge (nur AN-Teil) erstatten lassen.

Weiter nach oben wird man zumindest bei den Ländern immer weiter weg von den eigentlichen IT Aufgaben kommen. Um auf eine A16 und später höher kommen zu können muss man im Normalfall vorher A15 sein. Die Anzahl solcher Stellen die für ITler zugänglich ist, ist stark begrenzt. Auch wenn man wie ich bereits auf einer A15 fähigen Stelle sitzt muss man erstmal in dieses Amt befördert werden. Für viele ist der Sprung auf so eine Stelle etwas das erst später passiert. Das man Anfang / Mitte 30 auf so einer Stelle landet scheint eher die Ausnahme zu sein. Möglicherweise gibt es beim Bund mehr gut bewertete Stellen für Spezialisten in denen man nicht führen muss.

ÖD liebt Abschlüsse. Ohne Master führt kaum ein Weg in den höheren Dienst. Man nutzt von seinen Skills dann wenig, weil man mehr für das Führen bezahlt wird. Im Gegenzug läuft man in anderen Bereichen auf, weil einem das Wissen zu Verwaltung und Juristerei fehlt. Die Laufbahn des gehobenen Diensts geht ab dem Bachelor los. Dort startet man in A9 und wird über A12/A13 nicht hinauskommen.

personal sidenote mit dem Hintergrund der ehemaligen Selbstständigkeit fühle ich mich auch heute noch einem schlanken Staat verbunden. Ob man in das öD Mindset über die Zeit richtig reinkommt bzw das überhaupt will kann ich nicht sagen. Das endlose Gelaber und Abwägen statt einfach mal zu machen ist wirklich schlimm. In Teilen verabscheue ich meinen Arbeitgeber auch dafür, dass dieses System an vielen Stellen Fehlanreize setzt.

tl;dr: Würde vom öD nicht generell abraten, aber von dauerhafter Anstellung im Ländertarif als Master. Verbeamtung im höheren Dienst kommt mit Führungsaufgaben und Reduktion der IT-Tätigkeit. Wenn ihr die Möglichkeit habt den Berufseinstieg im Consulting, IGM oder bei US Firmen zu machen würde ich das dem öD immer vorziehen. Ansonsten muss man als Beamter damit leben, dass jeder eine Meinung zum Beamtentum aber ggf. nicht viel Ahnung hat. Dafür bekommt ihr von den Kollegen nach der Ernennung gleich das Widerspruchsschreiben gegen eure Alimentation. Es wird euch online gerne vorgerechnet, dass euer Brutto-Äquivalent bei 1337 Kindern in Mietstufe drölf quasi 1 Mrd wäre. Aktuell bekomme ich ~4,1k netto abzüglich PKV solo, ohne Kinder.

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u/pillyourself — 15 hours ago